THE RESURRECTION CLUB – SURVIVAL [VÖ: 20.02.2026] [Album-Review]
Nach fast vier Jahrzehnten feiern The Resurrection Club mit „Survival“ eine beachtliche Rückkehr.
Mit Post-Punk und Ambient durch Raum und Zeit
Wer sich nach fast 40 Jahren zu einer Reunion bzw. zu einer Neugründung entschließt, hat entweder etwas zu beweisen oder etwas zu erzählen. Bei The Resurrection Club trifft definitiv Letzteres zu. Und auch wenn dieses Projekt, rein oberflächlich gesehen, nicht ganz unserem vermeintlichen Härtegrad entspricht, möchten wir euch TRC gerne mal vorstellen. Los geht’s!
Die Rückkehr eines verlorenen Kapitels
Bei dem Projekt The Resurrection Club handelt es sich um die zwei schottischen Musiker Martin McLeish und Morris Fraser, die in den frühen 80ern mit ihrer Band The Plastic Flies in der Glasgower Post-Punk-/Indie-DIY-Bewegung aktiv waren, bevor sich dort ihre Wege für lange Zeit trennten. Anscheinend ist diese prägende Zeit aber an den beiden nicht spurlos vorbeigegangen, weshalb sie sich quasi wiederentdeckten und zusammen mit einem weiteren Freund aus alten Tagen, Mike „Spike“ Paterson, beschlossen, ihr Kapitel als The Resurrection Club weiterzuschreiben – über den Globus hinweg.
So lebt McLeish mittlerweile in Barcelona, während sich Fraser in Edinburgh und Paterson in Melbourne niedergelassen haben. Gut, dass Entfernungen heutzutage keine Rolle mehr spielen. Und so ist „Survival“ mit seinen 9 Songs und 42 Minuten Spielzeit ein kleines Wunder der Ausdauer und immer weiter anschwellender Kreativität geworden, das auf der Bandcamp-Seite von TRC bezogen werden kann.
Neubeginn in Gemeinschaft
Auf „Survival“ legen The Resurrection Club ein Album vor, das sich weigert, in klassischen Songstrukturen zu denken, und ein geschlossenes Klanguniversum entfaltet, das irgendwo zwischen Post-Punk und ambienter Cinematik schwebt. Wobei man sagen muss, dass sich der Post-Punk-Anteil hauptsächlich im (früheren) Mindset der Musiker widerspiegelt oder bestenfalls sehr minimalistisch dem Sound untergeordnet ist.
Vielmehr stehen atmosphärische Synthesizer-Klangteppiche, entrückte Melodien und ruhige Gesangslinien im Vordergrund, die beruhigend, ja fast hypnotisch auf den Zuhörer einwirken. Vielleicht macht genau das die Faszination von „Survival“ aus. Das Album funktioniert so richtig als zusammenhängendes Werk, dem man sich komplett hingeben muss. Dann offenbart es seine ganze Vielfalt mit all seinen Details.
Zwischen Melancholie und Electro-Beat
So ein Detail sind die pulsierenden Bassspuren, die wie ein Herzschlag im Halbschlaf pochen. Die darüber gezogenen Synth-Schleier, die mehr atmen als klingen. Es gibt keine klassischen Hooks, sondern Stimmungen, die dem Album eine faszinierende Aura verleihen.
Wir sehen TRC hier weniger als Post-Punk-Band, sondern vielmehr als EBM-Band mit starkem Ambient-Anteil, die neben den naheliegenden Genre-Bands wie The Soft Moon oder She Past Away zeitweise mehr an Frankie Goes To Hollywood, R.E.M. oder gar an Waltari (in „Rebel Diamond Rat Pack“) erinnern.
Dort verirren sich auch mal E-Gitarren-Riffs (die übrigens von Mike Paterson beigesteuert wurden). Obwohl das so gar nicht richtig ist, denn die Gitarre findet in verschiedenen Intensitäten eigentlich überall statt – mal energischer, mal unauffälliger. Weniger gibt es elektronische Streicher-Einlagen, aber wenn sie erklingen, sind sie effektiv sehr gut positioniert.
Ein Soundbild zwischen Intimität und Weite
Die ganze Produktion klingt bemerkenswert klar, aber zu keiner Zeit steril. Jeder Sound bekommt seinen benötigten Raum und jeder Hall wurde bewusst gesetzt. Das Ergebnis ist eine Mixtur, die gleichzeitig intim wie weit wirkt – ein Kunststück, das so viele Post-Punk-Acts anstreben, aber nur wenige souverän umsetzen.
Thematisch kreist „Survival“ um Isolation, Selbstbehauptung und um das Gefühl, in einer Welt zu leben, die langsam ihre Konturen verliert. Die Texte wirken fast poetisch und anstatt Antworten gibt es Andeutungen und Denkanstöße. Das Album fordert komplette Aufmerksamkeit und belohnt mit einer Atmosphäre, die dich über einen längeren Zeitraum fesselt.
Ganz ohne KI, Internet-Trends und künstliche Glättung („Song Of Innocence“). The Resurrection Club setzen auf Ehrlichkeit als kreativen Gegenentwurf zu unserer schnelllebigen Kultur und priorisieren dabei Neubeginn und Gemeinschaft – weit ab von Influencer-Kulturen, konstruierten Wahrheiten und dem Lärm der Gegenwart. TRC folgen einem Ansatz, der auf Authentizität und klare Haltung setzt.
Das MH-DE-Fazit
Mit „Survival“ liefern THE RESURRECTION CLUB ein Reunion-Debüt ab, das man so nicht alle Tage hört. Statt sich an Genre-Schablonen festzuklammern, erschafft das Trio ein atmosphärisches Klanguniversum, das zwischen Post-Punk-Rest-DNA, EBM-Puls und ambienter Weite schwebt. Die Songs funktionieren weniger als einzelne Tracks, sondern als zusammenhängende Reise, die mit jedem Durchlauf neue Facetten offenbart.
Die klare, bewusst gesetzte Produktion sorgt dafür, dass jeder Sound atmen kann, ohne an Wärme zu verlieren. Genau diese Mischung aus Intimität und Größe macht „Survival“ zu einem Album, das hängen bleibt. Inhaltlich wie musikalisch geht es um Haltung, um Echtheit, um Gemeinschaft – und das spürt man in jeder Sekunde.
Unterm Strich ist „Survival“ ein starkes, gekonntes Werk, das sich nicht anbiedert, sondern seinen eigenen Weg geht. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt ein intensives, ehrliches und überraschend tiefes Album geboten.
Die Tracklist:
01: Every Second Counts
02: Survival Pt 1&2
03: Our Luck´s Run Out
04: State Of Innocence
05: Rebel Diamond Rat Pack
06: Stone Me In Paradise
07: Lancaster Bombers
08: Emergency
09: The Upstage
Katalog:
Band: The Resurrection Club
Album: Survival
Genre: Post-Punk / EBM / Ambient / Alternative
Label: Mak Music LC102617
VÖ: 20.02.2026
Punkte: 8,5 / 10
Nützliche The Resurrection Club-Links
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Bildquellen
- Album-Cover: ©2025 by The Resurrection Club / Superlife Promo Official Press Kit
- Titelbild: ©2025 by Daniel Tinoco / Claroscuro Studio / Superlife Promo Official Press Kit



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