AGENDA – Interview mit Stefan Matschke

agenda interview 2023

AGENDA kommen aus Wuppertal und pflegen seit ihrem Start 2014 einen Mix aus Hard Rock und Heavy Metal der 80er und 90er Jahre, in den sie weitere Einflüsse einweben. Z.B. eleganten Thrash Metal, wie auf dem 2016 erschienenen Debüt Album „Genetic Arts“ zu hören. Im Januar 2020 erschien dann ihr Album „Maverick“. Dazu habe ich damals mit Stefan Matschke (Gitarre und Songschreiber der Band) ein Interview geführt, in dem es um die Anfänge, die Entwicklung der Musik und auch um Wechsel im Line-Up ging.
Besetzungswechsel und andere Turbulenzen haben AGENDA weiterhin begleitet.
Jetzt gibt es ein neues Line-Up, das deutlichen Einfluss auf den Sound der Band haben wird. Das haben AGENDA zum Anlass genommen, die Bandmitglieder kurz vorzustellen. Das war für mich Grund genug, Stefan ein paar Fragen zu stellen. Und er hat mir wieder einmal Rede und Antwort gestanden:

agenda stefan 2.23

„Maverick“ und Berg- und Talfahrt

Vor unserem letzten Interview hattet ihr gerade ein Video zum Song „Imperfect Queen“ herausgebracht. Seitdem hat sich bei euch wieder einiges getan. Auch hinsichtlich des Wechsels im Linie-Up, der auch jetzt wieder Gelegenheit für Fragen gibt. Aber erzähl doch mal: was hat sich bei euch getan, nachdem das Album erschienen ist? Welche Rückmeldungen habt ihr zur Musik und zu den Videos bekommen?

Nunja, im Grunde hatten wir einen gut strukturieren Plan hinsichtlich der letzten Scheibe „Maverick“, die wir im Januar 2020 released haben. Die Rückmeldungen waren größtenteils super, auch wenn es ein paar Hardcore-Metaller gab, die es störte, dass „Maverick“ etwas rockiger war, anstatt Metal, wie auf „Genetic Arts“.

Nach Release war eine Tour im westdeutschen Bereich geplant und die ersten Konzerte haben wir bereits spielen können. Dann kam der März und Saarbrücken waren die Ersten, die wegen der Coronapandemie die Bordsteine hochgeklappt haben. Wir hätten samstags den Gig gehabt und an dem Freitag davor kam die Info durch.

Da war unser Drummer Arndti schon auf dem Weg. Er wollte sich bei der Gelegenheit ein nettes Wochenende in Saarbrücken machen. Er hat sich schön geärgert, als ich ihm gesagt habe, dass der Gig abgesagt ist. Aber Gott sei Dank war er nur die Hälfte der Strecke gefahren.

Und doch noch mal Corona

Corona war ja insbesondere für Künstler im darstellenden Bereich, die die Bühne brauchen, ein tiefer Einschnitt. Zwar gibt es aktuell keine Begrenzungen mehr, aber die Auswirkungen sind ja immer noch spürbar. Wie war und ist das bei euch?

Durch Corona hat sich einiges bei uns gedreht. Insgesamt hat die Motivation deutlich gelitten. Sie ist durch fehlende Auftritt und Proben in den Keller gefallen.

Wie hat sich das konkret bei euch ausgewirkt?

Im Sommer 2020 ist zunächst unser Rhythmusgitarrist ausgestiegen. Aber wie hatten Glück, weil wir schon bald mit Kevin fündig wurden. Ich hatte in der Vergangenheit hin und wieder Kontakt zu ihm. Und daher war mein erster Gedanke, ihn zu fragen. Er ist ein schneller und tighter Rhythmusgitarrist.

Ein Jahr später verließ euch dann euer Bassist und damit auch das letzte Gründungsmitglied außer dir. War es bei ihm auch mangelnde Motivation?

Nein, bei ihm hat es vermutlich zeittechnisch nicht mehr funktioniert. Und während wir neue Songs einstudierten, kam er nicht mehr hinterher. Ich denke es war letztendlich ein Schritt der Selbsterkenntnis. Wir haben dann recht lange gebraucht, um einen passenden Basser zu finden. Mit der Jahreswende zu 2022 haben wir dann unseren Flip (Phillip) empfangen. Ursprünglich ist er Gitarrist, hat aber dementsprechend absolute Power am Bass, was es nur so scheppern lässt. Grandioser Kerl, super talentiert und einfach groß.

Es hätte dann einfach weitergehen können

Dann hätte es ja eigentlich gut weitergehen können.

Ja, aber aus irgendeinem Grund verfolgte uns weiterhin ein Schatten. Denn quasi in dem Moment, als wir wieder vollständig waren, sagte uns Sänger Özzy, dass er aussteigen wird. Fehlende Motivation, Interesse an Musik verloren – wie in vielen Bands zur Coronazeit. Das war auch der größte Schatten, der uns jagte. Wir haben jetzt fast ein ganzes Jahr nach einer neuen Frontperson gesucht.

Da kam ja wirklich eins nach dem anderen. Aber ihr habt trotzdem weiter Songs geschrieben?

Ja, tatsächlich haben wir in der Zeit  viele Songs geschrieben und einstudiert. Ein neues Album ist quasi fertig und wir sind durchaus gespannt, was die Community und Fans zu den neuen Songs sagen. Dadurch, dass ich nun mit 3 neuen Leuten arbeite und unser Drummer sich über die Coronazeit noch unglaubliche Skills aneignen konnte, sind die neuen Songs mächtig stark, das versichere ich. So stark und technisch waren wir mit AGENDA noch nie.

Ihr habt dann einen neuen Sänger gesucht. Was sollte dieser Sänger mitbringen? Was ist dir wichtig an einem Sänger, damit er zu AGENDA passt, den Sound rüberbringen kann, den du dir vorstellst?

Wie von Beginn der Bandgeschichte an: Ganz wichtig ist Melodie! Für mein Verständnis funktioniert gute Musik mit Kontrasten. Wir machen harte Musik mit Thrash-Einflüssen, was uns an den Instrumenten mal schnell, mal groovig, mal schwer macht. Im Gesang müssen dann Konter entstehen. Also meistens, aber nicht immer. Grob betrachtet: Harter Riff, Melodie im Gesang. Für mich muss etwas Prägnantes im Ohr bleiben und auch für den Hörer. Mit Melodien und letztendlich „Ohrwürmern“ funktioniert es am besten. Ob die Melodie nun sauber oder verzerrt gesungen wird, ist vom Song abhängig.

Sänger gesucht – Sängerin gefunden

Du hast erzählt, dass ihr eine Sängerin gefunden habt. Wer ist es? Wie ist sie? Wie/wo habt ihr sie gefunden – oder sie euch? Was bringt sie mit, dass sie zu AGENDA passt?

Ganz genau. Wir haben nun, was viele überraschen wird, eine Sängerin auf der Frontposition. Wir nennen Sie „Gizzy“. Sie heißt aber Kati. Sie hat auf unsere Suchanzeige im Netz reagiert und Kontakt zu uns aufgenommen. Neben dem, was von uns gewünscht war, bringt Sie ein unglaublich großes und überraschendes Portfolio mit, was wir im Songwriting-Prozess natürlich nun mit anwenden möchten. Vom Clean-Gesang mit viel Gefühl, über verzerrten Rocksound, bis hin zum guten Growlen / Fry sreamen ist alles dabei. Vor allem Fry screaming muss gelernt sein. Im extremen Gesangsbereich bin ich immer sehr kritisch und empfinde es oft eigentlich als störend. Doch sie liefert die Dinge so sauber und professionell ab, die einfach überzeugen.

Wird sich nach der Neubesetzung einer für den Sound und als ‚Wiederkennungsmerkmal‘ so wichtigen Position etwas an der Ausrichtung von AGENDA ändern?

An der Ausrichtung im Grunde nicht. Wir haben schon immer Heavy/Thrash Metal mit Melodie gemacht. Mit den neuen Songs allerdings wird es wieder mehr Thrash Metal geben. Wir haben über düstere und persönliche Thematiken geschrieben, die Politik oder die Gesellschaft betreffen. Aber auch Tabuthemen, die jeder kennt, mit denen man jedoch ungern konfrontiert wird. Der Fokus liegt stark auf Gegensätzen, wie z.B. Dunkelheit und Licht, Gut und Böse, eingeschränktes Denken und Freigeist. Es wird schon härter werden, aber jeder wird wissen, dass es AGENDA ist. Die Formel hat sich nicht geändert, nur die Zutaten, die zur Verfügung stehen.

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Female fronted, hard and heavy Metal – Rock?

„Female fronted“ ist ja immer noch ein nur kleiner Teil der Bands. Worauf führst du das zurück?

Das ist eine gute und schwierige Frage. In erster Linie denke ich, dass Sängerinnen generell ungern im Rock/Metal Bereich an den Vocals tätig sind. Dementsprechend gibt es nicht allzu viele, die in Frage kommen. Mag auch sein, dass ich mich da täusche.

Und wie ist es mit der Akzeptanz bei den Metal – Hörern?

Mit der Akzeptanz ist es noch kritischer, würde ich behaupten. Für viele Bands kommt es gar nicht in Frage, eine Sängerin zu haben, weil mit Metal oft immer noch „Härte“ und „Männlichkeit“ verknüpft wird. Das liegt mit Sicherheit auch an den großen Vorbildern, wie Judas Priest, Accept und vielen mehr. Man bedenke nur das Image von Manowar. Starke, durchtrainierte Männer, oberkörperfrei, Leder, Ketten…der Krieger, der zur Schlacht aufruft.

Diese Männlichkeit zieht sich schon von Beginn der Metalzeit an durch die Großen und beeinflusst alle neuen Bands. Damals gab es nur wenige Frontfrauen. Vorreiterin war definitiv Doro Pesch. Viel ist aber in dem Bereich nicht passiert und erst Bands wie Arch Enemy, Eluveitie oder Evanescence haben mehr in diese Richtung gefördert. Ich denke aber auch, dass es nicht endgültig in den Köpfen der Leute angekommen ist. Es gibt aber immer mehr, die das akzeptieren und es auch für gut empfinden.

Du meinst, dass sich bei den Leuten schon was verändert hat?

Die Leute werden immer mehr Freigeister. Und den anderen kann ich nur sagen: Open your mind. Start thinking. Seid nicht verschlossen in eurer „bubble“, das gilt nicht nur für Musik. Das ist auch eine Message, die sich durch das neue Album ziehen wird.

Witze, Sprüche und andere Klopper

Wird sich bei euch etwas ändern durch ein weibliches Bandmitglied? Abgesehen vom Klang?

Nein, wir sind eine Familie und wir wachsen immer mehr zusammen. Wir reden miteinander, wie sonst auch und bei blöden Witzen oder Sprüchen, die sonst vielleicht eher unter Jungs fallen, macht Gizzy einfach mit. Sie sieht es nicht kritisch und haut dann gerne mal einen Klopper nach.

Wann wird es ein neues Album geben?

Wann es ein neues Album geben wird, kann ich nicht genau sagen. Das Ziel ist es, dieses Jahr das Album fertig aufzunehmen. Ob das klappt, wissen wir einfach noch nicht. Derzeit sind knapp 5 Songs einstudiert, 7 geschrieben und 10 Songs sollen es werden. Zwei Singles haben wir bereits aufgenommen. Allerdings muss Kati noch auf die Spuren singen. Das passiert schon zeitnah. Ich denke man könnte eine nächste Studiosession mit weiteren neuen Songs im Sommer anpeilen.

Da bin ich gespannt. Schreibst du die Songs wieder allein oder wie sieht es mit dem Songwriting aus?

Das Songwriting liegt weiterhin bei mir, wobei viele Einflüsse durch die anderen dazu gekommen sind. Gerade durch Kevin, der ein großer Metallica-Fan ist, und ich im Kontrast ein großer Megadeth-Fan, hat sich einiges im Prozess getan. Riffs oder Ideen werden ausgetauscht oder einfach geteilt, sodass man „seinen Senf“ dazu geben kann. Speziell der erste aufgenommene Song ist ein interessanter Mix aus Metallica und Megadeth Einflüssen mit einem Hauch Havok. Ich finde das hört man auch. Es bleibt aber trotz allem ein AGENDA Song, der seinen ganz eigenen Charakter mit sich bringt.

AGENDA scharren mit den Hufen

Mit welchen Themen, die in die Songs einfließen werden, beschäftigst du dich?

Wie bereits erwähnt, ist das Thema Politik und die Gesellschaft mehr in den Fokus gerückt. Natürlich ist Corona ein Thema gewesen, der Lockdown, der Krieg durch Putin in der Ukraine, aber auch Tabu-Themen, wie Depression oder gesellschaftliche Anerkennung, sind dabei. Alles Themen, die durchaus zum Nachdenken anregen und vielleicht, so hoffe ich, den Blick der Leute darauf ändern könnte.

Und was ist mit der Musik? Wird sie eher in die „harte“ oder die „rockige“ Richtung gehen? Oder wird es weitere Akzente geben?

Ich habe ja vorhin schon gesagt, dass es härter wird. Definitiv. Und es wird schneller, technischer, aber auch rollender, sodass Headbanging gefragt ist. Momente für Breakdowns wird es geben, die zu Moshpits, Circlepits oder wie auch immer führen könnten. Jede Menge Spaß für das Publikum. Die größte Entwicklung wird es am Gesang geben, zumal auch Techniken angewendet werden, die wir vorher noch nicht genutzt haben. Dementsprechend nenne ich diese neue Phase auch die „neue Ära“ von AGENDA.

Wann geht es wieder los mit Live-Auftritten? Gibt es schon Termine?

Schon bald. Wir scharren mit den Hufen und wollen unbedingt wieder auf die Bühne. Am 08.April wird es im „Zum Nordpol“ in Schwelm ein kleines Konzert von uns geben, unsere Testphase, das erste Mal mit der neuen Truppe auf der Bühne. Darauf folgt am 06.Mai dann ein großes Konzert im Alleehaus in Wuppertal. Der Eintritt wird frei sein, der Hut geht rum und es spielen vier Bands an dem Abend. Ihr seid alle herzlichst eingeladen.
Alles weitere ist noch in Planung. Wir freuen uns aber auch gerne über Anfragen oder Einladungen.

Dann zunächst einmal danke für das Interview!

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Bildquellen

  • agenda stefan 2.23: AGENDA/Stefan Matschke foto: Christoph Vitt
  • agenda stefan 2.23 – 2: AGENDA/Stefan Matschke foto: Britt Byrnes
  • agenda interview 2023: AGENDA/Stefan Matschke

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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