Long Distance Calling – 20th Anniversary und Releaseparty
Long Distance Calling und die Lichtburg funktionieren wie ein eingespieltes Duo. Die Münsteraner Post-Rocker stehen hier nicht zum ersten Mal auf der Bühne, und man merkt sofort: Das passt. Diese Mischung aus Kino-Patina, Raum und Atmosphäre frisst ihre Musik förmlich auf. Im besten Sinne.
20 Jahre Bandgeschichte und ein frisches Album namens The Phantom Void verlangen nach einem Rahmen, der mehr ist als Club und mehr als Halle. Also: Lichtburg. Roter Teppich vor der Tür, ein Hauch Premierenfeeling. Passt.

Der Saal ist bis auf ein paar versprengte Plätze voll. Über 1200 Leute, und trotzdem diese eigentümliche Ruhe, die nur bei Konzerten entsteht, bei denen alle wirklich zuhören wollen. Kein Dauergequatsche, kein Biergegröle, eher kollektives Abtauchen.
Das Set kommt in zwei Akten. Erst das komplette neue Album am Stück. Kein Stückwerk, keine Singles, sondern einmal durch den Klangfilm. Danach ein Ritt durch die Diskografie, sauber verteilt, fast jedes Album bekommt seinen Moment. Und genau hier passiert das, was Long Distance Calling live so stark macht: Die Leute verschwinden in diesen Soundflächen. Licht und Musik greifen ineinander, alles wirkt durchkomponiert, ohne steril zu werden.

Zwischen den Songs: Stille. Wirklich Stille. Stecknadel-tauglich. Und dann – zack – Applaus, der umso lauter zurückkommt. Das ist kein höfliches Klatschen, das ist ehrlicher Respekt.
Große Ansagen gibt es wie immer nicht. Muss auch nicht. Gitarrist Florian Füntmann übernimmt das Nötigste und sagt Danke. 20 Jahre Band – und das funktioniert nur, weil die Leute immer wieder auftauchen. Klassischer Satz, klar. Aber hier wirkt er nicht wie Pflichtprogramm, sondern wie echte Einsicht. Dieses „Ohne euch gäb’s das alles nicht“ kauft man ihnen ab. Herzzeichen inklusive.
Sound? Glasklar. Fast schon unverschämt sauber. Wie eine sehr, sehr gute Anlage – nur mit Druck im Bauch. Keine Matschwand, keine Experimente, die schiefgehen. Das sitzt.

Nach gut zweieinhalb Stunden ist Schluss. Kein künstliches In-die-Länge-Ziehen, kein nerviges Zugaben-Theater. Draußen in der Lobby geht’s weiter: Merch, die neue Platte schon vor Release greifbar, und, fast schon oldschool, die Band sitzt da und schreibt Autogramme. Keine Barriere, kein „bitte Abstand halten“. Einfach nahbar.
Unterm Strich: starker Abend in einer Location, die genau für solche Shows gebaut scheint. Wer auf diese Band steht und hier fehlt, verpasst nicht nur ein Konzert, sondern ein ziemlich rundes Gesamterlebnis.
Set 1, „The Phantom Void“:
Mare
The Spiral
A Secret Place
Nocturnal
The Phantom Void
Shattered
Sinister Companion
The Very Last Day
Set 2:
Into the Black Wide Open
Immunity
Old Love
Ductus
Black Paper Planes
Skydivers
Out There
Eraser
—
Metulsky Curse Revisited
Fotos
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Bildquellen
- Long Distance Calling 08.04.26 Essen Lichtburg: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de

























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