Testimony Records Festival 2026 im Turock
Das kleine, aber feine Hamburger Label Testimony Records hat sich seit 10 Jahren klassischen Old School Death Metal auf die Fahnen geschrieben und führt in seinem Roster so illustre Namen wie Carnal Tomb, Resurrected, Deserted Fear und viele andere.
Am Samstag, den 31.01.26 lud das altehrwürdige Essener Turock zum Testimony Records Festival, eine schöne Idee, um sich zum Jahresauftakt mal so richtig die Gehörgänge durchwalzen zu lassen. Die mächtigen Asphyx dann noch als Headliner-Zugpferd zu buchen ist geschäftlich ein kluger Schachzug, um ein paar Unentschlossene mehr zu binden.
Rats of Gomorrah starten
Los geht’s mit Rats of Gomorrah, die als Duo auf der Turock-Bühne etwas verloren wirken. Bei Gitarre-Drum-Duos denkt man ja gleich automatisch an Mantar, aber von deren Wucht und Intensität sind die Norddeutschen noch meilenweit entfernt. Leider bleibt von ihrem engagiert und passabel dargebotenen Death Metal-Set aber auch nichts hängen. Das Ganze wirkt wie eine bessere Jam-Session. Lediglich die klaren politischen Statements der beiden fallen auf. Schade, vielleicht beim nächsten Mal…
New World Depression füllen die Halle
Schon beim zweiten Act New World Depression ist der Laden bis in die hinteren Reihen gut gefüllt. Die Band aus dem Münsterland feierte letztes Jahr auch schon 20jähriges Jubiläum und umso euphorischer wurde ihr Auftritt erwartet. Ihr grooviger Death Metal in der Schnittmenge von Bolt Thrower, Grave und Autopsy zündet sofort. Es entstehen die ersten Moshpits und alle nicken fleißig zu dem brachialen Soundgewitter. Das Quintett hat ein gutes Gespür für packende, hymnische Songs wie die Quasi-Hits „Grenadier“ und „Skull Carver“ sowie der mörderisch-intensive Hassbrocken „Burning Down“. Freu mich drauf sie schon in 2 Wochen beim Forge Fire in Recklinghausen wiederzusehen.
Nightbearer zeigen, wo der Hammer hängt
Habt ihr Bock auf Death Metal?? Wer nicht..tja, Pech gehabt!
So der Anheizer von Nightbearer-Rampensau Michael Torka. Das stimmige Intro zeigt schon, wo der Hammer und die Latte hängt. An Selbstbewusstsein mangelt es der talentierten Truppe aus Ostwestfalen jedenfalls nicht. Die Musiker wirken sehr gut eingespielt und besonders Frontsau Torka kann die Power mit seinen grindcoreigen Moves gut rüberbringen, echt sportlich der Typ. Beim Songmaterial fehlt mir so ein bisschen das Alleinstellungsmerkmal, alles so Richtung Dissection, Dismember, alles supertight gespielt, aber ein besonderer Song bleibt leider nicht hängen. Wenn sie es schaffen, noch eigene Stilelemente auf den Grundsound zu bügeln, können sie aber in Zukunft noch richtig groß werden. Das Talent dazu haben sie.
Sculpture ziehen ihr Ding durch
Nach kurzer Umbaupause ging es mit Sculpture aus dem Raum Bielefeld weiter. Die relativ junge Band hat sich in den letzten Jahren durch Fleiß und eifriges Touren bereits eine ordentliche Fanbase erarbeitet. Das teils etwas prollige Auftereten von Frontmann Thorsten passt nicht so ganz zu dem jugendhaften Erscheinungsbild der übrigen Bandmitglieder. Auch musikalisch und konzeptionell finde ich die Ostwestfalen nicht so spannend wie erwartet. Aber man muss ihnen zugestehen, dass sie ihr Ding durchziehen und sich vom Einheitsbrei lösen wollen. Inwiefern das gelingt wird die Zukunft zeigen.
Black Metal Pur von Anthropomorphia
Anthropomorphia sind definitiv die Black Metal-lastigste Truppe an diesem Abend, was Räucherstäbchengestank und das Corpsepaint bereits vermuten lassen. Vor Frontgrunzer Ferry ist zudem ein kleiner Pentagramm-Altar mit okkultem Krimskrams aufgebaut. Dann versinkt alles in grünem Wabernebel und los geht’s Richtung Höllenschlund. Trotzdem: in diesem Fall finde ich die Alben spannender als die Livedarbietung. Irgendwie klang der ganze Gig wie ein einzelner Song. Einzig „Forest Throne“ vom aktuellen Düsterwerk und Testimony-Debut „Devoid of Light“ ging gut rein, weil hier die Mischung aus Death und Black nahezu perfekt austariert ist. Leider insgesamt mehr Aufwand als Ertrag. Vielleicht der Grund warum sie trotz 30jährigen Bestehens (mit Unterbrechung) noch nicht durchgebrochen sind…Das Publikum reagierte eher verhalten, da die Niederländer nicht so recht ins Billing passen wollten und auch nicht viel kommunizierten.
Slaughterday begeistern
Die Welt ist ein Schlachtfeld (J. Finger/Slaughterday)
Und dann: LET THE SLAUGHTER BEGIN: Mann, wie geil sind bitte Slaughterday??
Ich hatte bisher nur ein paarmal reingehört und sie etwas vorschnell als Durchschnittskost abgetan. Shame upon me, heute wurde ich eines besseren belehrt ! Unglaublich mitreißend mit einigen fetten Hymnen: Ob das verspielte „Cosmic Horror“ vom Debüt, das doomige „Cult of the Dreaming Dead“ oder der Titeltrack des gleichnamigen Albums „Tyrants of Doom“: Die sympathischen Ostfriesen überzeugen auf ganzer Linie und spielen für mich ab sofort in der Bundesliga. Ihr wuchtiger, leicht sludgiger Grave/Autopsy-Death Metal gefällt durch Abwechslungsreichtum und songwriterische Qualität. Das Publikum dankt es mit wilden Moshpits und der sichtlich überforderte Security-Mann kommt mit dem Einsammeln der zahlreichen Stagediver gar nicht mehr hinterher. Das können danach nur noch Asphyx toppen. Slaughterday MUSS jeder Old School-Fanatic auf dem Zettel haben. Punkt.
Asphyx – der Hauptact liefert
Um kurz nach 22 Uhr entert dann das deutsch/niederländische Todesgeschwader die Bühne. Drummer Husky hatte bereits schon den ganzen Abend als Drum-Tech den jüngeren Bands zur Seite gestanden. Die Setlist ließ keine Überraschungen zu und so konnte die frenetisch gefeierte Großmacht des europäischen Death Metal ordentlich Altbekanntes abliefern.Granaten wie „Wasteland of Terror“, „Scorbutics“ und „Forerunners of the Apocalypse“ sowie die gewohnt sympathischen Ansagen und Kommentare von van Drunen ließen die Leute steil gehen. So muss das! Bow down to the deathhammer!Nach den obligatorischen Zugaben „The Rack“ und „Last One on Earth“ war die Machtdemonstartion beendet und die verschwitzten Leiber schwankten selig in den angenehm kühlen Winterabend.
Fazit:
Die Bands waren alle unterschiedlich und haben Zeugnis für die Vielfalt innerhalb der eng gesteckten Genregrenzen abgelegt. So muss man sich um die Zukunft der Szene keine Sorgen machen. Das Festival hat auch gezeigt wie aktiv und abwechslungsreich gerade die NRW- Nachwuchs-Szene derzeit ist. Alle Bands waren sehr sympathisch, zugewandt und haben vorbildlich mit dem Publikum interagiert. Gut so! Das sorgt für Zusammenhalt und bildet eine Einheit zwischen Fans und Musikern. Insgesamt eine professionelle und fanfreundliche Veranstaltung, die im nächsten Jahr gerne wiederholt werden darf.
Hier noch einige Bilder vom Festival
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Bildquellen
- Testimony Records Festival 2026 b: nils@metaö-heads.de
- Testimony Records Festival 2026 c: Nils@metal-heads.de
- Testimony Records Festival 2026 d: Nils@metal-heads.de
- Testimony Records Festival 2026 e: Nils@metal-heads.de
- Testimony Records Festival 2026 a: nils@metal-heads.de
- Testimony Records Festival 2026 f: Nils@metal-heads.de







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