Avatar und Co. rockten Köln: Theater, Groove und ein Hauch Hexenzirkel
Wenn Avatar auf Tour gehen, bringen sie selten einfach nur ein Konzert mit – eher eine Art wanderndes Metal-Theater. In Köln wurde das im E-Werk einmal mehr deutlich: Drei sehr unterschiedliche Bands, drei völlig verschiedene Ansätze – und am Ende eine Headliner-Show, die fast zwei Stunden lang zwischen Zirkus, Metal-Party und düsterer Performance pendelte.
Hexenritual zum Auftakt
Den Anfang machte Witch Club Satan, ein rein weibliches Black-Metal-Trio mit klar feministischer Botschaft. Schon der Bühnenauftritt ließ keinen Zweifel daran, dass hier nicht einfach nur Musik gespielt werden sollte, sondern eine bewusst provokative Inszenierung stattfand.
Alle drei Musikerinnen betraten die Bühne zunächst mit rauchenden Requisiten – ob klassisches Räucherwerk oder anderes „Räucherwerk“, blieb unklar, dürfte aber genau so beabsichtigt gewesen sein. Die Reste wurden anschließend demonstrativ ans Publikum übergeben, während die Musik irgendwo zwischen rohem Black Metal, Hexenritual und performativer Kunst oszillierte.
Interessant war vor allem die musikalische Umsetzung: Statt der üblichen Blastbeat-Gewitter setzte die Band auf rotzige, teils fast punkige Strukturen, durchsetzt mit überraschenden Momenten – etwa dreistimmigem A-capella-Satzgesang, der eher an pagane Beschwörungsrituale erinnerte als an klassischen Black Metal. Aber genau deswegen natürlich auch perfekt passte!
Auch optisch setzte das Trio ein Statement: Die Musikerinnen traten mit teilweise entblößtem Oberkörper auf, lediglich die Brustwarzen mit hautfarbenem Tape abgeklebt. Provokation als bewusst eingesetztes Stilmittel.
Im Publikum fanden sich dafür durchaus viele Fans – erkennbar an den zahlreichen Black-Metal-Maniacs im Saal. Gleichzeitig wirkte der Auftritt stilistisch wie aus einer anderen Welt als die folgenden Bands des Abends. Heißt: Viele Gäste dürften primär für Witch Club Satan angereist sein.
Maori-Metal mit Wucht
Deutlich geradliniger ging es anschließend mit Alien Weaponry weiter. Das Trio aus Neuseeland gilt seit einigen Jahren als musikalischer Botschafter der Māori-Kultur und verbindet Thrash-Metal-Riffs und Groove-Metal mit Texten in Te Reo Māori.
In Europa ist die Band vergleichsweise selten zu sehen, was ihren Auftritten einen gewissen Seltenheitswert verleiht – entsprechend hatte sich auch für diese Band in Köln eine eigene Fanbase eingefunden.
Trotzdem wollte der Funke an diesem Abend nicht vollständig überspringen. Die Band wirkte konzentriert, fast abwesend, interagierte kaum mit der Crowd. Statt einzelne Fans anzuspielen oder das Publikum aktiv einzubeziehen, blickten die Musiker eher über die Menge hinweg.
Musikalisch gab es dennoch ordentlich auf die Zwölf. Mit ihrem aktuellen dritten Album „Te Rā“ (VÖ: 28.03.25) haben Alien Weaponry einen spürbaren Stilwechsel vollzogen – stärker in Richtung Metalcore, teilweise auch mit Nu-Metal-Anleihen. Live funktionierte das erstaunlich gut.
Der Sound hatte mächtig Druck, besonders Bass und Bassdrum trafen mit voller Wucht. Insgesamt wirkte der Auftritt sogar noch intensiver als auf Platte – groovig, wuchtig und mit ordentlich Energie.
Avatar: Metal als große Show
Und dann waren da natürlich noch Avatar. Die Schweden sind live längst ein Phänomen für sich. Kaum eine Band schafft es derzeit so überzeugend, Metal mit theatralischer Inszenierung zu verbinden.
Schon beim Opener „Captain Goat“ zeigte sich, wohin die Reise gehen würde: Der ganze Saal sang das Intro sofort mit – ein perfekter Einstieg in eine Show, die fast zwei Stunden lang kaum Luft zum Durchatmen ließ.
Was Avatar besonders macht, ist ihre Liebe zum Detail. Für nahezu jeden Song hat sich die Band kleine oder große Showelemente ausgedacht. Trotz vergleichsweise überschaubarer Bühnenmittel entstand so eine erstaunlich abwechslungsreiche Performance.
Musikalisch pendeln Avatar ständig zwischen verschiedenen Welten. Manche Songs sind dank harscher Vocals deutlich härter, andere leben von der starken, fast schon stadionrock-tauglichen Stimme von Frontmann Johannes Eckerström.
Das Ergebnis: Alles groovt, alles ist tanzbar – und die Stimmung im Saal ist durchgehend ausgelassen. Für Metal fast schon ungewöhnlich.
Insgesamt wirkt die Band sogar so sehr zugänglich, dass man sich fragt, warum sie nicht längst noch viel größer ist. Mit ihrem Mix aus Show, Humor und eingängigen Songs könnten Avatar vermutlich sogar den Eurovision Song Contest problemlos rocken. Mainstream, breitentauglich oder einfach nur auf ihre eigene Weise einfach richtig gut. – Polarisiert? Sicher!
Aber eines steht fest: Diese Band liefert eine verdammt große Show, der man sich kaum entziehen kann!
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Bildquellen
- Witch Club Satan – live Cologne 2026 – 5: (c) 2026 Matt / metal-heads.de
- Witch Club Satan – live Cologne 2026 – 4: (c) 2026 Matt / metal-heads.de
- Witch Club Satan – live Cologne 2026 – 3: (c) 2026 Matt / metal-heads.de
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- Alien Weaponry – live in Cologne 2026 – 1: (c) 2026 Matt / metal-heads.de
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- Avatar – live in Cologne 2026 – Titelbild: (c) 2026 Matt / metal-heads.de













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