Killfest 2019 Oberhausen: Overkill, Destruction, Flotsam and Jetsam, Rezet

Flotsam & Jetsam 19.09.19 Turbinenhalle Oberhausen

Killfest 2019 Part II heißt für mich: Vorfreude. Flotsam and Jetsam sah ich zuletzt 2017 in Osnabrück. Destruction war der Headliner unseres Heimat-Festivals Rage against Racism in Duisburg 2019. Aber Overkill live ist sicher 20 Jahre her.

Also auf zur Turbinenhalle nach Oberhausen. Doors 18:00 Uhr ist natürlich sportlich, ist doch der gemeine Metalhead heutzutage an seinen nine-to-five-Job gebunden. So überrascht es nicht, dass der Parkplatz bei Einlass noch als Bolzplatz nutzbar ist und die Pfandsammler ziemlich lange Gesichter machen.

Rezet: glückliches Warm-Up

Pünktlich um 18:30 entern Rezet die Bühne. Die hatte ich ehrlich gesagt gar nicht auf dem Schirm. Weder für diesen Abend noch im Allgemeinen. Ich erfahre, dass die Thrash Metaller aus Schleswig stammen und bereits seit 2004 am Start sind. Sie haben genau eine halbe Stunde Zeit, die anfänglich geschätzt 200 Gäste auf Betriebstemparatur zu bringen. Von der ersten Minute an geben sie ordentlich Gas und zocken insgesamt sieben Songs, die allesamt handwerklich sauber vorgetragen werden. Im Laufe des Sets füllt sich die Halle deutlich, ebenso steigt die Stimmung mit jedem Song. Sänger und Gitarrist Ricky Wagner war sehr happy darüber, mit seinen Helden von Overkill und Co. auf Killfest 2019 Oberhausen Rezet SetlistKillfest-Tour sein zu dürfen. Letztendlich war der Auftritt ohne Schwächen, aber auch ohne Highlights. Nettes Warm-Up, das die am Ende geschätzt 400 Anwesenden mit ordentlichem Applaus honorierten.

Setlist:

  1. Treadmill to Hell
  2. Deal with it!
  3. Reality is a Lie
  4. Chaos in my Mind
  5. Minority Erazer
  6. Thunder Raiders
  7. Have Gun, will Travel

Flotsam and Jetsam: Spielfreude und Power

Nach einer angenehm kurzen Umbaupause gaben sich die US-amerikanischen Thrasher von Flotsam and Jetsam die Killfest-Ehre. Das Urgestein aus Phoenix, Arizona gab von der ersten Minute an Vollgas. Man merkte Eric A.K, Michael Gilbert und Co. an, dass sie richtig Bock hatten, den Abend zu rocken. Zudem war der Sound in der kleinen Turbinenhalle deutlich klarer als bei den Vorgängern von Rezet. Um es vorweg zu nehmen: für mich der beste Auftritt des Abends. Spätestens mit dem vergleichsweise melodischen Song „Iron Maiden“ ging es vor der Bühne richtig ab und das Publikum belohnte das ehrliche Engagement und die Spielfreude der fünf Herren auf der Bühne. Als das Set nach 45 Minuten mit „No Place for Disgrace“ endete, waren die geschätzt mittlerweile 600 Metalheads in der Halle begeistert. Zufrieden riefen sie nach mehr, was aufgrund des durchgetakteten Zeitplans leider nicht möglich war.

Setlist:

  1. Prisoner of Time
  2. Desecrator
  3. Iron Maiden
  4. Hammerhead
  5. Demolition Man
  6. Suffer the Masses
  7. Recover
  8. I Lie to You
  9. No Place for Disgrace

Destruction: Profis durch und durch

Erneut ging der Umbau flott, wohl auch, weil die ersten drei Bands das gleiche Drumkit spielten. Einige rauchende Besucher standen noch auf der Dachterrasse, als Schmier und seine Jungs die Bühne betraten. Apropos Schmier: unser Chefredakteur hat vor nicht allzu langer Zeit ein echt lesenswertes Interview mit ihm geführt. Seit 35 Jahren thrasht er nun mit Gitarrist Mike durch die Welt, und ich denke, es könnte die Welt um sie herum untergehen, die Jungs würden ihre Show durchziehen bis zuletzt. Immer auf den Punkt, immer Profi durch und durch. Man hat knapp eine Stunde Zeit, viel zu wenig, die Bandgeschichte halbwegs musikalisch wiederzugeben. Zumindest aber genug, um zehn Hits aneinander zu reihen.

Vier thrashen besser als drei

Los ging es natürlich mit „Curse the Gods“, druckvoll bei gutem Sound dargeboten und gut geeignet, die Menge von Anfang an in Bewegung zu bringen. Nahtlos folgt „Nailed to the Cross“ und dann „Born to Perish“, der Titelsong des brandneuen Albums. Ein echter Knaller, der den Spirit der frühen Jahre versprüht und deswegen auch gut zum folgenden „Mad Butcher“ passt. Neben dem kanadischen Schlagzeuger Randy Black, der kraftvoll und kompromisslos die Trommeln bedient, macht auch der zweite „Neue“ Damir Eskic eine gute Figur auf der Bühne. Die Entscheidung für den vierten Mann wird Schmier sicher nicht bereuen, der Schweizer ist eine echte Bereicherung für den Livesound. Zwischendurch wird auch mit dem Publikum geredet, bodenständige Danksagung an die Basis der Heavy-Metal-Bewegung, den Fans. Es geht weiter mit Gassenhausern, die Stunde ist schnell um, die Zuschauer bester Stimmung. Sicher wird Bobby E. hinter der Bühne für die großartige Vorarbeit Killfest 2019 Destruction Setlistgedankt haben.. oder?

Setlist:

  1. Curse the Gods
  2. Nailed to the Cross
  3. Born to Perish
  4. Mad Butcher
  5. Eternal Ban
  6. Inspired by Death
  7. Betrayal
  8. The Butcher Strikes Back
  9. Thrash Till Death
  10. Bestial Invasion

Overkill: Beliebt, aber nicht liebenswert

Während des Destruction-Auftritts habe ich mich etwas gewundert, dass munter Crew-Mitglieder von Overkill über die Bühnenränder gewuselt sind. Der Auftritt des Headliners wurde vorbereitet, ohne dass sich jemand größere Mühe gegeben hätte, im Hintergrund zu bleiben. Respekt vor den anderen Bands sieht nach meiner Einschätzung anders aus. Aber vielleicht bin ich da auch einfach nur eine Pussy. Okay, bevor ich weiter schreibe und mich über Nichtigkeiten aufrege, lasse ich die Katze besser aus dem Sack. Overkill waren die Enttäuschung des Abends. Für mich das Ende eines Mythos. Aber zur Ehrenrettung der Thrash-Legende sei gesagt, das war wohl nur bei mir so, denn die Helden meiner Jugend wurden vom Auditorium richtig ordentlich gefeiert.

Benchmark nicht gerissen

„Live in Overhausen“, der Mitschnitt aus gleicher Location von 2016, hat ordentlich Spaß gemacht und war natürlich vor dem heutigen Abend die Benchmark, die meiner Meinung nach nicht annähernd erreicht wurde. Mittelmäßiger Sound und mittelmäßige Spielfreude reichen dafür einfach nicht aus. Gitarrist Derek Tailer hat sich im Wesentlichen darauf konzentriert, den Fotografen im Fotograben mit Plectren ins Gesicht zu schnippsen. Und die Krönung war der Mensch am Lichtpult, der das Taktgefühl von Onkel Dagobert hatte und ohne Sinn und Verstand – aber mit einer Menge Spaß – wild über die Knöpfe fegte.

Wie auch immer, ich war enttäuscht, alle anderen fanden es gut, also bin ich wohl auf dem Holzweg.

Setlist:

  1. Last Man Standing
  2. Electric Rattlesnake
  3. Hello from the Gutter
  4. Elimination
  5. Bring Me the Night
  6. Head of a Pin
  7. Horrorscope
  8. Under One
  9. Bastard Nation
  10. Mean, Green, Killing Machine
  11. Feel the Fire
  12. Ironbound
  13. Deny the Cross
  14. Rotten to the Core
  15. Fuck You
  16. Welcome to the Garden State

Fazit Killfest 2019

Flotsam and Jetsam rocken, Destruction liefern amtlich ab, Rezet meistern das undankbare Warm-Up gut, Overkill bedienen die Fans zu deren Zufriedenheit 😉

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Bildquellen

  • Rezet 19.09.19 Turbinenhalle Oberhausen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Flotsam & Jetsam 19.09.19 Turbinenhalle Oberhausen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Destruction 19.09.19 Turbinenhalle Oberhausen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Overkill 19.09.19 Turbinenhalle Oberhausen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
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Erste Platte: AC/DC - for those about to rock // Erste CD: IRON MAIDEN - live after death // Meistgehört: METALLICA - kill´em all // Meistgeliebt: QUEENSRYCHE: operation:mindcrime

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