Zwischen Melodie und Abrissbirne: Warum GRAVE INTENTIONS ihr eigenes Genre brauchen
Spätestens seit ihrem Sieg beim Slot Battle des Rage Against Racism Festival dürfte klar sein: GRAVE INTENTIONS gehören aktuell zu den spannendsten Acts der regionalen Szene. Und vielleicht ist jetzt genau der richtige Moment, um einen genaueren Blick auf ihr bereits im letzten Juli erschienenes Debütalbum „Call Of The Void“ zu werfen.

Ein Gedanke zum Einstieg: Vielleicht braucht es genau für Bands wie GRAVE INTENTIONS eine ganz neue Schublade – nennen wir sie mal als Arbeitsbegriff „Melodic Brutal Death Metal“.
Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, bekommt auf „Call Of The Void“ plötzlich Substanz. GRAVE INTENTIONS liefern hier ein Klangbild, das diese beiden Pole nicht nur verbindet, sondern regelrecht neu denkt – nicht als Kompromiss, sondern als konsequentes Konzept.
Melodie trifft maximale Härte
GRAVE INTENTIONS schaffen auf „Call Of The Void“ etwas, das viele Bands versuchen, aber nur wenige wirklich überzeugend hinbekommen: melodische Eingängigkeit mit kompromissloser Brutalität zu verbinden, ohne dass eines das andere verwässert.
Das Fundament ist klar im Melodic Death Metal verankert – doch darüber hinaus passiert deutlich mehr. Eine durchgehende Thrash-Schlagseite sorgt für Tempo und Druck, während einzelne Momente – etwa bei „Tides“ (Anspieltipp Nr. 1!) – in Richtung Blackened Death tendieren. Dazu kommt ein spürbarer Groove, der die Songs erdet und live zünden dürfte (Anspieltipp Nr. 2: „Succession“).
Oder anders gesagt: Das Ding wird mit all diesen feinen Zutaten bei Höllenhitze 37 Minuten lang durch den Ofen gejagt – und kommt perfekt gegart wieder raus.
Kein Einheitsbrei, sondern Struktur und Idee
Was besonders auffällt: Trotz der Härte bleibt das Album klar strukturiert und differenziert. Die Songs leben von Breaks, Dynamikwechseln und vor allem vom kreativen Gitarrenriffing. Hier wird nicht einfach durchgeprügelt, sondern bewusst gestaltet.

Das Ergebnis ist kein breiiger Soundteppich, sondern ein Album, das präzise, abwechslungsreich und durchdacht wirkt – ohne dabei an Wucht zu verlieren.
Haltung statt hohler Posen
GRAVE INTENTIONS sind dabei nicht nur musikalisch interessant. Inhaltlich lässt sich das, was sie tun, durchaus als eine Form von „linkem Death Metal“ beschreiben: gesellschaftskritisch, reflektiert und mit klarer Haltung.
Gerade im Kontext von Veranstaltungen wie dem Rage Against Racism entfaltet das eine zusätzliche Ebene – weil Botschaft und musikalische Energie hier ineinandergreifen.
Frontfrau Jana als Fixpunkt
Seit 2021 steht Sängerin Jana am Mikro – und die Frontfrau hat sich längst als prägende Figur der Band etabliert. Was auf Platte schon überzeugt, hat sie live bereits eindrucksvoll bestätigt: Die Bühne ist ihr Höllenthron.
Ihre brutalen Growls geben dem Sound eine zusätzliche Tiefe und Aggressivität, ohne die melodischen Elemente zu überdecken – genau dieser Balanceakt macht den Reiz der Band aus. (Anspieltipp Nr. 3: „Heresy“)
Fazit: Zeit für ein neues Genre-Label?
Ob man es nun wirklich „Melodic Brutal Death Metal“ nennen will oder nicht – GRAVE INTENTIONS liefern mit „Call Of The Void“ ein Album ab, das genau diese Lücke füllt: Brutal, melodisch, durchdacht – und mit Haltung. Der Sieg beim Slot Battle kommt also alles andere als überraschend.

Wer sich live selbst ein Bild machen will, bekommt in den kommenden Monaten gleich mehrere Gelegenheiten:
- 25.04. – Ruhrpit, Waltrop
- 16.05. – Charity Unleashed, Oberhausen
- 06.06. – Rage Against Racism Festival
- 10./11.07. – Lünen (Alternative Stage, tba)
- 17.07. – Slumcult, FZW

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