Heavy Metal Breakdown 2026 – Essen – Konzertbericht
Mit Greydon Fields, Hard’N’Berg und Evil Tyrant durch die gefährlichste Nacht des Jahres.
Der 09.01.2026 hätte nach Meinung der Medien eigentlich kein Konzerttag sein dürfen. Schneesturmwarnungen, Blitzeis, Verkehrschaos – ein ganzer Tag voller Alarmmeldungen, die klangen, als würde das Ruhrgebiet kurz vor der Apokalypse stehen. Die Menschen sollten zu Hause bleiben, am besten nicht vor die Tür gehen und schon gar nicht in die Ruhrpott-Metropole Essen fahren. Doch Metal-Fans ticken anders!
Metaller ticken anders
Während draußen die Wetterfrösche der Nation den Weltuntergang ausriefen, öffnete das Don’t Panic ganz unaufgeregt seine Türen für das erste (Metal-Heads.de-) Konzert des Jahres. GREYDON FIELDS, HARD’N’BERG und EVIL TYRANT standen bereit, den Winter mit purer Live-Energie zu vertreiben. Und trotz aller Warnungen fanden sich jene ein, die wissen, dass Metal nicht nur Musik ist, sondern ein Versprechen: Egal wie das Wetter tobt – wir toben lauter. Ein Abend, der schon vor dem ersten Ton Geschichte schrieb. Und genau hier beginnt unser Konzertbericht. Viel Spaß!
EVIL TYRANT aus Velbert
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Als erste Band des Abends, steht ab kurz nach 20 Uhr die Band EVIL TYRANT aus Velbert auf dem Programm. Das Quintett spielt seit der Gründung 2023 handgemachten Heavy Metal, der nach Proberaum, Schweiß und echter Leidenschaft klingt. Bestens geeignet für Menschen, die es ehrlich, zeitweilig dreckig und rau lieben. Diese Attribute verkörpern die Rocker auch optisch einwandfrei. Im Mittelpunkt des Geschehens steht zweifelsfrei der bullige Frontmann Dreschy, der wie ein waschechter Wikinger aussieht, mit dem man sich besser nicht anlegt. Neben ihm stehen noch die Musiker Marc Straw, Joschko (beide Gitarre), BassD und Violator (Drums) auf der kleinen Bühne. Diese markanten Typen lassen die Stage noch mickriger aussehen, als sie ohnehin ist. Und da wohl keiner der 70 anwesenden Zuschauer heute wilde Bühnenakrobatik erwartet, gibt es einfach eine krude Mischung aus Heavy – Thrash mit einer Prise Viking Metal auf die Ohren.
Starke Präsenz und routinierte Musiker
Auch wenn die Band aktuell lediglich ihre EP Demo(n) From Hell im Gepäck hat, lassen die ersten Sekunden von „Valhalla“ keinen Zweifel daran, dass hier echte Veteranen am Werk sind. Der Opener prescht mit wuchtigem Riffing, treibenden Drums und einer ordentlichen Portion Melodie nach vorn – ein klassischer Heavy-Metal-Einstand, der sofort zündet. Die beiden Flying-V-Äxte werden über die gesamte Spielzeit hinweg gnadenlos beansprucht und die Routine der Musiker ist in jeder Note spürbar.
Kein modernes Sicherheitsnetz
Der Sound, von Panic-Urgestein Günni mit viel Fingerspitzengefühl gemischt, kommt komplett live aus den Boxen. Kein In-Ear, keine Backing-Tracks, kein modernes Sicherheitsnetz – hier regiert die alte Schule. Ein Ansatz, der heutzutage selten geworden ist und dem Auftritt eine angenehm raue Authentizität verleiht. Das Publikum nimmt diese Ehrlichkeit dankbar auf und feiert die Band vom ersten bis zum letzten Ton.
Kurzes Set, starke Wirkung
Gleich alle 5 Tracks der EP schaffen es auf die Setlist: Neben dem kraftvollen „Valhalla“ feuert die Band „Die Geilsten“, „Blood And Iron“, „Evil Tyrant“ und „Thrash Metal Reigns“ ins Rund. Ergänzt wird das etwa 40-minütige Set durch „Burning Inside“ und den Bandhit „Ravenflight“, der sogar für einen Mitsingmoment sorgt und das Publikum vor die Bühne zieht. Diese Begeisterung zieht dann selbstverständlich noch eine Zugabe nach sich. EVIL TYRANT liefern einen kompakten, ehrlichen und angenehm unpolierten Auftritt, der zeigt, dass man auch mit einer einzigen EP genug Feuer hat, um das Eis in Essen zum Schmelzen zu bringen.
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HARD’N’BERG – Dunkle Energie aus Velbert-Neviges
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Nach einem kurzen Change-Over übernehmen um 21:15 Uhr HARD’N’BERG die Bühne – die zweite Velberter Formation des Abends und ein Quintett, das seit Jahren fest in der regionalen Metalszene verankert ist. Die Musiker sind alles andere als Neulinge: Ehemalige Stationen wie Obscurity, Firebulls, Laid In Ashes oder Greydon Fields sprechen für sich und lassen bereits vor dem ersten Ton erahnen, dass hier Routine und Professionalität aufeinandertreffen.
Der Mann am Mikrofon
Besonderes Augenmerk liegt an diesem Abend auf dem neuen Frontmann Matthes, der mittlerweile die Position von Ex-Sänger Torben übernommen hat. Die Band arbeitet bereits an frischem Material – und die Fans sind sichtlich gespannt, wie sich der neue Mann am Mikrofon schlägt. Stilistisch taucht der Abend mit HARD’N’BERG spürbar tiefer in düstere Gefilde ein. Die Atmosphäre wirkt schwerer, bedrohlicher – passend zum angedrohten apokalyptischen treiben draußen. Songs wie „Winterzeit“ verstärken dieses Bild eindrucksvoll.
Ein Set, das die Atmosphäre verdunkelt
Mit eben jenem „Winterzeit“ eröffnet die Band ihr Set. Der Track stammt von der noch aktuellen EP „Hilf mir“ (2024), die noch mit Torben Wulff veröffentlicht wurde. Doch Matthes tritt selbstbewusst an und liefert eine kraftvolle Performance ab. Der wechselsprachige Death-Thrash-Hybrid knallt mit brutaler Direktheit, während die Band ein massives Klangfundament aus Industrial-Anleihen, sägenden Gitarren, wuchtigen Drums und pumpenden Bassläufen errichtet. HARD’N’BERG wirken kompakt, fokussiert und deutlich härter als einige ihrer regionalen Kollegen.
Lokale Wurzeln und frische Impulse
Die Mischung aus deutschen und englischen Texten sorgt für zusätzliche Dynamik. Besonders stark kommt die lokale Verwurzelung im Song „Eisenberg“ zur Geltung – eine Hommage an die Bergbaugeschichte der Region, die musikalisch wie thematisch überzeugt. Im weiteren Verlauf feuert die Band „Valkyria“ den neuen Track „The Truth You Sow“, den Ohrwurm „Sag Nein“, „Black Dog“ sowie „Loud & Proud“ ins Publikum. Jeder Song sitzt, jedes Break wirkt durchdacht, und die Band präsentiert sich in bestechender Form.
Emotionaler Schulterschluss zum Finale
Zum Abschluss folgt ein emotionaler Höhepunkt: Für den Song „Freunde“ kehrt Ex-Sänger Torben auf die Bühne zurück und teilt sich das Mikro mit Matthes. Eine starke, respektvolle Geste, die sowohl Band als auch Publikum sichtbar berührt und den Auftritt mit einem warmen, menschlichen Moment abrundet.
HARD’N’BERG zeigen an diesem Abend eindrucksvoll, dass sie nicht nur musikalisch stark sind, sondern auch mit neuem Frontmann eine klare Richtung verfolgen: düster, hart, ehrlich – und absolut bühnentauglich.
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GREYDON FIELDS aus Essen
Nachdem EVIL TYRANT und HARD’N’BERG ihre Pflicht souverän erledigt haben, gehört die Bühne ab 22:20 Uhr den Lokalmatadoren GREYDON FIELDS. Deren Gitarrist Gregor Vogt ist in seiner Tätigkeit als Label-Chef von Roll-The-Records übrigens auch der Veranstalter dieser „Heavy Metal Breakdown“-Veranstaltung. An dieser Stelle ist erst einmal ein riesiges Dankeschön unsererseits fällig! Danke, dass ihr diese Veranstaltung geplant und schlussendlich auch durchgeführt habt – allen (Schnee-)Warnungen und zähen Vorverkaufszahlen zum Trotz! Dazu benötigt man wirklich mehr als nur Herz. Und vielen Dank dafür, dass ihr uns mit ins Boot geholt habt! Jeder gerutschte Meter hin und jede Begegnung vor Ort waren es wert. Ihr alle habt den Abend zu einem unvergesslichen Moment gemacht, dem genau die richtigen Menschen beigewohnt haben. Das sollte einfach mal geschrieben werden, weil es das Dilemma solcher Underground-Veranstaltungen offenlegt. Aber genug der warmen Worte – kehren wir zurück zum Konzertgeschehen.
Mit handgeschriebener Setlist am Start
Wie oben schon erwähnt, entern GREYDON FIELDS mit Volker Mostert (Voc.), Gregor Vogt (Git.), Marco Vanga (Drums), Robert Hofman (Bass) und Marc Peters (Git.) ab 22:20 Uhr die kleine Bühne des Backyard Clubs im Don´t Panic. Die Band hat keine Arbeitskleidung angezogen und präsentiert sich in legerer Straßenkleidung dem mittlerweile etwas geschrumpften Publikum. Amüsiert gesteht Volker direkt zu Beginn der Show, dass GREYDON FIELDS so „alte Schule“ seien, dass sie noch handgeschriebene Setlisten auslegen müssten, weil sie keine Computer besitzen würden. Ja, Humor haben sie – und genau das macht die ursprünglich in Essen gegründete Formation so sympathisch. Hier geht es nicht um die ganz große Show. Nein, hier geht es um gute Stimmung und Musik, die von Herzen kommt. Diese Herren sind so unaufgeregt und entspannt, weil sie niemandem mehr etwas beweisen müssen.
Tunguska-Doppelpack zum Auftakt
So startet die Show auch mit einem Intro, das aus einem Star-Wars-Soundtrack stammen könnte und den Zuschauern im Pit direkt ein süffisantes Grinsen auf die Lippen zaubert. Die eigentliche Show beginnt dann mit „The Walking Dead“ vom 2018 erschienenen Album Tunguska. Mann, der Song ist sehr gut gealtert. Er erinnert uns an das Review, das wir damals zu dieser Scheibe schreiben durften – unser erster Berührungspunkt mit GREYDON FIELDS. Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen, was unsere Begeisterung für diese Band aber nicht geschmälert hat. Ganz im Gegenteil. Andernfalls wären wir wohl auch heute Abend nicht mit von der Partie. Es folgt mit „Sole Survivor“ ebenfalls ein Song des oben genannten Albums. Bei der Entstehung dieser Songs waren die beiden Musiker Robert Hofman und Marc Peters damals noch nicht beteiligt. Das merkt man den Männern heute Abend aber logischerweise nicht an. Beide sind voll konzentriert bei der Sache und geben sich ganz der Musik hin. Leider steht Gitarrist Marc so weit außen auf der Bühne, dass er eigentlich kontinuierlich im unbeleuchteten Bereich steht – was uns natürlich ein bisschen anfrisst. Aber so ist das halt hier im Backyard Club! Dafür ist der Sound, immer noch von Günni gemischt, wirklich annehmbar. Allerdings sind Ohrstöpsel hier einfach Pflicht.
10 Jahre The God Machine – ein emotionales Kapitel
Nach dem Tunguska-Start wird mit „The Vengeance“ eine weitere Ära eingeleitet, die mit einer emotionalen Einleitung von Volker beginnt. Es geht um das Album The God Machine, das 2025 seinen 10. Geburtstag feiern durfte. Da es das erste GF-Album mit Volker am Mikrofon darstellt, ist es für den Sänger ein ganz besonderes Werk. Demzufolge wird es auch mit satten fünf Songs („Vengeance“, „Us or Them“, „The Key“, „End of Eternity“ und „The God Machine“) geehrt. Alle Songs gehen runter wie Öl und bilden die technischen Fähigkeiten der Rocker beeindruckend ab. Fast alle Lead-Solos sitzen so, wie sie müssen, und Schlagwerker Marco ist wie immer Herr des Tempos. Überhaupt gibt der Junge die ganze Show über Vollgas, was man ihm nach der Show auch deutlich ansieht. Merkbare Verspieler gibt es nahezu keine. Volker lockert das Geschehen gerne mit erklärenden Worten zu seinen Texten auf und lässt hier und da seinen Intellekt aufblitzen.
Otherworld, Warbird und ein würdiger Abschluss
Es folgen Ausflüge in die Alben Otherworld (2023) („Reanimator“, „The Machine“, „Otherworld“), bevor es noch in die Warbird–Ära von 2020 geht. Es werden „Death From Within“ und das tagesaktuelle „Empire of the Fools“ zelebriert. Und da man die Hausherren nach getaner Arbeit nicht einfach so nach Hause gehen lässt und zudem noch ein paar Minuten Zeit übrig bleiben, gibt es zu guter Letzt noch eine ungeplante Zugabe für die letzten Verbliebenen. Man einigt sich auf „Sole Survivor“, das schon zu Beginn gespielt wurde und deswegen besonders weit zurückliegt. Und so zerbröselt der Keks. Nein, Scherz beiseite: Ein besseres Ende hätten GREYDON FIELDS nicht wählen können.
Um 23:40 Uhr endet mit den Tönen von „Sole Survivor“ der Heavy Metal Breakdown.
Fazit: Ein gelungener Auftakt ins Metal-Jahr 2026
Der Heavy Metal Breakdown 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass selbst widrigste Bedingungen die regionale Metalszene nicht ausbremsen. Trotz Schneewarnungen und schwieriger Anreise bot das Don’t Panic einen Abend, der musikalisch wie organisatorisch überzeugte und die Bedeutung kleiner Underground-Veranstaltungen unterstrich.
EVIL TYRANT eröffneten mit einem ehrlichen, ungeschönten Heavy-Metal-Set, das vor allem durch seine Live-Rohheit und die Präsenz des Frontmanns auffiel. HARD’N’BERG setzten anschließend einen deutlich härteren, düstereren Akzent und präsentierten sich mit neuem Sänger geschlossen und professionell. Der gemeinsame Auftritt von aktuellem und ehemaligem Frontmann bildete einen bemerkenswerten emotionalen Höhepunkt.
GREYDON FIELDS rundeten den Abend mit Routine, Spielfreude und einem breiten Querschnitt ihres Schaffens ab. Die Band zeigte, dass sie auch ohne große Inszenierung ein Publikum tragen kann und dass ihre Songs über die Jahre nichts an Wirkung verloren haben.
Unter dem Strich bleibt ein Konzert, das nicht nur musikalisch überzeugte, sondern auch ein klares Zeichen für die Beständigkeit und Leidenschaft der lokalen Szene setzte. Ein gelungener Jahresauftakt, der zeigt, wie wichtig solche Veranstaltungen für die regionale Metal-Kultur sind. In diesem Sinne: Glück auf!
Fotostrecke EVIL TYRANT
Fotostrecke HARD’N’BERG
Fotostrecke GREYDON FIELDS
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Bildquellen
- Evil Tyrant-Essen-Don´t Panic-09.01.2026 (5): ©2026 by Dan Schuetze / treasureman@metal-heads.de
- Hardnberg-Essen-Don´t Panic-09.01.2026 (3): ©2026 by Dan Schuetze / treasureman@metal-heads.de
- Greydon Fields-Essen-Don´t Panic-09.01.2026 (6): ©2026 by Dan Schuetze / treasureman@metal-heads.de
- Titelbild: ©2026 by Dan Schuetze / treasureman@metal-heads.de





























































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