Interview zum Rage Against Racism 2026 mit Night in Gales
Night in Gales spielen 2026 wieder auf dem Rage Against Racism. Grund genug, dass ich mir Gitarristen Jens Basten geschnappt und ihn mit ein paar Fragen gelöchert habe.
MH: Hallo Jens, wir von metal-heads.de haben auch in diesem Jahr wieder die Ehre, allen Bands ein wenig auf den Zahn zu fühlen, die auf dem Rage Against Racism auftreten werden. Für alle, die euch nicht kennen: Stell die Band doch bitte mal kurz vor.
JB: Wir haben uns 1995 in Voerde gegründet, um melodischen Death Metal zu spielen, wie er seinerzeit noch relativ frisch und in erster Linie aus Skandinavien kam. Die Einflüsse der Frühwerke von At the Gates, In Flames und Dark Tranquillity sind auch heute noch hörbar. Allerdings entwickeln wir uns absichtlich weniger weiter als die oben Genannten und klingen auch nach dreißig Jahren noch sehr ähnlich wie zu unserer Anfangszeit, haha. Das ist halt das, was wir am besten können, und wir sind allesamt auch eher Typen, die eher die ersten drei statt die letzten drei Alben einer Band zu schätzen wissen. Wir waren 1997–1999 bei Nuclear Blast unter Vertrag und konnten in dieser kurzen, aber sehr intensiven Powerphase mit vielen Touren, u.a. mit Dismember, In Flames, COB und Death, international eine kleine, aber treue Fanbase aufbauen, von der wir bis heute profitieren. Nach einigen Höhen und Tiefen (Achtung, Zeitraffer) haben wir 2017 in Apostasy Records einen neuen Hafen gefunden und veröffentlichen seitdem in regelmäßigen Abständen Alben.
Die Mühle und das Jubiläum
MH: Ihr wart ja gerade erst zu Gast in der Mühle, und zwar zu einem ganz besonderen Event. Night in Gales sind inzwischen 30 Jahre alt und ihr habt das gebührend gefeiert. Magst du mal ein paar Worte zu eurer Jubiläumsshow verlieren?
JB: Wir hatten zum ersten Mal in der Mühle gespielt, als wir unser Comeback-Album „The Last Sunsets“ 2018 veröffentlichten und nach einer geeigneten Location gesucht hatten, in der wir neben der Show als Special für die Leute und zur Feier des Tages eine Bierflatrate anbieten konnten. Das kam damals so gut bei den Leuten an, dass uns schon damals klar war, dass das mal wiederholt werden müsste. Wir bekamen auch echt ständig Anfragen, wann wir so etwas in der Art noch mal dort durchziehen würden. Und als dann die dreißigjährige Jubiläumsschau ins Haus stand, war sofort klar, dass es wieder die Mühle sein musste. Also gesagt, getan – der Rest ist Geschichte. Es war ausverkauft. Und wir denken, es war wieder in aller Sinne eine runde Sache; die Leute hatten Spaß, das ist die Hauptsache. Und es ist nicht auszuschließen, dass wir das noch mal wiederholen werden, wenn sich ein gegebener Anlass dafür bietet. Mit dabei waren diesmal unsere Kollegen von Enemy Within und Tyranthrope, die Band mit den zwei FOH-Männern auf der Bühne :).
Neues Material
MH: Seit Christian Müller 2017 wieder ins Line-up gerückt ist und erneut das Mikro übernommen hat, seid ihr extrem produktiv. Vier Alben habt ihr seitdem rausgebracht und wart sogar einige Male in den Albumcharts vertreten. Arbeitet ihr schon an Album Nummer fünf und kannst du schon irgendwas verraten?
JB: Das ist richtig. Die letzten drei Alben waren allesamt in den Top-100-Albumcharts, was wir in unserer ganzen Karriere zuvor nie erreicht hatten. Beim Thema Produktivität vergessen die Meisten allerdings immer, dass wir auch schon zu unserer Anfangszeit zunächst genauso fix unterwegs waren, und das mit Kasi und Bandmaschine statt Midi und Cubase: 1995 Sylphlike, 1996 Razor, 1997 Towards The Twilight, 1998 Thunderbeast, 2000 Nailwork, 2001 Necrodynamic :), Wir haben danach halt nur sehr lange sehr unproduktive Phasen gehabt :). Hätten wir bis jetzt so durchgezogen, dann hätten wir jetzt schlappe 30 Alben auf dem Deckel, haha, unvorstellbar.
Unsere Arbeitsweise ist zuletzt tatsächlich aber immer effizienter geworden. Im Gegensatz zu den Alben um die Jahrtausendwende waren wir nun in der Lage, Alben schneller zu realisieren, da ich seit einiger Zeit ein kleines Tonstudio im Keller habe und so Songideen viel schneller umsetzen kann. Zusätzlich beschleunigt hat die Tatsache, dass wir alle wussten, in welche Richtung wir stilistisch gehen wollten. Sprich: Es gab keine Diskussionen mehr, ob wir uns in dieser oder jener Richtung entwickeln wollten. Dass wir uns einig waren, hat die Arbeitsweise ungemein erleichtert. Man kann einfach vieles besser planen. Und auch das Label hat eine gewisse Sicherheit und muss sich keine Sorgen machen, dass wir nächstes Jahr anders klingen als letztes Jahr – ein nicht unwesentlicher Faktor für sowas…
Das nächste Album wird übrigens unser zehntes Studioalbum, und aus dem Grund muss es natürlich ganz besonders gut werden. Viel mehr will ich dazu aber noch nicht sagen, denn wir mögen einfach auch den Überraschungseffekt bei jeder Veröffentlichung aufs Neue.
Night in Gales und das Rage
MH: Auf dem Rage seid ihr gern gesehene Gäste. Was verbindet euch mit dem Festival und zum wievielten Mal werdet ihr eigentlich auf der Bühne stehen?
JB: Allerdings! Auf dem Rage zu spielen oder auch in der Mühle drin ist schon so was wie nach Hause kommen und für uns immer gleichzeitig das vielzitierte innere Blumenpflücken, haha. Levent und sein Team aus vielen ehrenamtlich tätigen und vor allem sehr jungen Leuten ist einfach einmalig in der Szene. Sie haben mit dem Rage etwas ganz Besonderes geschaffen. Das Wichtigste ist eigentlich gar nicht der Metal, sondern dass sie es schaffen, ein kulturell wertvolles und obwohl umsonst sehr hochwertiges Angebot Jahr für Jahr zu bieten – trotz steigender Produktionspreise und erhöhter Sicherheitsauflagen der Stadt. Und so finden immer mehrere tausend Leute zusammen, das Wetter ist meistens Bombe und das Drumherum passt. Es macht immer riesigen Spaß, vielleicht auch, weil man dort absolut nichts vom Kommerz spürt, der ja an immer mehr Ecken und Enden in der Szene aufdringlich zu spüren ist. Ich bin echt nicht sicher, wie oft wir dort gespielt haben, aber es müsste jetzt das dritte Mal sein – Auftritte in der Mühle nicht mitgerechnet.
Live Aktivitäten 2026
MH: Ein paar Live-Aktivitäten stehen ja 2026 für euch auf dem Programm. Ihr werdet unter anderem mal wieder „Mount Moshmore“ aufsuchen und dem Dong Open Air einen Besuch abstatten. Wo kann man euch sonst noch antreffen?
JB: In der Tat werden wir den Dongberg dieses Jahr erneut besteigen. Die Zusage des Dong hat uns dieses Jahr besonders gefreut, da wir zum Dong – ähnlich wie zum Rage – eine sehr alte Verbindung haben. Wir haben dort schon gespielt, als das Dong noch in einem kleinen Zelt stattfand. Das Dong ist einfach ein Festival mit Charakter und einzigartig. Hier mal alle Dates auf einen Blick:
- 30.05. Dat Unland Fier Open Air
- 06.06. Duisburg, RAR Open Air
- 13.06. Chronical Moshers Open Air
- 17.07. DONG Open Air
- 13.11. NRW – TBA
- 14.11. Duisburg, Evil Hordefest
Famous last words
MH: Wie immer gebührt dem Gast das letzte Wort. Wenn du noch irgendwas loswerden möchtest, dann gib alles.
JB: Vielen Dank Frank und die Metal-Heads.de für das Interview und den ganzen Support über die ganzen Jahre! Haltet die Augen auf – In nächster Zeit wird es eine kleine Überraschung geben. Schaut also immer mal auf der Seite von Apostasy Records oder unserem Instagram- und Facebook-Account vorbei und werft mal einen Blick in unseren Bandcamp-Shop. Hier gibt es noch viele coole Shirts und Merch-Artikel abzugreifen, und wie gesagt steht schon bald etwas neues ins Haus.
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Bildquellen
- 01.06.2018 Night In Gales auf dem Rage Against Racism 2018: Bildrechte beim Autor


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