Tomorrow’s Rain – Yishai Sweartz im Interview

Tomorrow's Rain 2020 by Dory Bar Or 720x340

Ihr Debüt „Hollow“ erschien vergangenen Freitag bei AOP Records und für mich ist es dieses Jahr eines der vielversprechendsten. Das ausführliche Review dazu könnt ihr in ein paar Tagen hier auf metal-heads.de lesen. In der Zwischenzeit war Sänger Yishai Sweartz so freundlich mir ein paar Fragen zu beantworten. Wir erfahren einiges über die Geschichte von Tomorrow’s rain und die Entstehung von „Hollow“. Ebenso erzählt er uns einiges über die vielen Gastauftritte wie dem von Mikko (Swallow The Sun) und Fernando (Moonspell) in „Misery Rain“. Viel Spaß mit dem Video und dann dem Interview.

Metal-Heads (MH): Hi Yishai, ich bin der Jörg aka soundchaser von metal-heads.de. Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten. Und meine erste Frage ist gleich, wie es zu eurem Bandnamen kam?

Tomorrow’s Rain Yishai (TR): Der Name kommt von dem Song „Fragile“ von Sting aus denm 1988er Album „Nothing Like The Sun“ 1988, die entsprechende Textzeile lautet wie folgt:

„Tomorrow’s rain will wash the stains away
But something in our minds will always stay“

Ganz egal wie erfolgreich wir unseren Schmerz bekämpfen und unsere Wunden heilen. Ganz egal, dass der nächste Morgen mit strahlendem Sonnenschein eine neue Seite aufschlägt. Etwas bleibt immer schmerzhaft an unserer Seele haften, so wie Kreator damals 1989 schrieben „Some pain will last forever“, und so führen wir Kreator und Sting zusammen und nehmen einen trip down the memory lane nach 1988/1989 und das ist unsere Geschichte…;-)


(MH): Euer Debüt „Hollow“ ist am 11. September erschienen. Aber das erste Lebenszeichen von Tomorros‘ Rain liegt schon ungefähr zehn Jahre zurück (wenn ich richtig liege…). Was kannst du uns über die Entstehungsgeschichte der Band erzählen? Und wie alt oder neu sind die Songs auf „Hollow“?

(TR): Ich habe die Band 2002 mit Maor Appelbaum (heute ein berühmter mastering guy in L.A) und Gitarrist Raffael Mor gegründet. Meine vorherige Band NAIL WITHIN löste sich gleich nach ihrem Debüt Album (bei Listenable Records) auf und auch Maor löste seine Band SLEEPLESS auf. Wir hatten beide eine richtige Krise, die Realität schlug uns unbarmherzig ins Gesicht und unsere Träume fielen in Trümmer. Wir begannen Songs zu schreiben und von den ersten Tönen an war klar, dass es eine Reflektion unseres damaligen Lebens sein würde. Und unser Leben damals war alles andere als cool. Depressionen, Ängste, Stress und Panik Attacken, such dir was aus…:-) Unsere Musik klang dann auch genauso. Wir nannten uns MOONSKIN und spielten einige Shows hier zuhause (unter anderem eröffneten wir für Epica). Aber ich heiratete 2006 und wollte meine inneren Dämonen von meinem täglichen Leben fernhalten, sich mit diesen Songs tagtäglich zu beschäftigen wühlte in meinen Wunden und das war ein Fehler wie ich lernen musste zu verstehen.

Drei Jahre nach einen schmerzhaften Scheidungsprozess als junger Vater, war ich wieder am Boden zerstört. Aber diesmal ging ich es anders an. Ich rief Raffael an und sagte ihm „dieses Mal machen wir es richtig“ und so starteten wir bei Null mit dem neuen Namen Tomorrow’s Rain. Mit Babyschritten fingen wir an unseren Traum Realität werden zu lassen. 2012 spielten wir mit Dark Tranquillity in 2012 und versuchten ein stabiles line up zu finden, was ein paar Jahre dauern sollte. 2016 wurde es dann richtig Ernst und von da an begannen wir den Songwriting Prozess für dieses Album. Wir schreiben nicht einfach Songs um gute Songs zu schreiben. Jeder Song braucht eine Bedeutung, eine wahre, authentische Geschichte dahinter. Qualität über Quantität war immer die Regel. Wenn man 2002 als Start nimmt, dann schlagen wir „Chinese Democracy“ als das am längsten zu schreibende Album um Längen…:-) Aber für mich fing es so richtig erst in 2016 an und so sind nur zwei Songs aus den alten Tagen und der Rest ist neu

(MH): Wenn ich richtig gezählt habe, spielen zehn verschiedene Gastmusiker (wie etwa Jeff Loomis in „Into the Mouth of Madness) auf dem Album was es sehr abwechslungsreich und vielschichtig macht. Auf der einen Seite mag ich das sehr, aber auf der anderen Seite stellt sich mir die Frage wieviel Tomorrow’s Rain noch in den Songs steckt?

(TR): Für mich wahr es sehr wichtig, dass die SONGS für sich alleine schon stark und überzeugend sind. Auch ohne die Gastmusiker. Das ist überhaupt das Wichtigste bei einem Album, zumindest meiner Meinung nach: Starke Songs, Gäste können die Extrawürze geben und etwas wertvolles hinzufügen. Aber der Song selbst muss von Anfang an stark sein. Auch eines der wichtigsten Dinge war für uns Songs zu schreiben und nicht nur ein Riff. Das Gesamtbild sehen, die ganze Geschichte und nicht nur „it’s a great riff“. Ich habe alle Texte geschrieben, nur nicht bei „Hollow“ (der Text stammt von unserer Keyboarderin Shiraz Weiss) und die Musik wurde hauptsächlich von Raffael Mor geschrieben. Aber auch andere Bandmitglieder haben etwas beigetragen und sogar ehemalige Mitglieder wie beispielsweise Maor Appelbaum. Die Gäste haben Gitarrensoli beigesteuert (Jeff and Greg) und Gesang (alle anderen), aber die Songs waren lange Zeit vorher geschrieben bevor die Gastmusiker dazukamen. Mein Gedanke war es unsere Gäste mit offenen Armen in unserem Haus willkommen zu heißen und jeden einzelnen von ihnen etwas eigenes in unserer Kunst zu hinterlassen. Wir haben über jeden Teil nachgedacht und haben jedem den für ihn passenden Part gegeben. Zum Beispiel hatte ich in „Misery Rain“ ein fast gesprochenen Part, der eine sehr persönliche Geschichte erzählt und jedes mal wenn ich den im Studio sang, dachte ich „es wäre einfach großartig wenn Fernando von Moonspell das genauso machen würde wie die ähnlichen Stücke in „Wolfheart“, welches ein Album ist dass ich wirklich liebe. Und so habe ich ihn einfach eingeladen und er übernahm diesen Teil.

Jeff Loomis haben wir für einen Song über Warrel Dane eingeladen. Warrel war ein Freund von mir und sollte tatsächlich „Hollow“ produzieren.Jeff einzuladen in diesem persönlichen Gedenksong für seinen langjährigen Freund und musikalischen Partner zu spielen war eine tolle Idee. Ich glaube jeder kann einfach Greg Mackintoshs special solo in „In The Corner Of A Dead End Street“ heraushören. Und gleiches gilt für Aaron von My Dying Bride in „Fear“. Sie alle gaben mir ein kleines Stück von sich und dafür bin ich ihnen für immer dankbar. Die meisten von ihnen sind tatsächlich Freunde, die ich seit langen Jahren kenne. Sakis von Rotting Christ kenne ich seit 1993 und blieb immer in Kontakt mit ihm und so sind Rotting Christ wie Familie für uns. Auch Anders von Draconian, Spiros von Septicflesh, Mikko von Swallow The Sun and natürlich Kobi von Orphaned Land sind Freunde und uns verbinden viele Jahre. Ebenso Jeff Loomis, auch wenn ich ihn persönlich erst in 2003 oder 2004 kennengelernt habe. Auch das sind schon 17 Jahre, wie die Zeit verfliegt. Paradise Lost spielten hier viele Male und wir haben zweimal für sie eröffnet und so habe ich Greg persönlich kennengelernt. Aaron von My Dying Bride ist wahrhaftig der einzige den ich erst seit zwei Jahren kenne, aber ich bin ein wahnsinniger MDB Fan seit 1991 und er ist einer der Personen mit denen ich schon immer zusammenarbeiten wollte. Um ihn auf das Album zu bekommen lief alles über Email. Aber wir haben uns so viel geschrieben und nicht nur über Musik und ja, so würde ich ihn wirklich als Freund betrachten. Und für uns als Band ist es eine große Sache, dass er mit uns auf unserem Album singt.

Tomorrow’s Rain – everything is on hold

(MH): Abseits von Corona… Gibt es irgendwelche Pläne nächstes Jahr live zu spielen?

(TR): Alle Shows stehen derzeit auf stand by, wir sollten für SAMAEL, TIAMAT, and PARASDISE LOST and ROTTING CHRIST eröffnen. Aber jetzt ist alles in der Schwebe,wegen dieser seltsamen Situation. Hoffen wir einfach, dass die Dinge wieder normal werden und wir freuen uns wirklich darauf wieder live zu spielen. Auch haben wir angefangen das zweite Album zu schreiben und haben bereits drei neue Songs. Also wird es dieses Mal nicht so viele Jahren dauern.

(MH): Meine letzte Frage geht zu eurem letzten Song. Ein Cover von Nick Cave’s Weeping Song. Wer hatte die Idee und warum? I liebe das Original, aber eure Version ist auch richtig gut.

(TR): Ich hatte die Idee und zwar einfach weil ich die Musik von Nick Cave liebe seitdem ich 13 Jahre alt bin. Und ich hatte das Gefühl, dass wir uns den Song zu eigen machen können und etwas interessantes daraus erschaffen können.

Tomorrow’s Rain – Line-Up and contact

Yishai Sweartz – Vocals
Raffael  Mor – Guitars
Yoni Biton – Guitars
Yaggel Cohen – Bass
Shiraz Weiss – Keyboards
Nir Nakav – Drums

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Bildquellen

  • Tomorrow’s Rain 2020 by Dory Bar Or 720×340: Dory Bar Or / Oktober Promotion
soundchaser

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Angefangen hat es mit einer Kassette die ich von einem Kumpel bekam mit Running Wilds "Port Royal" und "Abigail" von King Diamond. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen...

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