Attic – schaurig gut mit „Sanctimonious“

Attic 720x340

Bereits am 18. August 2017 haben Attic via Ván Records / Soulfood ihren zweiten Longplayer „Sanctimonious“ herausgebracht. Im Dezember 2012 erschien ihr Debüt „The Invocation“. Obwohl damals von der Presse hochgelobt, unter anderem sogar Album des Monats im Rock Hard, hatte ich Attic nicht auf dem Schirm. Jetzt wurde mir von verschiedenen Seiten nahe gelegt, mich doch einmal mit ihnen zu beschäftigen. Attic wären genau das Richtige für einen alten King Diamond-Fan wie mich. Nachdem ich mir das Video zur ersten Single „The Hound Of Heaven“ angeschaut habe, kann ich das nur unterschreiben. Aber seht selbst:

 

Attic lassen direkt mal sterben

Nach einem Intro „ludicium Dei“ mit Kirchenorgelklängen und hohem Harmoniegesang ist klar, wohin die Reise geht. Es wird düster und nicht schön. Wobei der folgende Titeltrack  ein schön klassischer Heavy Metal Song ist. Besonders wird er durch den Gesang von Meister Cagliostro, der zwischen Kopfstimme, normalen Gesang und düster beschwörender Stimme wechselnd verschiedene Charaktere und den Erzähler verkörpert. Attic haben sich also an ein Konzeptalbum gewagt und erzählen auf der Platte eine Geschichte über realen Horror hinter Klostermauern. Die erste Tote mit Joan gibt es auch und einen schönen Refrain dazu. „A Serpent In The Pulpit“ führt dann neben der Äbtissin Margaret die zweite Hauptperson, die Nonne Alice ein. Dafür nehmen sich Attic knapp sieben Minuten Zeit und verzichten diesmal auf einen Mitsingrefrain. Dafür kommen die Liebhaber gepflegter Gitarrenmusik auf ihre Kosten. Ausgedehnte Leadgitarren Duelle in bester Sherman/Denner Manier werden dargeboten. Klasse! Zum Titeltrack „Sanctimonious“ gibt es auch ein Video, bitte schön:

 

Attic – jetzt wird es blutig

Attic PromoBei „Penalized“ wird das Tempo deutlich angezogen, der Song bekommt fast schon eine thrashige Schlagseite und die Äbtissin offenbart ihren Scarification Fetisch. Tolle Gitarrensoli übrigens! Der nächste Song „Scrupulosity“ besteht aus düsteren Orgelklängen und der Erzähler berichtet von den Nöten die Alice plagen und bietet so die Überleitung zu „Sinless“. Alice beginnt Stimmen zu hören und ist selber nicht frei von Sünde. All das wieder eingebettet in ein klassisches Heavy Metal-Bett und ein paar Mitsing-Parts. Das folgende „Die Engelmacherin“  weist wieder Überlänge auf und beweist auch in einem Kloster darf man nicht jedem trauen. Hervorheben möchte ich hier einmal, wie gut die Musik den Fortgang der Geschichte und die Atmosphäre unterstreicht. Auf Platte funktioniert der Song wegen der ganzen Konzeptsache sehr gut. Live hingegen, auf der Bühne, ist er dann doch so fürchte ich etwas zu lang geraten.

Attic erhöhen den Bodycount

Nach einem weiteren Zwischenpart mit „A Quest For Blood“ wechselt die Storyline zu Margaret und in „The Hound OAttic Promo 3f Heaven“ enthüllen Attic das wahre Ausmaß ihrer Gestörtheit. Düster, bedrohlich, melodische Gitarren machen den Song zu einem echten Ohrwurm. Sehr abwechslungsreich und zu Recht als erste Single ausgekoppelt und zu Videoehren gekommen. „On Choir Stalls“ hat instrumental einen Black Metal Touch, bleibt aber immer noch im traditionellen Heavy Metal verwurzelt. Insgesamt ein sehr düsterer Song und die Äbtissin lässt eine Vergiftung und ihre Folgen nicht als Entschuldigung für das Fernbleiben vom Chor gelten. Also rafft die gute Alice sich auf, mit unschönen Folgen.

Attic nähern sich dem Ende

Attic LogoDark Hosanna“ darf dann als die Ballade des Albums durchgehen. Ein Musik gewordenes Stück Verzweiflung, langsam und beklemmend. Alice beginnt mit Gott zu hadern und ihr Vertrauen in ihn zu verlieren. Gefällt mir ausgesprochen gut. Kontrastreicht geht es weiter: „Born From Sin“ tritt das Gaspedal wieder durch und Alice entdeckt Margarets düsteres Geheimnis und tötet sie. Die Gitarren lassen Erinnerungen an die seligen 80er aufkommen und ich behaupte mal, dass das ein guter Livesong ist. Aber wie dem auch sei. Für die gute Alice war das alles zuviel und sie verliert den Verstand und beschließt „There Is No God“. Nonnen übrigens auch nicht mehr, kein Leben mehr hinter den Klostermauern. Und man fragt sich, what’s going on behind these walls? Der Abschluss ist jedenfalls gelungen.

Attic sind nicht übernatürlich

Die Vergleiche zu King Diamond und seinem 1990er Album „The Eye“ drängen sich natürlich auf und ich wage sogar zu behaupten, dass Attic die Attic Sanctimonious Coverlegitimen Nachfolger des King werden können. Gesanglich kommt Meister Cagliostro ihm schon sehr nahe, aber bei der Kombination der verschiedenen Stimmlagen mit den Lyrics kann er sich noch was abgucken. Inhaltlich sind die Unterschiede aber im Kleinen dann doch recht groß. Während King Diamond seine Geschichten doch stark vom okkulten und magischen bestimmen lässt, bleiben Attic doch ganz dem rein menschlichen Wahnsinn treu und lassen den Horror vom Menschen ausgehen. War bei „The Eye“ das hexerische Amulett der Ausgangspunkt, so sind es bei „Sanctimonious“ die Taten und der verdrehte Geist der Nonnen. Auch musikalisch sind Attic moderner. So lassen sie beispielsweise auch mal Blastbeats mit einfließen und auch Black Metal Einflüsse schimmern immer wieder mal durch. Das vermischt sich mit Anklängen klassischer Iron Maiden und Judas Priest und so sind Attic dann auch mehr als nur eine King Diamond/Mercyful Fate Kopie. Und das ist auch gut so! Ich jedenfalls kann Attic mit „Sanctimonious“ jedem King Diamond-Fan nur bedenkenlos und uneingeschränkt empfehlen. Und allen anderen Heavy Metal-Liebhabern eigentlich auch, denn ich persönlich liebe diese Art zu singen und Geschichten zu erzählen. Aber das muss ja nicht jeder mögen… Einen Kritikpunkt habe ich aber doch und den möchte ich auch nicht verschweigen. Die Drums klingen mir stellenweise etwas zu dumpf. Das ändert aber nichts am hervorragenden Gesamteindruck.

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Attic – Line-Up und Kontakt

Meister Cagliostro – Gesang
Katte – Gitarre
Rob – Gitarre
Chris – Bass
JP – Schlagzeug

Wer Attic unterstützen will, kann die Platte direkt über den Link unten ordern oder mal auf der Homepage im Merch stöbern. Ein Besuch bei Facebook lohnt allemal, da gibt es immer aktuelle Infos zu Konzerten. In diesem Sinne, stay evil!

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Bildquellen

  • Attic-2: Sure Shot Worx
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  • attic-logo: Sure Shot Worx
  • Attic Sanctimonious Cover: Sure Shot Worx
  • Attic-Banner 720: Sure Shot Worx
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soundchaser

soundchaser

Angefangen hat es mit einer Kassette die ich von einem Kumpel bekam mit Running Wilds „Port Royal“ und „Abigail“ von King Diamond. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen…

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