PANZERBALLETT: Planet Z (VÖ 18.09.2020)

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PANZERBALLETT sind auf Planet Z gelandet

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Am 18. September 2020 sind PANZERBALLETT mit ihrem neuen Album „Planet Z“ bei uns gelandet.

Als Jan Zehrfeld 2005 mit PANZERBALLETT auf die Bühne ging, war diese Art der Musik, die er als „Jazzmetal“ bezeichnete, neu. Neu, ungewöhnlich, gewöhnungsbedürftig, interessant, herausfordernd, virtuos und komplex in der Umsetzung. Aber immer mit Groove und Humor.

Auf dem selbstbetitelten Debüt-Album zeigen schon die Titel der Stücke augenzwinkernd auf die Einflüsse: Da gibt es „Iron Maiden Voyage“ (mit Bezug auf – ja klar: Iron Maiden – aber auch „Voyage“ von Jazz-Legende Herbie Hancock) und „Meshugge“ (Bezug ins Auge fallend, nicht wahr).

Von Jazz-Klassikern bis zu Weihnachtsliedern

Auf den folgenden Alben haben sie weder vor Jazz-Klassikern, Rocksongs, Schlagern (wie z.B. „Ein bisschen Frieden“) noch Weihnachtsliedern Halt gemacht. Immer mit dabei Musikerkollegen aus den verschiedenen Musikrichtungen. Ob nun „White Christmas“ mit Matthias Eklundh (FREAK KITCHEN) und Jen Majura (EVANESCENCE) oder „Zickenterror“ mit Conny Kreitmeier (THE HEIMATDAMISCH).

PANZERBALLETT nehmen alles von „Abba bis Zappa“ auseinander und setzen es neu zusammen. Manchmal ist man da vom „Breaking Brain“ nicht weit entfernt.

Experimente und ein neuer Planet

Erneut haben sie experimentiert, dabei Grenzen überschritten bzw. verschoben, Neues entstehen lassen. So hat PANZERBALLETT-Mastermind Jan Zehrfeld diesmal neben eigenen Stücken Kompositionen z.B. von Nélida Béjar (s. auch undercoverfiction ensemble) Leonard Kuhn (von der Techno-Jazzband Jazzrausch Big Band) oder auch Richard Wagner (ja, der Richard Wagner) für PANZERBALLETT arrangiert.

Doch damit nicht genug. Auf dem Planeten Z versammeln sich einige Weltklasse Schlagzeuger aus dem Bereich Jazz, Progrock, Fusion.  Mit dabei sind u.a. Marco Minnemann (THE ARISTOCRATS), Morgan Ågren, der an mehreren Projekten von Frank Zappa beteiligt war, sowie Gergő Borlai (TRIBAL TECH). Wer welches Stück komponiert bzw. als Drummer dabei war, zeigt die Übersicht unter dem Text.

Nomen est Omen

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PANZERBALLETT klingen auch auf diesem Album sperrig wie ein Panzer und kraftvoll filigran wie Balletttänzer. Sie setzen das Prinzip „Warum einfach, wenn es schwer geht“ mit Leichtigkeit und viel Humor um.

So ist ein Album mit Stücken entstanden, die so unterschiedlich sind wie die Komponisten, die sie geschrieben haben. Zudem wechselt jeweils die Besetzung. Die musikalisch-thematischen Schwerpunkte spannen einen Bogen von Jazz über Heavy Metal zu Mathprog und Klassik. Dass das Album dennoch wie aus einem Guss klingt, ist sicher nicht nur den Arrangements von Jan Zehrfeld zu verdanken, sondern auch den tontechnischen Fähigkeiten von Victor Bullok, der u.a. Alben von DOWNFALL OF GAIA, OBSCURA und CELTIC FROST gemischt hat. „Planet Z“ war sicher eine besondere Herausforderung, da die Musiker zunächst alle separat bei sich zuhause aufgenommen haben.

So unterschiedlich die Stücke sind, haben sie dennoch eines gemeinsam: die rhythmischen Herausforderungen und kompositorische Ideen, die teilweise unglaublich und abgedreht sind, doch immer auch genug Raum für Harmonie und Melodie lassen.

Dann lasst uns mal den Planeten Z erkunden.

Der Opener „Prime Time“ begrüßt uns mit rhythmisch komplexen Variationen, feinen Melodien, groovende Passagen, einer warmen Basslinie, jazzbasiertem Saxophonsoli und Passagen, die auch im Progmetal ihren Platz hätten.

Bei „Who The Jack Is Migger” zeiht das Tempo an. Im Folgenden entsteht eine grandiose Kommunikation zwischen Gitarre und Saxofon. Es klingt nach intensivem Austausch von Argumenten, zu dem der Bass ebenfalls gewichtige Kommentare hinzufügt. Bei 2:40 wird augenzwinkernd der Zusammenhang mit dem Titel hergestellt.

Ein Riff und man wähnt sich bei “Mind Your Head” im Heavy Metal und stellt sich auf Gewohntes ein. Obwohl man eigentlich wissen sollte, das Gewohntes bei PANZERBALLETT nicht lange so gelassen wird. So holen sie aus dem Riff heraus, was möglich ist und garnieren das Ganze mit einer filigranen Saxofonmelodie.

Schwierig…..ausweglos….fett

„Ja, was soll ich sagen: aus Sicht der Cockpit-Crew eine schwierige, wenn auch ausweglose Situation“.

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So beginnt “No One ist Flying The Plane”. Das Stück ist eine fetzige Metal-Jazz-Big Band Nummer. Weiter geht es mit ‘typischen’ Big Band Passagen, fetten Bläserparts und mit dem Klavier als wichtigem Akteur. Auch wenn es einige Turbulenzen gibt: die Crew hat das Ding fest im Griff.

„Walkürenritt“ ist nicht nur eines der bekanntesten Themen aus Richard Wagners Werken. Hier wird es großartig metallisch in Szene gesetzt. Dabei zeigt sich wieder einmal, dass zumindest seine – also Wagners – Musik für Metal eine Fundgrube sein kann.

Wuchtig kommt „Urchin vs. Octopus“ daher.   Ursprünglich als Demonstrationsstück für sieben- bzw. achtsaitige Gitarre gedacht, zeigt dieses musikalische Kräftemessen von Seeigel und Krake nicht nur Möglichkeiten dieser Instrumente auf. Sondern auch, wie ein Thema vorgestellt, die Aspekte einzeln präsentiert und dann wieder dynamisch zusammengefügt werden können.

Alle meine Ent … Erwartungen

Hätte ich doch den Titel nicht gelesen! Denn so habe ich bei „Alle meine Ändchen“ auf die entsprechende Reference gewartet. Ob und wie sie hergestellt wurde? Einfach selbst hören und dabei erleben, wie komplexe rhythmische Strukturen und lediglich wie eingeworfen klingende Melodiestückchen in ein Synth-Solo münden. Und aufgeregte Rhythmen sich zu einer Eingängigkeit zusammenfinden. Mathprog vom Feinsten.

Das treibende „Coconut“ gibt dem Saxofon und der gesamten Bläserabteilung wieder viel Raum. Wunderbar, wie die Licks und Melodien zwischen den Saiteninstrumenten und den Bläsern wechseln. Wenn sie diese dann gemeinsam aufnehmen, klingt das unglaublich massig.

Zum Ende des Albums rufen PANZERBALLETT „SOS“ und zeigen, was man aus einem Morsesignal musikalisch so alles machen kann.

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Herausfordernd, komplex, dynamisch mit viel Spaß

„Planet Z“ ist eine Herausforderung an die rhythmischen Fähigkeiten bzw. Möglichkeiten der beteiligten Musiker und Hörer. Gut, dass die hier beteiligten Drummer sich allesamt auch in vertracktesten Rhythmusgefügen so sicher bewegen, dass sie diese sogar noch verzieren können.

Der Hörer braucht an einigen Stellen ebenfalls Geduld und Konzentration. Denn manchmal sind die Stücke wie ein Puzzle: vielfarbige, interessant geformte Einzelstücke, die nach und nach zusammengesetzt werden. Manchmal braucht es Zeit, bis sich die Teile zu einem Bild zusammenfügen. Aber dann ist es großartig und es wird klar, welche Rolle die einzelnen Teile spielen.

„Planet Z“ zeigt viele Optionen auf, wie es weitergehen kann. Ich bin gespannt, welche davon PANZERBALLETT zukünftig aufgreifen werden. Hoffentlich bleiben sie herausfordernd, sperrig, experimentell – und doch voller groovender Ausruhmomente und fetziger Passagen. Denn so macht ihre Musik Spaß und bietet bei jedem erneuten Hören die Gelegenheit, doch noch wieder etwas Neues zu entdecken.

Komponisten und Drummer

01. Prime Time (J. Zehrfeld, Nélida Béjar)  [feat. Virgil Donati]
02. Who The Jack Is Migger? (Martin Mayrhofer) [feat. Marco Minnemann]
03. Mind Your Head (Leonhard Kuhn) [feat. Morgan Ågren]
04. No One Is Flying The Plane (Jeff Novotny) [feat. Gergo Borlai]
05. Walkürenritt (Richard Wagner) [feat. Hannes Grossmann]
06. Urchin vs. Octopus (Jan Zehrfeld)  [feat. Gergo Borlai]
07. Alle meine Ändchen  (Andy Lind) [feat. Andy Lind]
08. Coconut (Simon Backes) [feat. Marco Minnemann]
09. SOS (Jan Zehrfeld)  [feat. Gergo Borlai]

Saxophongruppe: Michael Lutzeier, Florian Fennes, Georg Gratzer, Larry Muñoz, Sam Greenfield
Bass: Anton Davidyants, Jan Zehrfeld
Gitarre: Jan Zehrfeld, Joe Doblhofer
Piano, Synth: Jan Eschke
Trompete: Mark Oates

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Bildquellen

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Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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