356 Tage, 365 verschiedene Bandshirts
Jeden Tag ein anderes Bandshirt – für viele Metalheads wäre das ein Traum, für Jan aus Hannover wurde es zur selbst verhängten Challenge: Der 50-Jährige trug bis heute ein ganzes Jahr lang 365 Tage in Folge kein Shirt doppelt und dokumentierte seine Reise für die Community auf seinem Insta-Account. Doch wer ihn kennt, weiß: Die Leidenschaft für Heavy Metal endet bei ihm nicht im Kleiderschrank. Mit detailverliebten LEGO-Nachbauten von Bands, Bühnen und Festivals begeistert er seit Jahren Fans auf der ganzen Welt. Auf seinem Instagram-Kanal teilt er regelmäßig seine außergewöhnlichen Kreationen und den Alltag eines Metal-Fans. Kurz vor dem Ende seiner Challenge haben wir mit ihm über Bandshirts als Teil der Metal-Kultur, seine Liebe zu LEGO und die Geschichten gesprochen, die hinter beidem stecken.
MH: Du hast es tatsächlich fast geschafft: 365 Tage lang jeden Tag ein anderes Metal-Shirt. Wie ist diese verrückte Idee überhaupt entstanden?
Jan: Ich glaube, der Anfang war im Juni 2025. Ich musste mir eine andere Lösung zur Lagerung meiner Shirts überlegen. Beim Überschlagen, wie viele Shirts ich denn unterbringen muss, dachte ich spontan, dass ich ja fast ein Jahr lang jeden Tag ein neues Shirt anziehen könnte. Und dann war der Weg zu einem täglichen Instagram-Post nicht weit.

Shirts und Longsleeves: Abhakliste für den Überblick
MH: Wann hast Du gemerkt, dass die Challenge tatsächlich funktionieren könnte – und gab es unterwegs Momente, in denen Du dachtest: „Jetzt wird’s eng“?
Jan: Ich wusste von Anfang an, dass ich nicht 365 Kurzarm-Shirts habe. Bei den fehlenden Shirts wollte ich einfach den Begriff „Shirt“ auf Langarmshirts ausweiten. Und dann war klar, dass ich es problemlos schaffe. Nur mit dem korrekten Zählen hatte ich manchmal Schwierigkeiten, da kamen manche Nummern doppelt vor oder fehlten. Und den Überblick zu behalten, welche Shirts noch nicht dran waren, ging auch nur mit einer Abhakliste.
MH: Wie groß ist Deine Bandshirt-Sammlung inzwischen eigentlich? Sind während der Challenge sogar noch neue Shirts dazugekommen?
Jan: Ich habe momentan etwas mehr als 350 T-Shirts und ca. 45 Langarmshirts. Seit dem Beginn der Challenge sind natürlich noch einige dazugekommen. An einem schön designten Urisk-Shirt kann ich dann einfach nicht vorbeigehen und – vielleicht eher kleinere – Bands durch den Kauf von Merch zu unterstützen, finde ich eine wichtige Sache. Ich habe aber auch ein paar verkauft, weil in erster Linie der Platz im Schrank schon wieder zu wenig ist und ich manche Shirts nicht mehr so schön finde und von der Band dann auch mehrere habe, zum Beispiel das Pallbearer-Shirt Nummer 306.

MH: Bandshirts sind im Heavy Metal oft viel mehr als nur Kleidung. Welche Bedeutung haben sie für Dich persönlich?
Jan: Ich möchte gerne meine – innere – Leidenschaft auch nach außen sichtbar machen. Mir war das Design oder die Aussage meiner – auch nicht Metal- – Shirts schon immer wichtig. Einfach nur einfarbige Shirts ohne Aufdruck gibt es bei mir nicht, das finde ich langweilig. Da tummeln sich dann von früher auch noch ein paar Batman-, Nicht Lustig- und Film-Shirts in meinem Schrank.
MH: Gibt es ein Shirt in Deiner Sammlung, das Dir besonders viel bedeutet – vielleicht wegen eines besonderen Konzerts, einer Erinnerung oder einer Geschichte dahinter?
Jan: Ich bin mal so frech und nenn mehrere Shirts… Auf jeden Fall mein ältestes Shirt: Das Langarmshirt von Paradise Lost besitze ich seit den 1990ern. So sieht es aber mittlerweile auch aus. Und vor etwa zwei Jahren war ich sehr froh, dass ich bei eBay das Jingo de Lunch-Shirt gefunden habe, dass ich als Jugendlicher hatte, aber leider verkauft habe. Ansonsten hat mein Shirt von Amon Amarth/Machine Head noch eine besondere Bedeutung. Ich war mit meinem Sohn 2022 beim Konzert in Berlin und beim Einlass haben wir uns den Merch angeguckt und fanden das Kooperations-Shirt sehr schick. Nach dem Konzert war es in meiner Größe leider ausverkauft. Da habe ich mich sehr geärgert. Ich habe sogar versucht, mir von einem späteren Termin der Tour ein Exemplar organisieren zu lassen, das hat aber auch nicht geklappt. Aber zweieinhalb Jahre später habe ich doch noch eins secondhand bekommen.

MH: Du bist vielen Metal-Fans vor allem durch Deine detailverliebten LEGO-Nachbauten von Bands und Bühnen bekannt. Wie passt dieses Hobby mit Deiner Leidenschaft für Bandshirts zusammen? Gibt es da eine gemeinsame Idee oder Philosophie?
Jan: Eigentlich gar nicht. Also ich sehe da keine Verbindung.
MH: Welche Deiner LEGO-Kreationen hat bislang die größte Resonanz ausgelöst – und gibt es noch eine Band, die Du unbedingt einmal nachbauen möchtest?
Jan: Die meisten Aufrufe mit etwa 5.700 und auch die meisten Likes hat meine Legoversion von Machukha erhalten, das liegt wohl auch in erster Linie daran, dass ich jetzt die Kollaboration bei Insta nutze. Ich habe im Mai 2026 nach einer anderthalbjährigen Pause, in der ich mich mehr auf Konzertphotographie konzentriert habe, wieder mit den Lego-Bands angefangen und vorher habe ich die Bands nur markiert, dass generiert natürlich viel weniger Reichweite. Eine Wunschband habe ich nicht. Ich entscheide, ob ich eine Band als Legoversion baue oder nicht, danach, ob ich sie live gesehen habe und ob ich sie musikalisch toll finde. Manchmal – eher selten – werde ich auch von einer Band gefragt, ob ich sie bauen kann, zum Beispiel von Aeonyzhar.

MH: Wie hat die Metal-Community auf Deine Shirt-Challenge reagiert? Gab es Begegnungen oder Reaktionen, die Dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Jan: Es gibt vereinzelte Leute, die hin und wieder auf meine Story reagieren. Häufig finden sie die Band oder das Shirtdesign toll, manchmal erinnern sie sich an ein bestimmtes Album oder Konzert. Auf einem Konzert wurde ich mal begeistert von einer Person ungefähr in meinem Alter auf mein altes Jingo de Lunch-Shirt – das hatte ich an jenem Tag an – angesprochen. Die Person hat sich sehr gefreut, so ein mittlerweile relativ seltenes Shirt live zu sehen.
MH: Hast Du während der Challenge selbst neue Bands entdeckt oder gemerkt, dass manche Shirts viel häufiger Gespräche ausgelöst haben als andere?
Jan: Da ich auf relativ viele Konzerte gehe und mir gerne auch junge, noch unbekannte Bands angucke, landen danach auch – wie von Zauberhand – wieder neue Shirts in meinen Schrank, wie zum Beispiel von der tollen, polnischen Band Asteriæ, die ich im Urlaub in Prag gesehen habe. Dass bestimmte Shirts viel Gesprächsanlass geliefert haben, kann ich nicht sagen.

MH: Mal eine organisatorische Frage: Wie behält man bei 365 verschiedenen Shirts überhaupt den Überblick? Hängt alles fein sortiert im Schrank oder herrscht kreatives Chaos?
Jan: Ich bin eher jemand, der im Kleiderschrank Ordnung mag. Vor 2025 lagen die T-Shirts übereinander gestapelt im Schrank. Jetzt stecken sie leicht aufgerollt in Ikea-Boxen. Damit ich weiß, welche Shirts in welcher Box sind, sind die Boxen nummeriert und in der Schranktür hängt eine Liste. Und ich habe die Angewohnheit, die Shirts eher der Reihe nach anzuziehen, damit nicht einzelne Shirts ständig von der Waschmaschine malträtiert werden.
MH: Die vermutlich wichtigste Frage zum Schluss: Was wäre eigentlich passiert, wenn Du die Challenge in einem Schaltjahr begonnen hättest? Hättest Du noch ein 366. Shirt in der Hinterhand gehabt?
Jan: Naja, ein paar Longsleeves sind noch im Schrank…
MH: Nach fast einem Jahr täglicher Challenge – was kommt als Nächstes? Erst einmal Pause oder spukt schon die nächste verrückte Idee in Deinem Kopf herum?
Jan: Ich habe gerade keine – grundsätzlich – neue Idee. Ich werde mit den Legobands noch etwas experimentieren: ein bisschen Beleuchtung und vielleicht auch Nebel. Es wurde aber auch schon die Idee an mich herangetragen, einfach mit den restlichen Longsleeves – und vielleicht auch Hoddys – weiterzumachen…
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Bildquellen
- Paradise Lost Longsleeve 720px: privat
- Urisk Longsleeve 720px: privat
- Amon Amarth Machine Head Shirt 720px: privat
- Jan mit Lego Band: Privatfoto des Modellbauers
- Might Shirt 720px: privat
- Jan mit Shirts 720px: privat


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