Michael Sopolidis-Ein wahrer Self-Made-Man

Michael Sopolidis (Homepage ) ist ein ganz besonderer Mann mit viel Know How und auch ganz viel Herz. Davon könnt Ihr Euch in diesem Interview überzeugen. Er wird in diesem Jahr seinen großen Traum endlich real werden lassen, indem er sein ambitioniertes Herzensprojekt in Form eines eigenen Doppelalbums namens „New Horizon“ veröffentlichen wird. Ganz aktuell kann man sich als Single den Titeltrack des Albums anhören. Ein toller Song! Doch dazu kommen wir gleich…

MH: Hallo Michi! Wir hatten ja schon mal das Vergnügen. Das ist ungefähr ein Jahr her. Du bist ein vielbeschäftigter Mann. Neben Deinem Beruf und Familie ist Musik ein wichtiger und großer Teil Deines Lebens. Du bist auch für die Band M.I.GOD. als Schlagzeuger tätig und für die Synthies zuständig. Außerdem spielst Du auch noch in einer Coverband namens TOUGH TALK.. Aber Du hast Dich ja seit geraumer Zeit auch Deinem Soloprojekt gewidmet.

Michi: Hallo Dirk. Ja, mir wird’s eigentlich nie langweilig.

Ein alter Traum wird wahr

Michi: An meinem Soloprojekt arbeite ich schon sehr lange, eigentlich schon seit ca. 23 Jahren. Da habe ich angefangen, Songs auf der Gitarre zu schreiben. Seitdem sind auch so einige Stücke zusammengekommen. Natürlich gab’s damals schon den Plan ein richtiges Album aufzunehmen. Aber wie es so ist, kam immer irgendetwas dazwischen. Außerdem war ich auch nie zufrieden mit der klanglichen Umsetzung, weil meine tontechnischen Fähigkeiten etwas begrenzt waren.

Michi: Einen neuen Schub hat das Ganze dann letztes Jahr bekommen, als Corona-bedingt alle Auftritte meiner Coverband abgesagt wurden und ich im Home Office war. Plötzlich hatte ich etwas mehr Zeit und auch meine Mixes klangen endlich so, wie ich mir das vorgestellt habe. Da habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Seitdem arbeite ich kontinuierlich an den Songs. Aber da ich ja alles in Personalunion mache, dauert das alles ein bisschen.

NEW HORIZON

MH: Deine neue Single „New Horizon“ ist ganz frisch am Start. Es ist der Titeltrack eines der beiden Alben, die Du zusammen in diesem Jahr noch veröffentlichen wirst. Das ist sehr ungewöhnlich!

Michi: Genau genommen ist es der Titel-Track beider Alben. Denn obwohl es zwei getrennte Alben sind, ergeben sie zusammen ein Ganzes. Zwei Alben zusammen oder kurz aufeinander zu veröffentlichen ist aber gar nicht so ungewöhnlich. STONE SOUR und SYSTEM OF A DOWN haben das auch schon gemacht.

MH: Worum geht es bei dem musikalischen Soloprojekt?

Michi: Ein musikalisches oder inhaltliches „Konzept“ an sich gibt es nicht, außer dass alles was man hört und sieht zu 100% ich bin. Anfangs gab es noch die Idee, Gastmusiker zu „featuren“, aber irgendwann dachte ich mir, wenn ich sowieso schon alles selber mache, dann ziehe ich das konsequent durch. Also könnte man sagen, das Konzept ist meine ganz persönliche und unverfälschte Reise durch meine musikalischen Einflüsse.

Ein sehr breites musikalisches Spektrum

MH: Wann und warum hast Du Dich für die Realisierung dieses umfangreichen Projektes über zwei Alben entschieden?

Michi: Da meine Einflüsse so weit gefächert sind, war es von Anfang an schwer, die doch teils sehr unterschiedlichen Songs und Stile unter einen Hut zu kriegen. Für mich wäre es zwar kein Problem, Pop-Balladen, elektronische Ambient-Tracks, fröhliche Rock-Songs und harte Metal-Songs wild durcheinander zu hören, da ich sowieso meistens so Musik höre, aber man muss ja auch an die Zuhörer denken. Ich denke, das fänden einige ziemlich irritierend. Deswegen habe ich letztes Jahr entschieden, die Titel anhand des Stils und der inhaltlichen Stimmung auf zwei Alben aufzuteilen meine eher gefühlvolle, romantische und fröhlichere Seite mit größtenteils pop-rockigen Stücken auf NEW HORIZON:DAWN und die härtere, melancholische und „düstere“ Seite auf NEW HORIZON:DUSK. Ganz so strikt kann man die Songs zwar nicht einteilen, aber am Ende ging es darum, welche Titel zueinander passen.

Als grobe Richtlinie könnte man sagen, wenn man nur auf harte und düstere Musik steht, dann sollte man zu DUSK greifen. Wer mit harter Musik nichts anfangen kann zu DAWN. Und wem das egal ist, der nimmt optimalerweise beide Alben und kann eben beide Seiten von mir kennenlernen.

Bei über 20 Tracks wäre es ja sowieso ein Doppelalbum geworden. So werden es jetzt zwei getrennte Alben, die zwar einzeln funktionieren, aber zusammen trotzdem ein Ganzes ergeben.

Zwei Seiten

MH: Die Alben beleuchten also zwei gegensätzliche Seiten?

Michi: Ob sie gegensätzlich sind, weiß ich nicht. Die zwei Alben repräsentieren auf jeden Fall zwei Seiten von mir, nicht unbedingt von mir als Menschen im Ganzen, aber als Musiker und „Künstler“. Inwieweit sich das letztendlich trennen lässt, kann ich nicht sagen.

MH: Glaubst Du, dass der Mensch immer zwei Seiten hat?

Michi: Ich denke, dass jeder Mensch mehr als eine Seite hat. Wahrscheinlich auch mehr als zwei. Persönlichkeiten sind in der Regel sehr komplex und definieren sich aus vielen verschiedenen Aspekten, die durchaus gegensätzlich sein können oder sich komplementieren. Und gerade die Kombination aus Zusammenspiel und Ambivalenz machen eine Persönlichkeit interessant.

Self-Made-Man

MH: Ist das richtig, dass Du wirklich alles komplett alleine realisiert hast? Sogar die Videos? Wie muss man sich den Erstellungsprozess vorstellen?

Michi: Ja, ich mache wirklich alles selbst. Auch die Videos. Aber das habe ich, im Gegensatz zur Tontechnik und dem Musikmachen, tatsächlich offiziell in meinem Medien-Design-Studium und später bei verschiedenen Video-Produktionen von u. a. Sarah Connor, Jeanette Biedermann sowie Gotthard und Paradise Lost gelernt.

Bei meinen Videos gehe ich recht minimalistisch ran und benutze das, was ich habe – mein iPhone, ein paar Leuchten und eventuell einen Greenscreen. Damit und mit der richtigen Software kann man schon einiges machen. Heutzutage hat man so viele Möglichkeiten mit der Technik, die man in der Hosentasche mit sich herumträgt, davon konnte man vor zehn Jahren nur träumen.

Das Video zu „New Horizon“ habe ich in meinem Homestudio im Keller gefilmt. An sich läuft das immer ähnlich ab – ich überlege mir ein visuelles Konzept und den Inhalt, dann nehme ich verschiedene Einstellungen auf und schneide und bearbeite das Ganze am Rechner. Also ziemlich straight und ohne viel Aufwand.

Ansonsten stammt alles aus meiner Feder, von der Musik, über die Produktion, das Grafik-Design und Artwork bis zu den Videos. Dennoch habe ich natürlich auch eine externe Qualitätskontrolle – Max von M.I.GOD. kriegt alles zu hören und zu sehen und gibt seinen Senf dazu ab. Solche Meinungen und Impulse von einer zweiten Person sind schon wichtig, da man selbst so tief in der Materie ist, dass man sich manchmal in Details verliert.

Immer nach vorne sehen

MH: „New Horizon“ ist ein harter Track, der auch mit fetten Riffs arbeitet. Aber der Song hat viel mehr zu bieten. Er glänzt mit einem coolen Groove und dazu noch aber auch mit sehnsüchtigen epischen Melodien und Gesangslinien. Der Text handelt von Vergangenheit und Neuanfang. Die Message habe ich so verstanden: Vergiss, was gewesen ist! Das kannst Du nicht mehr ändern, aber die Zukunft ist noch nicht in Stein gemeißelt und ungewiss.

Michi: Wortwörtlich geht es um jemanden, der ohne jegliche Erinnerung aufwacht, sich aber nicht in Selbstmitleid ergibt, sondern die neue Zukunft als Chance auf ein Leben ohne Altlasten begreift. Metaphorisch gesehen hast Du den Text aber richtig verstanden. Immer positiv nach vorne sehen und sich nicht mit dem was war zu sehr zu belasten.

MH: Wie ist dieser Song entstanden? Was war der Auslöser?

Michi: Wie bei den meisten meiner härteren Stücke, hat es mit dem Hauptriff angefangen. Das instrumentelle Arrangement habe ich beim Musikschreiben in der Regel recht schnell fertig. So auch bei „New Horizon“. Es hat sich grundsätzlich seit der ersten Demoversion zum fertig produzierten Release nicht viel verändert. Die meisten Spuren sind auch noch die ersten Takes, die ich damals aufgenommen habe.

Der schwerste Akt

Was bei mir fast immer etwas länger dauert, sind die Texte und Melodien. Bis auf wenige Ausnahmen, wo ich tatsächlich vor der Musik schon eine Textidee oder Melodie hatte, fällt mir dieser Teil am schwersten. Da kann es schon mal mehrere komplett verschiedene Text- und Melodieversionen geben, bis ich das Richtige finde. Aber umso schöner ist es dann, wenn der Gesang endlich fertig ist und ich den Song das erste Mal komplett höre.

Musik mit und für das Herz

MH: Du bist bei `metal-heads.de´ aber tatsächlich kein Neuling mehr. Nicht nur, dass Du mit der Band M.I.GOD. verbunden bist, sondern wir haben seinerzeit über Dein Video zum Song „Meant To Be“ berichtet, welches ein besonders herzliches Geschenk für Deine Frau gewesen ist. Dein Sohn war ebenfalls Teil des herzerfrischenden Videos.

Michi: Das war eine schöne Aktion. Es sollte ja eine Überraschung zum runden Geburtstag meiner Frau werden, aber da wir mitten im Lockdown waren, mussten wir sie zum Spazieren schicken, um überhaupt die Chance zu haben, das Video zu drehen. Also haben mein Sohn und ich in kürzester Zeit so viele Takes aufgenommen, wie es ging und wieder alle Spuren beseitigt. Und spät abends, als sie schon geschlafen hat, habe ich es dann geschnitten. Ihre Reaktion, als sie es dann endlich gesehen hat, war die viele Arbeit aber auf jeden Fall wert.

MH: Ist Dein Sohn Dein größter Fan? Inwiefern unterstützt er Dich bei Deiner kreativen Schaffensphase? Wie begeistert ist er von Musik, insbesondere Deiner Musik?

Michi: Er findet’s natürlich toll, wenn der Papa Musik macht und schaut immer ganz gebannt zu, wenn ich auf der Bühne stehe. Er nimmt ja selber auch schon seit fast zwei Jahren Gitarrenunterricht, was mich natürlich freut. Ob er tatsächlich mal in meine Fußstapfen tritt, muss sich zeigen. Er ist ja erst 7 Jahre alt und da kann sich noch viel ändern. Das Talent ist auf jeden Fall vorhanden. Im Moment kann er mich aber noch nicht wirklich unterstützen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es in ein paar Jahren mal ein Vater-Sohn-Album.

Musik und Familie

MH: So ein Projekt in Eigenregie zu realisieren bedeutet sehr, sehr viel Arbeit.

Michi: Oh ja!

MH: Hat Deine Frau manchmal Entzugserscheinungen wegen Deiner Liebe zur Musik oder ist sie auch ein Teil davon?

Michi: Meine Frau hört zwar gerne Musik, macht aber selbst keine. Aber da sie schon ein paar Lieder inspiriert hat, ist sie auch ein Teil davon.

Natürlich nimmt die Musik, gerade im Moment, viel Zeit in Anspruch und meine Frau ist manchmal davon schon etwas genervt. Nach der Arbeit versuche ich möglichst viel Zeit mir ihr und unserem Sohn zu verbringen. Aber um voran zu kommen, muss ich natürlich auch was tun. Deswegen verschwinde ich dann irgendwann im Keller, um an der Musik weiter zu arbeiten. Natürlich nicht jeden Abend, aber so oft es geht. Zum Glück hat sie Verständnis dafür und unterstützt mich dabei. Die Wochenenden halte ich mir aber weitestgehend für die Familie frei.

Künstler STING

MH: In diesem Zusammenhang möchte ich eine Aktion nicht unerwähnt lassen. Du hast auch eine gefühlvolle Coverversion des STING-Klassikers „Shape Of My Heart“ gemacht und vor gar nicht allzu langer Zeit veröffentlicht.

MH: Was bedeutet STING als Künstler für Dich und warum hast Du Dir gerade diesen Song ausgesucht?

Michi: STING ist eines meiner frühesten musikalischen Vorbilder. Das erste Mal bewusst wahrgenommen habe ich ihn, als ich ca. zehn Jahre alt war. Da lief nachmittags auf einem der öffentlich-rechtlichen Sender „Bring On The Night“, ein Dokumentarfilm über die Anfänge seiner Solokarriere und die Vorbereitungen zu seinem ersten Solokonzert. Ich war völlig gebannt von der Musik und diesen unglaublichen Musikern, dass ich mir kurz darauf Kassetten von seinen damals erst zwei Alben besorgt habe. Vor allem seine ersten vier Alben sind meiner Meinung nach großartig und laufen immer noch regelmäßig in meinem Auto. Natürlich habe ich dann auch THE POLICE für mich entdeckt. So viel Energie und Groove – Wahnsinn. Das Greatest Hits-Album ist auch immer noch eines meiner Favoriten und weckt viele Erinnerungen an meine Jugend.

„Shape Of My Heart“ ist auch so ein Song, der mich sofort gepackt hat. Die melancholische Atmosphäre und vor allem die Gitarrenmelodie von Dominic Miller sind einfach genial. Da ich den Song im letzten Jahr des Öfteren auf der Gitarre geübt habe, war das natürlich eine logische Konsequenz ihn zu covern.

Zukunftspläne

MH: Wie sehen Deine nächsten Schritte aus? Was dürfen wir erwarten?

Michi: Natürlich mein Album fertig zu bekommen! Mit meiner Timeline war ich aber etwas zu optimistisch, weswegen ich mich im Moment auf ein konkretes Release-Datum nicht festlegen kann oder will. Es ist noch einiges zu tun. Ich bin aber auf jeden Fall dabei.

Bis zum Release werde ich noch 1–2 Singles auskoppeln, um schon mal auf die beiden Alben einzustimmen.

Darüber hinaus arbeite ich mit M.I.GOD. an einem Projekt – aber dazu will ich noch nichts verraten!

Die Plattform `Bandcamp´

MH: Es gibt die Plattform Bandcamp, die bei vielen Leuten neben den großen Streamingportalen scheinbar noch nicht so bekannt ist. Erzähl doch mal kurz, was Bandcamp ist und wie diese Künstler und Bands unterstützt bzw. welche Vorteile diese Plattform besitzt.

Michi: Bandcamp ist eine Social Plattform und gleichzeitig ein Online-Store für hauptsächlich unabhängige Musiker und Bands, wo sie ihre Musik zu fairen Preisen verkaufen können und zwar nicht nur digital, sondern auch als physische Releases, wie z. B. CDs, Vinyl usw.

Heutzutage ist es extrem schwierig mit Musik Geld zu verdienen, geschweige denn davon zu leben. Streaming-Anbieter, wie Spotify, machen es zwar so einfach wie nie zuvor, seine Musik unter die Leute zu kriegen und weltweit zu vertreiben, aber die finanzielle Ausbeute ist gerade für kleine Künstler miserabel. Wenn man kein Megastar mit Millionen von Streams ist, hat man keine Chance seine Produktionskosten wieder hereinzuholen.

Deswegen finde ich Bandcamp sehr gut. Gerade auch für Musikliebhaber, die gerne eine CD oder eine Platte in der Hand haben wollen, ist das eine wunderbare Plattform. So kriegt man seine Musik direkt von den Künstlern und unterstützt sie unmittelbar mit dem Kauf von Alben aber auch Merchandise-Artikeln.

Idealerweise kauft man die Musik auf Bandcamp und hört sie dann auf den Streaming-Plattformen, da hier mehr Streams auch mehr Aufmerksamkeit bedeuten und neue Hörer generieren kann. So würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit seine Lieblingsbands zu supporten.

MH: Bandcamp

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Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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