SAVATAGE-„Dead Winter Dead“ & „The Wake Of Magellan“ auf Vinyl

Ein neues Kapitel

steht SAVATAGE nach der Platte „Handful Of Rain“ bevor. Nach dem mehr als tragischen Tod von Criss Oliva musste man sich erst einmal erholen und neu sortieren. Ein Ende der Band kam dann allerdings nicht in Frage, sondern man wollte weitermachen. Allerdings gab es eine Umstrukturierung im Bandgefüge. Gitarisst Criss Caffery aus Gutter Ballet Zeiten kehrte zurück und Al Pitrelli stieg als Lead Gitarrist ein. Jeff Plate setzte sich in die Schießbude. Allerdings gab es auch Änderungen in der musikalischen Ausrichtung, was ich persönlich nicht so sehr begrüßte. Am 23.09.’22 erscheinen nun die Alben „Dead Winter Dead“ und „The Wake Of Magellan“ als Re-Release auf Vinyl.

„Dead Winter Dead“

Der Bosnienkrieg

war damals der Aufhänger für dieses Konzeptalbum. Es ist die traurige Geschichte vom Staat Jugoslawien, die kurze Zeit nach dem glücklichen Ereignis des Mauerfalls ihren tragischen Lauf nahm. Das Land war innerlich zerrissen und schließlich forderten Teile des Staates ihre Unabhänigkeit, was letztlich zu einem offenen Krieg führte. Das Album handelt von zwei Kämpfern auf verfeindeten Seiten, die sich in der Stadt Sarajevo gegenseitig bekämpften. Das Cover des Albums zeigt den Marktplatz und im Vordergrund ein Wasserspeier, der von einem Turm über diesen Platz wachte.

Es begab sich während der Kämpfe, dass ein Musiker in seine Stadt zurückkehrte und all das Leid und die Zerstörung sah. Er war schockiert und er machte es sich zur Aufgabe, jeden Tag trotz der immensen Gefahr auf dem Marktplatz inmitten der umkämpften Stadt zu musizieren. Die beiden Kämpfer lauschten jeden Tag dieser Musik, bis diese plötzlich eines Tages aprupt verstummte. Beide Kämpfer, ein Serbe und eine Muslima, begaben sich zu dem Brunnen, an dem der Cellospieler immer musizierte. Er wurde getötet und lag blutverschmiert an dem zerstörten Brunnen! In den beiden Soldaten wuchs die Erkenntnis über all die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges und beide desertierten gemeinsam und verließen den Kriegsschauplatz.

Eine Rock-Oper

Paul O‘ Neill konnte sich nun voll verwirklichen. Im Ergebnis bleibt ein SAVATAGE-Album, das vom Stil und Konezpt an Härte eingebüßt hat, aber dafür mit mehr Klassik und Synfonik ausgestattet wurde. Die klangliche Handschrift von SAVATAGE bleibt aber nach wie vor erkennbar. Auf dem Album finden sich mehr Balladen als auf irgendeinem anderen Album, wobei die Stimmung dem Thema entsprechend melancholisch ausgefallen ist.

An dem Konzept scheiden sich die Geister. Ohne Frage ist das Gesamtkonzept gut ausgearbeitet und die Songs sind handwerklich wie gewohnt erste Sahne. Die Gitarrenarbeit ist nach wie vor hervorragend, auch wenn Criss Oliva niemand ersetzen kann. Doch für mich nimmt dieses Album musikalisch nicht so einen hohen Stellenwert ein und erreicht nicht die Klasse wie beispielsweise „Streets“. Ich weiß, dass einige dies anders sehen, aber so ist das eben mit persönlichen Empfindungen und Geschmäckern. Aber man muss einfach sagen, dass es kein typisches SAVATAGE-Album ist. Wenn man sich mit SAVATAGE beschäftigen möchte, würde ich dieses Album nicht als erstes empfehlen.

Ein kleine Anekdote

am Rande sei noch erwähnt. Witziger- und zugleich tragischerweise wurde ausgerechnet der Instrumentaltrack „Christmas Eve“ ein unglaublich erfolgreicher Track, der der Band einerseits einen starken Bekanntheitsschub verpasste, aber gleichzeitig der Anfang vom Ende der Band war. Warum? Nun…. Mitglieder der Band gründeten die Band TRAN SIBIRIAN ORCHESTRA, deren großer Erfolg war neben Jon Olivas anderem Projekt „Jon Olivas Pain“ das Ende von SAVATAGE besiegelte. Außerdem hatte Jon Oliva noch sein Nebenprojekt „Jon Olivas Pain“ am laufen. SAVATAGE wurde somit 25 Jahre nach Gründung im Jahr 2007 aufgelöst.

Die Vinyl-Edition

Dead Winter Dead” erscheint als hochwertige 33rpm Doppel-LP auf 180g-Vinyl im Gatefold sowie als streng limitierte Sammleredition auf rotem Vinyl, die eine Replik des Europa-Tourplakats von 1996 enthält. Beide Editionen wurden für Vinyl gemastert und das Original-Cover-Design wurde um ein erweitertes Artwork samt 16-seitigem LP-Booklet angereichert.

„The Wake Of Magellan“

Der Seeman

Die Geschichte handelt von einem Mann namens Hector Magellan. Er ist ein alter Seemann und Nachfahre von Ferdinand Magellan, der im Jahre 1527 als erster Mensch die Welt umsegelte. Hector ist sehr alt geworden und hat all seine Freunde überlebt. Eine Familie habe er nie gegründet, da er sein Leben größtenteils auf dem Meer verbrachte. So bleibt ihm nur die Einsamkeit im letzten Kapitel seines Lebens und er leidet unter Depressionen, die sogar zu Selbstmordgedanken führen. Er beschließt in seinem kleinen Segelboot aufs Meer hinauszusegeln und dort sein Schicksal zu besiegeln. Doch es kommt anders, als er es geplant hatte.

Weniger Härte, noch mehr Synfonien

SAVATAGE waren nun endgültig zu einer Rock-Oper-Band geworden. Denn auch „The Way Of Magellan“ ist ein Konzeptalbum mit einer Geschichte. Nun, wie man wahrscheinlich weiter oben schon bemerkt haben mag, bin ich kein großer Fan dieser Entwicklung. Fans der orchestralen Ausrichtung werden das natürlich anders sehen und werden auch „The Way Of Magellan“ abfeiern, denn dieses Stilmittel wird hier noch opulenter eingesetzt. Es ist dabei so, dass nicht die Qualität der Musik bei SAVATAGE nachließ, sondern die Härte. Der Metal ist immer weniger rauszuhören. So bleiben für mich als Highlights auf dem Album Songs wie das flotte „Turns To Me“ oder das markante „Black Jack Guillotine“.

Die Vinyl-Edition

Auch “The Wake Of Magellan” kommt als exquisite 33rpm Doppel-LP auf 180g-Vinyl in die Regale und wird um eine limitierte Sammleredition auf transparent-orangenem Vinyl ergänzt, der ein lentikularer Druck des maritimen Cover-Gemäldes beiliegt. Der Clou: Je nach Betrachtungswinkel bewegt sich das abgebildete Schiff. Beiden Editionen gemein sind ein Mastering extra für Vinyl, das hochwertige Gatefold sowie ein aufwändig illustriertes 12-seitiges LP-Booklet.

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Bildquellen

  • Savatage_DeadWinterDead_LIMITED_LP: CMM GmBH
  • Savatage_TheWakeOfMagellan_LIMITED_LP: CMM GmBH
  • SAVATAGE DWD Titelbild: Amazon

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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