EISBRECHER-„Liebe Macht Monster“-Review

(Review english below german text)

Deutscher Metal

mit deutschen Texten, die klar und unmissverständlich vom Frontmann Alex Wesselsky rausgehauen werden. EISBRECHER (Facebook, Homepage ) sind schon lange eine Institution im deutschen Metalgeschäft. Natürlich ist der mit elektronischen Effekten getränkte Sound eine Geschmacksfrage. Indiskutabel ist allerdings die Tatsache, dass der Sound bisher immer mit verdammt viel Wucht daherkam und einen düsteren Touch hatte. Zurückhaltung haben sich EISBRECHER noch nie auf die Fahnen geschrieben. Für EISBRECHRER gab es bisher nur eine Richtung: Kraftvoll geradeaus! Und nun kommt die neue Langrille „Liebe Macht Monster“ am 12.03.2021 auf Euch zu. Die Review wird folgende Frage beantworten: Eisbrecher oder Traumschiff?

Randvoll

© Holger Fichtner / 360 Grad Design

wurde das Album mit 14 Songs gepackt. Da gibt’s schon mal nix zu meckern. Zwei Videos hat man bereits rausgehauen. Da wäre zum ersten der Song „Fakk“. Deutlichere Worte sind wohl kaum möglich. Wer nur auf lyrische tiefgründige Texte steht, der ist hier so was von falsch. Hier werden gibt es klare verbale schallende Ohrfeigen. Fetter Beat, noch fettere Riffs bilden die Grundlage für den massiven Rap von Alex.

Ich stehe dem Song allerdings zwiegespalten gegenüber. Einerseits macht der Song richtig Dampf, andererseits weiß ich nicht genau, was ich von diesem modern jugendlichen Slang halten soll. Damit kann man sicher in dem entsprechenden Lager einige Fans begeistern. Axel hat noch ein paar Jahr mehr als ich auf dem Buckel und da frage ich mich. Ist das jetzt cool oder peinlich? Ist das noch EISBRECHER? Die Frage ist meiner Meinung nach durchaus berechtigt. Es könnte aber auch einfach ein Stilmittel sein, um gerade diesen Slang auf die Schippe zu nehmen. Dies würde auch die Outfits und das Video erklären. Aber entscheidet selbst….

Entwicklungen

Im Hinblick auf die oben genannte Frage kommt das restliche Material auf den Prüfstand. EISBRECHER vollziehen einen Rundumschlag und packen alle unbequemen Themen gnadenlos im Genick. Dies geschieht häufig plakativ und provozierend. Vom Stil her ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dabei werden die wuchtigen Riffs auch mal zurückgekommen oder gar gestrichen. Dann übernehmen die Synthies das Kommando. Wenn man sich nur einzelne Songs auf dem Album rauspicken würde, dann würde man nie auf die Idee kommen, dass hier eine Metal-Band am Start ist.

Man nehme z.B. den Song „Systemsprenger“. Harter Titel, ist aber im Vergleich ein harmloser Song, der nix mit Metal zu tun hat. Ist zwar trotzdem cool umgesetzt und könnte glatt von der einen oder anderen namenhaften HipHop-Band stammen und wäre ein Riesenhit. Die Band sagt selber über die Entstehung des Albums:

Um nicht produktionstechnisch in der eigenen künstlerischen Dauerschleife festzuhängen, muss man mitunter Altbewährtes über Bord werfen. Daher sind bei uns alle sorgsam gesammelten Sounds der letzten Jahre im Papierkorb gelandet

Noel Pix im Pressetext

Scheinbar hat man statt schwerer Last nun auch einige Tonnen Zucker auf den EISBRECHER geladen.

Süße Töne

Auf die Spitze treibt man es dann mit der Ballade „Himmel“. Eine zarte Ballade, aber will ich die von EISBRECHER hören? Das erinnert mich doch leider zu sehr an UNHEILIG. Der Graf als Macher dieser Band kappte nach seinem Erfolg mit der Single „Geboren Um Zu Leben“ seine Wurzeln und fühlte sich plötzlich mehr im Bereich mehr der Schlager- und Popszene wohl. Da entsteht schon der Verdacht, dass wohl geschäftliche Interessen im Vordergrund standen, denn musikalische Überzeugungen bringen eben nicht immer Kohle.

Nun wollen wir hoffen, dass EISBRECHER nicht den gleichen Weg einschlagen und plötzlich „Eistüte“ oder „Eisblumen“ heißen und im ZDF Sonntagsgarten auftreten. Möge nicht der Tag kommen, an dem Axel den Eisbrecher untergehen lässt und als Kapitän auf dem Traumschiff anheuert.

Massive Brecher

gibt es aber dann doch ebenfalls auf dem Album, die in gewohnter Art und Weise fett und druckvoll auftreten. Beispielhaft seien hier einige davon erwähnt. Der Opener „Es Lohnt Sich Nicht Ein Mensch Zu Sein“ beispielsweise brettert furios drauflos.

„Nein Danke“ steht dem in nichts nach und begeistert mit einem coolen Breakdown und netten Effekten. So mag ich das!

Für den Song „Dagegen“ hat man sich Verstärkung einer Institution im Bereich der Neuen Deutschen Härte an Bord geholt, nämlich Dero Goi von OOMPH!

„Frommer Mann“ ist ein Beispiel für eine gelungene Symbiose zwischen dunklem Elektrosound und wuchtigem Metal, der auf Weichspüler verzichtet. So was in der Art oder noch abgedrehter hätte ich mir mehr gewünscht.

„Im Guten Im Bösen“ setzt sich mit einem melodischen Chorus im Ohr fest. Doch die Strophen sind mir zu weich geraten und hätten im Zusammenspiel mit dem gefälligen Chorus böser sein können. Damit hätte man die Gegensätzlichkeit besser herausstellen können. So bewegt sich der Song wieder im Zwitterbereich; wie einige andere auch.

Fazit

EISBRECHER sind noch EISBRECHER! Sie erfinden sich allerdings zum Teil neu. Das ist kreativ, aber gewöhnungsbedürftig. Man bewegt sich nicht mehr nur in dunklen Gefilden, sondern schippert auch mal in andere Gewässer. Eine sonnige entspannte Kreuzfahrt ist es insgesamt noch nicht geworden, aber EISBRECHER haben jetzt auf ihrem Schiff einige Pakete Zucker geladen. So fehlen hier und da Ecken und Kanten und es erhalten mehr süße Harmonien Einzug. So ist „Liebe Macht Monster“ anders als das letzte Album „Sturmfahrt“, welches titelgemäß härter und rauer durch die Ohren stampfte.

Manche mögen das Vielseitigkeit und Weiterentwicklung nennen, jedoch hat es für mich leider einen Anstrich von Kommerz, um irgendwie in mehreren Becken zu fischen. Das wäre nicht so tragisch, wenn man Ausflüge in andere Bereiche des Metal bzw. Rock machen würde oder wenigstens in den düsteren Elektrobereich, aber in dieser Form geht für mich ein Teil der Authentizität verloren. Das Album wird aber mit Sicherheit trotzdem super einschlagen.

Wollen wir nur hoffen, dass bei EISBRECHER der Zucker nicht in den Tank gelangt, denn man weiß ja, was dann passiert…. Ende der Fahrt!

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Review english

German Metal

with German lyrics that are clearly and unmistakably belted out by frontman Alex Wesselsky. EISBRECHER (Facebook, Homepage ) have long been an institution in the German metal business. Of course, the sound, soaked in electronic effects, is a matter of taste. Indisputable, however, is the fact that the sound has always come along with a hell of a lot of force and had a gloomy touch. EISBRECHER have never been known for restraint. For EISBRECHRER there has only been one direction: powerfully straight ahead! And now the new album „Liebe Macht Monster“ is coming your way on 12.03.2021.The review will answer the following question: Icebreaker or dreamboat?

„Liebe Macht Monster“

© Holger Fichtner / 360 Grad Design

was packed with 14 songs. There’s nothing to complain about. Two videos have already been released. The first is the song „Fakk“. Clearer words are hardly possible. If you’re only into lyrical, profound lyrics, you’re so wrong here. There are clear verbal slaps in the face here. Fat beats and even fatter riffs form the basis for Alex’s massive rap. I am ambivalent about this song. On the one hand, the song really makes steam, on the other hand, I don’t know exactly what to make of this modern youthful slang. I’m sure you can win over a few fans in the appropriate area with this. Axel has a few more years under his belt than I do and I ask myself. Is this cool or embarrassing? Is this still EISBRECHER? In my opinion, the question is quite justified. But decide for yourself….

Developments and changes

With regard to the above question, the rest of the material comes under scrutiny. EISBRECHER perform a sweeping blow and mercilessly grab all uncomfortable topics by the scruff of the neck. This is often done in a striking and provocative way. In terms of style, there is something for every taste. So sometimes the massive riffs are reduced or even deleted. Then the synths take over. If you were to pick out only individual songs on the album, you would never get the idea that this is a metal band.

Take the song „Systemsprenger“ for example. Tough title, but in comparison it’s a harmless song that has nothing to do with metal. It’s still cool and could have been written by one or the other famous hip hop band and would have been a huge hit. The band themselves say about the making of the album:

In order not to get stuck in a permanent production loop, you sometimes have to throw the tried and tested overboard. That’s why all the carefully collected sounds of the last few years have ended up in the trash bin

Noel Pix –>Pressetext

Sweet tones

They take it to the extreme with the ballad „Himmel“. A nice song, but do I want to hear it by EISBRECHER? Unfortunately, it reminds me too much of the band „Unheilig“. After his success with the single „Geboren Um Zu Leben“, he cut his roots and suddenly felt more at home in the pop scene. This gives rise to the suspicion that business interests were in the foreground, because musical convictions don’t always bring money.

Now let’s hope that EISBRECHER don’t take the same path and suddenly become „Eistüte“ or „Eisblume“. May the day not come when Axel lets the icebreaker go down and hires on a cruise ship.

Massive Breaker

exist also on the album, which perform in their usual fat and powerful manner. The opener „Es Lohnt Sich Nicht Ein Mensch Zu Sein“, for example, rocks furiously.

„Nein Danke“ is in no way inferior to this and inspires with a cool breakdown and nice effects. That’s how I like it!

For the song „Dagegen“ they got the support of an institution in the field of Neue Deutsche Häre, namely Dero Goi from OOMPH!

„Frommer Mann“ is an example of a successful symbiosis between dark electro sound and massive metal that does without fabric softener. I would have wished for something like that or even more twisted.

„Im Guten Im Bösen“ catches the ear with a melodic chorus. But the verses are too soft for me and could have been more evil in the interplay with the pleasing chorus. This would have been a better way to emphasise the contrasts. So the song moves again in the hermaphrodite area; like some others.

Result

EISBRECHER are still EISBRECHER! However, they are reinventing themselves to some extent. That’s creative, but it takes some getting used to. They no longer move only in dark realms, but also sometimes sail into other waters. It has not yet become a sunny relaxed cruise, but EISBRECHER have now loaded some packets of sugar on their ship and you will get more sweet harmonies. Thus „Liebe Macht Monster“ is different from the last album „Sturmfahrt“, which, according to its title, pounded harder and rougher through the ears.

Some might call it versatility and development, but for me it unfortunately smacks of commercialism, of somehow fishing in multiple pools. That wouldn’t be so tragic if they made excursions into other areas of metal or rock, or at least dark electro, but in this form a part of the authenticity is lost for me. The album will certainly be a big success anyway.

Let’s just hope that the sugar doesn’t get into the tank of EISBRECHER, because you know what happens then…. End of the ride!

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Bildquellen

  • EB_FAKK_Hoch_2: Foto, Logo über `rosenheim-rocks´//© Holger Fichtner / 360 Grad Design
  • EISBRECHER Liebe Macht Monster-Cover+Infos-1: Cover+Infos über `rosenheim-rocks´//Background, Hammer-->Pixabay
  • EB_Band_Querformat_1-Titelbild: Foto, Logo über `rosenheim-rocks´//© Holger Fichtner / 360 Grad Design

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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