False Light von White Ward

Auf dem Cover des Albums "False Light" von White Ward ist ein verlassenes, verfallenes Holzhaus zu sehen, dass auf einer Hügelkuppe steht.

False Light von White Ward ist das dritte Album der Black-Metal-Band aus der Ukraine (erschienen am 29. April 2022). Die Band bezeichnet ihren eigenen Stil als Deviant Black Metal. Das englische Adjektiv deviant heißt wörtlich abartig oder – weniger radikal formuliert – abweichend. Und das trifft absolut zu. Denn White Ward weichen vom Genre signifikant ab. Sie verschmelzen ihren Black Metal mit Jazz. Das macht sich auf False Light nicht nur in der Instrumentierung bemerkbar. Zwar gehört Dima Dudko am Saxonphon zur Kernbesetzung der Band. Aber die Liste der Gäste ist lang. Der us-amerikanische Trompetenmusiker und -improviseur Jerome Burns beispielsweise steht auf dieser Liste. Er ist abseits seines Gastauftritts auf False Light auf zeitgenössische Musik und die Musik des 20. Jahrhunderts, beispielsweise von Stockhausen, spezialisiert. Darüber hinaus vergrößern Piano und Rhodes Piano oder Kontrabass das Klangspektrum des Albums immens.

White Ward haben auf False Light viele Gäste dabei

Aber nicht nur die vielschichtige Instrumentierung ist herausragend. Auch bei den Vocals haben sich White Ward hochkarätige Unterstützung geholt. Diese kommt sowohl aus der Ukraine als auch von internationalen Gästen. Doch anders als auf der verangegangen EP Debemur Morti vom Juni 2021 sind diesmal keine Black-Metal-Größen wie Lars Nedland von Borknagar vertreten. Vielmehr sind mit Jay Gambit (Crowhurst, Executioner’s Mask) oder Adam Symonds (Latitudes, früher: Eden Maine) diesmal zwei Gastsänger aus anderen Musikgenres zu hören.

Der Facettenreichtum von False Light ist groß. White Ward führen durchgängig alle einflussnehmenden Stilrichtungen vollkommen schlüssig zusammen. Isolierter wirkende Saxophoneinsätze tauchen dagegen im Extreme Metal hier und da schon mal auf. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind hier beispielsweise aus dem Black Metal der Song A Grave Inversed von Ihsahn (Emperor) zu nennen. Oder aus dem Death Metal das Zwölfminutenwerk Repangaea von Cephalic Carnage und The Silent Life von Rivers Of Nihil. Auch Napalm Death haben bereits mit Saxophon experimentiert und Free-Jazz-Elemente in Everyday Pox intergriert. Und bei Amorphis kommt ein Saxophon immer wieder zum Einsatz (auf den Alben Tuonela und Am Universum).

False Light von White Ward: Black Metal und Noir Jazz

Der Einbezug von Noir- und Free-Jazz-Elementen auf False Light von White Ward geht weit über einen ausschließlich stellenweisen Gastauftritt hinaus. Das dritte Album der Black-Metal-Band ist als Stil-Melange komplett in sich verwoben. Wo Black Metal aufhört und Jazz anfängt, lässt sich kaum mit einer scharfen Trennlinie versehen. Das verstärkt vor allem der avantgardistische, improvisierende Trompeteneinsatz. Er macht diese häufig als düstere Spielart bezeichnete Art des Jazz auf False Light besonders präsent. Einem breiten Publikum bekannt ist diese Musik aus der erfolgreichen Detective-Serie Bosch.

Das Atmosphärisch-Düstere des Jazz Noir und das Aggressiv-Dunkle des Black Metal bilden auf False Light von White Ward sowohl Kontraste als auch Symbiosen. Das macht das hörenswerte Album aus acht Tracks über insgesamt 66 Minuten tiefgründig und intellektuell. Auch bei den textlichen Inhalten ist das Niveau hoch. Sie handeln vom Leben in der Großstadt, seiner Anonymität, den Bedrohungen, der Gewalt und dem Gefühl von Vereinsamung unter Menschenmassen. Inspiration gab hierfür unter anderem Mykhailo Kotsubinsky, ein ukrainischer Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts. Das Album wirkt deshalb in sich geschlossen wie ein Konzeptalbum, bleibt dabei abwechslungsreich und überrascht auch bei mehrfachem Hören immer wieder mit kreativen Details. Es ist wahrhaft ein künstlerisches Werk im Sinne des Wortes.

Minitour: White Ward live auf fünf Shows zu sehen

Zum aktuellen Zeitpunkt sind fünf Shows geplant, auf denen man White Ward sehen kann. „Jede davon ist von Bedeutung von uns, weil es der erste Anlauf ist im Ausland zu spielen, seit Russland den Krieg gegen unser Land begonnen hat“, sagt die Band auf Instagram. „Es ist eine großartige Möglichkeit von diesem Krieg zu erzählen und Geld zu sammeln für unsere Armee und die Menschen, die unter der russischen Gewalt leiden.“ Die Termine im Einzelnen:

28.09.: Liverpool Club, Wroclaw, PL
29.09.: Tommy Weisbecker Haus, Berlin, DE
30.09.: Euroblast Festival, Cologne, DE
01.10.: Vortex Surfer Musikclub, Siegen, DE
02.10.: Vagon Club, Prague, CZ

In eigener Sache

Natürlich gibt es noch viele weitere News, Reviews und Live-Berichte aus der Szene der harten Töne bei uns. Um ja nichts zu verpassen, abonniert ihr am besten unseren kostenlosen Newsletter. Oder Ihr folgt uns bei Facebook. Die besten Bilder findet ihr dann bei Instagram. Und unser YouTube Channel hält schon jetzt einiges bereit. Schaut mal rein!

Newsletter bestellen für wöchentliches Update!

Bildquellen

  • Albumcover False Light von White Ward: Amazon

Matt

In der Unterstufe Metallica und lange Haare. Heute vor allem Black- und Death-Metal, aber nur noch Buzz-Cut. Innere Langhaarigkeit muss reichen... ;)

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier + 16 =