GWENDYDD – „Censored“ Review

(English review down below!)

Extreme Metal

Und hier wieder ein Album aus der Kategorie: Unerwartet umgehauen! GWENDYDD (Facebook) war mir bisher kein Begriff. Das hat sich zum Glück definitiv geändert. Ich ging völlig unvorbereitet an die Sache heran und ich wurde förmlich vom Album „Censored“ (VÖ 06.05.2022) weggeblasen.

GWENDYDD ist eine schlagkräftige Gruppe aus Bulgarien. Doch besteht die Band nicht aus wilden Kerlen, sondern fast auschließlich aus hartgesottenen toughen Mädels. Und die legen eine Power an den Tag, dass einem Angst und Bange wird. Verrückt! Es gibt ja schon einige female fronted Bands, die es uns mit astreiner harter Mucke besorgen; siehe beispielsweise ARCH ENEMY, JINJER, SPIRITBOX oder INFECTED RAIN. Doch mit GWENDYDD wird ein weiteres Kapitel aufgeschlagen, dass den Begriff Härte und Wahnsinn ganz eigenständig für sich definiert. Inzwischen sind sie bei dem deutschen Label DRAKKAR unter Vertrag.

Kurz zur Entstehung der Band

Sängerin Victoria Stoichkova nahm 2018 an der Show „The Voice“ in Bulgarien teil und hinterließ mächtig Eindruck. Sie gewann die Show zwar nicht, aber der Musiker Bambi Nikiforov wurde so aufmerksam und wollte sie für sein Projekt gewinnen. Denn er wollte die erste All-Female-Metal-Band gründen und dabei als Songwriter und Produzent agieren. Schlussendlich hat man sich aber dann doch dafür entschieden, dass er selber als Drummer den Ton angibt. Und so fing man als Band zusammenzuwachsen. Man brachte 2020 das Album „Human Nature“ heraus.

Ich habe dort selbstverständlich auch mal ein Ohr riskiert. Ich würde mal sagen, dass sich die Band erst einmal ausprobiert hat. Es gibt richtig gute Songs auf dem Album, aber nicht alles klang für mich packend und ausgreift. Doch für ein Debüt ist das schon eine mehr als respektable Leistung. Allerdings hat man mit dem neuen Album „Censored“ einen Riesensprung gemacht. Die aktuellen Songs bewegen sich auf einem ganz anderen Level, auch was die Produktion angeht.

Ein Orkan

in Verbindung mit einem rumpelnden Erdbeben. So lässt sich das neue Album „Censored“ wohl am besten beschreiben. Aber das Ganze wird sogar mit einem Hauch süßem Wahnsinn versehen. Doch der Reihe nach. Victoria Stoichkova als Frontfrau ist eine sehr wandelbare Kraft. Sie verbreitet Angst und Schrecken, kann aber auch mit zuckersüßen Einlagen verblüffen, wovon man jedoch nicht so häufig Gebrauch macht. Der Beginn des Albums ist sehr weit weg vom Zuckerschlecken, denn hier steigt man direkt steinhart ohne Rücksicht auf Verluste in die Geschichte ein. Es ist eine Spieluhr, welche das Grauen mit „Martyrdom“ heraufbeschwört, das Euch im nächsten Moment wie ein unerwartet im Genick packt und mitreißt. Keine Hoffnung auf Gnade, wenn GWENDYDD ihren Angriff entfesseln. Wow! Das ist überwältigend!

Im folgenden wird es nicht harmloser. Hier wird die Bestie völlig ungebändigt losgelassen. „This Is The War“ ist ein gnadenloser Groove-Metal Angriff, der mit „Rape“ fortgeführt wird. Arschtritt-Drums, zerfetzende Riffs, ein zerstörerisch schwerer Bass und die vernichtenden Vocals von Victoria sorgen für ein furiosen Auftritt. Mir gefällt besonders, wenn dass der Bass von Sonya Radeva deutlich hörbar mitschwingt. Das sorgt für einen geilen Groove.

Eine wenig Süße gefällig?

Man kann es kaum glauben, aber tatsächlich kann die Band auch mal ruhigere Töne anschlagen und Sängerin Victoria ist durchaus in der Lage mit gefühlvollen Tönen zu glänzen. So kann man den Song „One Step More“ fast als Ballade durchgehen lassen. Im Duett mit männlichen Vocals offenbart Sängerin Victoria ihre zarten Seite, die sich in diesem Song mit ihrer diabolischen Seite abwechselt. Ein moderner gut gemachter Song, der den Hörer ein wenig runterholt und Erholung bietet ohne den Fluß des Albums zu unterbrechen oder als Fremdkörper zu wirken. Ich begrüße so etwas.

Bauchtanz im Moshpit

„We Are The New Order“ ist ein Brecher, der mit elektronischen Samples spielt und somit dem Song ne besonders irre Not verpasst. Der Song ist meiner Meinung nach ohnehin der verrückteste auf dem Album. Diese eingespielte orientalische Folklore ist einfach geil und mal was anderes. Da kann man mal im Moshpit kurz nen Bauchtanz einschieben. Gab es bestimmt noch nie!

Diese elektronischen Spielereien sind insgesamt wirklich cool und pfiffig eingesetzt und verpassen dem Sound von GWENDYDD eine besondere Eigenart. Mir gefällt dieser moderne Ansatz, mit dem man sich wohlwollend abhebt.

Der letzte Song „It’s All Up To You“ zeigt besonders deutlich den krassen Gegensatz zwischen der zarten cleanen Stimme und den brutalen Growls. Und wenn der Song dann später noch richtig aufdreht, dann ist einfach der Teufel los.

Fazit

GWENDYDD entfesseln mit ihrem Album „Censored“ einen zerstörischen dunklen Wahnsinn. Es ist ein irres Album, dass die Band mit einem Mal auf ein ganz anderes Level katapultiert. Die Kunst des Albums liegt darin, sich nicht in purer eintöniger Wildheit zu verlieren, sondern dem Sound immer wieder eigenwillige Facetten zu verpassen. Die Scheibe hämmert von vorne bis hinten! Dabei überzeugt das ungewöhnliche und abwechslungreiche Songwriting mit abstrusen und aberwitzigen Ideen, die zu einem funktionierenden Ganzen vereint wurden. So ist ein Album mit eigener Note entstanden, was verdammt noch mal Spaß macht. Ich wüsste daher nicht, wofür ich einen Punkt abziehen sollte. Es ist ein Volltreffer!

English review

Extreme Metal

And here again an album from the category: Unexpectedly stunning! GWENDYDD (Facebook) was previously unknown to me. I went into it completely unprepared and I was literally blown away by the album „Censored“ (release date on May 06).

GWENDYDD is a powerful group from Bulgaria. But the band is not made up of wild guys, but almost exclusively of hard-boiled tough girls. And they unleash a power that makes you scared and anxious. Crazy! There are already some female fronted bands that give us a run with straight hard music; see for example ARCH ENEMY, JINJER, SPIRITBOX or INFECTED RAIN. But with GWENDYDD another chapter is opened that defines the term hardness and madness quite independently. In the meantime they are signed to the German label DRAKKAR.

Briefly about the origin of the band

Singer Victoria Stoichkova took part in the show „The Voice“ in Bulgaria in 2018 and made a powerful impression. She didn’t win the show, but musician Bambi Nikiforov took notice and wanted to recruit her for his project. Because he wanted to found the first all-female metal band and act as songwriter and producer. In the end, however, it was decided that he himself would beat the drums. And so they started to grow together as a band. In 2020 they released the album „Human Nature“.

Of course, I also listened to that. I would say that the band has first tried out. There are really good songs on the album, but not everything sounded gripping and mature to me. But for a debut this is already a more than respectable achievement. However, with the new album „Censored“ they have made a giant leap. The current songs are on a completely different level, also in terms of production.

A hurricane

in connection with a mighty earthquake! This is probably the best way to describe the new album „Censored“. But the whole thing is even provided with a touch of sweet madness. Victoria Stoichkova as a front woman is a very changeable force. She spreads fear and terror, but can also amaze with sugary sweet interludes. The beginning of the album is anything but saccharine, because here you are brutally thrown into the story of wild madness. It is a music box that conjures up the horror with „Martyrdom“. In the next moment this beast grabs you unexpected in the neck and carries you away. No hope for mercy as GWENDYDD unleash their assault. Wow! This is overwhelming!

In the following it does not get more harmless. Here the beast is let loose completely untamed. „This Is The War“ is a merciless groove metal assault that continues with „Rape“. Ass-kicking drums, shredding riffs, a destructively heavy bass and the devastating vocals of Victoria make for a furious performance. I especially like when the bass of Sonya Radeva clearly audible resonates and thus provides a great groove on the whole album.

Want a little sweetness?

It’s hard to believe, but the band can actually strike calmer notes and singer Victoria is definitely able to shine with soulful tones. So you can almost let the song „One Step More“ pass as a ballad. In the duet with male vocals singer Victoria reveals her tender side, which alternates with her diabolic side in this song. A modern well-made song that brings the listener down a bit and offers relaxation without interrupting the flow of the album or acting as a foreign body. I welcome something like this.

Oriental belly dance in the mosh pit

„We Are The New Order“ is a crusher that plays with electronic samples and thus gives the song a particularly crazy distress. The song is in my opinion anyway the craziest on the album. This included oriental folklore is just awesome and something different. You can insert a short belly dance in the mosh pit. Certainly never happened before!

These electronic gimmicks are really cool and cleverly used and give GWENDYDD’s sound a special character. I like this modern approach, with which one stands out benevolently.

The last song „It’s All Up To You“ shows especially clearly the stark contrast between the delicate clean voice and the brutal growls. And when the song really turns up, then the devil is simply loose.

Conclusion

GWENDYDD unleash a destructive dark madness with their album „Censored“. It’s a crazy album that catapults the band to a completely different level all at once. of the album lies in not getting lost in pure monotonous wildness, but to give the sound idiosyncratic facets again and again. GWENDYDD succeeds damn well in this.The album hammers from front to back! At the same time, the unusual and varied songwriting convinces with abstruse and crazy ideas, which were combined into a functioning whole. Thus, an album with its own note has been created, which is damn fun. I therefore don’t know what I should deduct a point for. It is a bull’s eye!

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Bildquellen

  • GWENDYDD Bandfoto: All Noir Pr.
  • Censored Cover: All Noir Pr.
  • GWENDYDD Cover+Infos: Cover+Infos-->All Noir Pr. // Rest-->Pixabay
  • GWENDYDD Titelbild-2-: All Noir Promotion

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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