„Marter“ von Firtan (VÖ: 14.10.2022)

Die fünf Bandmitglieder stehen im Gegenlicht mit verschmierten Gesichtern. In der Mitte wird eine Krone mit Heiligenschein zum Betrachter gehalten.

Dass Firtan mit ihrem aktuellen Album in der Szene und der Metal-Presse aufgefallen sind, verwundert kaum. Denn „Marter“ von Firtan galoppiert vom ersten Takt unaufhaltsam an los. Und ihr deutschsprachiger Mix aus (Post) Black Metal und Pagan Metal ist klanglich dicht gewoben und mit entsprechend dickem Klangteppich aufgenommen. Das progressive, teils schon fast groovige Riffing und die instrumentalen Melodien der Band auf Lörrach sind in hohem Maße abwechslungsreich.

Insgesamt ist „Marter“ von Firtan musikalisch vielschichtig und gleichzeitig druckvoll. Stellenweise ist das Album vielleicht zu glatt, weil dann doch mit zu viel Feinschliff produziert. Darunter leidet ab und an die düstere, dunkle und dichte Atmosphäre, die das Album unterstellterweise durchaus aufbauen will. An Aggression und Wut mangelt es dagegen nicht. Das verstärken auch die immerwährend Gift und Galle spuckenden Vocals.

„Marter“ von Firtan: Musikalisch durchweg hervorragend

Musikalisch ist das Album durchweg hervorragend, nur vielleicht etwas zu kantenlos. Schwächen hat „Marter“ von Firtan dagegen bei den Texten. Und hier ist die intellektuelle Spannbreite immens. Auf der einen Seite dieses Spektrums stehen Rainer-Maria-Rilke- oder Thomas-Mann-Vertonungen. Letztere nimmt Bezug auf Friedrich Nietzsches Liebe zum Schicksal („amor fati“). Bedeutungsschwanger, hochintellektuell und philosophisch gar nicht so ohne. Ganz ähnlich musikalisch umgesetzt ist das Gedicht „Labsal“ von Hugo Ball (1886 bis 1927), Autor, Biograf und Dadaismus-Dichter. Und der hat übrigens auch wieder Bezüge zu Nietzsche. Nämlich durch seine Dissertation.

Doch auf der gegenüber liegenden Seite dieser bildungsbürgerlichen Gedankenwelt holpern die selbst konzipierten Texte manchmal recht unbeholfen durch versucht historisierende Formulierungen. So „schliff“ die Ich-Figur für den „Faðir“ (dem „Vater“ in alten, nordischen Dialekten) in „schwärzester Nacht Trotzburgen“. Aber Burgen wurden geschleift, Messer geschliffen. Und auch die szenisch wirkenden, pathetischen Sprechakte greifen manchmal etwas tief in die Klischee-Schublade.

Blendet man diese inneren Widersprüche beim Niveau der Texte einmal aus, ist „Marter“ von Firtan ein wirklich beachtenswertes Album. Black-Metal-Fans sollten auf jeden Fall einen Blick beziehungsweise ein Ohr riskieren!

Albumcover von "Marter" von Firtan zeigt im Stil eines Ölgemäldes ein schwarzes Pferd mit schmerzverzerrtem Gesicht, das eine nackte Frau liebkost.

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Bildquellen

  • Firtan Marter Albumcover: AOP Records
  • Firtan 2022: AOP Records / Photo credit: Oliver König

Matt

In der Unterstufe Metallica und lange Haare. Heute vor allem Black- und Death-Metal, aber nur noch Buzz-Cut. Innere Langhaarigkeit muss reichen... ;)

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