„Flower Of Hate“- Wenn der Hass gedeiht…

Musik repräsentiert häufig das aktuelle Zeitgeschehen bei seiner Entstehung, wenn es um die Inhalte der Texte geht. Deswegen kann man auch als Musikmagazin gewisse Dinge bzw. Zustände nicht ignorieren, die auch die Musikwelt derart prägen. Wer von der Kriegsthematik nichts mehr lesen möchte, der braucht nicht weiterlesen. Wer allerdings Interesse daran hat, was der Krieg mit Menschen macht, und nicht die Augen davor verschließen möchte, der sollte diesen Artikel nicht verpassen. Vor einiger Zeit erreichte die Redaktion eine Nachricht von der ukrainischen Sängerin Anna Karnovska, die uns über ihr Debütalbum „Flower Of Hate“ berichtete. Die Musik und die Hintergründe fand ich interessant und habe daher mit Anna Kontakt aufgenommen. Ich führte ein Interview mit Anna und dies ließ mich nicht unbeeindruckt. Aber vorab möchte ich auf das Album „Flower Of Hate“ eingehen.

Ein sehr persönliches Album

ist „Flower Of Hate“ geworden“. Dies wird auch im anschließenden Interview mehr als deutlich. Bemerkenswert ist der Umstand, dass das Album in den drei verschiedenen Sprachen Ukrainisch, Englisch und Deutsch eingesungen wurde. Anna ist ursprünglich eine Sängerin mit klassischer Gesangsausbildung und hat ihre Erfahrungen mit Orchestern und Opern gemacht. Trotzdem fühlt sie sich auch im Rock und Metal sehr wohl, was Ihr später auch im Interview erfahren werdet. Mit zwei befreundeten Musikern ist nun ein interessantes Album entstanden.

Klassik meets Metal

Entsprechend der thematischen Hintergründe des Albums entwickeln sich auf dem Album verschiedene dunkle Emotionen, die von harter Verbitterung bis hin zur verletzlichen Traurigkeit reichen. Musikalisch ist es schwer einzuordnen. Es erklingen harte Riffs á la Rammstein, doch auch zarte Balladen und hier und da lassen sich symphonische und folkloristische Einflüsse wahrnehmen. Auffallend ist der klassisch geprägte Gesang von Anna, der sich über die harsche Instrumentierung legt und sich manchmal sogar ins opernhafte steigert. Zweifelsohne ist Anna eine professionelle Sängerin und sorgt für tolle Momente.

Allerdings ist es mir persönlich manchmal zu klassisch und harmoniert nicht immer zu 100% mit der Instrumentierung, was mir gerade in manchen harten Passagen aufgefallen ist. Die Instrumentierung ist mir oft etwas zu sehr in den Hintergrund geraten im Vergleich zu dem dominant klingenden Gesang. Das hätte man für meinen Geschmack besser abmischen können, denn die Männer an den Instrumenten müssen sich gar nicht verstecken und haben es echt drauf.

Extravagant

Insgesamt ist es ein abwechslungsreiches und interessantes Album mit einer extravaganten Ausprägung geworden, dass einige Höhepunkte zu bieten hat. „Propaganda“ bindet historische originale Einspieler mit ein. Hier gefällt mir der Songaufbau, der gerade in den ruhigeren Passagen für schöne Momente sorgt. In den härteren Passagen hätte ich mir einen aggressiveren bzw. wütenderen Gesang gewünscht.

Die dunkle Ballade „Lullaby“ funktioniert wunderbar und das Zusammenspiel wirkt gut gelungen. Der Gesang harmoniert gut mit den symphonischen Elementen und der folkloristische Touch verleiht dem Song eine zusätzliche spezielle Note. „Zinc Letter“ spielt mit unterschiedlichen Stilmitteln. Die ruhigeren und mit Synthies betonten Passagen unterstreichen Annas Gesang sehr schön. In den rifflastigen Passagen bäumt sich der Song mit starken Riffs auf. Die leider zu schwache Abmischung der Gitarrenfraktion fällt mir besonders zum Ende hin auf, wo ein tolles Gitarrensolo gespielt wird, was man aber leider nur schwach hören kann.

Sehr starkes Finale

Wie es auch anders geht, zeigt der letzte Song „Post Bellum“. Ein starker Song, der eine grandiose Symbiose aufzeigt. Es beginnt mit einem harten Einstieg, nach dem sich der Song zurückfährt und balladeske Züge annimmt. Eine sehr gefühlvolle gesangliche Darbietung verbindet sich wundervoll mit den symphonischen Klangteppich und erzeugt eine dichte Atmosphäre. Der Song steigert sich langsam in seiner Intensität und dann folgt ein ausgedehnter Instrumentalpart, der die fabelhaften Fähigkeiten des Gitarristen offenbart. Denn das gigantische zelebrierte Solo in seiner epischen Ausdehnung ist ein wahrer Traum. Absolut genial gemacht! Das ist mein Lieblingssong auf dem Album.

Flower Of Hate

als Titeltrack marschiert kraftvoll voran und mir gefallen die Spielereien mit den Synthies, die sogar für einen verrückten Instrumentalpart sorgen. Der Song ist ein außergewöhnlicher Mix aus verschiedenen Elementen, die gut miteinander verschmolzen sind. Annas Gesang fügt sich hier sehr gut ein, verleiht dem Song den atmosphärischen Schliff für eine ausdrucksstarke Erscheinung.

Wer ist nun die Frau,

die hinter diesem Album mit all seinen unterschiedlichen intensiven Geschichten steckt und die mit diesem Album ein wichtiges Zeichen setzen möchte? Dies werdet Ihr im folgenden Interview erfahren….

Hinaus in die Welt

MH: Hallo Anna, ich begrüße dich ganz herzlich zu unserem Interview. Bevor wir auf dein Album „Flower Of Hate“ eingehen, sollten wir den Lesern erst einmal etwas über dich erzählen. Du bist 1992 in Kiew geboren und aufgewachsen, hast dich aber mit 17 Jahren entschieden auszuwandern, um in Wien klassischen Gesang zu studieren. Wie kommt man als junges Mädchen auf die Idee sich dem klassischen Gesang zu widmen? Wie hat deine Familie es damals aufgenommen? Hielten sie es für eine gute Idee?

Anna: Hallo! Danke Dir nochmals für die Einladung zum Interview bei ‚metal-heads.de‘.

Ich wusste schon immer das ich eine Sängerin sein will. Mit 4 Jahren war ich Sarah Brightman’s und Diva Plavalaguna’s (Außerirdische Diva aus dem Kino „The fifth element“) Stimme stark beeindruckt. Es nervte mich, das ich dieses Gesangsstil nicht nachmachen konnte. Zum Glück hatte ich aber die benötigte Gabe und Möglichkeit meine Stimme weiter zu entwickeln.

Ich war davon überzeugt, dass die Oper die virtuoseste Art ist, die menschliche Stimme einzusetzen. So nahm ich die Herausforderung an und wollte sie lernen. Meine Familie hat mich sehr unterstützt. Meine Mutter war diejenige, die eine Möglichkeit gefunden hat, damit ich am Konservatorium in Wien studieren konnte. Mein Vater war stolz, aber skeptisch.

Die Studienzeit war nicht die beste meines Lebens, aber ich würde alles wieder genauso machen, denn ich wollte Sängerin werden. Ich spürte den Drang, mein Studium fortzusetzen. Es gab für mich keine andere Alternative.

Rock und Klassik

MH: Welche Musik hat damals in deinem Leben eine Rolle gespielt? Wo bist du überall aufgetreten?

Anna: Damals habe ich sehr viel Rockmusik gehört. Beatles, Pink Floyd, Depeche Mode, aber auch Barockmusik (hauptsächlich Haydn, Pergolesi und Purcell) und klassische Musik (Bach, Verdi, Strawinsky) waren meine Favoriten.

Ich habe zusammen mit dem Arnold Schönberg Chor auf der Theaterbühne in Wien, dem Wiener Konzerthaus. Mit dem Wiener Musikverein habe ich im Berliner Konzerthaus gesungen. Mit der Wiener Sängerakademie habe ich im Wiener Konzerthaus als Solistin und als Chormitglied gesungen. Es gab damals auch sehr viele andere interessante Erfahrungen auf diversen Konzerten und bei kleineren Auftritten.

MH: Wieviel Zeit hast du in Wien verbracht und welche Stationen gab es noch auf deiner Reise, bis du nun schließlich in den Niederlanden gelandet bist? Warum hast du dich für die Stadt Eindhoven entschieden?

Wiener Staatsoper

Ich habe 8 Jahren in Wien verbracht. Ich war auch in Bratislava, Kyiv, Berlin, Nizza und letztendlich… In einem Urlaub in Istanbul traf ich in einem Café am Taxim-Platz einen Mann mit einem Kater von der letzten Nacht, lud ihn zu einem Date ein, und es stellte sich heraus, dass er mein zukünftiger Ehemann war.

Ein paar Monate vor der Covid-19-Pandemie zog ich von Frankreich nach Eindhoven, um mit ihm zusammenzuleben.

Metal zur Entspannung

MH: Dein musikalischer Werdegang hatte bisher nichts mit Rock oder Metal zu tun. Wann hattest du die ersten Berührungspunkte mit dieser Art der Musik?

Anna: Das erste Heavy-Metal-Konzert fand in einem Underground-Club im 10. Bezirk in Wien statt. Es war ein extremer Kontrast zu der Musik, die ich täglich lernte. Die Leute sagen, dass klassische Musik entspannend ist. Für mich war das nicht so. Für mich war das Metal-Konzert damals die entspannendste Erfahrung. Ich wusste es bis dato nicht, aber genau so etwas hatte ich gebraucht.

MH: Die Einbindung von klassischem Operngesang im in der Metalmusik gibt es bereits seit geraumer Zeit und wurde von einigen Bands sehr erfolgreich umgesetzt. Sind dir einige Symphonic Metal Bands bekannt, die das praktizieren?

Anna: Ich habe von Nightwish gehört, und ich weiß, dass es andere gibt, die das tun. Als ich die Melodien von „Flower Of Hate“ Album kreierte, wurde ich nur von meinen eigenen persönlichen Erfahrungen und Ängsten vor dem Krieg und seinem Elend beeinflusst.

Die Zusammenkunft

MH: Woher kam die Idee ein Album aufzunehmen? Mit wem hast du zusammengearbeitet?

Anna: Während der Pandemiezeit arbeitete ich als Klavier- und Gesangslehrerin in einer Musikschule in Eindhoven. Mein Kollege Michael Meuleman trat mit der Idee an mich heran, ein Album mit dem Zweiten Weltkrieg als Hauptthema zu machen. Er hatte das Schlagzeug, den Bass, die Gitarren usw. zusammen mit Djuri Boot bereits vor 9 Jahren aufgenommen und konnte keinen Sänger bzw. Sängerinn finden.

Ich stimmte zu, als ich mir die Tracks anhörte und ich feststellen musste, dass ich die Instrumentals liebte. Die Musik verlangte nach Melodien und echten Texten. Ich stimmte mit seinem Konzept überein, denn meine Familie hat den Zweiten Weltkrieg überlebt und ich war froh, dass ich an einem sicheren Ort lebte, zu dem Europa vor allem wegen dieses schrecklichen Krieges geworden ist. All die Institutionen, die geschaffen wurden, um den Frieden zu schützen, wurden auf den Knochen unserer Großeltern und Freunde geschaffen. Sie wurden mit dem Versprechen geschaffen, zu verhindern, dass sich dieses Elend jemals wiederholen würde. Leider ist dieses Versprechen des „Nie wieder“ gescheitert. Aber als ich mich bereit erklärte, das Album zu schreiben, konnte ich das nicht wissen.

Krieg bedeutet Tod, Hass und Elend! Immer!

MH: Was war das für ein Gefühl deine Stimme mit Metalmusik zu vereinen?

Anna: Diese Vereiningung passierte sehr natürlich. Die Melodien kamen von selbst und alles füllte sich sehr gut und leicht an.

MH: Worum geht es in den einzelnen Liedern?

Anna: Es geht um der Schrecken, ellende des Krieges aber auch es geht um der Verlangen nach der Liebe.

MH: Also sollten die Lieder zunächst über den zweiten Weltkrieg handeln. Inwiefern hat sich am Inhalt des Albums etwas geändert?

Anna: Krieg bedeutet Tod, Hass und Elend! Immer! Ich habe es immer gesehen, ich habe es immer gefühlt. Allerdings habe ich nie darüber nachgedacht, wie falsch sich die Welt anfühlt und wie stark mein Hass werden kann. Der aktuelle Krieg hat die Intensität meiner Gefühle tatsächlich verändert. Und das kann man auch in meinem Album hören.

Symbolfoto

traurig und herzzerreißend….

MH: Der Angriff Russlands auf die Ukraine am 24.02.’22 war ein Schock für die Welt. Was waren deine ersten Gedanken, als du von dem Angriff gehört hast?

Anna: In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen. Und als Putin die Republiken „Donezk“ und „Luhansk“ annektiert hat, konnte ich gar nicht mehr richtig schlafen.

An diesem Tag hat mein ganzer Körper unkontrolliert gezittert. Ich war mit meinem Hund spazieren und hier in Eindhoven war alles in Ordnung. In meinem Kopf fand gerade ein Armageddon statt, aber die Welt um mich herum war so friedlich wie immer.

Das hat mich verrückt gemacht. Ich habe tagelang nicht geschlafen, war ständig am Telefon und in Kontakt mit Familie und Freunden. Einige von ihnen verließen die Ukraine in ihren Autos und standen bis zu 20 Stunden an der Grenze, um dem Tod zu entgehen.

Ich dachte: Warum ein solcher Krieg im 21. Jahrhundert? Warum wirft Russland Bomben auf Menschen? Wofür braucht Russland mehr Land? Warum ein Land, in dem die Menschen nicht bereit sind, unter Putins Regime zu leben? Die intelligenten, jungen und nützlichen Menschen werden so schnell wie möglich das Land verlassen und zurückbleiben zerstörte Städte und alte oder kranke Menschen. Das ist traurig und herzzerreißend….

Ich bin froh, dass die ukrainischen Streitkräfte zurückschlagen. Denn für uns geht es nicht um Land, sondern um die Menschen dort drüben. Es geht auch um Rache für Tausende und Abertausende von sinnlosen Todesfällen von wirklich unschuldigen Menschen. Ein sinnloser Krieg… es gibt immer noch keine Erklärung dafür, warum sie Tausende von Zivilisten töten mussten.

Familie

MH: Ich nehme an, dass deine Familie und andere Personen, zu denen du eine Verbindung hast, dort noch leben. Wie geht man mit so einer traumatischen Situation um?

Anna: Alles hat sich verändert. Ein Teil meiner Familie floh in den ersten Kriegstagen aus der Ukraine. Aber fast alle sind zurückgegangen. Es ist nicht so einfach, ein Flüchtling zu sein, auch wenn alle EU-Länder versuchen, so gut sie können zu helfen.

Und da sie dort sind, habe ich keine andere Wahl, als ihre Entscheidung zu respektieren und zu versuchen, mein Leben zu leben und zu hoffen, dass sie überleben werden. Jetzt haben sie seit Tagen keinen Strom.

Herbe Enttäuschungen-Freundschaften zerbrechen

MH: Wie sehr bestimmen negative Gedanken deinen Alltag? Welche positiven Dinge schenken dir Kraft?

Anna: Die ersten 4-5 Monate waren sehr schwer. Jetzt  nach meinem Besuch in Kiew, mit der Hilfe meiner Familie und Freunden habe ich die Freude wiederentdeckt. Ich realisierte, dass ich als Ukrainerin im Ausland eine sehr wichtige Aufgabe habe, nämlich eine Botschafterin der ukrainischen Kultur und Musik zu sein. Diese Erkenntnis hilft mir jeden Tag aufzustehen.

MH: Ich hatte im März ein Interview mit dem Musiker Eugen Lyubavskyy der Band PRIPJAT. (Den Link hatte ich dir geschickt.) Er hat ebenfalls noch Familie und Freunde in Kiew, aber auch Verbindungen zu Freunden aus Russland. Wie ist das bei Dir?

Anna: Ich habe eine sehr gute Freundin, die aus Russland kommt, verloren. Sie sagte, dass nicht alles so klar ist, wie es scheint, und dass die Russen Opfer sind. Ihr Mann postete eine Geschichte, dass die Welt Russland folgen und die ukrainische Jäger zerstören müsse. Darunter schrieb er ein großes „Z“. Es ist immer noch sehr schmerzhaft für mich, denn ich war mir sicher, dass sie die Erste sein würde, die Lügen erkennt, mich unterstützt und mich in dieser Situation versteht.

Wie geht man damit um?

MH: In diesem Interview erwähnte Eugen eine Anekdote: ein russischer Mann entschuldigte sich unter Tränen bei ihm für das, was sein Land getan hatte.

Ich kenne auch die russische Band Demunillusions, mit der ich regelmäßig Kontakt habe. Sie hatten sich damals umgehend bei mir gemeldet, entschuldigt und den Angriff verurteilt.

Sie schämen sich für ihr Land, für die Regierung und für die Landsleute, die blind in ihrem Land sind, sogar innerhalb der eigenen Familie. Doch mittlerweile merken immer mehr (zumindest hoffe ich das), dass sie angelogen werden und eigentlich in einer Diktatur leben. Glaubst du an eine Art Revolution in Russland, die irgendwann stattfinden könnte? Kann man bei dem Leid im eigenen Land überhaupt noch

Mitleid mit Leuten aus Russland empfinden?

Anna: Natürlich gibt es Opfer der russischen Regierung, sehr viele sogar.

Aber stelle dir folgendes vor: Du kommst eines Tages nach der Arbeit nach Hause und siehst, dass dein Nachbar gerade Dein Haus in Brand steckt. Das Haus brennt lichterloh und deine Familie sitzt fest und droht zu verbrennen. Dein Nachbar gibt Dir aber die Schuld daran, denn er behauptet, dass deine Familie ihn ja schließlich irgendwie provoziert hättet und ihm gar keine andere Wahl geblieben sei als Dein Haus anzuzünden, um euch zu verbrennen. Außerdem bedroht er die Nachbarn, die du panisch um Hilfe gebeten hast, um den Brand zu löschen. Er droht ihnen, auch ihre Häuser in Brand zu setzen, wenn sie dir helfen würden. Denn er sei doch hier das Opfer und man solle lieber ihm helfen.

Das ist eine verrückte Situation.

Auch in Russland sind die Preisen höher geworden. Viele Menschen haben ihr Arbeit verloren, viele Menschen haben keine Rechte. Aber wir können das einfach nicht vergleichen! Gestern saß meine ganze Familie in Kiew den ganzen Tag ohne Licht. Heute Nacht wurden wieder viele Menschen in ihren eigenen Betten von Raketen im Schlaf getötet. Das sind aber Raketen, die nicht Putin schießt, sondern russische Soldaten. Es sind russische Soldaten, die auf Menschen schießen, auch auf Frauen und Kinder. Eine schwangere Kollegin von meiner besten Freundin wurde in ihrem Haus in Kiew getötet.

Meine Oma konnte nicht 10 km weit fahren, um beim Begräbnis ihrer Schwester zu sein, Denn die Russen standen kurz vor dem Einmarsch in Kiew, und das Dorf, in dem sie lebte, wurde von den Russen beschützt und terrorisiert. Nicht Putin. Das waren russische Leute.

Es tut mir wirklich leid, dass das russische Volk über die Mobilisierung entsetzt ist, nicht aber über den Genozid an ihrem Brudervolk. Ich verstehe nicht, dass ein Volk von 140 Millionen Menschen nicht gegen tausende Soldaten und Polizisten Widerstand leisten kann. Warum sind sie nicht in der Lage eine Revolution zu organisieren. Kann ich ihnen irgendwie dabei helfen? Arme Menschen!

Einige Leute aus Russland, die ich kenne, waren zunächst besorgt über die Invasion, aber später wurden sie einfach sauer auf mich, als ich mich darüber aufregte, dass die Russen nicht protestieren, nicht einmal die in Europa, also blockierten sie mich einfach überall. Sie sind alle ruhig! Niemand, den ich kenne, postet etwas über den Krieg. Sie posten Dinge über ihr Leben, als ob es nicht ihre Landsleute wären, die Tag für Tag Ukrainer töten.

Doch dann sind da diese anderen Menschen…

Andererseits kenne ich eine Russin in Wien, die im ersten Kriegsmonat ihre Sachen gepackt hat, um Menschen von der ukrainischen Grenze zu evakuieren und sie nach Österreich in Sicherheit zu bringen.

Außerdem singe ich jeden Samstag in der Kirche in Tilburg, und meine Organistin kommt aus Russland, und sie spürt das alles wie ihren eigenen Schmerz. Sie war ehrenamtlich tätig und hat angefangen, ukrainischen Flüchtlingen Niederländischunterricht zu geben.

Wenn der Hass gedeiht

MH: Der Titel deines Albums heißt „Flower Of Hate“. Mit einer Blume verbindet jeder eigentlich etwas Schönes. Warum hast du diesen Titel gewählt?

Anna: Ich hatte geplant dieses Album „post bellum“ zu nennen. Aber seitdem 24. Februar habe ich in mir ein ganz neues Gefühl entdeckt. Als die Ungerechtigkeit zu groß wurde und ich es wirklich nicht mehr aushalten konnte, wurde dieser Hass in mir geboren, der sich in dem Lied „Flower Of Hate“ ergoss

Ich fühlte diesen unbändigen Hass in mir wachsenIch habe mich verändert, aber doch glaube ich weiter an Menschenrechte und Gerechtigkeit. Wir werden das noch hinbekommen! Ukraine wird befreit!

MH: Welcher Song auf „Flower Of Hate“ ist der persönlichste?

Anna: Der letzte Song des Albums „post bellum“. Meine jüngste Schwester Regina schrieb dieses Gedicht während ihrer Depression. Es handelt vom Lebensrhythmus, der dich am Leben und bei Verstand hält. Sie ist so eine tapfere Kämpferin! Trotz Krieg, Depression und Corona-Pandemie beendet sie gerade ihr Studium zur Zahn- und Kieferchirurgin.

MH: Wird das Album eine einmalige Sache sein oder hast du Ambitionen für weitere Projekte dieser Art?

Anna: Ich würde gerne auch noch mit anderen talentierten Musikern arbeiten.

Nachtrag

Wer sich für die anderen Artikel interessiert, dem seien folgende Links empfohlen:

English version

Music often represents current events at the time of its creation, when it comes to the content of the lyrics. Therefore, even as a music magazine, you can’t ignore certain things or conditions that also shape the music world in such a way. If you don’t want to read anything about the Ukraine war topic, you don’t need to read any further.

However, if you are interested in what war does to people and don’t want to close your eyes to it, you shouldn’t miss this article. Some time ago the editorial office received a message from a Ukrainian singer Anna Karnovska who told us about her debut album „Flower Of Hate“. I found the music and background interesting, so I contacted her. I conducted an interview with Anna and this did not leave me unimpressed. But first I would like to talk briefly about the album „Flower Of Hate“.

A very personal album

„Flower Of Hate“ has become. This is also more than clear in the subsequent interview. Remarkable is the fact that the album was sung in the three different languages Ukrainian, English and German. Anna is originally a singer with classical vocals and has had her experiences with orchestras and operas. Nevertheless, she also feels very comfortable in rock and metal, which you will learn later in the interview. With two musician friends, an interesting album has now been created.

Classic meets metal

In accordance with the thematic background of the album, various dark emotions develop on the album, ranging from hard bitterness to vulnerable sadness and bitterness. Musically, it is difficult to classify. There are hard riffs á la Rammstein, but also tender ballads and here and there can be perceived symphonic and folkloric influences . Striking is the classically influenced vocals of Anna, which overlays the harsh instrumentation and sometimes even rises to the opera style. Undoubtedly, Anna is a professional singer and provides great moments.

However, it is sometimes too classical for me personally and does not always harmonize 100% with the instrumentation, which I noticed especially in some harsh passages. The instrumentation is too much in the background compared to the foreground sounding vocals. This could have been mixed better for my taste, because the instrumentalists on do not have to hide at all and have really good skills.

Extravagance

Overall, it has become a varied and interesting album with an extravagant expression that has some highlights to offer. „Propaganda“ incorporates historical original interludes. Here I like the song structure, which provides nice moments especially in the quieter passages. In the harder passages I would have liked a more aggressive or angrier vocals.

The dark ballad „Lullaby“ works wonderfully and the interplay seems well done. The vocals harmonize well with the symphonic elements and the folkloric touch gives the song an additional special note. „Zinc Letter“ plays with different stylistic devices. The quieter passages emphasized with synths underline Anna’s vocals very nicely. In the riff-heavy passages, the song rears up with strong riffs. The unfortunately too weak mixing of the guitar fraction strikes me especially towards the end, where a great guitar solo is played, but unfortunately you can hear it only faintly.

Very strong final

The last song „Post Bellum“ shows how it can be done better. A strong song that shows a grandiose symbiosis. It starts with a hard entrance, after which the song pulls back and takes on ballad-like traits. Annas very soulful vocal performance combines beautifully with the symphonic soundscape and creates a dense atmosphere. The song slowly increases in intensity and then follows an extended instrumental part that reveals the fabulous skills of the guitarist. For the gigantic celebrated solo in its epic extension is a real dream. Absolutely brilliantly done! This is my favorite song on the album.

„Flower Of Hate“

as the title track marches powerfully forward and I like the shenanigans with the synths, which even make for a crazy instrumental part. The song is an exceptional mix of different elements that are well blended together. Anna’s vocals fit in flawlessly here, giving the song the atmospheric polish for an expressive appearance.

Who is the woman,

who is behind this album with all its different intense stories and who wants to set an important sign with this album? This you will learn in the following interview….

Leaving home

MH: Hello Anna, I would like to welcome you to our interview. Before we talk about your album „Flower Of Hate“, we should first tell the readers something about you. You were born and raised in Kiev in 1992, but decided to emigrate at the age of 17 to study classical singing in Vienna. How does a young girl get the idea to dedicate herself to classical singing? How did your family take it at that time? Did they think it was a good idea?

Anna: Hello! Thank you again for the invitation to the interview at metal-heads.de.

I always knew that I wanted to be a singer. When I was 4 years old, I was very impressed by Sarah Brightman’s and Diva Plavalaguna’s (alien diva from the movie „The fifth element“) voice. It annoyed me that I could not imitate this singing style. Fortunately, I had the necessary gift and opportunity to develop my voice further.

I was convinced that opera is the most virtuosic way to use the human voice. So I accepted the challenge and wanted to learn it. My family was very supportive and my mother was the one who found a way for me to study at the Conservatory in Vienna. My father was proud, but skeptical.

The study period was not the best of my life, but I would do everything the same way again, because I wanted to become a singer. I felt the urge to continue my studies. There was no other alternative for me.

Rock and Classic

MH: What music played a role in your life back then? Where did you perform everywhere?

Anna: At that time I listened to a lot of rock music. Beatles, Pink Floyd, Depeche Mode, but also baroque music (mainly Haydn, Pergolesi and Purcell) and classical music (Bach, Verdi, Stravinsky) were my favorites.

I have sung with the Arnold Schoenberg Choir on the theater stage in Vienna, the Vienna Theatre. With the Vienna Choir I have sung in the Berlin theatre. With the Vienna Singing Academy I sang in the Vienna Theatre as a soloist and as a choir member. At that time there were also many other interesting experiences at various concerts and smaller performances.

MH: How much time did you spend in Vienna and what other stops were there on your journey until you finally landed in the Netherlands? Why did you choose the city of Eindhoven?

Wiener Staatsoper

I spent 8 years in Vienna. I was also in Bratislava, Kyiv, Berlin, Nice and finally… On a vacation in Istanbul I met a man with a hangover from the previous night in a cafe in Taxim Square, invited him on a date and it turned out that he was my future husband.

A few months before the Covid 19 pandemic, I moved from France to Eindhoven to live with him.

The way to Metal

MH: Your musical career had nothing to do with rock or metal so far. When did you have your first contact with this kind of music?

Anna: The first heavy metal concert was in an underground club in Vienna’s 10th district. It was an extreme contrast to the music I was learning every day. People say that classical music is relaxing. For me, it wasn’t. For me, the metal concert was the most relaxing experience at that time. I don’t know it before, but I needed something like that.

MH: The integration of classical opera singing in metal music has been around for quite some time and has been implemented very successfully by some bands. Are you aware of some symphonic metal bands that practice this?

Anna: I have heard of Nightwish, and I know there are others who do. When I created the melodies of „Flower Of Hate“ album, I was influenced only by my own personal experiences and fears of war and its misery.

The collaboration

MH: Where did the idea to record an album come from? Who did you collaborate with?

Anna: During the pandemic period I worked as a piano and voice teacher in a music school in Eindhoven. My colleague Michael Meuleman approached me with the idea of making an album with World War II as the main theme. He had already recorded the drums, bass, guitars etc. together with Djuri Boot 9 years ago and couldn’t find a singer who could sing „one liners“ as he said.

I agreed when I listened to the tracks and I had to realize that I loved the instrumentals, but I couldn’t imagine „one liners“ there. The music demanded melodies and real lyrics. I agreed with his concept, because my family survived World War II and I was glad to live in a safe place, which Europe has become mainly because of that terrible war. All the institutions that were created to protect peace were created on the bones of our grandparents and friends. They were created with the promise of preventing this misery from ever happening again. Unfortunately, that promise of „never again“ failed. But when I agreed to write the album, I could not have known that.

„War means death, hatred and misery! Always!“

MH: How did it feel to combine your voice with metal music?

Anna: This unification happened very naturally. The melodies came by themselves and everything filled very well and easily.

MH: What are the individual songs about?

Anna: It’s about the horror, ellende of war but also it’s about the desire for love.

MH: So the songs were initially supposed to be about the Second World War. In what way has the content of the album changed?

Anna: War means death, hatred and misery! Always! I have always seen it, I have always felt it. However, I never thought about how wrong the world feels and how strong my hatred can become. The current war has actually changed the intensity of my feelings. And you can hear that in my album.

„sad and heartbreaking….“

Symbolfoto

MH: Russia’s attack on Ukraine on 24.02.’22 was a shock to the world. What were your first thoughts when you heard about the attack?

Anna: That night I couldn’t sleep. And since Putin annexed the republics of „Donetsk“ and „Luhansk“, I can’t sleep properly anyway.

That day my whole body was shaking uncontrollably. I was walking my dog and everything was fine here in Eindhoven. An Armageddon just took place in my head, but the world around me was as peaceful as ever.

That drove me crazy. I didn’t sleep for days, was constantly on the phone and in contact with family and friends. Some of them left Ukraine in their cars and stood at the border for up to 20 hours to avoid death.

I am glad that the Ukrainian forces are fighting back. Because for us it’s not about land, it’s about the people over there.  It’s also about revenge for thousands and thousands of senseless deaths of truly innocent people. A senseless war… there is still no clear explanation why they had to kill thousands of civilians.

Family

MH: I assume that your family and other people you have a connection with are still living there. How do you deal with such a traumatic situation?

Anna: Everything has changed. Part of my family fled Ukraine in the first days of the war. But almost all of them went back. It’s not so easy to be a refugee, even if all EU countries try to help as much as they can.

And since they are there, I have no choice but to respect their decision and try to live my life and hope that they will survive. Now they have no electricity for days.

Harsh disappointments killing friendships

MH: How much do negative thoughts dominate your daily life? What positive things give you strength?

Anna: The first 4-5 months were very hard. Now after my visit to Kiev, with the help of my family and friends I rediscovered joy. I realized that as a Ukrainian abroad I have a very important task, which is to be an ambassador of Ukrainian culture and music. This realization helps me to get up every day.

MH: I had an interview with musician Eugen Lyubavsky of the band PRIPJAT in March. He also still has family and friends in Kiev, but also has connections with friends from Russia. How is it with you?

Anna: I lost a very good friend who is from Russia. She said that not everything is as clear as it seems and that Russians are victims. Her husband posted a story that the world must follow Russia and destroy the Ukrainian fighters. Underneath he wrote a big „Z“. It is still very painful for me, because I was sure that she would be the first to recognize lies, support me and understand me in this situation.

Pity for the Russian people?

MH: In this interview, Eugen mentioned an anecdote: a Russian man apologized to him in tears for what his country had done.

I also know the Russian band Demunillusions, with whom I have regular contact. They had immediately contacted me at that time, apologized and condemned the attack.

They are ashamed of their country, of the government and of the compatriots who are blind in their country, even within their own family. But meanwhile, more and more are realizing (at least I hope so) that they are being lied to and are actually living in a dictatorship. Do you believe in some kind of revolution in Russia that could happen someday? With the suffering in your own country, is it even possible to

feel pity for people from Russia?

Anna: Of course there are victims of the Russian government, a lot of them.

But imagine this: You come home after work one day and see that your neighbor has just set your house on fire. The house is ablaze and your family is stuck, threatening to burn to death. Your neighbor, however, blames you for this, claiming that your family had somehow provoked him and that he had no choice but to set your house on fire. He also threatens the neighbors, whom you panicked and asked for help to put out the fire. He threatens them to set their houses on fire, too, if they would help you. Because he is the victim here and all should rather help him.

Prices have gone up there, too. Many people have lost their jobs, many people have no rights. But we just can’t compare! Yesterday my whole family in Kiev sat all day without light. Tonight again many people were killed in their own beds by rockets while they were sleeping. But these are rockets that are not shot by Putin, but by Russian soldiers. They are Russian soldiers shooting at people, including women and children. A pregnant colleague of my best friend was killed in her house in Kiev.

My grandma couldn’t drive 10 km to be at her sister’s funeral, because the Russians were about to invade Kiev, and the village where she lived was protected and terrorized by the Russians. Not Putin. Those were Russian people.

I am really sorry that the Russian people are horrified by the mobilization, but not by the genocide of their brother people. I don’t understand how a nation of 140 million people can’t resist against thousands of soldiers and policemen. Why are they not able to organize a revolution. Is there anything I can do to help them? Poor people!

Some people from Russia that I know were worried about the invasion at first, but later they just got mad at me when I got upset that the Russians weren’t protesting, not even the ones in Europe, so they just blocked me everywhere. They’re all quiet, nobody I know posts anything about the war. They post things about their lives as if it’s not their countrymen killing Ukrainians day after day.

But then there are these other heartful people….

On the other hand, I know a Russian woman in Vienna who packed her things in the first month of the war to evacuate people from the Ukrainian border and bring them to safety in Austria.

Also, I sing every Saturday in the church in Tilburg, and my organist is from Russia, and she feels all this like her own pain. She has been volunteering and started teaching Dutch to Ukrainian refugees.

When hatred flourishes…

MH: The title of your album is „Flower Of Hate“. Everyone actually associates something beautiful with a flower. Why did you choose this title?

I had planned to call this album „post bellum“. But since February 24th I discovered a whole new feeling in me. When the injustice became too big and I really couldn’t stand it anymore, this hatred was born in me, which poured out in the song „Flower Of Hate“.

I felt this irrepressible hatred growing inside me… I have changed, but still I continue to believe in human rights and justice. We will get this done! Ukraine will be liberated!

MH: Which song on „Flower Of Hate“ is the most personal?

The last song on the album „post bellum“. My youngest sister Regina wrote this poem during her depression. It’s about the rhythm of life that keeps you alive and sane. She is such a brave fighter! Despite war, depression, and the Corona pandemic, she is just finishing her studies to become a dental and oral surgeon.

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  • Flower Of Hate Cover: Anna Karnovska
  • Anna am Mikrophon: Anna Karnovska
  • vienna-state-opera-Michael Kleinsasser auf Pixabay: Pixabay
  • Anna mit Musikern: Anna Karnovska
  • Ukraine Krieg–Verzweiflung: Pixabay
  • Anna Karnovska Titelbild: Anna Karnovska

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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