Der Ukraine-Krieg: Interview mit Eugen von PRIPJAT

(English version down below)

Krieg und Verderben

sind wieder näher, als man in unseren Landen lange Zeit gedacht hatte. Plötzlich ist der sicher geglaubte Frieden hinfällig und Europa befindet sich mit dem UKRAINE-Krieg im Ausnahmezustand. Erst war es der weltweite Krieg gegen einen Virus, der die Menschheit in Atem hielt. Nun, Gegenmaßnahmen wurden schnell in Form von mehr oder weniger wirkenden Impfstoffen ergriffen. Aber einen Impfstoff gegen diktatorischen Wahnsinn hat man noch nicht erfunden. Und so erlebt die Welt zur Zeit wieder eine ganz andere Art der Bedrohung. Der Krieg hat nach einem Wimpernschlag in der Zeitgeschichte schon wieder Europa heimgesucht. Krieg, Terror, Rassismus und Faschismus sind leider ein ständiger Begleiter der menschlichen Existenz.

Geschichte wiederholt sich…… Leider!!!

Nun hat sich Putin als Führer einer Weltmacht dazu entschieden, ein militärisch weit unterlegenes Nachbarland anzugreifen. Wir leben im Jahre 2022 und man hat das Gefühl, dass die Menschheit wohl nie aus vergangenen Fehlern lernen wird. Vor nicht ganz siebzig Jahren wäre Russland beinahe von deutschen Armeen, die für einen verrückten, größenwahnsinnigen Diktator kämpften, besiegt worden. Und nun begibt sich der Führer des russischen Volkes selber in die Täterrolle. So führt die Weltmacht Russland einen Angriffskrieg gegen sein Nachbarland, aber auch gegen das eigene Volk. Doch die Ukraine ist nicht so wehrlos wie es die politische und militärische Führung scheinbar erwartet hätte. Doch auch wenn der Zusammenhalt und die Willensstärke des ukrainischen Volkes bewundernswert ist, so bedeutet so ein Krieg nur eines: Tod und Leid! Dieser Krieg ist eine erneute Zäsur im weltweiten Gefüge. Dieser Krieg wird wieder einmal alles verändern.

Ein Statement setzen

Wir von ‚metal-heads.de‘ sind in erster Linie ein Musikmagazin, aber natürlich haben wir moralische Grundsätze, die wir hoch halten und verteidigen. Nicht umsonst sind wir beispielsweise Supporter für das RAGE AGAINST RACISM-Festival. Von daher halten wir es für unheimlich wichtig, das Thema hier auf unserer Plattform wenigstens in einem Beitrag zu behandeln, auch wenn das Thema jeden Tag bereits in den einschlägigen Medien ständig präsent ist. Aber ‚metal-heads.de‘ hat einen Interviewpartner an der Hand, der in dem Thema tief mit drinsteckt. Dabei handelt es sich um Eugen von der Thrash-Metal-Band PRIPJAT (Facebook). Näheres werdet Ihr in dem folgenden Interview erfahren, welches ich am 13.03.2022 mit Eugen geführt habe.

Trügerische Friedensverhandlungen???

MH: Gerade heute habe ich in den Nachrichten gelesen, dass neue Friedensverhandlungen stattgefunden haben. Angeblich wären die Gespräche im Gegensatz zu den den vorherigen Verhandlungen positiver ausgefallen. Man spricht sogar von einem möglichen Ende des Krieges. Was sagst Du dazu?

Eugen: Ja, ich habe das auch gelesen. Natürlich hoffe ich von ganzem Herzen, dass es tatsächlich so ist. Aber ich bin da eher sehr skeptisch. Denn bei einem staatlichen Sender in Russland spricht man noch ganz anders. Und etwas anderes als staatliche Sender gibt es ja ohnehin nicht mehr in Russland. Und in diesem Bericht hieß es, dass man die Ukraine politisch und militärisch vernichten muss. Also warum sollte man angesichts der ganzen Sanktionen überhaupt an den Grenzen von der Ukraine aufhören, wenn man diese erst einmal erreicht hat. Von daher bin ich da eher skeptisch, was die Friedensverhandlungen angeht. Ich denke eher, dass man da auf Zeit spielen möchte, um sich für eine neue Kriegstaktik zu formieren. Selbstverständlich wäre es mein größter Wunsch, dass ich Unrecht habe. Ich habe Zweifel an der russischen Kompromissbereitschaft, wäre aber der Erste, der ne Flasche aufmacht, wenn es zu einem positiven Ende führt.

Ich gehe eher davon aus, dass diese scheinbare Kompromissbereitschaft eine taktische Maßnahme ist, um Zeit zu schinden und sich neu aufzustellen. Die versprochenen Flucht- und Hilfskorridore werden von den Russen regelmäßig beschossen und vermint. Das kennt man ja schon aus Syrien oder Tschetschenien. Russland führt einen totalen Krieg gegen die Ukraine mit geächteten Waffen wie Kassettenbomben, Klasterbombem, Streumunition usw., die auch explizit gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden.

Medienkompetenz

MH: Die gleichen Bedenken hatte ich leider ebenfalls beim Lesen des Artikels. Wo wir gerade beim Thema Nachrichten sind. In der heutigen Zeit ist das Thema Fake-News omnipräsent. Propagandanachrichten, die mit Unwahrheiten oder Halbwahrheiten versuchen die Leute zu beeinflussen und in eine bestimmte Denkrichtung zu bewegen. Welchen Nachrichten kann man heute noch trauen? Welche Informationsquellen hast Du?

Eugen: Jetzt kommen wir zu dem Punkt Medienkompetenz. Dies sollte mittlerweile in den Schulen ein Pflichtthema sein. Ich halte mich an die öffentlich rechtlichen, weil die meiner Meinung bei aller berechtigten Kritik in gewissen Dingen am objektivsten berichten. Ansonsten bin ich in dem Bereich sehr breit aufgestellt, da ich neben der deutschen Sprache ebenfalls Englisch, Russisch und Ukrainisch spreche. Ich bin in einigen ukrainischen Telegram-Gruppen unterwegs. Dann lese ich die Times, die Washington Post, folge einigen Menschen auf Instagram. Allerdings folge ich gerade in diesem besonderen Fall einigen Amateurberichterstattern, die sich in den Grenzgebieten aufhalten und von dort berichten. Das sind die direkten Einblicke. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, sich immer mindestens aus einer zweiten Informationsquelle zu bedienen, denn neben dem realen Krieg vor Ort gibt es auch den Informationskrieg, der weltweit stattfindet.

Ich merke das selber, denn mein Social Media ist voll von russischen Bots, die mich mit Nachrichten überhäufen, worunter so unfassbar viel Fascho-Propaganda ist. Und dabei bin ich noch nicht einmal in der Hautptzielgruppe.

Persönliche Verbindungen zu beiden Ländern

MH: Du bist ohnehin auch persönlich sehr tief mit diesem Krieg verbunden. Erzähle doch mal, was Dich mit der Ukraine und Russland verbindet.

Eugen: Ich bin in St. Petersburg geboren, in Kiew aufgewachsen und lebe seit 25 Jahren in Deutschland. Fast meine ganze Familie lebt in Kiew, und zwar immer noch! Sie haben sich dazu entschieden, was sich teilweise auch auf fehlenden Alternativen ergeben hat. Manche sind einfach auch zu alt, um zu fliehen. Ich habe vorher eigntlich nie großartig zwischen Russland und Ukraine unterschieden, weil ich überall Freunde habe.

So lebt z.B. meine Ex-Verlobte in Moskau. Sie versucht mittlerweile verzweifelt das Land zu verlassen, weil Menschen, die nicht so gebrainwasht sind und blind hinter Putin stehen, erleben plötzlich das Grauen im eigenen Land. Denn diesen Leuten ist jetzt klar geworden, dass sie in einer totalitären Diktatur leben. Das sieht man ja ganz akutell bei den ganzen Massenverhaftungen und dem neuen Informationsgesetz, welches jegliche Form der Regierungskritik im Keim ersticken soll. So wird den Leuten bewusst, dass es für sie unter dem Regime keine Zukunft geben wird.

Man muss aber auch bedenken, dass viele Russen tatsächlich hinter dem System stehen, was natürlich zum Teil der staatlichen Propagandataktik geschuldet ist. Aber manche teilen halt auch die Großmachtphantasien von Putin. Ich verurteile aber keinesfalls das russische Volk im allgemeinen. Ganz und gar nicht! Und ich finde es ganz schrecklich, wenn ich höre, dass aus Russland stammende hierzulande einfach denunziert und angefeindet werden, nur weil sie aus Russland stammen. Das trifft mit Sicherheit die Falschen. Diese Leute leben ja nicht ohne Grund hier außerhalb ihres Herkunftlandes. Hass produziert nur noch mehr Hass. Und wer will das schon!

Russland, eine Diktatur! Erst getarnt, jetzt für alle sichtbar!

Jedoch halte ich es für eine Illusion, dass das russische Volk sich erheben wird, um den Tyrannen zu stürtzen. Die Zeit, in der das vielleicht möglich war, ist meiner Meinung nach vorbei. Das Volk wird brutal unterdrückt, schlimmer als jemals zuvor. Man braucht doch nur nach Nordkorea schauen!

Wie ich schon erwähnte, würde ich mich sehr darüber freuen, wenn ich mich irren würde. Doch es sehe es zur Zeit weniger optimistisch, sondern aufgrund meiner weitreichenden Informationen mehr realistisch. Man denke nur an die ganzen Gegner Putins, die in den letzten Jahren ermordet wurden, auf welche Art auch immer. So erscheint es doch fast unmöglich, einen so breit aufgestellten Widerstand zu organisieren, dass dieser etwas bewirken könnte. Ich habe z.B. auch erfahren, dass die russische Polizei einfach so stichprobenartig Mobiltelefone von Bürgern z.B. in U-Bahnen kontrolliert, um nach regierungskritischen Nachrichten zu schauen. Von daher würde ich eher auf das Oligarchenklientel setzen, die vielleicht Einfluss nehmen könnten.

Psychischer Ausnahmezustand

MH: Du sagtest eingangs, dass Deine Familie trotz der gefährlich prekären in Kiew geblieben ist. Wie geht man mit so einer immens belastenden Situation um?

Eugen: Tja, wie ist das Leben, das ich seit zwei Wochen führe? Ich funktioniere irgendwie! Neben meinem Vollzeitjob bin ich journalistisch tätig, bin in der Flüchtlingshilfe engagiert und sammle Spenden. Denn sobald ich nichts mehr mache und mich ablenken kann, kommen direkt diese Sorgen und schrecklichen Gedanken in mir hoch… Das hält man nicht aus, wenn ich ehrlich bin.

Es konnte auch nicht so weitergehen wie in der ersten Woche, wo ich ständig nur noch betrunken ins Bett ging. Es ist also das Prinzip der Verdrängung, was ich versuche zu praktizieren. Trotzdem wacht man auf und die ersten Gedanken sind bei der Familie. Man schaut auf das Handy und fragt nicht wie sonst: „Wie geht es Euch?“, sondern „Seid Ihr noch am leben?“.

Aktueller Einschub

Ich habe heute am 18.03.2022 aktuell bei Eugen einen Facebook-Post gelesen, der mich sehr bewegt hat. Ich werde diesen hier vollständig zitieren, da er sehr schonungslos vor Augen führt, was dieser Krieg bedeutet, nämlich unendliches Leid bei unzähligen Leuten in unzähligen Variationen.

Über den Morgen. Ich fürchte ihn. Jeden Tag. Jeder Tag beginnt gleich. Aufstehen, Wasser trinken, Zähne putzen. Dann aufs Handy schauen. Die Messages durchgehen. Es sind immer viele.

– „Unser Haus wurde von einer Rakete getroffen, wir können nicht mehr zurück.“

– „Heute gibt Putin eine Rede vor seinem Volk – wir haben Angst vor einem Nuklearschlag.“

– „Kennst du noch die und die? Die ganze Familie wurde im Auto erschossen.“

Dann drehe ich meine Runde. Papa. Tante. Oma. Lebt ihr noch? Nicht „wie geht’s?“, nicht „wie war der Tag?“. Die erste Frage ist, ob alle leben. Jeden Tag. Seit drei Wochen. Sie beruhigen mich oder lassen sich beruhigen. Erzählen, wo in der Nachbarschaft eine russische Rakete eingeschlagen hat. Zeigen mir ihren Handy-Feed.

04:00 – Luftalarm. Schutzräume aufsuchen!
04:11 – Luftalarm vorbei.
05:18 – Luftalarm. Schutzräume aufsuchen!
06:37 – Luftalarm vorbei.
07:48 – Luftalarm. Schutzräume aufsuchen!
08:56 – Luftalarm vorbei.
10:44 – Luftalarm. Schutzräume aufsuchen!

Ich gehe diese Nachrichten durch. Dann mache ich Yoga. Dann meditiere ich. Versuche wenigstens für 10 Minuten am Tag nicht an den Tod zu denken. Den Tod von Menschen, die ich liebe. Dann mache ich Social Media auf. Jeden Tag ein Fehler, aber ich kann nicht anders. Ich sende über diese Kanäle. Therapiere mich selbst. Ich bilde mir ein, damit etwas zu bewirken. Dem Krieg in der Ukraine eine persönliche Seite zu geben. Dann sehe ich den Hass und die Ignoranz in allen Kommentarspalten. Ich mache mir bewusst, dass es eine dumme, verachtenswerte Minderheit ist. Aber ihr Hass sickert in mich rein. Vergiftet meine Seele.

Ich sehe tote Kinder. Tote Frauen. Tote Männer. Ich höre abgefangene Funksprüche von russischen Soldaten, die damit angeben, wie sie vergewaltigen, Zivilisten erschießen, plündern, morden. Nach zwei Wochen tun sie mir nicht mehr leid. Mit jedem vernichteten Wohnhaus, Krankenhaus oder Schule wird auch mein Mitleid vernichtet. Niemand zwingt sie auf Zivilisten zu schießen. Niemand zwingt sie Bomben auf ein Theater mit der Aufschrift „KINDER“ auf dem Boden zu werfen.

Es ist nicht Putin, der diesen Abzug drückt. Ich verstehe Blutsfehden. Plötzlich verstehe ich diesen blinden Hass. Ich spüre ihn täglich in mir wachsen und es bricht auch mein Herz, weil ich es nicht will. Aber es passiert. Und dagegen bin ich machtlos. Dann versuche ich etwas zu essen. Manchmal fresse ich impulsiv in mich rein – alles was da ist. Manchmal bekomme ich keinen Bissen hinunter. Und dann setze ich mich an meine Arbeit. Es ist eine gute Arbeit. Aber auch sie kommt mir unwirklich vor. Alles kommt mir unwirklich vor. Dann erinnere ich mich, dass Ukrainer*innen aus Bunkern heraus ihre Arbeit machen. Und dann mache ich meine. Aber mein Herz ist schwarz. Die Geräusche sind dumpf. Es ist Krieg.

Eugen vom Dach: Facebook Post vom 18.03.2022

Fortsetzung Interview

Mutiger aufopfernder Kampfeswillen

Die Leute vor Ort sind sehr entschlossen und vergleichsweise ruhig. Das finde ich ehrlich gesagt unheimlich beeindruckend. Vielleicht liegt es daran, dass sie Leid und Entbehrung mehr gewohnt sind. Ich könnte mir vorstellen, dass die Deutschen da erheblich hysterischer und panischer reagieren würden. Viele Ukrainer haben sich entschieden ihr Land nicht zu verlassen, dort auszuharren und zu kämpfen. Sie stellen sich unbewaffent Panzern in den Weg, manche nehmen Waffen in die Hand und känpfen aktiv um den Erhalt der Ukrainie. Denn machen wir uns nichts vor. Würden sie das nicht tun, dann wird die Ukraine von der Weltkarte getilgt.

Das wirk alles so surreal! So verbringt man jetzt die Zeit! Man ist einerseits aufgewühlt, aber auch gleichzeitig irgendwie betäubt und abgestumpft.

Die diktatorische Blase

MH: Du hast gerade den starken Kampfeswillen der Ukrainer angesprochen. Putin hat sich damit offensichtlich volkommen verkalkuliert. Wie konnte es seinerseits zu so einer Fehleinschätzung kommen? Er schien davon auszugehen, dass das ein Spaziergang werden würde und seine Soldaten sozusagen als Befreier mit offenen Armen willkommen geheißen werden.

Eugen: Genau das bereitet mir ebenso Kopfzerbrechen. Ich verstehe nicht, dass eine Weltmacht und ein Überwachungsstaat wie Russland, die ihr Nachbarland Ukraine in- und auswendig kennen sollten, mit einer solch eklatanten Fehleinschätzung in die Ukraine einmarschiert sind. Der Krieg hat sehr zaghaft begonnen und hat im Verlauf erst deutlich an Härte zugelegt, nachdem deutlich wurde, dass der Widerstand größer war als gedacht. Schließlich hat Russland die Feuerkraft, um die Ukraine in Schutt und Asche zu legen. Daherhabe ich keine logische Erklärung für die Art und Weise, wie man diese Situation im Vorfeld eingeschätzt hat.Kann mir nur vorstellen ,dass man in dieser diktatorischen Blase lebt und keiner es wagte Putin von seinem Vorhaben abzubringen, sondern ihm einfach nach dem Mund zu reden und einfach gehofft hatte, dass es keinen großen Widerstand geben würde.

Es macht zudem den Anschein, dass viele der russischen Soldaten selber überhaupt keine Ahnung von dem hatten, was sie erwartet. Daher gehe ich davon aus, dass viele Soldaten desertiert sind. Das würde auch das viele Kriegsmaterial erklären, was überall zurückgelassen wurde, wie z.B. russische Panzer und Fahrzeuge, die einsam und verlassen auf der Straße stehen.

Ein aussichtsloser, aber letztlich sinnvoller Kampf? Und die Nato?

Nur darf man sich von den heroischen Taten der Ukrainer nicht blenden lassen. Sie haben schon jetzt unmögliches geleistet und sich und dem Westen Zeit verschafft auf diese Bedrohung zu reagieren. Doch am Ende hat die Ukraine doch keine Chance einen militärischen Gesamtsieg zu erringen. Der Kampf macht Sinn, scheint aber doch im Ergebnis aussichtslos zu sein. Ich muss schweren Herzens damit rechnen, dass Russland den Krieg gewinnen, den Präsidenten Selensky wahrscheinlich gefangennehmen, foltern und töten werden. Dann werden sie dort ihre Marionettenregierung einsetzen. Dies wird natürlich zu keinem Frieden im Land führen, sondern es wird auf einen Partisanenkrieg hinauslaufen.

Die NATO wird nicht eingreifen, was ich jetzt hier gar nicht bewerten möchte. Ich weiß nicht, was in der Hinsicht richtig oder falsch ist. Da habe ich gemischte Gefühle. Niemand will den Dritten Weltkrieg! Andereseits muss man sich die russische Rethorik anhören. Ich wiederhole noch einmal: In einer politischen Gesprächsrunde beim größten Fernsehsender des Landes, der staatliches Sprechorgan ist, geäußert wurde, dass man an den Grenzen der Ukraine doch gar nicht aufhören müsse, wenn der Westen Russland mit Sanktionen überhäuft.

Deswegen glaube ich schon, dass die Ukrainie auch einen Kampf für Europa und deren Werte kämpft. So sollte man doch darüber nachdenken, dass man zumindest eine Flugverbotszone über der Ukraine einrichtet, um zumindest den Krieg auf die Ukraine zu begrenzen. Sonst könnte es passieren, dass man dann irgendwann den Kampf in Polen oder Littauen wird führen müssen. Wie gesagt, ich bin kein Militär- oder Politikexperte, aber das sind die Gedanken, mit denen ich täglich zu tun habe.

Hilfe für das ukrainische Volk

MH: Kommen wir mal zu einem Thema, bei dem Du Dich sehr engagierst und wo Du aktiv von hier aus Hilfe leistest. Erzähl doch mal, in welchen Bereichen Du tätig bist! Und wie können unsere Leser und alle anderen helfen?

Eugen: Spenden ist ein großer Teil davon! Ich persönlich habe spontan zwei Tage nach Kriegsbeginn eine Demonstration in Bonn vor dem russischen Konsulat organisiert. Da kamen kurzfristig 600 Menschen, was mich sehr gefreut hat. Es waren Russen, Weisrussen, Ukrainer und Deutsche darunter, die alle friedlich und herzlich mit einander umgegangen sind. Es war eine Brüderlichkeit vorhanden.

Photo Credit: Jörg Schnebele

Eine Situation ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ein alter russischer Mann kam auf mich zu, umarmte mich und sagte unter Tränen, wie er sich für alles schämen würde und wie unheimlich leid ihm das alles tun würde. So etwas vergisst man nie wieder und zeigt auch, dass man Menschen nicht nach ihrer Herkunft, sondern nach ihren Worten und Taten beurteilen sollte.

Ansonsten mache ich viel mit dem blau/gelben Kreuz. Das ist ein ukrainischer Verein in Köln, der aber auch deutschlandweit aktiv ist. Sie vermitteln unter anderem Wohnungen und Unterkünfte für die Flüchtlinge, kümmern sich um die Verteilung von Hilfsgütern und koordinieren Spendengelder. Ich selbst konnte zwei Familien bei Freunden unterbringen. Ich stelle mich als Dolmetscher für Hilfsorganisationen zur Verfügung.

Ungewöhnliche Ideen

Dann kam uns noch eine ungewöhnliche Idee für die REDRUM-Rockbar in Köln. Wir haben uns überlegt, dass wir für die Flüchtlinge einen Deckel machen, dass die ein paar Bier umsonst trinken können. Das klingt vielleicht läppisch, aber das sind Leute, die hier länger gestrandet sind. Und eventuell können sie sich so ein wenig ablenken. Ich habe auch mit Museen oder anderen Einrichtungen gesprochen, dass die Flüchtlinge dort umsonst reingehen können, damit diese nicht einfach nur tagein tagaus in der Unterkunft sitzen müssen und nur an den Krieg denken. Ich habe es bei mir selbst gemerkt. Man wird dann einfach verrückt.

Ansonsten kann ich den Leuten nur empfehlen, dass sie die großen Organisationen wie ‚Ärzte Ohne Grenzen‘ oder das ‚Deutsche Rote Kreuz‘ finanziell unterstützen, weil diese tatsächlich direkt vor Ort ihre Hilfe anbieten. Es gibt auch diverse Datenbanken im Internet, wo man sich anbieten kann, wenn man selber Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Also es bringt jezt wenig, wenn man sich in sein Auto setzt und zur ukrainischen Grenze fährt, um dort irgendwas zu machen. Dort ist eh schon genug los und würde nur die Verkehrsweg zusätzlich verstopfen. Also lieber die professionellen Organisationen unterstützen, die die ganze Hilfe mit viel Erfahrung koordiniert organisieren.

Die Band PRIPJAT auf Eis? Nein, nicht ganz!

MH: Nun wollen wir zum Ende hin das musikalische Thema aufgreifen. Du bist ein Teil der Band PRIPJAT. Dies liegt momentan auf Eis, nicht wahr?

Eugen: Ja in der Tat läuft da zur Zeit nix. Wir haben die Aktion gestartet, dass wir unsere Einnahmen aus dem Merch für die Opfer des Ukrainie Krieges gespendet haben. Da sind innerhalb von sieben Tagen 8000 Euro zusammengekommen. Das ist wirklich Wahnsinn! Und wir schauen, ob wir das nicht noch mit einer weiteren Aktion toppen können. Wir werden definitiv noch einige Benefizkonzerte spielen, wenn wir wieder soweit sind. Eigentlich haben wir an unserem neuen Album geschrieben, aber ich habe seit Wochen keine Gitarre in die Hand genommen und ich habe zur Zeit nicht den Kopf dafür frei.

Weltweite Hilfsbereitschaft

MH: Ich habe tatsächlich festgestellt, dass dass viele andere Bands haben ähnliche Aktionen vollzogen haben. Also ist die Hilfsbereitschaft und Solidarität bei den Bands weltweit sehr groß.

Eugen: Ja, grundsätzlich muss man sagen, dass die Unterstützung wahnsinnig toll ist und auf seine Weise einamlig. Ich bin so was von dankbar dafür, auch für den Support, den ich persönlich erhalte. Und ich bin ja „nur“ psychisch durch, aber in Sicherheit; im Gegensatz zu den Menschen in der Ukraine, die täglich Angst um ihr Leben haben müssen. Trotzdem benötige ich Zuspruch und Unterstzützung in jeglicher Form, für das, was ich mache, denn ich habe Gefühle und versuche nicht den Verstand zu verlieren. Daher bin ich dankbar für alles positive, was man mir entgegenbringt.

So habe ich am letzten Freitag drei Shirts der ukrainischen Band HELL:ON mit in unsere Kneipe REDRUM genommen und dort zum Kauf angeboten. Und ich habe sage und schreibe an dem Abend 150 Euro für die Shirts bekommen. Die Leute sagen mir: „Bei Dir wissen wir, dass das Geld an die richtige Stelle kommt!“ Da war ich natürlich gerührt. Direkt am nächsten Tag hatten die Jungs von der Band das Geld schon. Man muss dazu sagen, dass die Bands aus der Ukraine zur Zeit statt mit Gitarren mimt Gewehren unterwegs sind. Niemand will das!

Moral stärken

Aber eine Wahl haben sie faktisch nicht gehabt. So sind das zwar kleine Beiträge, aber genauso wichtige Beiträge für die dortige Moral der Menschen. Die bekommen schon mit, wenn der Rest der Welt ihre Solidarität mit der Ukraine bekundet, in welcher Form auch immer. Und wie man weiß: Kriege werden nicht immer nur mit Waffen entschieden, sondern ebenso durch die Moral. Und da muss ich sagen: Wie die Regierung den Krieg händelt, halte ich für durchwachsen, aber gerade von der großartigen Unterstützung der deutschen Bevölkerung bin ich sehr angetan.

(Interview mit PRIPJAT und HELL:ON aus dem Jahr 2019 gibts hier)

Gewehre statt Gitarren

MH: Gewehre statt Gitarren! Das betrifft wohl viele der ukrainischen Bands. Auch die Band 1914 (Facebook) teilt dieses Schicksal und kämpfen für ihr Land. Eine Band, die in ihrer Musik die Grauen des Krieges thematisieren und vor nicht allzu langer Zeit ihr letztes Album (Review) veröffentlicht haben. Wer hätte gedacht, dass sie jetzt tatsächlich noch selbst zu den Waffen greifen müssen, um ihr Leben und ihr Land zu verteidigen. Auf ihrer Facebookseite gibt es fast täglich neue schreckliche Bilder aus dem Kriegsgebiet.

Musik als psychische Stütze

MH: Hilft dir Musik in diesen Zeiten trotzdem irgendwie? Hörst Du Dir zur Zeit bewusst Musik an, um Dich abzulenken? Und was hört man in einer solchen Situation?

Eugen: Natürlich spielt Musik in meinem Leben eine sehr große Rolle. Zur Zeit bin ich zwar sehr eingebunden und habe kaum Zeit mich mal zurückzulehnen und Musik zu hören. Aktuell höre ich mehr Podcasts und Nachrichten, aber zwischendurch gebe ich mir schon mal die volle Dröhnung. Dabei höre ich immer ja nach Laune eine bunten Blumenstrauß, irgenwas, was mich in dem Moment wieder nach oben und nach vorne bringt.

PRIPJAT als politische Band

MH: PRIPJAT ist eine Band, die in ihren Songtexten auch politische Statements abgibt. Würdet Ihr euch generell als politische Band bezeichnen?

Eugen: Wir sind schon eine politische Band. Ich finde, dass ist immer sehr albern, wenn manche Bands sagen, dass sie nicht politisch wären. Thrash Metal ist das politischste Genre mit Metal überhaupt.

MH: Wird dieser Krieg dann auch Thema Eures nächsten Albums sein?

Eugen: Das wird bestimmt so sein! Ich schreibe ja einen Großteil der Texte und ich reflektiere eigentlich immer das Zeitgeschehen und verpacke es in eine Geschichte ohne dabei konkrete Länder oder Namen zu bennen. Ausnahme war der Song „Kiew Burns“, bei dem es eigentlich um die Maidan-Revolution ging und nicht um den Krieg, aber so hat der Song wieder eine traurige Aktualität erlangt. Ich verarbeite ja auch meine Erfahrungen und Gefühle in diesen Texten und warum sollte es diesmal anders sein, zumal wir eine halb ukrainische Band sind und sehr tief in dieser Sache drinstecken.

MH: Jetzt sind wir am Ende des Interviews angelangt, in dem wir das emotionale aufwühlende Thema ein wenig mehr beleuchtet haben. Vielen Dank an Eugen, der sich in der belastenden und stressigen Phase sich die Zeit für ein Telefonat genommen hat, um uns allen einen kleinen Einblick in seine Situation zu geben und seine Sicht der Dinge darzulegen.

English version

War and sorrow

are once again closer to us than anyone in our country had thought for a long time. Suddenly, peace is gone and Europe is in a state of emergency. First it was the worldwide war against a virus that kept mankind in suspense. Well, countermeasures were quickly taken in the form of more or less effective vaccines. But a vaccine against dictatorial madness has not yet been invented. And so, at present, the world is again experiencing a very different kind of threat. War, after a blink of an eye in contemporary history, has already struck Europe again. War, terror, racism and fascism are unfortunately a constant companion of human existence.

History repeats itself…… Unfortunately!!!

Now Putin, as the leader of a world power, has decided to attack a militarily far inferior neighboring country. We are living in 2022 and one has the feeling that mankind will probably never learn from past mistakes. Not quite seventy years ago, Russia was almost defeated by German armies fighting for a crazy megalomaniac dictator. And now the leader of the Russian people himself is taking the role of the perpetrator. Thus, the world power Russia is waging a war of aggression against its neighboring country, but also against its own people. But Ukraine is not as defenseless as the political and military leadership of russia excpected. But even if the cohesion and the willpower of the Ukrainian people is admirable, such a war means only one thing: death and suffering! This war is a new break in the global structure. This war will once again change everything.

Make a statement

We at ‚metal-heads.de‘ are first and foremost a music magazine, but of course we have moral principles that we uphold and defend. It’s not for nothing that we are supporters of the RAGE AGAINST RACISM festival, for example. That’s why we think it’s incredibly important to deal with this topic here on our platform in one article, even though the topic is already constantly present in the relevant media every day. But ‚metal-heads.de‘ has an interview partner on hand who is deeply involved in the topic. This is Eugen from the thrash metal band PRIPJAT (Facebook). You will find out more in the following interview, which I conducted with Eugen on 13.03.2022.

Deceptive peace negotiations???

MH: Just today I read in the news about new peace negotiations. Supposedly, the talks would have been more positive in contrast to the previous negotiations. There is even talk of a possible end to the war. What do you say to that?

Eugen: Yes, I have read that too. Of course, I hope with all my heart that it is indeed so. But I am very skeptical. Because at a state tv channel in Russia, people still speak in a completely different way. And there is nothing else than state tv channels in Russia any more. And this report said that they have to destroy Ukraine politically and militarily.

So why, in view of all the sanctions, should you even stop at the borders of Ukraine once you have reached them. So I am rather skeptical about the peace negotiations. I rather think that they want to play for time in order to form up for a new war tactic. Of course, my greatest wish would be to be wrong. I have doubts about Russia’s willingness to compromise, but I would be the first to open a bottle if it leads to a positive end.

I rather assume that this apparent willingness to compromise is a tactical measure to stall for time and reposition. The promised escape and aid corridors are regularly shelled and mined by the Russians. We already know this from Syria or Chechnya. Russia is waging an all-out war against Ukraine with terrible weapons such as cassette bombs, claster bombs, cluster munitions, etc., which are also being used explicitly against the civilian population.

Media competence

MH: Unfortunately, I had the same concerns when reading the article. While we’re on the subject of news. In these times, the topic of fake news is omnipresent. Propaganda news that uses untruths or half-truths to try to influence people and move them in a certain direction of thinking. Which news can you still trust today? What sources of information do you have?

Eugen: Now we come to the point of media competence. This should be a compulsory subject in schools by now. I stick to the public broadcasters because, in my opinion, they report most objectively on certain things, despite all the justified criticism. Otherwise, I am very broadly positioned in this area, since I speak English, Russian and Ukrainian in addition to German. I am on some Ukrainian Telegram groups. Then I read the Times, the Washington Post, follow some people on Instagram. However, just in this particular case, I follow some amateur reporters who are in the border areas and reporting from there. Those are the direct insights. I would definitely recommend always getting at least from a second source of information, because in addition to the real war on the ground, there is also the news war that is going on around the world.

I notice this myself, because my social media is full of Russian bots that flood me with messages, among which is so much unbelievable fascist propaganda. And I’m not even in the main target group.

Personal connections to both countries

MH: You are personally very deeply connected with this war anyway. Tell us what connects you with Ukraine and Russia.

Eugen: I was born in St. Petersburg, grew up in Kiev and have lived in Germany for 25 years. Almost my whole family lives in Kiev, and still does! They have decided to do so, which has partly resulted from a lack of alternatives. Some are simply also too old to flee. Before this war I have never greatly distinguished between Russia and Ukraine, because I have friends everywhere.

For example, my ex-fiancée lives in Moscow. She is now desperately trying to leave the country, because people who are not so brainwashed and blindly stand behind Putin are suddenly experiencing the horror in their own country. Because it has now become clear to these people that they are living in a totalitarian dictatorship. This can be seen quite acutely with all the mass arrests and the new information law, which is supposed to nip any form of government criticism in the bud. This makes people aware that there will be no future for them under the regime.

However, one must also consider that many Russians are actually behind the system, which is of course partly due to the state’s propaganda tactics. But some also share Putin’s fantasies of great Russian power like in old times. But I do not condemn the Russian people in general. Not at all! And I find it terrible when I hear that people who come from Russia are denounced and attacked in this country simply because they come from Russia. This certainly affects the wrong people. These people do not live here outside their country of origin for no reason. Hate only produces more hate. And who wants that!

Russia, a dictatorship! First hidden, now visible to all!

However, I think it is an illusion that the Russian people will rise up to overthrow the tyrant. The time when that might have been possible is over, in my opinion. The people are being brutally oppressed, worse than ever before. One need only look to North Korea!

As I mentioned, I would be very happy if I were wrong. But at the moment I see it less optimistically, but more realistically because of my far-reaching information. Just think of all the opponents of Putin who have been murdered in recent years, in whatever way. So it seems almost impossible to organize such a broad-based resistance that it could make a difference. For example, I have also heard that the Russian police randomly check the cell phones of citizens, for example in subways, to check for messages critical of the government. Therefore, I would rather bet on the oligarch group, which could perhaps exert influence.

Mental anguish

MH: You said at the beginning that your family stayed in Kiev despite the dangerously precarious situation. How do you deal with such an immensely stressful situation?

Eugen: Well, how is the life I’ve been living for two weeks? I’m functioning somehow! Besides my full-time job, I work as a journalist, am involved in refugee aid and collect donations. Because as soon as I’m not doing anything and I can distract myself, these worries and terrible thoughts come straight up inside me…. You can’t stand that, if I’m honest.

It also couldn’t go on like it did in the first week, where I just went to bed drunk every day. So it’s the principle of repression that I try to practice. Nevertheless, you wake up and your first thoughts are about your family. You look at your cell phone and don’t ask, „How are you?“ as usual, but „Are you still alive?“

Current slide-in

I have read today (18.03.2022) a Facebook post from Eugen. This one has moved me very much. I will quote it here in full, because it shows very unsparingly what this war means, namely endless suffering for countless people in countless variations.

About the morning. I fear it. Every day. Every day starts the same. Get up, drink water, brush teeth. Then look at the cell phone. Go through the messages. There are always many.

– „Our house was hit by a missile, we can’t go back.“

– „Today Putin is giving a speech to his people – we are afraid of a nuclear strike.“

– „Do you remember them and them? The whole family was shot in the car.“

Then I make my rounds. Dad. Aunt. Grandma. Are you still alive? Not „how are you?“, not „how was your day?“. The first question is whether everyone is alive. Every day. For three weeks. They reassure me or let me reassure them. Tell me where a Russian missile hit in the neighborhood. Show me their cell phone feed.


04:00 – Air alert. Head for shelters!
04:11 – Air alert over.
05:18 – Air alert. Take shelter!
06:37 – air alarm over.
07:48 – air alarm. Take shelter!
08:56 – air alarm over.
10:44 – air alarm. Take shelter!


I go through these messages. Then I do yoga. Then I meditate. Try not to think about death at least for 10 minutes a day. The death of people I love.
Then I open up social media. Every day a mistake, but I can’t help it. I broadcast through these channels. Therapize myself. I imagine I’m making a difference with it. Giving a personal side to the war in Ukraine.
Then I see the hatred and ignorance in all the comment columns. I realize that they are a stupid, despicable minority. But their hatred seeps into me. Poisons my soul.
I see dead children. Dead women. Dead men. I hear intercepted radio transmissions from Russian soldiers bragging about how they rape, shoot civilians, loot, murder. After two weeks, I don’t feel sorry for them. With every destroyed apartment building, hospital or school, my pity is also destroyed. Nobody forces them to shoot civilians. No one is forcing them to drop bombs on a theater with „CHILDREN“ written on the ground.

It is not Putin pulling that trigger.
I understand blood feuds. Suddenly I understand this blind hatred. I feel it growing inside me every day and it breaks my heart too because I don’t want it. But it happens. And I am powerless against it.
Then I try to eat something. Sometimes I impulsively eat into myself – everything that is there. Sometimes I can’t get a bite down.
And then I sit down to my work. It is good work. But it also seems unreal to me. Everything seems unreal to me.
Then I remember that Ukrainians do their work from bunkers. And then I do mine.
But my heart is black. The sounds are muffled. It is war.

Eugen vom Dach: Facebook Post at 18.03.2022

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Courageous will to fight

The people on site are very determined and comparatively calm. To be honest, I find that incredibly impressive. Maybe it’s because they are more used to suffering and deprivation. I could imagine that the Germans would react much more hysterically and panic-stricken. Many Ukrainians have decided not to leave their country, to stay there and fight. They are going unarmed straight toward the Russian tanks to stop them. Some take weapons in their hands and actively fight for the preservation of Ukraine. Because let’s not fool ourselves. If they don’t do that, Ukraine will be wiped off the world map.

It all seems so surreal! That’s how you spend your time now! One is on the one hand agitated, but also at the same time somehow numbed and dulled.

Insane misjudgement

MH: You just mentioned the Ukrainians‘ strong will to fight. Putin has obviously completely miscalculated. How could he have made such a miscalculation? He seemed to assume that this would be a walk in the park and that his soldiers would be welcomed with open arms as liberators, so to speak.

Eugen: That’s exactly what puzzles me as well. I don’t understand why a world power and a surveillance state like Russia, which should know its neighbor Ukraine inside out, invaded Ukraine with such a blatant misjudgment. The war began very timidly and only increased in severity significantly as it progressed after it became clear that the resistance was greater than anticipated. Finally, Russia has the firepower to reduce Ukraine to rubble. I can only imagine that they live in this dictatorial madness and that no one dared to dissuade Putin from his plans, but rather just talked his way and hoped that there would not be much resistance.

It also appears that many of the Russian soldiers themselves had no idea at all of what awaited them. Therefore, I assume that many soldiers deserted. This would also explain the many war materials that were left behind everywhere, such as Russian tanks and vehicles standing lonely and abandoned on the street.

A hopeless but ultimately meaningful struggle? And NATO?

But one should not be blinded by the heroic deeds of the Ukrainians. They have already achieved impossible things and have bought themselves and the West time to react to this threat. But in the end, Ukraine has no chance to achieve an overall military victory. The fight makes sense, but seems to be hopeless in the result. I have to reckon with a sad heart that Russia will win the war, probably capture, torture and kill President Selensky. Then they will install their puppet government there. This, of course, will not lead to peace in the country, but will amount to partisan warfare.

NATO will not intervene, which I do not want to evaluate here. I don’t know what is right or wrong in this respect. I have mixed feelings about that. Nobody wants a third world war! On the other hand, you have to listen to Russian rhetoric. Let me repeat: in a political round table discussion on the country’s largest television station, which is the state’s mouthpiece, it was said that there is no need to stop at Ukraine’s borders when the West is heaping sanctions on Russia.

Therefore, I believe that Ukraine is also fighting a battle for Europe and its values. So we should think about at least establishing a no-fly zone over Ukraine, at least to limit the war to Ukraine. Otherwise, it could happen that at some point we will have to fight the battle in Poland or Lithuania. As I said, I am not a military or political expert, but these are the thoughts that I deal with on a daily basis.

Help for the Ukrainian people

MH: Let’s move on to a topic in which you are very involved and where you actively provide help from here. Tell us about the areas in which you are active! And how can our readers and everyone else help?

Eugen: Donations is a big part of it! I personally spontaneously organized a demonstration in Bonn in front of the Russian consulate two days after the war began. At short notice 600 people came, which made me very happy. There were Russians, Byelorussians, Ukrainians and Germans among them, who all dealt with each other peacefully and cordially. There was a kind of brotherhood.

photo credit:Jörg Schnebele.

One situation in particular has remained in my memory. An old Russian man came up to me, hugged me and said with tears how ashamed he was of everything and how incredibly sorry he was for it all. I never forget something like that and it also shows that all people shouldn’t judge other people by their origin, but by their words and deeds.

Otherwise, I do a lot with the blue/yellow cross. This is a Ukrainian association in Cologne, but it is also active throughout Germany. Among other things, they arrange apartments and housing for the refugees, take care of the distribution of relief supplies and coordinate donations. I myself was able to place two families with friends. I make myself available as an interpreter for aid organizations.

Unusual ideas

Then we came up with another unusual idea for the REDRUM rock bar in Cologne. We thought about some free drinks for the refugees. That may sound silly, but these are people who have been stranded here for a while. And maybe they can distract themselves a little bit that way. I’ve also talked to museums or other institutions that the refugees can go in there for free, so they don’t just have to sit in the shelter day in and day out thinking only about the war. I noticed it with myself. One then simply goes crazy.

Otherwise, I can only recommend that people financially support the large organizations such as ‚Ärzte Ohne Grenzen‘ or the ‚Das Deutsche Rote Kreuz‘, because they actually offer their help directly on site. There are also various databases on the Internet where you can provide living space yourself. So there is little point in getting into your car and driving to the Ukrainian border to do something there. There is already enough going on there and it would only clog up the traffic routes. So it is better to support the professional organizations, which organize all the help with a lot of experience coordinated.

A break for PRIPJAT

MH: Now let’s pick up the musical theme at the end. You are a part of the band PRIPJAT. This is currently not alive, isn’t it?

MH: Nun wollen wir zum Ende hin das musikalische Thema aufgreifen. Du bist ein Teil der Band PRIPJAT. Dies liegt momentan auf Eis, nicht wahr?

Eugen: Yes, indeed, there is nothing going on at the moment. We have started the action that we have donated our income from the merch for the victims of the Ukrainian war. Within seven days we collected 8000 Euro. That’s really crazy! And we’ll see if we can’t top that with another campaign. We will definitely play some more benefit concerts when we are ready again. Actually we have been writing our new album, but I haven’t picked up a guitar for weeks. And I don’t have a free mind for writing songs at the moment.

Worldwide helpfulness

MH: I actually found that many other bands have completed similar actions. So there is a lot of willingness to help and solidarity among bands worldwide.

Eugen: Yes, basically you have to say that the support is insanely great and unanimous in its own way. I am so grateful for it, also for the support I receive personally. And I am „only“ in a terrible psychologically situation, but my life is not in danger; unlike the people in Ukraine, who have to fear for their lives every day. Nevertheless, I need encouragement and support in any form, for what I do, because I have feelings and try not to lose my mind. Therefore, I am grateful for everything positive that is given to me.

So last Friday I took three shirts of the Ukrainian band HELL:ON to our pub REDRUM and offered them for sale. And I got, believe it or not, 150 euros for the shirts that evening. People tell me, „With you, we know that the money will go to the right place!“ So of course I was touched. The very next day, the guys from the band already had the money. It must be said that the bands from Ukraine are currently on the road with guns instead of guitars. Nobody wants that!

Boosting morale

But they have not had a choice, in fact. So these are small contributions, but they are equally important contributions to the spirit of the people there. They notice when the rest of the world expresses its solidarity with Ukraine, in whatever form. And as we know, wars are not always decided by weapons alone, but also by strong spirit. And I have to say that I think the government’s handling of the war is mixed, but I’m particularly impressed by the great support of the German people.

Guns instead of guitars

MH: Guns instead of guitars! This probably concerns many of the Ukrainian bands. The band 1914 (Facebook) also shares this fate and they fight for their country. A band whose music deals with the horrors of war and who released their last album (Review) not so long ago. Who would have thought that now they actually still have to take up arms themselves to defend their lives and their country. On their Facebook page there are new horrible pictures from the war zone almost every day.

Music as a psychological support

MH: Does music still help you in these times somehow? Are you consciously listening to music at the moment to distract yourself? And what do you listen to in such a situation?

Eugen: Of course music plays a very big role in my life. At the moment I’m very busy and hardly ever have time to sit back and listen to music. Currently I listen more to podcasts and news, but in between I give myself the full blast with all kinds of Rock and Metal music. It depends on the situation and my personal condition.

PRIPJAT as a political band

MH: PRIPJAT is a band that also makes political statements in their song lyrics. Would you generally describe yourselves as a political band?

Eugen: We are already a political band. I think that is always very silly when some bands say that they are not political. Thrash Metal is the most political genre in Metal at all.

MH: Will this war then also be the subject of your next album?

Eugen: That will definitely be the case! I write a large part of the lyrics and I actually always reflect the current events and wrap it in a story without naming specific countries or names. The exception was the song „Kiev Burns“, which was actually about the maidan revolution and not about the war, but so the song has regained a sad topicality. I also process my experiences and feelings in these lyrics and why should it be different this time, especially since we are a half-Ukrainian band and are very deeply involved in this matter.

MH: Now we have reached the end of the interview, in which we have shed a little more light on the emotionally upsetting topic. Many thanks to Eugen, who took the time for a phone call during the stressful phase to give us all a little insight into his situation and his view of things.

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Bildquellen

  • grief- Stefan Keller auf Pixabay: Pixabay
  • Eugen Demo Bonn 2022: Eugen v.d. Band PRIPJAT
  • Eugen traditionell: Eugen
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  • atomic-bomb-Gerd Altmann auf Pixabay: Gerd Altmann auf Pixabay
  • Eugen auf der Demo in Bonn: Eugen von PRIPJAT//Photo Credit-->Jörg Schnebele
  • Eugen in Action bei PRIPJAT: Eugen von PRIPJAT
  • 1914 Titelbild: Napalm Records
  • Peace for UKRAINE: Pixabay
  • Ukraine Krieg-Titelbild: Pixabay

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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