1914 – „Where Fear And Weapons Meet“ Review

(English review below)

Blackened-Death-Metal

Die Band 1914 (Facebook) hatte sich 2014 zum 100. Jahrestag des 1. Weltkrieges gegründet. Das Thema ihrer Alben ist nicht schwer zu erraten. Sie widmen sich durchweg der Kriegsthematik und das in einer ernsten Art und Weise, die nichts zu beschönigen hat. Denn Krieg ist ein grausames Geschäft mit Tod und Leid. Darum ging es auch hauptsächlich auf dem letzen Album „The Blind Leading The Blind“. Der Tod in jeder Sekunde des Krieges und die Angst in jeder Faser der Soldaten.

Aber es gibt auch Helden in solchen Kriegen, auch wenn diese Menschen vermutlich nie Helden sein wollten. Manchen wurde das Glück zuteil und sie überlebten das grausame Gemetzel. 1914 widmen sich auf ihrem Album „Where Fear And Weapons Meet“ (VÖ 29.10.2021) vor allem solchen Geschichten. Denn Helden ließen Hoffnung entstehen und Hoffnung war oft das einzige, was die Soldaten am Leben erhielt und weiter vorantrieb.

Authentizität

war seit jeher ein Markenzeichen von 1914. Und auch diesmal sind sie tief in die Materie eingedrungen, um uns das Prinzip Hoffnung und Überleben näherzubringen. Dabei versüßen sie uns nicht mit geschönten Heldengeschichten den Tag, denn mit Heldenromantik hat Krieg nichts zu tun. Genau das machen 1914 mit ihrer Musik und den Texten mehr als deutlich. Aber wie ich oben schon erwähnte. Helden erzeugen Hoffnung und Hoffnung nährt den Willen zum Überleben.

Es sind zum Teil originale Überlieferungen von Soldaten, die diesen Krieg am eigenen Leib erfahren haben und die Grundlage der Songtexte bilden. Ein wichtiger Grund jedenfalls, um sich auch mal näher mit den Texten zu beschäftigen. Bestes Beispiel sei der folgende Track „…And A Cross Now Marks His Place“. Den Grund dafür nennt Sänger Hptm. Ditmar Kumarberg selber höchstpersönlich:


Die Geschichte hinter „…And A Cross Now Marks His Place“ hat mich total gefesselt: Es handelt sich um einen echten Brief, handgeschrieben von einem britischen Offizier an die Mutter eines im Kampf gefallenen Soldaten. Es handelt sich nicht um ein Standardformular, das zu Tausenden verschickt wird, sondern eher um eine persönliche Nachricht. Er beschreibt die Art und Weise, wie ihr Sohn starb, spricht Worte des Trostes und betont, wie stolz die Krone auf ihn ist, ein weiteres Opfer des Massakers zwischen den Imperien.

Kommentar zum Video auf YouTube

Der Brief

Dear mother
I regret very much to inform you that your son private A.G Harrison was
Killed in action on the night of the 21st instant. Death was instantaneous
And without any suffering.
The Company was taking part in an attack and your son’s gun team was
One of these which advanced against the enemy.
The attack was successful and all guns reached and established new positions.
Later in the night the enemy shelled our lines and one shell fell on your son’s gun killing him and
wounding a comrade. It was impossible to get his remains away and he lies in a soldier’s grave where he fell.

I and the C.O. and all the Company deeply sympathise with you in your loss. Your son always did
his duty and now has given his life for his country.
We all honour him, and I trust you will feel some consolation in remembering this. His number was
62732 of this Company.
In true sympathy
yours faithfully, War

Promo Material über Napalm Records

Der Song

hat eine sehr doomige Note, stampft mit sägenden Gitarren vor sich hin und macht einen schwerfälligen traurigen Eindruck. Er setzt damit Vibes frei, die an PARADISE LOST erinnern. Die hat man teilweise auch schon beim Vorgängeralbum hören dürfen. Da 1914 Fans von PARADISE LOST sind, waren sie sehr glücklich, dass sie für diesen Song Nick Holmes gewinnen konnten, der von dem Thema und dem Sound von 1914 sehr angetan war. So schenkte Nick Holmes diesem Song seinen unverwechselbaren gesanglichen Stempel. Selbredend, dass es perfekt passt und sich super anhört. Trotz der doomigen Grundnote wechselt der Song teilweise in ein wütendes Massaker, in dem die Blastbeats einschlagen wie die Schüsse eines Maschinengewehrs.

Das Orchester

haben auf diesem Album 1914 für sich entdeckt und sie nutzen dies, um eine noch tiefere Atmosphäre zu erschaffen. Und das Konzept geht völlig auf. Die mächtigen orchestralen Elemente sind wie geschaffen für dieses Thema und eröffnen eine ganz neue Tiefe im Sound. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass wir es nun mit Symphonic Metal zu tun haben. Nein, das haben wir nicht. Der kompromisslose harte Metal steht hier noch wie vor an erster Stelle und der ist wie gewohnt von zerstörerischer Urgewalt geprägt. Und doch gibt es

ein Novum auf diesem Album.

Der Song „Coward“ ist ein rein akustischer Song, der hauptsächlich nur mit einem traditionellen Zupfinstrument begleitet wird. (Ich hätte die Klänge einer Mandoline zugeordnet, kann mich aber auch täuschen.) Eine Mundharmonika hat ebenfalls ihren Einsatz, so dass dieser Song mit seinem melodischen cleanen Gesang auf jedem Country-Album vertreten sein könnte ohne aufzufallen, wenn….. na wenn der Text nicht wäre. Denn so locker leicht der Song auch klingen mag, ist der Text dies ganz und gar nicht und steht im krassen Gegensatz zur musikalischen Erscheinung. Eine gewagte Kombination. Dieser Song bleibt aber die alleinstehende Ausnahmeerscheinung auf dem Album, sozusagen der musikalische Waffenstillstand in der Mitte des Albums. Als Gastsänger hat man sich hier passenderweise übrigens den ukrainischen Country- und Volksmusiker Sascha Boole ins Boot geholt.

Songtext „Coward“

My father said – son, your country needs you
Come join the kings army in the final breakthrough
The officer told me – shut up and attack
In no mans land sludge i`m firmly stuck
I saw private Baker with his guts in the mud
He called for his mother coughed up blood
I found all my squad mates in a shell hole
They all were dead, shredded as cole
And I ran thru this scorched soil as fast as I can

Threw out all my weapons my helmet and bags
A sudden wave of fear choked me out
I forgot my own name and I had to run
Near the Menin Road Ridge I sat under a tree
When they suddenly stumbled upon me
They said im a slacker, im a coward and rat
Corporal pulled out his gun and shot me in the head
My father said – son, your country needs you
Come join the king`s army in the final breakthrough

Promo Material Napalm Records

Ansonsten geht es in gewohnter 1914-Manier voran. So auch beim Song „Pillars Of Fire“, der die

Schlacht bei Messines

beschreibt. In dieser Schlacht hatte die britische Armee eine besonders wahnwitzige Idee. Man nutzte Minen und selbst gegrabene Tunnel tief in der Erde unter den feindlichen Linien, um dort tonnenweise Sprengstoff zu deponieren. Als der Sprengstoff schließlich gezündet wurde, gab es eine für damalige Verhältnisse unbeschreibliche Explosion, dessen Sprengkraft 10.000 deutschen Soldaten umgehend das Leben kostete. Damit brach die deutsche Verteidigung zusammen und diese Schlacht konnte gewonnen werden.

Musikalisch wirbelt der Song auch ziemlich viel auf. Auffallend sind hier die mächtigen orchestralen Bläser, die zusammen mit einem Blastbeat-Trommelgewitter im Hintergrund eine bedrohliche Atmosphäre erschaffen. Es folgen nervenzerfetzende Riffs und die bitterbösen Growls, bis mittendrin sozusagen die unheimliche Ruhe vor dem Sturm einkehrt und man einen knisternden Spannungsbogen aufbaut, bis der Song wieder wild um sich schlägt.

Fazit

1914 setzen ihre ganz eigene Art der Geschichtsaufarbeitung mit „Where Fear And Weapons Meet“ erschreckend eindrucksvoll fort. Sie verfeinern bzw. intensivieren ihren Sound mit orchestralen Elementen, die in der richtigen Dosierung dem musikalischen Donnerwetter eine noch größere Dimension verleihen. Der Sound von 1914 ist wie der Krieg! Schonungslos und unerbittlich!

English review

Blackened-Death-Metal

The band 1914 (Facebook) had formed in 2014 for the 100th anniversary of World War 1. The theme of their albums is not difficult to guess. They devote themselves throughout to the war theme and in a serious way that has nothing to gloss over. Because war is a cruel business with death and suffering. That’s what the last album „The Blind Leading The Blind“ was mainly about. The death in every second of the war and the fear in every fiber of the soldiers.

But there are also heroes in such wars, even if these people probably never wanted to be heroes. Some were lucky and survived the cruel slaughter. 1914 dedicate themselves to these heroes on their album „Where Fear And Weapons Meet“ (VÖ 29.10.2021). Because heroes gave rise to hope and hope was often the only thing that kept the soldiers alive and pushed them forward.

Authenticity

has always been a hallmark of 1914. And this time again they have delved deep into the subject matter to bring us closer to the principle of hope and survival. But they don’t sweeten our day with embellished heroic stories, because war has nothing to do with heroic romanticism. That’s exactly what 1914 make more than clear with their music and lyrics. But as I mentioned above. Heroes create hope and hope feeds the will to survive.

Some of the lyrics are original stories told by soldiers who experienced the war first hand and form the basis of the song lyrics. An important reason to take a closer look at the lyrics. The best example is the following track „…And A Cross Now Marks His Place“. The reason for this is given by singer Hptm. Ditmar Kumarberg himself:


The story behind “…And A Cross Now Marks His Place” totally captured me: This is the real letter, handwritten by the British officer to the mother of a soldier who died in action. This was not a standard form sent in thousands, but more like a personal message. He describes the way her son died, tells words of consolation, and emphasizes how the Crown is proud of him, another victim of the massacre between Empires.

Video comment on YouTube

The letter

Dear mother
I regret very much to inform you that your son private A.G Harrison was
Killed in action on the night of the 21st instant. Death was instantaneous
And without any suffering.
The Company was taking part in an attack and your son’s gun team was
One of these which advanced against the enemy.
The attack was successful and all guns reached and established new positions.
Later in the night the enemy shelled our lines and one shell fell on your son’s gun killing him and
wounding a comrade. It was impossible to get his remains away and he lies in a soldier’s grave where he fell.

I and the C.O. and all the Company deeply sympathise with you in your loss. Your son always did
his duty and now has given his life for his country.
We all honour him, and I trust you will feel some consolation in remembering this. His number was
62732 of this Company.
In true sympathy
yours faithfully, War

Promo from Napalm Records

Very doomy

comes the song along. He stomps along with sawing guitars and makes a heavy sad impression. It thus releases vibes reminiscent of PARADISE LOST. You could partly hear them on the previous album as well. Since 1914 are fans of PARADISE LOST, they were very happy to get Nick Holmes for this song, who was very fond of the theme and sound of 1914. So Nick Holmes gave this song his distinctive vocal stamp. Of course it fits perfectly and sounds great. Despite the doomy base note, the song sometimes changes into a furious massacre, in which the blast beats hit like the shots of a machine gun.

The orchestra

have discovered 1914 for themselves on this album and they use this to create an even deeper atmosphere. And the concept works out completely. The powerful orchestral elements are made for this theme and open up a whole new depth in the sound. However, this is not to say that we are now dealing with symphonic metal. No, we don’t. The uncompromising hard metal is still here in the first place and this is characterized as usual by destructive elemental force. And yet there is

a novelty on this album.

The song „Coward“ is a purely acoustic song, accompanied mainly only by a traditional plucked instrument. (I would have assigned the sounds to a mandolin, but I can also be mistaken.) A harmonica also has its use, so that this song with its melodic clean vocals could be represented on any country album without attracting attention, if….. well, if it weren’t for the lyrics. Even though the song may sound loose and light, the lyrics are not that at all and stand in stark contrast to the musical appearance. A daring combination. But this song remains the lone exception on the album, the musical truce in the middle of the album, so to speak. By the way, the Ukrainian country and folk musician Sascha Boole was brought on this track as the guest singer.

Songtext „Coward“

My father said – son, your country needs you
Come join the kings army in the final breakthrough
The officer told me – shut up and attack
In no mans land sludge i`m firmly stuck
I saw private Baker with his guts in the mud
He called for his mother coughed up blood
I found all my squad mates in a shell hole
They all were dead, shredded as cole
And I ran thru this scorched soil as fast as I can

Threw out all my weapons my helmet and bags
A sudden wave of fear choked me out
I forgot my own name and I had to run
Near the Menin Road Ridge I sat under a tree
When they suddenly stumbled upon me
They said im a slacker, im a coward and rat
Corporal pulled out his gun and shot me in the head
My father said – son, your country needs you
Come join the king`s army in the final breakthrough

Promo Material Napalm Records

Otherwise it goes on in the usual 1914 manner. This is also the case with the song „Pillars Of Fire“, which the

Battle of Messines

describes. In this battle, the British army had a particularly insane idea. They used mines and self-dug tunnels deep in the earth under the enemy lines to deposit tons of explosives there. When the explosives were finally detonated, there was an explosion that was indescribable by the standards of the time, the explosive force of which immediately cost the lives of 10,000 German soldiers. With this, the German defense collapsed and this battle was won.

Musically, the song also stirs up. The powerful orchestral horns are striking here, which together with a blastbeat drum storm in the background create a threatening atmosphere. This is followed by nerve-shredding riffs and the bitterly evil growls, until in the middle of it, so to speak, the eerie calm before the storm comes and one builds up a crackling arc of tension, until the song wildly lashes out again.

Conclusion

1914 continue their very own way of rehashing history with „Where Fear And Weapons Meet“ in a frighteningly impressive way. They refine respectively intensify their sound with orchestral elements, which in the right dosage give the musical thunderstorm an even greater dimension. The sound of 1914 is like war! Relentless and unrelenting!

Newsletter bestellen für wöchentliches Update!

Bildquellen

  • 1914 Cover+Infos: Cover+Logo+Infos-->Napalm Records//Background etc.-->Pixabay
  • 1914 Titelbild: Napalm Records

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

18 − zwölf =