Null Positiv – Amok [bereits erschienen]

Null Positiv - Amok [bereits erschienen]

Das neueste Studioalbum von Null Positiv „Amok“ erschien bereits am 01. Oktober 2018


Null Positiv – Amok [bereits erschienen]


Ihr sucht ein finsteres Metal Album für die dunkle Jahreszeit? Dann hat Metal-Heads.de hier einen richtig unheilvollen Tipp für euch! Und zwar das zweite Studioalbum der Band Null Positiv!

Es trägt den Namen „Amok“ und ist der direkte Nachfolger von „Koma“ , welches 2017 erschienen ist. Veröffentlicht wurde das neue Werk, ebenso wie schon das Debütalbum, auf Triplebase Records. Dabei wurden die 13 brandneuen Songs geschrieben, produziert und gemixt von Oliver Pinelli. Dieser hat in der Vergangenheit schon namhaften Künstlern und Bands wie u. a.: Wolfsheim, In Extremo, Rosenstolz oder auch Unheilig zum Erfolg verholfen. Und diese Nähe zu den genannten Bands, hört man Null Positiv auch an.

13 Songs und fast 60 Minuten Spielzeit

Null Positiv - Amok [bereits erschienen]

Bei der erneuten Kollaboration entstanden auf „Amok“ 13, zum Teil tief erschütternde, neue Songs. In fast 60 Minuten Spielzeit wird ein extrem weites musikalisches Spektrum dargeboten, wobei die einfache Genre-Bezeichnung „Metal“ hier definitiv viel zu kurz gegriffen ist. Denn Null Positiv haben einiges zu bieten! Die Band, um Frontfrau Elli Berlin, bewegt sich gekonnt zwischen melodischem Death Metal, Rock, Industrial und EBM / Dark Wave. Eine angestrebte ernsthafte, düstere Atmosphäre wird hier niemals durchbrochen. In den (fast ausschließlich) deutschen Texten, erweist sich die facettenreiche Stimme von Elli Berlin als wahrer Glücksgriff. Egal ob es sich um harte Growlings, extreme High-Screams oder ganz ruhigem Rockgesang handelt. Diese Dame versteht es immer, die Vocals effektiv in Szene zu setzen!


Variable Vielfalt

Durch diese variable Vielfalt und der musikalischen Ausrichtung drängen sich (natürlich) permanent Vergleiche zu diversen Bands und Künstlern auf. Aber auf „Amok“ wird nicht einfach nur stumpf abgekupfert! Ganz im Gegenteil, das Quartett verbindet gekonnt und innovativ die besten Stilmittel miteinander und kreiert damit seinen ganz eigenständigen Stil! Dazu die tiefgreifenden Texte, die teilweise sehr bedrücken und definitiv nachdenklich stimmen. Schon beim ersten Durchlauf entfacht „Amok“ eine Faszination, die fesselnd und schockierend zugleich ist. Bereits ein Blick auf die ersten 4 Titel lässt erahnen, dass es Null Positiv verdammt ernst meinen mit ihrer Thematik.


Psychopath, Trauma, Amok, Schizo

Den Anfang mach der Song „Psychopath“ . Der perfekte Opener für eine Reise in die dunklen Bereiche der menschlichen Seele. Beginnend mit einem bedrohlich wirkenden, Rammstein ähnlichen, Sythesizerspiel. Sofort setzt ein, richtig fett produziertes, schleppendes Gitarrenriff ein, welches das Tempo des Songs von Beginn an diktiert. Über die mittlere Geschwindigkeit geht es im ersten Song nicht hinaus. Frontdame Elli agiert schizophren zwischen cleanem Gesang und tiefen Growlings. Stilistisch angesiedelt irgendwo zwischen einer Doro Pesch und Alissa White-Gluz (Arch Enemy). Der Track erweist sich als richtiger Stampfer und der Text lässt schön viel Raum für eigene Interpretationen.

Wo der Himmel die Erde berührt

Im zweiten Song „Trauma“ geht es, nach einem kurzen Intro, in die metallische Ecke. Hier kommen Freunde von doppelten Fußpedal-Blastbeats voll auf ihre Kosten. Das Schlagzeug wurde hier schön in Szene gesetzt und ist sehr präsent. Auch hier gibt es Wechselgesang zwischen cleanen Parts und Growlings. Der Text, dass gilt im übrigen für die ganze Produktion, ist einwandfrei zu verstehen und der Sound wurde druckvoll produziert. Der Einsatz des Synthesizers im Hintergrund beschert dem „Trauma“ zusätzlich Raum und Atmosphäre. Zwischenzeitlich gibt es auch noch progressive Gitarrenparts zu entdecken.

Im Tal meiner Qualen vergrabe ich mein Herz

Es folgt mit „Amok“ der Titeltrack. Als erstes fällt mir hier der krasse, aber sehr gut formulierte Text auf. Ich vermute Mal, dass es sich hierbei übertragen um Depressionen, Einsamkeit und/oder Schizophrenie handelt. Die Fans von Rammstein oder von Bands der NDH (Neuen Deutsche Härte) kommen hier voll auf ihre Kosten. Vor allem die geflüsterte Textzeile im Mittelteil erinnert spontan an die Berliner Megaseller. Das spricht aber nicht gegen den Song, sondern bringt passende Abwechselung. Stimmlich erinnert Elli hier teilweise an eine weibliche Version von Tom Angelripper. Im Midtempo stürzen wir dem Abgrund entgegen.

Depression Burnout Syndrom

Schizo“ geht textlich in die gleiche Richtung. Tief gestimmte Gitarren, hartes Riffing. Einsatz von Synthesizern. Und einem Text, im dem wirklich Null Positives zu erkennen ist. Das soll hier aber nicht als Urteil stehen, sondern bezieht sich ausschließlich auf den Text, in dem es um Paranoia, Schuldgefühlen, Depressionen, Scham und Sünde geht.

Eine neue Matrix programmieren

Der fünfte Song trägt den Namen „Neue Matrix“ . Beginnend als melodischer Death Metal Stampfer mit Double Bass Schlagzeug und richtig angepissten knurrigen Gesang. Im Chorus wechselt Elli in absolut sauberen cleanen Gesang, bevor es in den Strophen wieder in tiefe Growlings geht. Dass Null Positiv großen Wert auf ausdrucksvolle Texte und auf ausgeklügeltes Vokabular setzen, bleibt auch hier allgegenwärtig. Die Lyrics wurden sorgfältig verfasst und unterscheiden sich (so die Meinung des Verfassers dieser Zeilen) wesentlich von Vielen anderer Szene-Bands.

Im Wahnsinn gefangen

Die Hälfte des Albums wird mit dem Track „Als ob wir Götter wären“ erreicht. Das Synthie-Intro erreicht hierbei fast schon Soundtrack-mäßige Ausmaße und begräbt alles unter sich. Unter Chorälen Gesängen wird der Hörer weit unter Tage geführt. Ellis Slowmo-Growlings lassen einem dann das Blut in den Adern gefrieren. Der Track entfacht seine richtige Wirkung bei etwas höherer Lautstärke und führt uns in (gefühlte) eisig kalte Gefilde. Hammer! Richtig stark!


Jedem sein Recht

In „Hexenjagd“ geht es thematisch in die düstere Zeit der Inquisition. Auch hier hartes Gitarrenriffing im mittleren Tempo. Fronterin Elli spricht hierbei aus der Position einer Besessenen und kommt dabei sehr authentisch herüber.

Reiß dir die Augen aus

Song Nummer Acht trägt den Namen „König Ego“ . Und zwingt uns, durch seine schwermütige Instrumentalisierung, tief in die Knie. Hier dringt die Band schon fast in doomige Gefilde vor. Birgt ansonsten keine neuen Überraschungen.

Kurzschlussreaktionen in meinem Nervensystem

Eine Überraschung folgt im Anschluss aber mit dem „Turm der Angst“ . Der Song beginnt nicht mit heftigem Gitarrenriffing oder Schlagzeug, sondern ganz ruhig mit Gitarre und Bass. Dazu setzt ein, schon fast verletzlicher, klarer Gesang ein. Sofort schießt mir der `80ger Jahre Song von Purple Schulz „Sehnsucht“ in das Gedächtnis. Der hätte hier durchaus als Pate stehen können. Im Text wird dazu auch die Thematik von Angstzuständen und dem sich zurück ziehen, in einen Turm der Angst, bis man sich in tiefer Depression wieder findet, verarbeitet. Kein leichter Stoff. Aber sehr gut gemacht. In den Refrains gibt es gedoppelten Gesang, der ein wenig an alte Crematory erinnert. Allerdings sind Null Positiv heute da, wo die Mannheimer wohl nicht mehr hinkommen werden. Aber das gehört hier nicht hin. Der „Turm der Angst“ erweist sich als weiteres Highlight, wenngleich das Thema dunkel schwarz ist.

Unter deiner Haut bist du ganz allein

Im zehnten Song „Unter deiner Haut“ geht es dann wieder eindeutig metallischer zur Sache. Death Metal Gegrowle und tonnenschweres Gitarrenriffing. Die Band knüppelt sich zwischen Slow- und Midtempo durch den Track. Dabei gibt das Schlagzeug ordentlich Kick nach vorne. Doublebass inklusive. Ein guter Moment, um sich einmal richtig die Rübe frei zu schütteln. Das kann bei der ganzen Schwermut richtig befreiend wirken.

Instabil ohne Ziel

Die Schwermut lässt dem zufolge nicht lange auf sich warten. Und bearbeitet mit „Borderliner“ ein weiteres heftiges Thema. Ellis geröchelter Gesang kommt hier verdammt krass herüber. Dazu ist der Track ein richtiges Brett!

Eyes cold as ice broken ties only lies

Und dann kommt er doch: der einzige Song in englischer Sprache. „Scars“ . Und ich muss zugeben, dass ist der einzige Track des Albums, der nicht direkt auf Anhieb bei mir zünden wollte. Dabei fängt die Halbballade mit einem schönen Piano-Part an. Dazu einsetzende, atmosphärische Synthesizer. Was mich allerdings anfangs störte, war die Inszenierung der Strophen und vielleicht auch die Wortwahl des Textes. Aber ich wollte „Scars“ unbedingt eine Chance geben und versuchte den Song, als eine Art vorgetragenes Gedicht zu interpretieren. Und siehe da: dies ließ mich den Song mit anderen Augen sehen und er entblößte seine ganze Vielfalt. In „Scars“ wandeln Null Positiv auf den Spuren von Evanescence zu „My immortal“ Zeiten. Der Track kommt allerdings deutlich düsterer rüber und streift stimmlich auch ältere Warlock. Die Synthesizerteppiche und das Piano-Outro am Ende machen den Song wirklich zu etwas besonders Eigenem.

Das Beste kommt zum Schluss

Was für ein starkes Album! Ein Werk voller Abwechselung und randvoll mit Emotionen. Was fehlt da noch? Genau, der krönende Abschluss. Und der trägt den Namen „Rabenhaar“ ! Wow! Für mich der größte Song auf „Amok“ ! Eine richtige Ballade mit Piano, Keyboards und Streichern. Allerdings ist das größte Plus in dem Song, der wirklich grandiose Text. Hier hat sich die Band wirklich noch einmal übertroffen.

Rabenhaar wurdest du genannt

Zwar führt uns „Rabenhaar“ nochmals in die Zeit der Hexenjagd und der Ausgrenzung (bzw. der Verfolgung), jedoch könnte man den Text auch einwandfrei in die heutige Zeit importieren. „Alles was fremd ist, wird gehasst…“ !  Ich persönlich empfinde „Rabenhaar“ eher als Warnung, als einen Rückblick in die Geschichte. „Rabenhaar“ ist wirklich ein ganz starker Song, der somit das ganze Album nochmal auf eine höhere Stufe katapultiert!


Das MH.DE-Fazit

Ich weiß nicht, ob es hier wirklich noch ein Fazit bedarf. Meine Einstellung zu diesem Album habe ich ja schon in meinem Review oben kundgetan. Jedoch hätte ich mir vielleicht gewünscht, dieses Review früher geschrieben zu haben. Allerdings ist es niemals zu spät, um wirklich hervorragende Scheiben zu besprechen. Und der Band Null Positiv ist mit „Amok“ definitiv eine solches Album gelungen!

Positiv für Gothics und für Metalheads

Weit weg vom Mainstream und von Schubladenreglementierungen. Die Band schafft mühelos den Spagat zwischen verschiedenen Musikstilen, so dass „Amok“ gleichwohl für Fans der schwarzen Szene sowie für Metalheads gleichermaßen interessant sein dürfte. In der Summe ist die Scheibe einfach nur zu empfehlen und besticht mit einer klaren, kompakten und druckvollen Produktion. Wer Spaß an Bands wie zum Beispiel: Arch Enemy, Doro/Warlock, Sodom, L´ame Imortelle, Evanescence, In This Moment oder ähnlichen Gruppen hat, sollte Null Positiv´s „Amok“ definitiv einmal testen!


Null Positiv – Amok

Tracklist:

01: Psychopath

02: Trauma

03: Amok

04: Schizo

05: Neue Matrix

06: Als ob wir Götter wären

07: Hexenjagd

08: König Ego

09: Turm der Angst

10: Unter deiner Haut

11: Borderliner

12: Scars

13: Rabenhaar


Gesamtlänge: 59:45 Minuten

Ursprüngliches Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2018

Label: Triplebase

Genres: Hardrock & Metal


Null Positiv sind:

Elli Berlin (Vocals)

Benne Gugerbauer (Guitar)

Flo Schnablo (Drums)

Tom Fechner (Bass)



1: Null Positiv Homepage:

2: Null Positiv Facebook:

3: Null Positiv Spotify:


1: Null Positiv – Amok

2: Null Positiv – Koma


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Bildquellen

  • Null Positiv – Amok – Cover: Amazon / www.amazon.de
  • Null Positiv – Amok – Titelbild: Amazon / www.amazon.de
Treasureman

Treasureman

Seit 1987 mit dem Metal- Virus infiziert. Der Einstieg erfolgte mit Twisted Sister, Iron Maiden und den Onkelz. Meine Themenschwerpunkte liegen seit langem im Hardcore- und Crossover/Punkrock Bereich. Ihr findet mich da, wo das Herz auf der Bühne steht!

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