System of a Down – Open Air in Düsseldorf
System of a Down
Fast 10 Jahre war es her, dass die legändere kalifornische Alternative Metal Band (mit armenischen Wurzeln) rund um Frontman Serj Tankian live in Deutschland zu sehen war. Dementsprechend riesig war der Andrang auf die Tickets. Die 80.000 Karten waren nach wenigen Stunden restlos ausverkauft. Nicht schlecht für eine Band, die seit über 20 Jahren quasi kaum noch neues Material rausgebracht hat. Und das hat auch irgendwie seine Vorteile. Kein Verbiegen, kein Neuerfinden, kein Hokuspokus…sie sind immer noch dieselben, wie früher. Mit denselben Hits und einer erstklassigen Live-Performance. Aber dazu später mehr.
Düsseldorf Open Air Park
Der Düsseldorf Open Air Park sollte am 10.07.2026 endlich eingeweiht werden, nachdem dies eigentlich AC/DC in 2025 tun sollten. Deren Konzert wurde aber in die nahegelegene Merkur Spiel-Arena verlegt. So hatten nun eben System of a Down die Ehre. Man darf sich das wie ein Pop-up Konzert vorstellen. Ein riesiger Parkplatz, drei aufgebaute Tribünen, die große Bühne, mehrere Foodcourts, diverse Stände mit flüssiger und fester Nahrung und Batterien von Dixie-Klos. Also eigentlich etwas Festival-Feeling – nur ohne Camping.
Die Anreise
Zum Glück entschieden wir uns, zeitig in Duisburg loszufahren. Wir hatten im Vorfeld ein Parkticket ergattert (flockige 15 Euro), allerdings nicht am Gelände, sondern im Parkhaus des 12km entfernten PSD Bank Domes. Von dort ging es mit dem Shuttle Richtung P2, Feld27. Das klappte auch erst gut, irgendwann kam uns allerdings der Düsseldorfer Autoverkehr in die Quere. So dauerte die Anfahrt gute 45min. Wie wir später erfuhren, konnten andere Besucher gar nicht bis zum P2 gebracht werden und wurden irgendwo vorher rausgelassen. Es erreichten wohl viele Besucher das Gelände so spät, dass sie Acid Bath und zum Teil sogar auch noch Queens of the Stone Age verpassten. Von P2 aus ging es sicher nochmal 25min zu Fuß, bis wir endlich am Einlass waren. Keine Taschenkontrolle – man konnte einfach durch gehen. Vermutlich war das der Vielzahl an Menschen geschuldet, die gleichzeitig Einlass begehrten.
Lustig waren die ganzen Ansagen, man solle doch auf sich achten, Sonnencreme und nen Hut benutzen. Hatte ich beides zufällig nicht in der Tasche…hat jemand die Stände gesehen, wo man Sonnencreme erwerben konnte? Will sagen, was bringen mir die durchaus sinnvollen Ansagen, wenn ich dann keine Sonnencreme in der Tasche habe? Aber vielleicht gab es die ja und ich hab sie nur nicht gesehen.
Das Gelände und die Infrastruktur
Ein wirklich ausladendes Gelände, eingerahmt von Food Courts auf beiden Seiten. Zum Großteil bewegte man sich auf Asphalt. Die Preise natürlich entsprechend Düsseldorf und Großevent angepasst: 0,5l Cola 7 Euro, 0,5l Pils 7,50 Euro, Brezel 7 Euro, Käsebrezel 8 Euro usw. Das gastronomische Angebot lies vermutlich wenig Wünsche offen, da gab es fast mehr Auswahl, als auf dem Weihnachtsmarkt. Langos, Asiatisch, Halloumi, Burger und Käsespätzle sind jetzt ein paar Stände, die mir so im Kopf geblieben sind.
Anfangs war auch alles noch sehr entspannt, man bekam zeitig was zu essen und zu trinken. Das es noch sehr viel voller werden sollte, ahnte ich zu dem Zeitpunkt allerdings nicht. Gefühlt gab es auf jeden Fall viel zu wenig Getränkestände für die Masse an Leuten.

Schatten gab es nur an den Rändern. Das Infield lag komplett in der Sonne, was je nach Wetter nicht nur geil ist. Zu den Toiletten war es jedes mal ein kleiner Marsch durchs Gedränge. Konnte also dauern und der Kampf zurück dann ebenfalls nochmal.
Die Vorbands
Acid Bath aus den USA kannte ich nicht und war einfach mal gespannt. Sludge Metal ist jetzt mal eher so bedingt meins und so war es auch mit der Band. Die waren sicherlich nicht schlecht, aber einfach nicht my cup of coffee. Der Sound war anfangs richtig übel, ein wummernder Brei. Das legte sich zum Glück schnell. Aber musikalisch wurden ich nicht wirklich warm mit der Darbietung.
Zwischen den Bands stand irgendein kreischendes Mädel auf der Bühne (gehörte vermutlich zum Veranstalter oder zur Eventlocation) und quiekte irgendwelche Ansagen ins Mikro. Der Mehrwert davon blieb mir verborgen.
Danach waren Queens of the Stone Age angesagt. Da ich auch von denen kein riesen Fan bin, lief das Konzert für mich eher so nebenher. Die Stimmung war schon besser, aber das ist halt auch eher keine klassische Party Mucke. Die Hits kennt man natürlich und die machen auch Spaß. In Summe auch hier wohl ein guter Auftritt, den ich persönlich ungern bewerten mag. Das Publikum wirkte auf mich insgesamt ganz zufrieden, aber die riesige Ekstase kam nicht auf. Irgendwie wurde „Make it wit Chu“ nicht gespielt, oder ich hab den Song verpennt?!
System of a Down
Mit locker 30min Verspätung kamen Endlich SOAD auf die Bühne. Eine Stunde warten nach QOTSA war in meinem Alter schon langsam echt mühselig. Aber man soll ja nicht immer jammern. Los ging es mit B.Y.O.B. und die Stimmung war instant auf +100. Ich habe selten so viele glückliche Menschen auf einem Haufen gesehen, durch alle Altersklassen. Manche davon wie berauscht…könnte auch an dem ganzen Kiff gelegen haben, den man so gerochen hat. Aber ich glaube bei vielen war es tatsächlich die Musik. Serj Tankian ist live einfach der Wahnsinn und der Wechselgesang mit Gitarrist Daron Malakian kommt besonders gut rüber. Die Wechsel im Gesang, im Tempo der Musik, immer wieder auch musikalische Einflüsse aus ihrer Heimat…dieser besondere Mix macht die Band einzigartig und live so besonders.
Die Ansagen übernahm zum Großteil Malakian, während der eigentliche Lead Sänger zwischen den Songs meist ganz ruhig war.
Die Sicht in der Einflugschneise
Da sich das Gelände in direkter Nähe zum Flughafen befindet, konnte man den einfliegenden Flugzeugen quasi zuwinken. Das war irgendwie witzig und zum Glück recht wenig nervig. Unten die Circle Pits, oben die Ferienflieger. Die Stimmung war extrem ausgelassen, Pogo und Circle Pits wohin man schaute. Zumindest in unserem Bereich war es friedlich und fiel jemand hin, wurde sofort hochgeholfen. So wie man es kennt und auch erwartenn darf.

Was richtig kacke war, war die Sicht. Wir standen für knapp 110 Euro im hinteren Teil des Infields. Die Bühne war nicht hoch genug und selbst die Videoleinwände links und rechts von er Bühne waren teils nur halb zu sehen. Und ich bin mit 1,85m nicht ganz klein. Will gar nicht wissen, wie sich das für viele Frauen angefühlt hat…die haben außer T-Shirts wahrscheinlich oft gar nix gesehen.
Viele Hits und das Publikum
So fräste die Band sich durch ihre musikalischen Schaffensphasen. Alles immer garniert mit Hits wie Aerials, Lost in Hollywood oder Chop Suey! Besonders positiv aufgefallen ist mir das Jungvolk im Publikum. Auf vielen Metalkonzerten hat das Publikum leider die besten Jahre hinter sich. Aber nicht hier! Da waren viele Besucher Anfang 20, haben textsicher mitgesungen und hatten vielleicht eine der besten Partys ihres Lebens. Man kann getrost Sagen, jung und alt hatten zusammen einen geilen Abend.

Mit dem Spruch „It’s Toxicity Time“ wurde die letzte Runde des Abends eingeleitet, wo alle nochmal alles gaben. Ohne weitere Zugabe war das Konzert dann gegen 23.10 Uhr zu Ende.
Die Abreise
Natürlich fand man auf dem Weg vom Gelände runter keinen Bierstand mehr, um seine Becher abzugeben. Das könnte man auch Masche nennen. Jetzt hab ich 3 Becher im Gegenwert von ca. 10 Euro zu Hause rumstehen. Klar, hätte ich mich vorher drum kümmern können, dann hätte ich aber Toxicity verpasst.
Farbig gekennzeichnete Wege sollten den ersten Fußmarsch erleichtern und die Abreise der Menschen etwas ordnen. Das klappte nur bedingt. Teilweise kam es an Engpässen zu Staus. Wir waren „Team Blau“ und mussten wieder zurück zu P2, Feld27. Das klappte ganz gut. Wir durften uns dann in einer riesigen Schlange aufstellen. Zum Glück waren wir halbwegs fix da und hatten mehr Menschen hinter als vor uns. Laut Ordner mussten ca. 8000 Personen zum PSD Dome geshuttlet werden. Es gab aber viele Busse, so war zumindest unsere Wartezeit mit ca. 30-40 Minuten halbwegs erträglich. Aber geil ist auch irgendwie anders. Ein anderer Kollege stand über eine Stunde auf einem Parkplatz am Gelände, ohne das irgendwas vorwärts ging.

Vom PSD Dome kamen wir super weg, kein Stau im Parkhaus. Ca. 3 Stunden nach Konzertende war ich wieder zu Hause.
Fazit Location
Die ganze Organisation war bemüht. Aber es scheint mir unmöglich, dort sinnvoll Events für 80.000 Besucher auszurichten. Das ganze Infield war, als dann endlich mal alle da waren, sehr voll. Auch an den Food Courts standen noch Leute, die sich das Konzert angeschaut haben. Mir kam es am Ende so vor, als hätte man 10.000 Tickets zu viel verkauft. Die Verkehrssituation ist einfach ziemlich katastrophal.
Würde ich wieder kommen? Jein. Ich mag eher die kleinen Events, die kleinen Läden und die kleinen Festivals. Aber wenn man eine Band wie SOAD mal sehen will, muss man sowas halt in Kauf nehmen. Ich würde nur wieder kommen, wenn wieder ein Kracher kommt, den ich unbedingt anschauen möchte. Ansonsten empfand ich das Drumherum in Summe überteuert, zu voll und An- sowie Abreise zu nervig.
Fazit SOAD
Das Fazit kurz und knackig: System of a Down sind einfach eine großartige Liveband. Wenn man mit der Musik was anfangen kann (oder wie in meinem Fall, früher anfangen konnte), dann sollte man sich die Jungs unbedingt anschauen. Die sind absolut ihre Kohle wert, auch ohne große Lichtshow, Verkleidung und viel Gelaber.


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