Bathsheba – Interview mit Michelle Nocon

Bathsheba Band

Ende Februar ist mit „Servus“ das Debütalbum von Bathsheba aus Belgien erschienen. Ich hatte das Vergnügen, die Scheibe zu reviewen und war mehr als begeistert. Warum, das könnt ihr hier nachlesen. Da gibt es auch gleich das Video zu „Demon 13“ zu sehen und zu hören. Ich hatte Bathsheba vorher gar nicht auf dem Schirm und wollte gerne mehr erfahren. Dankenswerterweise stand mir mit Michelle Nocon, die Frontfrau, Rede und Antwort auf meine Fragen. Aber genug der Vorrede, jetzt kommt das Interview:

Bathsheba Logo

 

Bathsheba – das Interview

Metal Heads (MH): Hallo Michelle, ich bin Jörg aka Soundchaser von metal-heads.de. Vielen Dank schon mal, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Michelle Nocon: Hallo Jörg, schön dich zu treffen. Ich bin Michelle, die Sängerin von Bathsheba und freue mich die Gelegenheit zu haben, deine Fragen zu beantworten.

MH: Erst einmal Glückwünsche zu eurem Debütalbum. Seid ihr mit den Reaktionen darauf und den Kritiken dazu zufrieden?

Michelle: Dankeschön! Ja, wir sind wirklich dankbar und zufrieden. Die Reaktionen und Kritiken waren sehr positiv bisher. Wir waren selber richtig glücklich mit dem Endergebnis, aber es ist immer aufregend zu sehen, wie die Leute außerhalb der Band die Platte aufnehmen und wahrnehmen.

MH: Als ich „Servus“ auf meinen Tisch bekam, dachte ich zuerst: „Okay, noch eine female fronted Black / Doom Band…“ Aber schon nach dem ersten Hördurchlauf war ich beeindruckt. „Servus“ ist nicht kitschig oder nett gefällig. Es ist düster, hat Kanten und ist bedrohlich. Kannst du mir bitte verraten, was eure Einflüsse sind und wie ihr solch verstörende Songs komponiert?

Michelle: Ich kann deine erste Reaktion verstehen, zumal da draußen eine Menge solcher Bands rumlaufen. Ich bin auch kein Fan davon. Ich höre auch kaum irgendwas an female fronted Doom. Ich glaube unsere Stärke ist es, dass wir alle aus verschiedenen Richtungen kommen. Jelle ist ein großer Fan von Sachen wie Wounded Kings, aber auch von Musikern wie Sulfjan Stevens. Dwight zieht es mehr zu Pallbearer oder Enslaved, oder Sachen wie Primitive Man. Raf ist ein großer Fan von Musik wie Pungent Stench oder Dismember und hat seine Wurzeln mehr in der Death oder Black Metal Szene. Ich hingegen habe auch eine Schwäche für Bands wie NAH, Björk, Raketkanon, Ved Buens Ende, Emptiness… So sind wir eine sehr unterschiedliche Band. Wir denken nicht wirklich darüber nach, in welchem Genre wir uns bewegen. Wir machen einfach das, was sich für uns richtig anfühlt. Ich glaube Doom ist das, was wir alle gemeinsam haben und so ist auch ein großer Teil unserer Musik doomy.

Bathsheba Bandfoto

Bathsheba – Ain Soph und das Saxophon

MH: Mein Lieblingsstück auf dem Album ist „Ain Soph“. So viele Wechsel, großartige Vocals und obendrauf habt ihr noch das Saxophon gesetzt. Das erste Mal, das ich ein Saxophon in einem Metal-Song höre, aber es passt. Wessen Idee war das denn und war es von vornherein geplant oder entstand es spontan im Studio?

Michelle: Als „Ain Soph“ fertig war, hatten wir das Gefühl, dass genau diesem bestimmten Teil noch etwas fehlte. Wir dachten, dass etwas Verrücktes sehr gut mit dem ruhigen Gitarrenpart harmonieren würde. So machte ich mich auf die Suche nach einigen Freejazz Saxophon Stücken und dann meinte Jelle wie cool es wäre einen richtigen Saxophon Spieler zu haben. Ich kannte Peter Verdonck (Wound Collector) flüchtig und er machte es sehr gerne als ich ihn fragte. Schon im Studio bekam genau dieser Teil des Stücks ein schönes Upgrade im Sound. Einige Tage später kam dann Peter Verdonck ins Studio, um seinen Teil aufzunehmen. Es war verrückt. Er probte einmal und er hatte drei verschiedene Versionen der zwei Soli. Er hat alle sechs Stück an einem Stück aufgenommen. Die Auswahl fiel dann wirklich schwer, weil sie alle großartig klangen.

MH: Die Atmosphäre auf „Servus“ war richtiggehend einschüchternd und die Intensität erinnerte mich manchmal an die späten Celtic Frost oder Tryptikon. Ist das auch ein Einfluss für euch?

Michelle: Auf irgendeine Art und Weise schon. Unser Bassist Raf ist ein großer Celtic Frost Fan. Ich liebe besonders das Monotheist Album. Aber ich glaube der Einfluss ist mehr indirekt als direkt zu finden, in dem was wir machen.

Bathsheba – Artwork und Video

MH: Euer Cover Artwork und euer Video haben mir sehr gut gefallen.  Es ist anders als das, was man sonst zu sehen kriegt. Ein mehr künstlerischer Zugang. Habt ihr das Cover ausgewählt oder war es eine Bathsheba Servus CoverVorgabe vom Label?

Michelle: Dankeschön! Wir waren komplett frei zu tun was wir wollten und ich denke so sollte es auch sein, wenn du in einer Band bist oder überhaupt als Musiker. Für das Cover wollte ich eine Person haben, die betet oder bettelt, aber auch ein verzerrtes Gesicht hat oder gar eine ganz gesichtslose Person. Olivier Lomer, der auch Gitarrist bei Emptiness und Enthroned ist, schlug vor es zu machen und übertraf all unsere Erwartungen.  Er hat es wirklich drauf, mehr von ihm ist hier zu finden. Für das Video haben wir uns den Song „Demon 13“ ausgesucht. Ich hatte gerade die Idee etwas mit der Hilfe eines Freundes zu filmen. Wir hatten kein Budget, aber mit ein bisschen Kreativität und einem IPhone kann man schon eine Menge erreichen.

MH: Das Video zu „Demon 13“ ist von dir und Joris Lieben. War der Rest der Band gar nicht involviert und war es für sie ok?

Michelle: Ja, mein Freund und ich hatten eine großartige Zeit beim Machen dieser Aufnahmen. Ich habe das Video danach zu Hause geschnitten. Ich hatte drei Monate Zeit es fertigzustellen und herauszufinden wie diese Schneideprogramme funktionieren und so. Also wenig Druck und ausreichend Zeit es zu machen. Ich liebe es so viel möglich selber zu machen, weil man emotional so tief drin ist in der Musik. Man weiß doch selbst am besten, was man transportieren und ausdrücken möchte. Jeder in der Band hat seinen eigenen Verantwortungsbereich. Und ich bin irgendwie für die künstlerische Seite von Bathsheba zuständig. Ich habe die Zeit dafür und schreibe auch die Texte, da macht es auch Sinn, wenn ich das übernehme. Aber ich frage auch immer nach Feedback oder die anderen steuern Ideen dabei oder sagen ihre Meinung zu dem was ich tue. Erst wenn alle vier von uns einverstanden sind, dann ist es auch fertig.

Bathsheba – die Namenswahl: Bibel oder Hexe

MH: Ich bin neugierig wegen eures Namens. Bezieht er sich auf die biblische Bathsheba oder auf die als Hexe bezichtigte Bathsheba Sherman? Wenn ich euren Song „Daughter Of The Oath“ zugrunde lege, favorisiere ich die Bibel. Und warum habt ihr euch genau diesen Namen ausgesucht?

Michelle: Er bezieht sich in der Tat auf die biblische Bathsheba. Die Idee, jemanden zu haben, der die Band repräsentiert, sprach uns an. Ob nun ein männlicher oder weiblicher Charakter war uns eigentlich egal. Uns war es wichtig, dass dieser Charakter ein ganzes Spektrum an Persönlichkeiten zum Ausdruck bringen konnte. Bathsheba ist die Tochter des Schwurs, die Verführerin König Davids, die Mutter von König Solomon… Sie ist eine komplexe Persönlichkeit mit einer Fülle an Extremen, was der Hauptgrund ist, weswegen wir sie ausgesucht haben.

Bathsheba – Konzerte und Zukunftspläne

MH: Gibt es irgendwelche Pläne für eine anstehende Tour oder sonst eine Möglichkeit euch in Deutschland zu sehen?

Michelle: Bis jetzt haben wir noch keine Tour geplant. Wir hoffen in Kürze einige interessante Termine ankündigen zu können. Was ich jetzt schon sagen kann ist, dass unsere Release Party zusammen mit der Veröffentlichung des neuen Album von Emptiness im Botanique in Brüssel am 30. März stattfindet. Ansonsten spielen wir auf dem Roadburn in den Niederlanden, dem Rodeofest in Antwerpen, dem Dragonfest in UK um nur ein paar zu nennen. Für Deutschland haben wir leider noch keine Termine am Start.

MH: Auch wenn „Servus“ gerade erst erschienen ist, muss ich trotzdem fragen. Arbeitet ihr schon an neuen Songs und wie sind eure Pläne für die nächste Zeit? Ich möchte gerne mehr von euch hören.

Michelle: Großartig! Wir wollen auch gerne nachlegen und arbeiten in der Tat schon an neuen Songs. So sind wir kontinuierlich dabei zu komponieren und uns auf die anstehenden Konzerte vorzubereiten. Wir sind immer noch im Flow und sehr dankbar, dass wir weiterhin so kreativ und produktiv sein können.

MH: Zum Abschluss, habt ihr noch eine Botschaft an unsere Leser oder möchtet euren Fans da draußen noch etwas sagen?

Michelle: Vielen Dank euch allen, dass ihr uns so gut aufgenommen habt und für all den Support. Hört weiterhin gute Musik oder macht selber Musik, das ist eine der besten Sachen, die man Leben machen kann.

MH: Dem kann ich nur zustimmen! Vielen Dank Michelle für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit Bathsheba. Zu guter Letzt jetzt noch das brandneue Lyrik-Video zu „Ain Soph“ Wer noch mehr zu Bathsheba wissen möchte, kann sich auf deren Website oder bei Facebook schlau machen. Wer keine News verpassen will, abonniert am besten unseren Newsletter. Stay hard!

 

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Bildquellen

  • Bathsheba Logo: Oktober Promotion
  • Bathsheba Bandfoto: Burning Moon / Bathsheba
  • Bathsheba Servus Cover: Oktober Promotion
  • Bathsheba Band: Oktober Promotion
soundchaser

soundchaser

Angefangen hat es mit einer Kassette die ich von einem Kumpel bekam mit Running Wilds "Port Royal" und "Abigail" von King Diamond. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen...

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