Interview mit Sven von THOUGHTS FACTORY

THOUGHTS FACTORY CD-Cover Elements - Titelbild

Interview mit Sven von THOUGHTS FACTORY

Nachdem mich die aktuelle Scheibe von THOUGHTS FACTORY beeindruckt hat, habe ich mal den Kontakt aufgenommen und konnte den Keyboarder und Songwriter Sven Schornstein für ein Interview für metal-heads.de gewinnen. Hier findet ihr die Review des Albums.

Respekt für ein starkes Album

MH: zunächst einmal Respekt. Ihr habt mich echt erwischt! „Elements“ dreht sich immer wieder in meinem CD-Player, obwohl ich ja den „Pflichtteil“, also das Hören für die Review längst erledigt habe, hahaha! Somit ist es auch absolut ernst gemeint, wenn meine Review positiv ausgefallen ist. Daher zur Einstiegsfrage: lest ihr Reviews zu euren Alben und in wieweit lasst ihr euch davon beeinflussen?

TF: Das freut mich, dass unsere Musik auch längerfristig beeindrucken kann. Ich denke, das zeichnet auch gute und mit Liebe gemachte Musik aus – Danke für das Kompliment. Ja, wir lesen die Reviews regelmäßig. Beeinflussen lasse ich mich persönlich davon nicht. Ich bin aber immer wieder erstaunt, mit welchen Bands wir verglichen werden, die ich überhaupt nicht kenne.

MH: dann die Frage (auch wenn ich erst mit dem aktuellen Album auf euch gestoßen bin und mir der Vergleich fehlt), wie ihr den Wechsel am Mikro auf den neuen Mann, Cornelius Wurth, selber bewertet? Was ist anders und welche neuen, erweiterten Möglichkeiten ergeben sich eventuell?

Erweiterte Möglichkeiten mit einem neuen Sänger

TF: Wir hatten mit Marcus Becker einen guten Sänger für „Lost“. Er war auch an der Entwicklung des Konzepts beteiligt und hat die meisten Texte für „Lost“ geschrieben. Mit Cornelius Wurth ergeben sich nun aber viele neue Möglichkeiten, die man auf „Elements“ auch hören kann. Zum einen, was die Stimme betrifft, hat er eine größere Range und ich würde sagen eine „rockigere“ Stimmfarbe, zum anderen ist er auch studierter Gitarrist und konnte somit auch instrumental eingreifen (Cornelius hat die Gitarren in „Mind Odyssey“ und „Elements“ gespielt; ein kleines Solo im instrumentalen „Frozen Planet“ stammt auch von ihm).

MH: wo seht ihr euch zu Beginn des neuen Jahres 2020 mit THOUGHTS FACTORY? Wie seht ihr die musikalische Entwicklung und auch mit der andauernden Existenz der Band eure Verbreitung/Reichweite in der Szene? So habe ich – hier oben in NRW – erst jetzt von euch erfahren, obwohl es euch schon eine Weile gibt.

TF: Die Entwicklung von Lost zu Elements ist ja schon deutlich zu hören. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch Schritte nach vorne gehen können. Unsere Reichweite ist tatsächlich noch relativ gering. Das mag auf der einen Seite am Genre liegen, das von Natur aus nicht die Massen anspricht, auf der anderen Seite spielen wir eben sehr wenig live und bekommen Aufmerksamkeit nur durch Releases und Reviews. Wir haben gerade bekanntgegeben, dass wir im Oktober 2020 bei Prog Power Europe in Baarlo spielen werden. Dort sind die Progfans aus ganz Europa versammelt und dort werden wir natürlich auch versuchen, neben unseren treuen Fans, die lange auf „Elements“ gewartet haben, auch neue zu überzeugen.

Wie wird man bekannter?

MH: Was habt ihr konkret für ein Konzept, um noch bekannter zu werden? Die Möglichkeiten sind ja anders als zu den Zeiten der „Tapetrader“ mit YouTube und Co. anders aber vielleicht auch nicht immer einfacher (angesichts der Masse an Neuerscheinungen).

TF: Wir versuchen in erster Linie mit unserer Musik zu überzeugen. Für „Our Kingdom“ haben wir ein Lyricvideo machen lassen, das auf Youtube verfügbar ist. Vielleicht können wir so ein paar Menschen mehr erreichen. Vielleicht wird es in Zukunft auch noch das ein oder andere Video zu einem anderen Song aus „Elements“ geben. Und unser aktuelles Label (MRR) sitzt in den USA, wodurch wir natürlich auch hoffen, dass wir in Übersee unseren Bekanntheitsgrad steigern zu können.

MH: habt ihr schon auf Festivals gespielt? Das RAGE AGAINST RACISM in Duisburg ist ja sehr spezielles Event mit einem besonderen Aufhänger. Der Name deutet es an. Wenn man sich das Billing anschaut, dann sind da natürlich einige kleinere Bands vertreten. Aber es sind auch immer echte Zugpferde mit klangvollen Namen am Start. Habt ich auch schon Erfahrung mit Auftritten im Benefiz-Sektor und falls ja, gab´s da auch ein übergeordnetes Motto? Könntet ihr euch vorstellen in Duisburg dabei zu sein?

Wann kommt die Festival-Premiere?

TF: Auf Festivals haben wir noch nie gespielt. Erfahrungen im Benefiz-Sektor haben wir bisher keine. Das Festival in Duisburg kenne ich nicht (das ist ja jetzt auch nicht gerade um die Ecke). Da müsste ich mich erst mal informieren.

MH: Jeder denkt da bestimmt anders, aber wie ist es bei euch…bevorzugt ihr den kleinen Gig im stickig heißen Club, die große Show in der riesigen Multifunktionshalle oder eher den Festivalauftritt (auch wenn das letztlich bedeutet, nachmittags im Sonnenlicht auf die Bühne zu gehen)? Erklärt uns bitte auch warum?

TF: Die kleinen Clubs waren mir immer sympathisch. Wenn man die erste Reihe direkt vor den Füßen hat, ist das schon noch mal etwas anderes, als wenn sie fünf Meter weit weg steht. Nachmittags bei Sonnenlicht waren wir auch schon auf der Bühne. Da waren es über 30 Grad in der prallen Sonne. Das ging auch, aber im Club ist es doch angenehmer, auch wenn die Luft vielleicht nicht so gut ist.

MH: welche Supporterfahrungen habt ihr bisher mit großen Acts der Szene? Wenn wir an das Thema an Live-Auftritte denken…mit welcher Band würdet ihr mal gerne in Zukunft touren und warum gerade mit diesem Act?

Mit SUBSIGNAL unterwegs…

TF: Wir sind 2014 eine Woche mit SUBSIGNAL durch Deutschland und Österreich getourt. Im gleichen Jahr haben wir auch HAKEN in Aschaffenburg supportet. Meine persönlichen Favoriten wären natürlich SEVENTH WONDER, CIRCUS MAXIMUS, SYMPHONY X – DREAM THEATER spielt ja fast immer ohne Vorband.

MH: aber zurück zum aktuellen Release. Erzählt mal was zur Entstehung von „Elements“. Worum geht es inhaltlich und wie hat sich das Material entwickelt?

TF: Das Material hat sich über die ganzen Jahre entwickelt. Ich habe den ersten Song geschrieben, als „Lost“ gerade veröffentlicht wurde. Ideen habe ich gesammelt, bis Cornelius dazu kam. Mit ihm zusammen habe ich dann zwei Songs geschrieben und auch Markus Wittmann hat einige Riffs beigesteuert. Instrumental hatte ich das Album schon 2018 so gut wie fertig. Es hat uns dann aber noch einige Zeit gekostet, die Gesangslinien und vor allem die Texte zu gestalten. Das Konzept dreht sich um eine aufwachsende Person, die mit den Problemen des Lebens zu kämpfen hat und sich alleine nicht in der Lage sieht, die Schicksalsschläge zu überwinden und das eigene Handeln in geordnete Bahnen zu lenken. Hoffnung und Verzweiflung spielen eine große Rolle – ich denke, das hört man auch durch die verschiedenen Stimmungen, die die Songs erzeugen. Letztendlich ist es eine andere Person, mit deren Hilfe er aus seinem Loch herausfindet und mit der er langsam aber sicher eine gemeinsame Zukunft aufbauen kann.

Von den Problemen des Lebens

MH: wenn wir einen Blick in die nähere Zukunft werfen…so 2020/2021…gibt es da schon Pläne für Live-Auftritte?

TF: Wie bereits vorhin erwähnt, spielen wir am 04. Oktober 2020 bei Prog Power Europe. Mal sehen, ob wir noch weitere interessante Gigs bekommen können.

MH: wo seht ihr musikalisch eure wesentlichen Einflüsse? Und kannst du mir sagen, wie die „Arbeit“ beim Schreiben der Songs bei euch aufgeteilt ist und wie das praktisch vor sich geht.

Einfluss von den ganz großen Bands

TF: Die wesentlichen Einflüsse sind wohl SEVENTH WONDER, CIRCUS MAXIMUS, SYMPHONY X, DREAM THEATER, AYREON, HAKEN… Zumindest sind das die Bands, die ich höre. Die Songs schreibe hauptsächlich ich. Es klang oben schon an, dass ich „Mind Odyssey“, „Our Kingdom“ und „Nightfall“ zusammen mit Cornelius geschrieben habe. Markus hat zu „The Burden“, „Frozen Planet“ und „Fire Away“ seinen Teil beigetragen. Das ganze Material zu arrangieren und auszugestalten ist meine Aufgabe – ich trete ja auch als Produzent auf. Und dann gibt es noch die Songs, die alleine auf meine Kappe gehen.

MH: wenn wir jetzt an Musikfans, vielleicht gerade aus der Progschiene, denken, die euch noch nicht kennen. Oder z.B. für Jemanden, der euch erst jetzt entdeckt. Wie würdest du eure Musik in wenigen Worten erklären und warum sollte man euch eine Chance geben und sich das neue Material unbedingt anhören?

Vielseitig und emotional – „Elements“

TF: Ich glaube, dass es uns mit „Elements“ gelungen ist, ein sehr vielseitiges und emotionales Album zu schaffen. Es ist wirklich kein Song wie der andere und mit den vielen verschiedenen Keyboardsounds und den orchestralen Elementen wird es niemals langweilig. Das Album ist vielschichtig, so dass man auch längere Zeit immer wieder neue Details entdecken kann. Von leichteren Clean Gitarren über rockige Klänge bis hin zu harten Metalriffs ist wirklich alles dabei. Trotz der Bandbreite ist das Album aber kein Flickenteppich geworden, es läuft durch, ohne dass dabei etwas wie ein Fremdkörper erscheint.

MH: Kinder, wie die Zeit vergeht…unser heutiges Interview geht dem Ende zu. Die letzten Worte gebühren bei uns traditionell unserem jeweiligen Interviewpartner. Ihr habt jetzt die Chance, unseren Lesern und euren Fans da draußen mitzuteilen, was ihr schon immer mal loswerden wolltet. Zu THOUGHTS FACTORY, zu Musik, dem Business, dem Klimawandel oder…

Kauft Musik an der Quelle!

TF: Ich kann den Musikfans draußen nur sagen: Kauft CDs (oder direkte Downloads) und kauft vor allem dort, wo es den Bands am meisten bringt (also entweder direkt bei der Band oder z.B. über Bandcamp). Wenn das mit dem Streaming so weiter geht, werden viele kleinere Bands aufhören müssen, weil sie sich die Produktion nicht mehr leisten können.

MH: Es war schön, Einiges an Wissenswertem über euch zu erfahren und unseren Lesern entsprechende Einblicke geben zu können. Danke für den Moment für deine Zeit und ich würde mich echt freuen, euch mal live auf Tour zu erleben.

TF: Danke ebenso. Vielleicht sehen wir uns in Baarlo bei Prog Power Europe.

Infos zum PROG POWER Festival im Oktober gibt es hier.

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Bildquellen

  • THOUGHTS FACTORY CD-Cover Elements – Titelbild: Sjerruf Music Support
Doc Rock

Doc Rock

Meine erste Metal-Platte liegt lange zurück: LIVE AFTER DEATH von IRON MAIDEN war´s. Ansonsten fühle ich mich in der Progressive Metal-Ecke wohl!

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