K.K. Downing – Interview mit dem „Leather Rebel“

K.K. Downing – Interview mit dem „Leather Rebel“

Der ehemalige JUDAS PRIEST-Gitarrist K.K. Downing hat am 23. Februar seine Autobiographie „Leather Rebel“ in Deutschland veröffentlicht. Die Review dazu haben wir euch schon geliefert. Ein paar Fragen rund um das Buch, das Universum und den ganzen Rest gab es dann aber doch noch. Deshalb hat unser Hellion neulich gerne zum Hörer gegriffen, um mit Herrn Downing ein Dreiviertelstündchen zu plaudern.

Acht Jahre nach der letzten Tour

Metal-Heads.de (MH): Hallo, K.K., schön, dass du Zeit für uns hast. Wir haben ja länger nicht mehr gesprochen.

K.K. Downing (KK): Ja, 2011 war es. Oder? Auf der Tour. Aber so viel war seither auch nicht los (lacht).

MH: Na, immerhin – wir unterhalten uns heute über dein Buch. Wann ist dir die Idee gekommen, dass es Zeit sei, eine Autobiographie zu schreiben?

KK: Konkret geworden ist das Anfang 2017. Ich hatte eine Zeit, in der ich viel über mein Leben nachgedacht habe. Und in diesem Zusammenhang kam die Idee auf, das eine oder andere in einem Buch fest zu halten.

With a Little Help From a Friend

MH: Du hattest bei „Leather Rebel“ Unterstützung von Mark Eglinton, der schon einige Male bei Autobiographien mitgewirkt hat. Wie kam dieser Kontakt zustande?

KK: Mein Leben dreht sich um die Musik. Ein paar andere Dinge habe ich ganz gut drauf. Aber Schreiben, und dann ein ganzes Buch, das ging nicht ohne Unterstützung und Ratschläge von Außen. Mark war mir empfohlen worden, weil er schon einige Male im Metalgenre unterwegs war. Zum Beispiel hat er an der Biographie von James Hetfield mitgearbeitet.

Ein Freundschaftsdienst für „Leather Rebel“

MH: Die erste Überraschung für mich bei „Leather Rebel“ steht bereits auf der vorderen Einbandseite. Denn die deutsche Übersetzung hat Jenny Rönnebeck besorgt. Wir beide kennen Jenny seit fast 20 Jahren. Sie ist eine tolle Journalistin und ein Die Hard-Fan von JUDAS PRIEST. Das ist doch kein Zufall…

KK: Nein, ist es nicht. Als Jenny für den Job vorgeschlagen wurde, war ich sofort einverstanden. Und zwar genau wegen ihres Backgrounds als Profi im Business, als begeisterter Fan und auch als langjährige gute Freundin.

MH: Das Ergebnis gibt dir bzw. euch Recht. Ich kenne ja das englische Original des Buches und ich muss sagen, dass die Atmosphäre und dein Humor sehr gut übertragen worden sind. Und wo wir gerade dabei sind: im Englischen heißt dein Buch „Heavy Duty“ und bei uns „Leather Rebel“. Wie kommt’s?

KK: Das war eine Marketing-Entscheidung des Verlages. Die Idee dahinter kenne ich nicht.

K.K. Downing-Cover

Nickelbrille & Ohrensessel…???

MH: Hast du eigentlich geplant, irgendwann mal Lesungen aus dem Buch zu unternehmen?

KK: Nein, bislang nicht. Ich glaube, dafür bin ich auch nicht spektakulär genug, als dass sich eine Lesereise in Großbritannien oder sogar auf dem Kontinent lohnen würde. Ich kann mich selber in einer solchen Situation auch nicht vorstellen.

MH: Wäre das eine andere Art von Lampenfieber als die Situation vor einem Konzert?

KK: Das vielleicht auch. Aber das komplette Setting einer solchen Veranstaltung kann ich mir mit mir mittendrin – wie gesagt – nicht vorstellen.

Blut ist dicker als Wasser

MH: „Leather Rebel“ zeigt auf, wie du der Musiker wurdest, als den wir dich kennen. Einen ungewollten Anteil daran hat deine familiäre Situation als Jugendlicher. Wie ist das heute? Wie sieht der Kontakt zu deiner Familie aus?

KK: Über die Jahre hat sich mein Verhältnis zu meiner Familie einigermaßen normalisiert. Meine Mutter lebt zum Glück noch. Ich wohne nicht sehr weit weg von ihr und wir sehen uns regelmäßig. Ebenso meine Schwester und deren Familie. Mein Vater dagegen… naja… lassen wir das.

MH: Bist du für deine Nichten und Neffen der coole Onkel gewesen, der den Rock’n’Roll ausgekostet hat?

KK: (lacht) Ob ich für sie cool war, musst du sie mal fragen. Aber ich glaube, in der Schule wussten zumindest einige Jungs, wer ich war. Und Ärger hat es deswegen nicht gegeben. Jedenfalls nicht, dass ich davon gehört hätte.

K.K.Downing Hamburg 1998

Rocker-Rente – nein danke!!!

MH: Was macht dir heute nach der Zeit bei JUDAS PRIEST Spaß im Leben? Ein leckeres Pint mit Freunden im Pub um die Ecke?

KK: Das natürlich auch. Aber sehr entspannt und ohne Chaos.

MH: Wie steht es mit der Musik? Besuchst du Konzerte?

KK: Ja, regelmäßig und sogar alles Mögliche. Dieser Landstrich, der JUDAS PRIEST und viele, viele andere Bands hervor gebracht hat, ist auch heute noch ein Hot Spot, der neue Bands mit toller Musik hervor bringt. Ich war beim Abschied von BLACK SABBATH dabei, aber ich gehe auch in kleine Clubs und sehe mir junge interessante Bands an.

MH: Juckt es dich in den Fingern, auf die Bühne zu klettern und spontan mit einer solchen Band zu jammen?

KK: Nein. Definitiv nein. Ich bin nicht komplett inaktiv, weil ich ein paar Bands unterstütze und auch schon einmal als Produzent im Studio  (* siehe am Ende des Beitrags – d. Red.) etwas beigesteuert habe. Aber ein solches Szenario kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin im Publikum gut aufgehoben.

Sprechstunde beim Leather Rebel

MH: Dann bohre ich in einer ähnlichen Richtung nach. Wie sähe es aus mit Guitar Clinics?

KK: Du kannst es nicht lassen, oder? (lacht) Wenn jemand die Idee hätte, so etwas auf die Beine zu stellen, würde ich drüber nachdenken. Aber dazu ist definitiv nichts in der Pipeline. Zufrieden?

Home Sweet Home

MH: Natürlich nicht. Denn um dich auf einer Bühne zu sehen, würde ich auch eine längere Anreise in Kauf nehmen. Anderes Thema. Ich erreiche dich heute Zuhause. Du bist vor einiger Zeit umgezogen in ein kleineres Domizil. Wie stelle ich mir das vor? Du sitzt im Wohnzimmer gegenüber vom Kamin und links und rechts davon hängen die ganzen goldenen Schallplatten? Hast du alle diese Andenken von früher noch?

KK: Wohnzimmer und Kamin stimmt. I am an Englishman, you know? Und neben mir steht eine Dose Bier auf dem Tisch. German beer von WARSTEINER, glaub mir. Was die Memorabilia angeht, habe ich einiges um mich herum in dem kleinen Studio hier im Haus. Aber noch viel mehr in Kisten und Kartons verstaut auf dem Dachboden. Ich brauche das nicht ständig um mich herum. Ich bin nicht Liberace…

Die Sache mit den Schätzen in der Schublade

MH: Wenn ich schon mal wieder Gelegenheit habe, mit K.K. Downing zu sprechen, dann muss auch eine Frage als Fan von JUDAS PRIEST drin sein…

KK: Lass‘ hören…

MH: Die Remasters eurer Alben in 2001 hatten Outtakes als Bonusmaterial. Das waren Songs, die es nie auf die Alben oder B-Seiten geschafft haben. Gibt es mehr davon im geheimen Tresor?

KK: Die Songs, die du meinst, waren mindestens zu 90% fertig, als wir sie hervor geholt haben. Ein oder zwei wurden last minute nicht mit auf das betreffende Album genommen. Was jetzt noch vorhanden ist – soweit ich das sagen kann – sind Demos. So etwas wie sketches, also Entwürfe. Es müsste einige Zeit im Studio investiert werden, um aus diesem Material etwas zu machen, was den Ansprüchen von JUDAS PRIEST genügen würde.

In „Leather Rebel“ habe ich mein Statement dazu abgegeben, was ich zuletzt davon gehalten habe, aus immer weniger nachvollziehbaren Gründen ins Studio zu gehen, um Songs zu schreiben und aufzunehmen. Diese Routine war einer der Gründe, warum ich die Band verlassen habe. Das war nicht immer so. Aus diesen früheren Zeiten stammen die Songs auf den Remasters.

Bandeigene Bootlegs…???

MH: Wie verhält es sich mit Soundboard Recordings eurer Shows?

KK: Davon gab – oder gibt es??? – eine ganze Menge. Ich habe mich nie darum gekümmert. Aber es sind Soundboard-Aufnahmen, also sicher eine brauchbare Qualität. Was Sony damit einmal vorhat – wer weiß???

Verpasste Chancen

MH: Letzte Frage – packt dich so etwas wie Melancholie, wenn du auf deine Karriere und deinen Lebensweg zurück blickst?

KK: At the end of the day – no!!! Jeder Mensch hat diese Gedanken, die sich um ein “Was wäre, wenn…?“ drehen von Zeit zu Zeit. Du standest an einer Weggabel und statt links bis du rechts weiter gegangen, verstehst du? Und dann fragst du dich, was wäre im anderen Fall wohl passiert? Für mich ist das so lange ok, wie du sagen kannst, dass du über die lange Zeit oder im Ergebnis alles richtig gemacht hast. Das kann ich bei den wirklich wichtigen Entscheidungen im Leben sagen. Die ganz, ganz wenigen Ausnahmen, die sich um eine Beziehung und eine eigene Familie drehen, habe ich in „Leather Rebel“ beschrieben. Aber das hinterlässt kein Gefühl der Melancholie. Es ist, wie es ist und es ist gut. Punkt.

MH: K.K. – vielen Dank für deine Zeit und alles Gute von mir und vom Team von Metal-Heads.

(*) Worauf K.K. sich bezogen hat mit seinem Produzentenjob betrifft die Band HOSTILE aus einem Kaff namens Birmingham. Hier ein Beispiel:

 

 

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Bildquellen

  • K.K. Downing-Cover: Gordeon Music
  • K.K.Downing Hamburg 1998: (c) The Hellion 1998/2018
  • PLHGitarre-Juan_Di_Nella: unsplash.com - Juan Di Nella
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