NINTHSHAFT Interview – deutsche Version

NINTHSHAFT aus Russland haben kürzlich der Welt ihr Debütalbum „The THING“ offenbart. Ich war begeistert von dem Album. Die Review dazu könnt Ihr hier noch einmal lesen. Grund genug für mich, der Gruppe einige Fragen zu stellen. Gitarrist Pavel Krylov war so nett und nahm sich Zeit für das Interview.

MH: Ihr habt nun Euer Debutalbum „The Thing“ auf den Markt gebracht. Mich persönlich hat es voll überzeugt und ich kann Euch nur zu Eurem Werk gratulieren. Ein sehr interessantes Album mit noch interessanteren Texten. Lasst uns ein wenig mehr in Eure Welt eintauchen.

Stand der russischen Metal-Szene

Bevor wir uns allerdings näher mit Eurem Album „The Thing“ beschäftigen, würde ich gerne allgemein wissen wie es so um die russische Metal-Szene steht. Ist die Szene gut aufgestellt? Gibt es dort ein gutes Netzwerk? Gibt es Unterstützung oder ist man komplett auf sich alleine gestellt?

NS: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass die Rockmusikindustrie in Russland nicht gut läuft. Es gibt nur sehr wenige effiziente Manager, die sich für Rock- und Metalmusik in einem solchen Maße begeistern, dass sie dort einsteigen und zu ihrer Entwicklung beitragen möchten. Leider richtet sich die ganze Aufmerksamkeit eher auf den Mainstream. Daher konzentrieren sich alle auf diesen Bereich. Was die Unterstützung betrifft, so bekommen wir keine, die meisten Musiker setzen sich ganz aus eigener Kraft für die Entwicklung des Rock’n’Roll ein.

Single „Ghost City“

MH: Weltweit hat die Pandemiekrise die künstlerische Szene besonders hart getroffen und an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht und darüber hinaus. Wie habt Ihr das Ganze erlebt? Andere Bands haben ihre Outputs um Monate nach hinten verschoben. Warum habt Ihr Euch dafür entschieden mitten in dieser Krise die Single „Ghost City“ zu veröffentlichen?

NS: Die Pandemie hat uns in dieser Hinsicht nicht negativ beeinflusst, außer dass es keine Konzerte gegeben hat. Die ganze Welt lebt heutzutage vom Internet. Also gibt es die Möglichkeit mit unserem Publikum in Kontakt zu sein. Das Video wurde im Herbst 2019 gedreht, und wir haben es schließlich veröffentlicht, sobald es fertig war. Niemand hat irgendetwas absichtlich zeitlich festgelegt, wir haben die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lassen.

MH: Meiner Meinung nach vereint „Ghost City“ alle Stärken von NINTHSHAFT. War das auch Eure Meinung oder warum habt Ihr Euch für den Song entschieden? Als ich ihn das erste Mal gehört habe, war ich total begeistert. Es hat mich umgehauen. Für mich gehört „Ghost City“ zu den stärksten Songs überhaupt bisher im Jahr 2020.

NS: Ja, in der Tat! Wir haben entschieden, dass „Ghost City“ der stärkste Song im Repertoire von NINTHSHAFT war und dass er es wert war dafür ein Musikvideo zu drehen.

MH: Das Video zu dem Song ist sehr beeindruckend geworden? Wer hatte die Idee zu dem Video? Habt ihr extra einen Regisseur engagiert?

NS: Der Ideengeber und Videoregisseur ist der Gitarrist und Songwriter der Band – Pavel Krylov.

Eine dunkle Welt

MH: Insgesamt ist „The Thing“ ein sehr düsterer Brocken geworden. Woher nehmt Ihr Eure Inspirationen und was ist die Intention des Albums?

NS: Die Inspiration kommt gewöhnlich durch das Hören anderer Musik, das Anschauen von Filmen, das Lesen von Büchern und so weiter. Das Album „The Thing“ ist eine weiterer starker Eckpfeiler der Schaffensgeschichte von NINTHSHAFT. Es ist ein Stück aus einem Ganzen, dem fünften Element. Die Zuhörer brauchen einige Zeit, um solche Dinge zu verstehen, denn diese Musik ist alles andere als vergnügliche leichte Unterhaltung. Sie braucht Zeit, um das richtige Publikum zu erreichen. Es muss noch mehr Arbeit geleistet werden, um dieses Album zu unterstützen, in diesem Herbst wird etwas Interessantes herauskommen, also wartet auf Neuigkeiten!

Die außergewöhnlich poetischen Texte

MH:  In diesem Zusammenhang darf Ria April Avalon nicht unerwähnt bleiben, denn sie ist für Eure Texte verantwortlich. Sie sind wirklich sehr lyrisch und hochwertig. Die Texte sind gehören zum Besten, was ich seit langem lesen durfte. Wie kam es zu Eurer Zusammenarbeit? Kanntet Ihr Ria und ihre Texte? Habt Ihr gedacht, dass sie gut zu Eurer Musik passen würden? Oder wie lief das ab? Hat sie die Texte komplette neu entworfen oder gab es die vorher schon?

NS: Ria April Avalon und Pavel Krylov sind die Co-Autoren aller Texte von Ninthshaft, mit Ausnahme eines Liedes – „Infernal Wings“.
April übersetzte die bereits vorhandenen Texte für alle Lieder ins Englische, verfeinerte und vervollständigte sie. 2018 brauchte die Band eine Person, die die englische Sprache fließend beherrscht, da die Texte ein sehr wichtiger Teil jedes Liedes sind und ihnen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Nachdem die Arbeit an der EP „Keeper Of Secrets“ abgeschlossen war, wurde klar, dass Aprils poetischer Stil perfekt zur Musik von NINTHSHAFT passt, und wir beschlossen, weiter zusammenzuarbeiten.

MH: Die Texte lassen natürlich Spielraum für Interpretationen, aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind dunkel und dystopisch! Was steckt hinter den Texten?

NS: Hinter den Texten steht genau das, was man liest. Es gibt keine Subtexte oder versteckte Bedeutungen, aber an bestimmten Stellen wird man sich wahrscheinlich etwas anderes vorstellen als das, was ursprünglich gedacht war. Nichtsdestotrotz ist jedes Lied eine separate und fertige Geschichte. Sie verkörpern eine komplette Welt, in die man eintauchen und nachdenken kann. Die Welt ist aus Fäden gewebt. Sie bestehen aus Energie, die alles um uns herum durchdringt. Unsere Texte sind Teil dieser Energie, ihr dunkelster Teil!

Warum ein Gastsänger?

MH: Oleg hat eine unglaubliche Kraft in der Stimme und versprüht eine unheimliche Präsenz. Mit seiner Range kann er verschiedenste Stimmungen erzeugen. Trotzdem habt Ihr Euch noch für den Gastsänger ARDENTIS entschieden. Warum?

NS: Ardentis wurde eingeladen, dem Album „The Thing“ etwas Würze zu verleihen, um seine Songs von allem anderen, was wir haben, und sogar von den zukünftigen Sachen zu unterscheiden. Außerdem mögen manche Formen der Musik für einige Sängerinnen und Sänger vom Gefühl her eher unpassend und für andere perfekt geeignet sein. Es ist der ganze Sinn der Kreativität von NINTHSHAFT ein Puzzle aus sorgfältig ausgewählten Teilen zu schaffen, um die ideale Balance und Harmonie zu erreichen.

Der RAMMSTEIN-Effekt

MH: Auf Eurer Facebook-Seite steht die deutsche Band RAMMSTEIN an erster Stelle der Liste von Künstlern, die Ihr gut findet. Ist die Reihenfolge der Bands zufällig? Wann habt Ihr das erste Mal von RAMMSTEIN gehört und inwiefern hat Euch die Band beeinflusst? Wäre es auch mal ein Idee einen Song mit deutschen Texten zu schreiben?

NS: Rammstein ist die Band, die mir die Liebe zur Ästhetik der dunklen Musik eingeimpft hat; zu ihrem Klang und der Stimmung, die sie reflektieren kann, zu ihrer Schwermut und Lyrik. Es ist die erste Metalband, die ich im Alter von 8 Jahren hörte, und ich bin bis heute von ihren kreativen Werken inspiriert worden. Und die Idee, einen Song mit deutschem Text zu schreiben, ist ziemlich interessant, ich denke, das werden wir in nächster Zukunft tun!

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Bildquellen

  • NINTHSHAFT- The Thing Infos: NINTHSHAFT- The Thing + Infos -- Background www. pixabay.de ( Danke an Maria Shvedova)
  • NINTHSHAFT-Band: NINTHSHAFT-- Pressematerial Bandfoto

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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