ARDARITH-Interview mit Mastermind Max Pfaffinger

(English version below)

Als er auf dem Weg in die Arbeit im Stau stand und neben seinem Fenster eine Leiche auf der Straße lag, wusste er, dass er gehen muss.

ARDARITH (Facebook / Homepage) als großes Metal-Projekt hat jüngst das Album „Home“ auf den Markt gebracht. Unter der Leitung von Max Pfaffinger ist ein progressiver Leckerbissen entstanden. Nein, eigentlich ist es kein Leckerbissen, es ist eher ein opulenter Hörgenuß, der sich aus verschiedensten erlesenen Musikerlebnissen zusammensetzt. Wer mehr über die Soundwelten von ARDARITH erfahren möchte, der möge sich bitte das Review (hier) durchlesen. Dazu kommt noch eine bemerkenswerte Idee hinter diesem Projekt, die sich in der wertvollen Lyrik widerspiegelt.

Für ‚metal-heads.de‘ war es daher natürlich ein Muss mehr über den Mann hinter dem ganzen Projekt und über die Hintergründe zu erfahren. So ist dank der persönlichen ausführlichen Antworten von Max ein sehr interessantes Interview entstanden, welches zum Nachdenken anregt.

Blockflöte als klassischer Einstieg

MH: Hi Max! Dein Metal-Projekt ARDARITH ist ein gewaltiges Unterfangen. So ein umfangreiches und anspruchsvolles Projekt schüttelt man ja nicht mal eben so aus dem Ärmel. Wo hast Du Deine musikalischen Erfahrungen bisher sammeln dürfen bzw. können?

Max: Servus Dirk. Ja, das kannst Du laut sagen. Ich habe den klassischen Werdegang eines jeden Rockstars durchlaufen: Blockflöte als Kind, dann ein paar Jahre Klavier und dann viele Jahre Gitarre. Hier habe ich schnell eine Band gegründet und bin so ins Songwriting gerutscht. Allerdings war die Band eine Hardcoreband und das Songwriting bestand aus fetten Akkorden und vielen Screams. Ein bisschen was aus diesen Einflüssen ist auch in Ardarith.

Die Kompositionen von „Home“ war dann viel Ausprobieren. Ich vergleiche das gerne mit dem Bau eines Hauses: wenn man das ganze Haus sieht, denkt man: heilige Mutter Gottes, sowas krieg ich nie zustande. Wenn man aber Stein für Stein zu Bauen anfängt und auch mal bereit ist, eine Mauer wieder einzureißen, kann man es schaffen. Und ganz genau so war es bei Ardarith auch (OK, ein Grundverständnis von Harmonien hilft).

Musikalisches Vorbild

MH: Wenn man ein musikalisches Vorbild nennen müsste, dann könnte man sicherlich die Band AYREON nennen. Was fasziniert Dich an dieser Band insbesondere? Hast Du ein Lieblingsalbum von der Band?

MH: Ja, Ayreon ist sicherlich eines der größten Vorbilder. Mein unangefochtenes Lieblingsalbum ist „The Human Equation“. Das hat mehrere Gründe: zum Einen war die damalige Liveaufführung des Albums (es hieß da „The Theater Equation“) für mich die Initialzündung, mit dem Projekt „Ardarith“ zu starten. Zum anderen verbindet „The Theater Equation“ aus meiner Sicht perfekt die Geschichte, die Musik und die unterschiedlichen Sänger.

Es kann für mich nicht voneinander getrennt werden. In dieser Ausprägung habe ich das so zum ersten Mal gehört und gefühlt. Abgesehen davon hat mich die Geschichte abgeholt. AYREON (oder auch das Zweitprojekt STAR ONE) hat ja häufig irgendwelche Sci-Fi Inhalte. Das ist schon OK, aber es catcht mich nicht so, wie Geschichten, die nah am Leben sind (deshalb mag ich auch „The Theory of Everything“ sehr gerne). Das war auch der Grund, warum ich für „Home“ eine (leider) sehr aktuelle Thematik gewählt habe.

Die dunkle Seite

MH: Doch der Sound von ARDARITH hat noch mehr zu bieten. Der Sound schlägt mitunter auch richtig hart und düster zu. Hast Du auch eine dunkle Seite? Was würde man noch so in Deiner Musiksammlung finden? Welches würdest Du als da extremste Album Deiner Sammlung bezeichnen?

Max: Haha, das ist eine gute Frage! Ich habe eine sehr düstere Seite (zumindest musikalisch). Für mich muss Musik, gleich welches Genre, vor Allem einen Zweck erfüllen: sie muss mich emotional fesseln (weshalb auch 98% der Popmusik für mich leider rausfallen). Gerade düstere und harte Musik, die es schafft, eine Atmosphäre zu kreieren, spricht mich deshalb total an. Deshalb stehen in meiner Sammlung neben den klaren Einflüssen wie AYERON, AMORPHIS, OPETH auch Scheiben wie SHININGHalmstad (die ich für eine der besten und emotionalsten Black Metal Scheiben halte) oder Death – Individual Thought Patterns. Aber genau daneben stehen dann THE DOORS (die ich auch sehr düster finde) oder Amy MacDonald. Naja, es muss mich packen.

Das extremste Album meiner Sammlung…puh… Gar nicht so leicht zu beantworten. Ich nehm einfach BLOODBATH – ‚Nightmares made Flesh‘ (das meiner Meinung nach beste Bloodbath Album überhaupt).

Der Syrienkrieg

MH: Das Thema, welches dein Vorhaben zugrunde liegt, entsprang dem Syrienkrieg 2015. Kannst Du Dich noch an den ausschlaggebenden Moment erinnern? Welche Situation hat es genau ausgelöst und welche Gedanken gingen Dir in diesem Moment durch den Kopf?

Max: Ja, das war auf einer Party bei einem Freund von mir, der Menschen aus Syrien bei sich aufgenommen hatte. Ich habe mich mit einem unterhalten und er hat mir erzählt, wie das Leben in Aleppo (dort kam er her) war und was der ausschlaggebende Punkt für ihn war, zu fliehen. Und das spannende für mich war, dass er ganz normal gearbeitet hat und ein ganz normales Leben geführt hat. Wenn ein Angriff war, hat er sich unter dem Tisch versteckt bis der Angriff vorbei war. Aber als er auf dem Weg in die Arbeit im Stau stand und neben seinem Fenster eine Leiche auf der Straße lag, wusste er, dass er gehen muss.

Mich hat das damals tief beeindruckt, denn es ist nicht so, als wäre dort Krieg und alle würden die Koffer packen. Es ist so, dass man die vertraute Umgebung, die Freunde und Familie und die Kultur versucht zu halten, obwohl man vielleicht weiß, dass es besser wäre zu gehen. Und die inneren Kämpfe, die man hier mit sich ausfechtet, unterscheiden sich im Grundsatz nicht von allen inneren Kämpfen, die zwar meistens weniger drastische Auswirkungen haben, aber im Prinzip gleich funktionieren.

Und da war mein erster Gedanke: wir sind alle gleich und trotzdem maßen wir uns an, andere Menschen über einen Kamm zu scheren, zu verurteilen oder zu diskriminieren. Das hat mich sehr beschäftigt und ich habe Kontakt zu weiteren Menschen gesucht, die etwas Ähnliches erlebt haben (nicht nur Syrer, sondern auch im Familienkreis. Meine Schwiegermutter ist mit meiner jetzigen Frau und ihrer Schwester damals aus der Slowakei geflohen). Aus vielen Gesprächen habe ich dann den Hauptcharakter „Me“ und seine Emotionen entwickelt.

Eine Mammutaufgabe


MH: Das Projekt hat sich zu einem sehr großen Unterfangen entwickelt. Hast Du das vorher geahnt oder wuchs diese Mission mit jedem weiteren Schritt? Gab es Momente, in denen Du dachtest, dass es Dir zu viel wird?

Max: Ganz klar nein! Ganz im Gegenteil. Am Anfang, als ich aus dem Theater Equation Konzert kam, dachte ich: das kann doch nicht so schwer sein… Ist es doch. Vor Allem wachsen mit steigendem Umfang auch die Bedürfnisse.

Ein Beispiel ist der Song „Lay down to sleep“. Ja, ich wollte unterschiedliche Traumphasen musikalisch interpretieren. Aber wäre es nicht schön, wenn er von Zuhause träumen würde, mit einem arabischen Instrument? Also musste eine Oud her. Und wäre es nicht schön, wenn er seine Mutter ein arabisches Lied singen hören würde? Suche eine arabische Sängerin…. Und so weiter….

Und manchmal sitzt Du dann da, mit einer großen Liste an To-Dos und denkst Dir: das wird nie was. Für mich war der Vorteil, dass ich dann einfach mal sagen konnte: F… you! Ich mach irgendwann später weiter. Und dann ruft Dich Angela Gossow an und sagt Dir, dass sie eine Sängerin weiß, die perfekt für die Rolle der Guilt wäre. Und dann entzündet sich das Feuer wieder und brennt und brennt und brennt.

MH: Wie ist das optisch sehr schöne Cover-Artwork entstanden? Gab es Vorgaben von Deiner Seite? Welcher Künstler hat es entworfen?

Max: Das Cover stammt von Colin Winkler (www.mommono.de) der ein befreundeter Künstler ist. Dem habe ich bei einer Pizza gesagt, worum es im Album geht. Ich habe ihm alle Lyrics gegeben und als einzige Vorgabe gesagt, dass es an ein Ölgemälde angelehnt sein soll. Den Rest hat er gemacht. Spoiler: der erste Entwurf war perfekt.

Tolkien und das gemogelte ‚h‘

MH: Was bedeutet der Name ARDARITH? Ich nehme an, dass dieser auch eine bestimmte Bedeutung besitzt.

Max: Ja, in der Tat. Ich finde es immer unglaublich schwer, einen Bandnamen oder Projektnamen zu finden, der zur Musik passt, eine Message hat und nicht zu austauschbar ist. Ich habe mich dann für Ardarith bei Tolkien bedient. Arda heißt dort die Welt. Ich habe das Wort dann mit dem englischen „Spirit“ kombiniert, also Geist der Welt wenn man so will. Und weil ich fand, dass Ardarit wie Chemie klingt, hab ich das ‚h‘ dahintergemogelt, dass es besser klingt. Ist ja eh ein Kunstwort, also ist man da ja ziemlich frei. Positiver Nebeneffekt: wenn man es googelt, bin ich immer auf Platz 1, weil es das Wort sonst einfach nicht gibt.

Ein hochwertiges Produkt

MH: Die Kompositionen auf dem Album sind sehr anspruchsvoll. Das Vinyl-Packet ist von vorne bis hinten sehr hochwertig gestaltet. Das fängt beim Material der Gatefold-Hülle an, setzt sich beim Booklet und den zwei toll aussehenden farbigen Vinyls mit ihrem super Sound fort und vollendet sich mit der beigelegten CD und einem schönen großen Poster. Und das alles zu einem mehr als fairen Preis. Bis Du perfektionistisch bzw. detailverliebt veranlagt?

Max: Eigentlich gar nicht so. Oftmals bin ich so ein schnell, schnell Typ. Aber wenn ich für etwas brenne, dann will ich am Ende auch, dass es geil ist. So, dass ich mir denken würde: ist mir egal, was es kostet, ich will es haben. Letzten Endes muss das Gesamtpaket am Ende für mich stimmig sein. Und zur Musik und der Story passt das Cover und die Platten. Würde ich jetzt Deutschpunk machen, würden genauso viele Gedanken in allem stecken, es würde aber sicherlich ganz anders aussehen.

Das Ergebnis in Händen

MH: Beschreibe doch mal die ersten Gedanken und Gefühle, als Du nach jahrelanger Arbeit Dein Werk auf Schallplatte in Händen gehalten und gehört hast!

Max: Ui, das ist jetzt sicher ein Downer für viele. Man erwartet das absolute Glücksgefühl und Endorphine, die durch den ganzen Raum schwirren. Die Wahrheit ist: ich habe mich eine Minute gefreut, dass es so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Danach habe ich mir gesagt: so, jetzt müssen die Menschen auch erfahren, wie geil es ist 😊

MH: Welches Erlebnis während der Entstehung des Albums ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Max: Gute Frage. Es ist eigentlich kein singuläres Erlebnis, wo ich sagen würde: das war besonders. Vielmehr ist es das Erlebnis, mit so vielen Menschen in Kontakt zu kommen, die allesamt an einer Idee arbeiten, ohne sich zu kennen. Ich habe so viel telefoniert, konzipiert und gemanaged und es war einfach schön zu erleben, dass mein Feuer alle anderen angesteckt hat.

Struktur ist alles


MH: Welchen Musiker bzw. Sänger hast Du als erstes mit ins Boot geholt? Wie waren die ersten Reaktionen? Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit so einer großen Gruppe von Leuten?


Max: Der erste Musiker war mein guter Freund Alex Göhs von Dante. Den hab ich abends zu mir auf ein Bier eingeladen, er saß auf der Couch und ich habe ihm die ersten Takte gezeigt. Er hat damals etwas in der Musik gesehen bzw. gehört und wir haben gemeinsam lange darüber gesprochen, wo das alles hinführen kann. Er war dann auch immer up to date was die Fortschritte anging und hat mir die Guide Vocals für die anderen Sänger eingesungen. Das hat er auch im Interview (ist auf Youtube) angesprochen.

Die Zusammenarbeit insgesamt ist eigentlich ganz einfach. Das liegt aber daran, dass ich eine sehr gute Idee vom Endprodukt im Kopf hatte und sehr zielgerichtet nach passenden Musikern suchen konnte. Danach geht es vor allem darum, alle Aufnahmen zu organisieren und immer sehr direkt zu schauen, ob alles passt. Es klingt eigentlich komplizierter, als es ist. Aber man muss schon sehr strukturiert sein, sonst verliert man irgendwann die Kontrolle.

Die Herausforderung

MH: Welche Passagen oder Momente auf dem Album haben Dir am meisten Kopfschmerzen bereitet bzw. waren besonders schwer umzusetzen?

Max: Musikalisch eigentlich keine. Klar gab es mal komplexere Passagen, wie zum Beispiel das Ende von Disclosure mit dem Chor aus allen Sängern. Aber in Summe ging das sehr organisch vonstatten. Und wenn ich mal bei einem Übergang oder einer Melodie in eine Sackgasse geraten bin, habe ich woanders weitergemacht.

Richtig herausfordernd waren die Lyrics und der Spannungsbogen der Geschichte. Es ist ja hier so, dass man über 9 Songs etwas erzählt, was auch einen Anfang und ein Ende haben muss, das sich logisch aus der Erzählung ergibt. Hier habe ich sehr viele Stunden geschrieben und gestrichen, geschrieben und gestrichen usw….

Etwas über sich selbst lernen


MH: Hast Du bei der Entstehung des Albums etwas über dich selber gelernt oder bestimmte Erkenntnisse gewonnen?

MH: Ja, definitiv. Um genau zu sein, war das ein andauernder Prozess. Meine Grundidee war eigentlich, in einen Menschen zu schauen, der seine Heimat verlassen muss. Beim Texten habe ich mich dann sehr stark mit den Emotionen auseinandergesetzt. Natürlich fragt man sich dann laufend, wie man selbst im Leben mit diesen Emotionen umgeht und was sie für einen als Menschen bedeuten.

So hat sich die Geschichte des Albums auch in gewisser Weise dahin entwickelt, dass die Suche nach dem „Zuhause“ weniger als Ort zu begreifen ist, sondern als Zustand. Es war nicht von vornherein geplant, dass das so kommt. Vielmehr war es eine innere Entwicklung von mir, die diese Richtung vorgegeben hat.

Am Ende steht für mich und auch für den Hauptcharakter des Albums die Erkenntnis, dass man sich ab dem Moment innerlich zuhause fühlt, wenn man akzeptiert, dass alle Emotionen ein Teil der eigenen Persönlichkeit sind. Dass auch Verzweiflung etwas Positives hat. Dass Schuld auch ein Antrieb ist usw… Das ist mir in dieser Ausprägung erst während des Schreibens so richtig bewusst geworden. Und ich bin da, behaupte ich, persönlich daran gewachsen.

Das Paradoxon Mensch


MH: Angesichts dessen, dass der Syrien-Konflikt den Anstoß für Dein Projekt gegeben hat, ist die Thematik des Albums aktueller denn je. Was empfindest Du bei den letzten Entwicklungen auf der Welt und insbesondere bei dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine? Ich persönlich betrachte die Entwicklungen mit großer Sorge. Es bereitet mir großes Unbehagen und mein früher unbeschwerter Optimismus ist angesichts der globalen Entwicklungen ehrlich gesagt größtenteils verschwunden.

MH: Das ist eine komplexe Frage. Zuerst einmal ist der Krieg in der Ukraine nur einer von vielen, der uns diesmal nur direkter betrifft. Natürlich war ich extrem schockiert, als das losging, aber sind wir ehrlich: Die ganze Welt ist immer wieder von Kriegen und Krisen betroffen, die teilweise deutlich schlimmere Auswirkungen haben bzw. hatten. Und es trifft immer diejenigen, die gar nichts damit zu tun haben. Deren Kinder verhungern, deren Familie von Bomben zerfetzt wird, die gefoltert oder vertrieben werden. Manchmal fragt man sich schon, ob das alles einen Sinn hat. Gerade wenn ich meine Tochter anschaue (die ist jetzt 8), frage ich mich, in was für eine Welt sie da gerade hineinwächst.

Auf der anderen Seite sehe ich, zu welchen Leistungen die Menschen fähig sind. Wir fliegen zum Mond, entwickeln Lösungen zur Energiegewinnung, können viele Krankheiten besiegen oder eben, wie in meinem Fall, gemeinsam Kunst erschaffen, die anderen Menschen Mut macht oder sie zumindest unterhält. Und das ist der Grund, aus dem ich weiter optimistisch bleibe. Ich kann keinen Putin ändern, ich kann keine AfD ändern, ich kann noch nicht mal mein enges Umfeld ändern. Aber ich kann selbst so leben und so handeln, dass ich die Welt in meinem kleinen Kreis zu einem besseren Ort mache. Und ich hoffe inständig, dass ARDARITH auch für andere einen kleinen Teil dazu beiträgt.

Wunschdenken?


MH: Die Erkenntnis des Charakters „Me“ in der Geschichte ist die, dass wir Menschen doch eigentlich alle die gleichen Emotionen und Bedürfnisse haben. Ist dies angesichts der ganzen gesellschaftlichen Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen nicht doch leider reines Wunschdenken? Zeigt dies uns nicht, dass das eben genau nicht der Fall ist?

Oder sind manche Menschen einfach zu blind für diese Erkenntnis bzw. wollen sie diese Erkenntnis gar nicht haben? Denn es ist doch immer eine fanatischen Minderheit mit dem Streben nach Macht oder die extremistische Umsetzung von Religionen einiger Gruppen, unter denen das Gemeinwohl leidet, oder?

Max: Nochmal ein komplexes Thema. Du hast völlig Recht, dass die Geschichte lehrt, dass manche besser sind als andere. Dass Minderheiten unterdrückt werden können. Dass Gewalt ein adäquates Mittel ist, um Konflikte zu lösen usw.

Aber was würde passieren, wenn wir in aller Konsequenz beginnen, uns mit unseren Mitmenschen auseinanderzusetzen? Würden wir beim Dschihadisten nicht eine Liebe zu seiner Familie sehen, wie bei uns? Würden wir beim Nazi nicht das Bedürfnis sehen, geliebt zu werden, wie bei uns? Würde der russische Soldat nicht feststellen, dass der Ukrainer mit seinen Kindern auf den Spielplatz geht, wie er selbst zuhause auch?

Michelle Obama hat einmal gesagt

„Es ist schwer, aus der Nähe zu hassen. Es ist einfacher, wenn man eine Person durch einen Filter hasst“.

Das spiegelt sehr genau wider, was ich mit der Aussage, wir wären im Inneren alle gleich, sagen möchte: beschäftigt euch miteinander. Sprecht miteinander. Dann werdet ihr feststellen, dass die Gemeinsamkeiten deutlich schwerer wiegen, als die Unterschiede.

Und bevor jemand schimpft: Ja ich weiß, dass das kein Weg ist, den man mal eben so beschreitet. Aber wie ich vorhin beschrieben habe, kann ich selbst für mich diesen Weg gehen und mit meiner Kunst und meinem Album versuchen, den einen oder anderen da draußen damit zu erreichen.

MH: Gibt es bereits Ambitionen und Ideen für eine Fortsetzung Deines Projekts?

Ja, gibt es. Es gibt auch schon die Geschichte. Aber wann und wie ich damit starte, kann ich heute nicht sagen.

English version

When he was stuck in traffic on his way to work and there was a dead body in the road next to his window, he knew he had to leave.

ARDARITH (Facebook / Homepage) as a huge metal project has recently released the album „Home“. Under the direction of Max Pfaffinger a progressive feast has been created, which is composed of the most diverse exquisite musical experiences. If you want to know more about the sound worlds of ARDARITH, please read the review (here). In addition, there is a remarkable idea behind this project, which is reflected in the valuable lyrics.

For ‚metal-heads.de‘ it was therefore a must to learn more about the man behind the whole project and the background. So thanks to the personal detailed answers of Max a very interesting interview was created, which makes you think about some things.

A classic career

MH: Hi Max! Your metal project ARDARITH is a huge project. It’s not easy to plan such a big thing. Where have you been able to gather your musical experiences so far?


Max: Hi Dirk. Yes, you can say that loudly. I have gone through the classic career of every rock star: Flute as a child, then a few years of piano and then many years of guitar. Here I quickly formed a band and slipped into songwriting. However, the band was a hardcore band and the songwriting consisted of fat chords and lots of screams. A little bit of those influences is also in Ardarith. The composition of „Home“ then was a lot of trial and error. I like to compare it to building a house: when you see the whole house, you think: holy mother of God, I’ll never get something like that done. But if you start building brick by brick and are willing to tear down a wall, you can do it. And that’s exactly how it was with Ardarith (OK, a basic understanding of harmonies helps).

Musical role model

MH: If you had to name a musical role model, you could certainly name the band AYREON. What fascinates you about this band in particular? Do you have a favorite album of the band?


Max: Yes, Ayreon is certainly one of the greatest role models. My undisputed favorite album is „The Human Equation“. This has several reasons: on the one hand, the live performance of the album at that time (it was called „The Theater Equation“) was the initial spark for me to start the project ARDARITH. On the other hand, from my point of view „The Theatre Equation“ perfectly connects the story, the music and the different singers. It can’t be separated from each other for me. In this form I have heard and felt it like this for the first time.

Apart from that, the story picked me up. Ayreon (or the second project STAR ONE) often has some kind of sci-fi content. That’s OK, but it doesn’t catcht me like stories that are close to life (that’s why I really like „The Theory of Everything“). That was also the reason why I chose a (unfortunately) very current topic for „Home“.

The dark side


MH: But the sound of ARDARITH has even more to offer. The sound sometimes hits really hard and dark. Do you also have a dark side? What else would one find in your music collection? What would you call the most extreme album in your collection?


Max: Haha, that’s a good question! I have a very dark side (at least musically). For me, music, no matter what genre, has to serve one purpose above all: it has to captivate me emotionally (which is why 98% of pop music falls out for me, unfortunately). Especially dark and hard music, which manages to create an atmosphere, therefore appeals to me totally.

That’s why in my collection, besides the clear influences like AYREON, AMORPHIS, OPETH, there are also discs like SHINING – Halmstad (which I consider one of the best and most emotional Black Metal discs) or Death – Individual Thought Patterns. But right next to them are THE DOORS (which I also find very dark) or AMY MAC DONALD. Well, it has to grab me.

The most extreme album of my collection…puh… Not so easy to answer. I’ll just take BLOODBATH – Nightmares made Flesh (in my opinion their best album ever).

The Syria War

MH: The spark that ignited your project came from the Syrian war in 2015, can you still remember the decisive moment? What situation exactly triggered it and what thoughts were going through your head at that moment?


Max: Yes, it was at a party at a friend of mine’s house, who had taken in people from Syria. I was talking to one of them and he told me what life was like in Aleppo (that’s where he came from) and what the decisive point was for him to flee. And the exciting thing for me was that he was working normally and living a normal life. When there was an attack, he hid under the table until the attack was over.

But when he was stuck in a traffic jam on his way to work and there was a dead body in the street next to his window, he knew he had to go. It made a deep impression on me at the time, because it’s not like there’s a war going on and everyone is packing their bags. It’s like trying to keep the familiar surroundings, the friends and family and culture, even though you might know it would be better to leave.

And the inner struggles that you fight with yourself here are no different in principle from any inner struggles, which usually have less drastic effects, but basically work the same way. And there was my first thought: we are all the same and yet we presume to lump other people together, to judge or discriminate. This has kept me very busy and I have sought contact with other people who have experienced something similar (not only Syrians, but also in the family circle. My mother-in-law fled Slovakia with my current wife and her sister at that time). From many conversations I then developed the main character „Me“ and his emotions.

Tolkien and the cheated ‚h‘

MH: What does the name ARDARITH mean? I assume that it also has a certain meaning.

Max: Yes, indeed. I always find it incredibly difficult to find a band name or project name that fits the music, has a message and is not too interchangeable. So for Ardarith I helped myself with Tolkien. Arda means the world there. I then combined the word with the English „Spirit“, so spirit of the world if you will. And because I thought Ardarit sounded like chemistry, I added the ‚h‘ to make it sound better. It’s an artificial word anyway, so you’re pretty free there. A positive side effect: if you Google it, I’m always at number 1, because otherwise the word simply doesn’t exist.

A huge project

MH: Did you anticipate this beforehand, or did this mission grow with each step? Were there moments when you thought it was getting too much for you?


Max: Clearly no. Quite the opposite. In the beginning, when I came out of the ‚Theater Equation‘ concert, I thought: this can’t be so hard… But it is. Above all, as the volume grows, so do the needs. An example is the song „Lay down to sleep“. Yes, I wanted to interpret different dream phases musically. But wouldn’t it be nice if he dreamed of home, with an Arabic instrument? So an oud was needed. And wouldn’t it be nice if he heard his mother singing an Arabic song? Looking for an Arab singer…. And so on….

And then sometimes you’re sitting there with a big list of to-dos and you think to yourself: This is never going to happen. For me, the advantage was that I could then just say: F You, I’ll continue later on. And then Angela Gossow calls you and tells you that she knows a singer who would be perfect for the role of Guilt. And then the fire ignites again and burns and burns and burns.

High quality product

MH: The compositions on the album are very sophisticated. The vinyl package is very high quality from front to back. It starts with the material of the gatefold sleeve, continues with the booklet and the two great looking colored vinyls with their super sound and finishes with the enclosed CD and a nice big poster. And all this for a more than fair price. Are you a perfectionist or detail-oriented person?


Max: Actually not at all like that. Often I’m a quick guy. But when I’m on fire for something, I want it to be awesome in the end. So I would think to myself: I don’t care what it costs, I want it. At the end of the day, the whole package has to be coherent for me. And the cover and the records fit the music and the story. If I were to do German punk music now, there would be just as much thought put into everything, but it would certainly look completely different.

The result in your hands

MH: Describe your first thoughts and feelings when you held your work on record in your hands and listened to it after years of work!

Max: Ui, that’s certainly a downer for many now. You expect the absolute feeling of happiness and endorphins buzzing all over the room. The truth is: I was happy for a minute that it turned out the way I had imagined. After that I said to myself: so, now people also have to experience how awesome it is 😊

MH: What experience during the making of the album do you remember most?


Max: Good question. It’s not really a singular experience where I would say: that was special. Rather, it’s the experience of coming into contact with so many people, all working on the same idea, without knowing each other. I did so much phoning, conceptualizing, and managing, and it was just nice to see my fire infect everyone else.

Good planning is important

MH: Which musician or singer did you bring on board first? What were the first reactions? What was it like working with such a large group of people?

Max: The first musician was my good friend Alex Göhs from Dante. I invited him over for a beer in the evening, he sat on the couch and I showed him the first ideas. He saw / heard something in the music at that time and we talked together for a long time about where it could all lead. Then he was also always up to date about the progress and sang me the guide vocals for the other singers. He also talked about that in the interview.

The collaboration as a whole is actually quite easy. But that’s because I had a very good idea of the final product in my head and was able to search very purposefully for suitable musicians. After that, it’s mainly about organizing all the recordings and always looking very directly to see if everything fits. It actually sounds more complicated than it is. But you have to be very structured, otherwise you lose control at some point.

MH: Which passages or moments on the album gave you the most headaches or were particularly difficult to realize?


Max: Musically, actually none. Sure, there were some more complex passages, like the end of Disclosure with the choir of all the singers. But all in all it went very organically. And if I got into a dead end with a transition or a melody, I continued somewhere else.
The lyrics and the tension of the story were really challenging. It is so here that you tell something over 9 songs, which must also have a beginning and an end that logically results from the narrative. Here I have very many hours written and deleted, written and deleted etc….

Learning about yourself

MH: Did you learn anything about yourself or gain certain insights while making the album?


Max: Yes, definitely. To be exact, it was an ongoing process. My basic idea was actually to look into a person who has to leave his home. Then, when I was writing the lyrics, I was very much dealing with the emotions. Of course, you then constantly ask yourself how you deal with these emotions in life and what they mean to you as a human being. So the story of the album has also developed in a way that the search for „home“ is to be understood less as a place, but as a state. It wasn’t planned from the beginning that it would turn out that way. Rather, it was an inner development of mine that gave this direction.

In the end, for me and also for the main character of the album, there is the realization that from the moment you accept that all emotions are a part of your own personality, you feel at home inside. That even despair has something positive. That guilt is also a drive, etc… I only really became aware of this to this extent during the writing process. And I have, I claim, personally grown from it.

The human paradoxon

MH: Given that the Syrian conflict was the impetus for your project, the subject matter of the album is more topical than ever. What do you feel about the latest developments in the world and especially about the Russian war of aggression on Ukraine? I personally look at the developments with great concern. It causes great discomfort and my earlier carefree optimism has honestly largely disappeared in the face of global developments.


Max: This is a complex question. First of all, the war in Ukraine is one of many, except that it definitely affects us more directly. Of course, I was extremely shocked when it started, but let’s be honest: the whole world is repeatedly affected by wars and crises, some of which have much worse consequences. And it always affects those who have nothing to do with it. Whose children starve, whose families are torn apart by bombs, who are tortured or displaced. Sometimes you wonder if there’s any sense to it all. Especially when I look at my daughter (who is now 8), I ask myself what kind of world she is growing into.

On the other hand, I see what people are capable of. We fly to the moon, develop solutions for energy generation, can conquer many diseases or, as in my case, create art together that encourages other people or at least entertains them. And that is the reason why I remain optimistic. I can’t change Putin, I can’t change AFD, I can’t even change my close environment. But I can live and act in a way that makes the world a better place in my small circle. And I sincerely hope that ARDARITH will play a small part in that for others, too.

Only a dream?

MH: The realization of the character „Me“ in the story is that we humans actually all have the same emotions and needs. In view of all the social conflicts and armed conflicts, isn’t this unfortunately pure wishful thinking? Does this not show us that this is exactly not the case?

Or are some people simply too blind for this realization or do they not want to have this realization at all? Because it is always a minority with the striving for power or the fanatical conversion of religions of some groups, under which the public welfare suffers, or?


Max: Again, a complex issue. You are absolutely right that history teaches that some see themselves as superior to others. That minorities can be oppressed. That violence is an adequate means to resolve conflicts, etc. But what would happen if we began to deal with our fellow human beings in all consistency? Would we not see in the jihadist a love for his family, as we do in ours? Would we not see in the Nazi a need to be loved, as we do with us? Wouldn’t the Russian soldier see the Ukrainian going to the playground with his children, as he does at home?

Michelle Obama once said:

„It is hard to hate up close. It is easier when you hate a person through a filter.“

That very accurately reflects what I’m saying with the statement that we’re all the same on the inside: engage with each other. Talk to each other. Then you’ll find that the similarities outweigh the differences.
And before anyone grumbles: yes, I know that this is not a path to be taken lightly. But as I described earlier, I can walk this path for myself and try to reach one or the other out there with my art and my album.

MH: Are there already ambitions and ideas for a continuation of your project?


Max: Yes, there is. There is also already the story. But when and how I start with it, I can not say today.


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  • ARDARITH Home Titelbild: Max Pfaffinger (Ardarith)

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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