Blackmore’s Rainbow – Memories in Rock II (VÖ: 06.04.)

„Memories in Rock II“, so lautet der schlichte Name des neuen Live-Albums von Ritchie Blackmore’s Rainbow.

Vergangenes Jahr traten die Mannen um Ritchie Blackmore in England auf. Vier Konzerte vom 17. Juni in London auf dem O2 Stone Free Festival, 22. Juni aus der Arena von Manchester, 25. Juni im SSE Hydro in Glasgow und der letzte Gig am 28. Juni von der Genting Arena von Birmingham, wurden mitgeschnitten. Die Doppel-CD plus DVD, erscheint am 06. April via Minstrel Hall/Soulfood mit einem Zusammenschnitt dieser Konzerte.

Memories in Rock II beinhaltet weiterhin Deep Purple Lieder

Ritchie Blackmore, der seinen treuen Fans schon 2016 drei Konzerte seiner reformierten Rainbow geboten hatte, hat wohl weitere Auftritte vor. In diesem Jahr sind es fünf bisher bestätigte Konzerte. Erwarten wir 2019 dann die Steigerung auf sechs Gigs?

Auf der beiliegenden DVD befinden sich über 90 Minuten Interviews, Snippets von den Rehearsals und ein Bonus Backstage Clip. Die Interviews führten zwei langjährige Fans namens Peter Stickler und Michael Stürzenberger. Im 30 Minuten langen Interview mit Blackmore wurden einige sehr gute Fragen gestellt. Auf die Frage ob Ritchie weitere Konzerte mit Rainbow geben würde, schloss er das nicht aus. Allerdings gab er zu bedenken, das er nun 72 Jahre alt sei und die Zipperlein hier und dort altersmässig zuschlagen. Wenn er jedoch fit ist, dann wären weitere Konzerte sicher möglich.

Auch auf die Frage nach einem Auftritt mit Deep Purple, würde er lediglich einen Gig mit ihnen zusammen spielen für die Fans. Jedoch stellt sich das als sehr schwierig heraus, da Management und Konzerne heute das Sagen haben. Und er sagt auch, das er auf keinen Fall Steve Morse verdrängen möchte, um mit Purple wieder auf Tour zu gehen. Die anderen Interviews mit der aktuellen Rainbow-Besetzung und Teilen der Crew, sind lustig und informativ.

Ritchie Blackmore macht weiter

Doch nun kommen wir zur besagten Doppel-CD „Memories in Rock II“.

Die Playlist unterscheidet sich nicht großartig zu der 2016er Tour. Lediglich ‚Highway Star‘ als Opener ist weggefallen. Dieses Mal wurde die Joe Lynn Turner-Ära mehr bedacht, was sicher Ronnie Romero gefallen dürfte, ist es doch mehr seine bevorzugte Rainbow-Besetzung aus der guten alten Zeit.

Das Konzert fängt mit ‚Spotlight Kid‘ an, welches sich als der ideale Opener erweist. Man merkt der Band an, das sie inzwischen viel besser harmoniert, als es noch 2016 der Fall war. Auch die Geschwindigkeit hat sich etwas erhöht, was sicher den meisten Fans mehr gefallen wird. Die Kritik an lascher Spielweise und schlechtem Mix der ersten „Memories in Rock“ liegt mir noch in den Ohren. Dieses Mal haben sie es besser gemacht, der Mix ist räumlicher und etwas druckvoller.

Erwarten kann man natürlich heute nicht mehr den jungen, aufbrausenden Blackmore, der mit seiner irrwitzigen Spielweise Generationen von Gitarristen beeinflusst hat. Da steht ein 72-jähriger Mann auf der Bühne, der natürlich nicht mehr wie ein Derwisch herumspringen kann. Doch er spielt immer noch sehr gut und sicherlich sollte man nicht vergessen, das er die elektrische Gitarre seit 20 Jahren kaum noch intensiv gespielt hat. Angaben zufolge musste er erst wieder alle Songs neu lernen zu spielen.

Die neue, alte Single kommt wieder zu Ehren

Mit ‚I Surrender‘ kommt dann der nächste Track, wo Romero voller Inbrunst die von Russ Ballard geschriebenen Zeilen singt. Blackmore spielt hier ein schönes Solo und gut finde ich, das keine Overdubs verwendet wurden, um Fehler auszumerzen.

Weiter geht es mit ‚Mistreated‘, ‚Since You’ve Been Gone‘ und ‚Man On The Silver Mountain‘ mit anschließendem ‚Woman From Tokyo‘. Die Band mit Ronnie Romero (Voice) Bob Nouveau (Bass), Jens Johanssen (Organ/Keys), David Keith (Drums), Candice Night und Lady Lynn (Backing Vocals) spielt viel homogener und druckvoller. Blackmore interpretiert die meisten seiner Soli eher verhaltener und geht selten aus sich heraus. Den einen oder anderen Verspieler hat er sich schon immer geleistet und das ist doch aus meiner Sicht völlig normal.

’16th Century Greensleeves‘ folgt mit einem absolut tollen Gesang von Ronnie Romero. Den stimmlichen Vergleich mit Ronnie Dio braucht er nicht scheuen, denn Romero HAT eine Stimme! Ein akustisches Intro leitet über in ‚Soldier Of Fortune‘ aus der Coverdale-Ära.

Deep Purple Songs bleiben immer noch im Set

‚Perfect Strangers‘ von der Purple 84er Reunion, kommt als nächstes. Von Jens Johanssen mit etwas anderer Einleitung und auch leicht umarrangiert, ist dieses Stück live sicherlich austauschbar, denn auch Blackmore hat hier seine Probleme.

Dann kommt ein fast 10-minütiger Solopart von Jens Johanssen an den Keys im Song ‚Difficult To Cure‘. Darauf folgen der Mitgröhler ‚All Night Long‘ und Purple’s ‚Child In Time‘.

Auf der 2. CD geht es weiter mit ‚Stargazer‘. Dieser Song ist und bleibt ein Höhepunkt in der Geschichte von Rainbow. Romero singt sich hier die Seele aus dem Leib und selbst Blackmore intoniert mit gefühlvollem Slidespiel auf der Gitarre.

Bei ‚Long Live Rock ’n‘ Roll‘ darf wieder mitgesungen werden und ‚Lazy‘ wird hier in knapp 2 Minuten durchgewalzt. ‚Catch The Rainbow‘ passt gut zu der neuen aktuellen Rainbow-Besetzung, die diesen Song gefühlvoll interpretiert.

Hommage an Jon Lord

David Keith darf sich nun austoben mit einem längeren Drumsolo bei ‚Black Night‘. Die Überraschung folgt dann jedoch mit einer Hommage an Jon Lord mit dem Lied ‚Carry On Jon‘. Gänsehaut kommt auf und Erinnerungen an den leider 2012 viel zu früh verstorbenen Jon Lord. Das darauffolgende ‚Temple Of The King‘ passt vorzüglich. Hier hört man auch mal die beiden Backgroundsängerinnen Candice Night und Lady Lynn wesentlich deutlicher.

Den Abschluss des Konzerts bildet wieder mal ‚Smoke On The Water‘. Sicherlich ein Überhit aus der Karriere von Ritchie Blackmore, jedoch würde ich anstatt dessen andere Songs aus der Rainbow-Ära einfließen lassen, wie z.B. ‚Gates Of Babylon‘, ‚Eyes Of The World‘, ‚Love’s No Friend‘ und ‚Ariel‘. Vielleicht erleben wir ja auf der 2018er-Tour da neue Überraschungen.

Fazit: Für Fans ist „Memories in Rock II“ sicher eine Kaufempfehlung und für alle anderen ist zumindest ein Reinhören angebracht. Ein von der Abmischung wesentlich besseres Album als die 2016er-Veröffentlichung. Wenn diese Truppe weiterhin Konzerte gibt, wird sie sich bestimmt noch mehr steigern können und ihre Fans begeistern.

 

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Bildquellen

  • Rainbow – Memories In Rock: Amazon.de

Wolf

Musikalisch aufgewachsen mit den Beatles und den Stones in der großen Ära der Rockmusik der 60/70er Jahre! Meine ersten gekauften Scheiben waren von Deep Purple, Grand Funk Railroad, Frank Zappa, Black Sabbath usw. Bevorzugte musikalische Ecke ist der sogenannte Classic- und Progressiv Rock, jedoch höre ich auch in fast allen anderen Bereichen stets rein. Aktiv bei metal-heads bis Dezember 2018, jetzt Fördermitglied.

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