DIE APOKALYPTISCHEN REITER-„Wilde Kinder“

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Deutscher Metal

DIE APOKALYPTISCHEN REITER (Facebook, Homepage) als kreative Freigeister sind wahrlich nicht faul und immer für eine Überraschung gut. Ich erinnere nur an das irrwitzige Projekt vom letzten Album „The Divine Horsemen“, bei dem sie in aller Abgeschiedenheit eine einzigartige musikalische Session aufgenommen haben (Review). Die Idee war freilich genial und das Ergebnis sehr speziell und abseits des Gewohnten. Nun folgt mit „Wilde Kinder“ (VÖ 22.04.2022) das nächste reguläre Studioalbum, zu welchem die Band folgendes Statement äußert:

Dieses Album war ein Kampf.

Gegen Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit

und voranschreitenden Wahnsinn.

Gegen uns selbst.

Wir haben ihn gewonnen 

Presstext Nuclear Blast

Volle Kraft voraus

Dieses Motto vom zweiten Song des Albums im Zusammenhang mit dem Albumtitel „Wilde Kinder“ spiegelt den Sound der Songs ganz gut wider. Hier wird ganz schön rangeklotzt. „Von Freiheit Will Ich Singen“ lässt dem Hörer keine Zeit für eine langsame Eingewöhnung. Der Vollgas-Song prescht in purer Raserie sofort die Pärie und wirbelt ne Menge Staub auf.

„Volle Kraft voraus“ nimmt das hohe Tempo raus und spielt mit Gegensätzen, kommt aber nicht minder gewaltig daher. Die mit Sprechgesang dargebotenen Strophen mit reduzierter Soundgewalt (dafür mit fettem Bass) wechselt mit riffgewaltigen Passagen und einem theatralischen Chorus. „Volle Kraft Voraus“ wird seinem Titel mehr als gerecht und strotzt nur so vor Vehemenz.

Verspielt

Wenn man sich das Album so anhört, drängt sich mir bei jedem weiteren Hören des Albums der Eindruck auf, dass die Männer so verspielt wie nie zu Werke gehen (wenn man mal von dem extravaganten „The Divine Horsemen“ absieht). Es bedarf keiner großen Aufmerksamkeit, um festzustellen, dass die Songs unheimlich unterschiedlich gestaltet sind ohne den Touch der Apokalyptischen Reiter zu verlieren. Dies hat den Effekt, dass schon beim ersten Durchhören die Titel einiger Songs direkt hängenbleiben. Hört man aber mal genauer hin, so wird auch offenkundig, dass man den Songs viele Details im instrumentalen Bereich geschenkt hat. Die Gitarren glänzen mit feinsten akzentuierten Riffs, Leads und Solos. Meiner Vorliebe für einen dominanten Bass wird hier voll entsprochen und dem Drummer wird auch nicht langweilig, denn er tobt sich nach allen Regeln der Kunst aus. Und schlussendlich schließt sich der Gesang diesem Konzept an und präsentiert sich äußerst vielseitig.

Zwischen Anarchie und Seemannsromantik

„Leinen Los“ ist kein Lied für eine stürmische Wildwasserfahrt, sondern eine freiheitsbejahende Powerballade mit eingängigen Melodien und Texten, wo man sich sofort dabei erwischt den Refrain sofort mitzuträllern. Mir gefällts!

Jetzt folgt ein krasser Bruch, denn nun steht der düsterste Song des ganzen Albums auf dem Programm. „Euer Gott ist der Tod“ ist ein sensationeller Song!

Und der Song hat einfach alles! Nach sphärischem Beginn mit sakralem Charakter wirbeln die Reiter erst einmal furios umher. Es folgt eine ruhigere unheimlich düstere Passage mit Sprechgesang. Dann bricht der mächtige Refrain mit dunkelster Stimme mächtig kraftvoll hervor. Der Song besticht durch einen sehr ideenreichen Verlauf und entwickelt eine dichte Atmosphäre. Auch eine schöne betörende melodische Passage, welche mit einem Piano eingeleitet wird, sorgt für besondere Momente, in denen Gastsängerin Sabine Scherer mit lieblicher Stimme für einen tollen Kontrast sorgt.

Das Video ist von sehr ästhetischer Natur und beeindruckt mit einem wunderbaren artistischen und darstellerischen Flair. Das ist mal wieder was anderes und sehr sehenswert!

Ein krönender Abschluss

Mit den letzten beiden Songs hauen Die Apokalyptischen Reiter noch mal richtige Knaller raus und zeigen sich von der dunklen Seite. Besonders gut hat mir bei den Songs auch gefallen, dass man ungewöhnlich Elemente eingebaut hat, die ich jetzt so nicht erwartet hätte. „Der Eisenhans“ arbeitet zu Beginn und im späteren Verlauf mit orientalisch angehauchten Klängen. Doch der Song ist knallhart und führt in dunkle psychische Abgründe. Ein verrücktes Keybordsolo unterstreicht den irren Charakter des Songs.

Dann kommt der Rausschmeißer des Albums: „Ich bin ein Mensch“! Bei dem Song scheinen sich Geister des „The Divine Horsemen“ Projekts wieder eingefunden zu haben. Häufig erklingen coole Percussions neben den mächtigen Drums und lassen ein etwas ursprüngliches in den Sound einfließen. Die Stimmung des Songs ist tiefschwarz und führt das Album zu einem furiosen Finale.

Fazit

DIE APOKALYPTISCHEN REITER schenken uns mit „Wilde Kinder“ das vielseitigste Album ihrer Karriere und geizen dabei nicht mit gnadenloser Härte. Doch Härte ist nicht alles! Der Albumtitel „Wilder Kinder“ könnte nicht besser passen. Die Songs haben diese fantasievolle Wildheit und Verspieltheit von Kindern, die keine Grenzen kennt und man als Erwachsener leider oft zu schnell verliert. DIE APOKALYPTISCHEN REITER haben sich diesen Geist bewahrt und ihn mit diesem Album eindrucksvoll und mitreißend ausgelebt. Dankeschön!

Noch was ganz wichtiges! Bitte lesen!

Ich habe das Hintergrundbild bei der Albumbewertung nicht zufällig gewählt. Es zeigt den brennenden Regenwald am Amazonas. Damit wir unseren Kindern noch eine lebenswerte Erde hinterlassen können, müssen wir als Menschen handeln! Wenn man sich den momentanen Zustand der Welt ansieht, muss man leider erkenne, dass wir scheinbar mit stolz geschwellter Brust und ignorantem Geist dem Abgrund mit Freuden entgegenrennen, um uns in die Dunkelheit zu stürzen.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER tun etwas dagegen und möchten ihre Fans mit in ihr Boot holen, um ein Zeichen zu setzen und ganz real etwas gegen den Untergang unserer Mutter Erde zu tun. Sie haben ein Projekt gestartet, um den Regenwaldgebiet zu schützen, der für die Stabilität des Weltklimas unabdingbar ist und zudem eine einzigartige Fauna, Tierwelt beherbergt und auch Lebensraum von Eingeborenenstämmen ist. Das Ziel der Band ist es zusammen mit den Fans eine Regenwaldfläche in der Größe des Geländes vom WACKEN OPEN AIR Festival zu kaufen und zu schützen. Diese Fläche wurde mit dem Namen „Reiterwald“ getauft. Das geht uns alle etwas an! Bitte klickt auf den Link und werdet ein Teil dieses Projektes! Vielen Dank!

https://reitermania.de/reiterwald/?fbclid=IwAR2_f0VuorPxD4RhuQU9LQLyY0P-CktHHcuPWCcQqu6up8-1VI9-w6Ce-EQ

English Review

German Metal

DIE APOKALYPTISCHEN REITER (Facebook, Homepage) as creative free spirits are truly not lazy and always good for a surprise. I just remember the crazy project from the last album „The Divine Horsemen“, where they recorded a unique musical session in all seclusion (Review) . The idea was certainly ingenious and the result very special and off the beaten track. Now follows with „Wilde Kinder“ the next regular studio album, to which the band makes the following statement:

This album was a struggle.
Against stupidity, indifference
and increasing insanity.
Against ourselves.
We have won it!

Presstext Nuclear Blast

Volle Kraft voraus (Full speed ahead)

This motto of the second song „Volle Kraft Voraus“ in connection with the album title „Wilde Kinder“ reflects the sound of the songs quite well. Here is quite a lot of stuff. „Von Freiheit Will Ich Singen“ leaves the listener no time for a slow acclimation. The full-throttle song dashes in pure frenzy immediately and whirls up a lot of dust.

„Volle Kraft voraus“ takes out the high tempo and plays with contrasts, but comes along no less powerful. The verses with reduced sound violence (but with fat bass) presented with chanting alternates with riff-violent passages and a theatrical chorus. „Volle Kraft Voraus“ more than lives up to its title and bristles with vehemence.

Playful

Listening to the album like this, I get the impression with every further listen that the men are more playful than ever. It does not require much attention to notice that the songs are incredibly diverse without losing the touch of DIE APOKALYPTISCHEN REITER . This has the effect that already at the first listening the titles of some songs stick directly.

But if you listen more closely, it also becomes obvious that the songs have been given a lot of instrumental details. The guitars shine with the finest accentuated riffs, leads and solos. My preference for a dominant bass is fully satisfied here and the drummer doesn’t get bored either, because he romps around according to all rules of art. And finally, the vocals joyn this concept and are presented extremely versatile.

Between Anarchy and Sailor Romanticism

„Leinen Los“ is not a song for a stormy wild water ride, but a freedom-affirming power ballad with catchy melodies and lyrics where you immediately catch yourself warbling along to the chorus. I like it!

Now follows a stark break, because now the darkest song of the whole album is on the program. „Euer Gott Ist Tot“ is a sensational song!

And the song simply has everything! After a spherical beginning with a sacral character, the riders first whirl around furiously. This is followed by a quieter eerily gloomy passage with chanting. Then the powerful chorus breaks out with a sinister voice. The song impresses with a very imaginative course and develops a dense atmosphere. Also a beautiful beguiling melodic passage, which is introduced with a piano, provides special moments, in which guest singer Sabine Scherer with lovely voice provides a great contrast.

The video is of a very aesthetic nature and impresses with a wonderful artistic and performing flair. This is something different again and very worth watching!

A furious finish

With the last two songs, Die Apokalyptischen Reiter hit out again real bangers and show themselves from the dark side. I particularly liked the songs that they have incorporated unusual elements that I would not have expected now. „Der Eisenhans“ works at the beginning and later with oriental sounds. But the song is hard-hitting and leads into dark psychic abysses. A crazy keyboard solo underlines the crazy character of the song.

Then comes the last killer track of the album: „Ich Bin Ein Mensch“! In the song, ghosts of „The Divine Horsemen“ project seem to have come up again. Cool percussions sound next to the powerful drums and let a somewhat origin flow into the music. The mood of the song is deep black and leads the album to a furious finale.

Conclusion

DIE APOKALYPTISCHEN REITER give us with „Wilde Kinder“ the most versatile album of their career and are not stingy with merciless hardness. But hardness is not everything! The album title could not fit better. The songs have this imaginative wildness and playfulness of children, which knows no bounds and unfortunately, as an adult, you often lose too quickly. DIE APOKALYPTISCHEN REITER have kept this spirit and lived it out impressively and rousingly with this album. Thank you!

Something very important! Please read!

I didn’t choose the background image at the album rating by chance. It shows the burning rainforest on the Amazon. So that we can leave our children still a livable earth, we must act as humans! If we look at the current state of the world, we must unfortunately recognize that we seem to run with proudly swollen chest and ignorant mind towards the abyss with joy to plunge us into the darkness.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER are doing something about it and want to get their fans on board to set an example and do something very real against the demise of our Mother Earth. They have started a project to protect the rainforest area, which is essential for the stability of the world’s climate and is also home to unique fauna, wildlife and is also the habitat of indigenous tribes. The goal of the band together with the fans is to buy and protect a rainforest area the size of the area of the WACKEN OPEN AIR festival. This area was baptized with the name „Reiterwald“. This concerns us all! Please click on the link and become a part of this project! Thank you very much!

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Bildquellen

  • Die Apokalyptischen Reiter Wilder Kinder Cover: Nuclear Blast
  • Die Apokalyptischen Reiter Wilde Kinder Cover+Infos-2-: Cover+Infos-->Nuclear Blast//Rest-->Pixabay
  • Die Apokalyptischen Reiter-Reiterwald Projekt: Nuclear Blast
  • Die Apokalyptischen Reiter Wilder Kinder Titelbild: Nuclear Blast

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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