GÅTE veröffentlichen am 25. September 2026 erstmals via Season of Mist
Im Jahr 1999 gegründet, entwickelten GÅTE einen eigenständigen Sound, in dem sich nordische Folktradition mit Rockmusik sowie elektronischer Musik und Metal-Elementen verbinden. Traditionelle musikalische Formen werden dabei nicht lediglich zitiert, sondern in einen modernen und oft energiegeladenen Kontext gebracht und auf eine einzigartige Weise zu etwas Neuem transformiert. Auch inhaltlich greifen GÅTE auf Überlieferungen, Erzählungen und Motive aus der norwegischen Kultur- und Folkloregeschichte zurück. In ihren Texten geht es um Schicksal und Verlust, Sehnsucht und Beziehungen. Neben Legenden und volkskundlichen Stoffen finden sich moderne Lyrik und eigene Texte. Dabei sind sie – was auf „Sigil“ erneut deutlich wird – immer ausdrucksstark, geheimnisvoll und auch melancholisch.
Bereits das Debütalbum „Jygri“ erreichte 2002 Platz eins der norwegischen Albumcharts. GÅTE erhielten dafür den Spellemannprisen, einen der wichtigsten norwegischen Musikpreise, in der Kategorie „Best Newcomer“.
2024 vertrat die Band Norwegen beim Eurovision Song Contest. Im selben Jahr unterschrieben GÅTE beim Metal-Label Season of Mist. Diese unterschiedlichen Stationen verweisen auch auf die stilistische Spannweite ihrer Musik.
„Sigil“ – Symbol für Wünsche, Kräfte und Absichten
GÅTE eröffnen das Album „Sigil“ mit dem Lied „Bergteken“ und atmosphärischen Geigen-Klängen, an die sich sanfter Gesang anschließt, bis Trommeln und kraftvolle Gitarren einsetzen. Der Song kommt gerade durch die Trommelrhythmen immer mehr in Bewegung und die Klänge werden zunehmend dichter, bis Geige, Gitarren den Song intensiv ausklingen lassen. Ein großartiger Einstieg in das Album. Schon hier zeigt sich, wie es GÅTE immer wieder gelingt, Folk-Klänge neu zu verbinden und zu interpretieren.
„Oskorsreia“,womit im Volksglauben eine reitende Schar von Geistern bezeichnet wird, beschwört hier die „Wilde Jagd“ als Spiegel für modernen Konsum und Überfluss. Harte Alternative-Metal-Riffs fügen sich mit schwarz-metallischen Tönen zu einem druckvollen Stück zusammen.
Ein „Sannsiger“ ist eine Person, die Zeichen und Visionen deuten kann und daraus Schlüsse für die Zukunft zieht. GÅTE beziehen sich damit auf eine Figur, die es in dieser Form in verschiedenen folkloristischen Erzählungen gibt. Hier wird sie aber weiter verstanden als jemand, der es wagt, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Zu Gast ist Maria Franz von HEILUNG. Sie fügt dem Klang weitere Facetten hinzu und unterstreicht den Eindruck der Anteile, die an Klänge aus Ritualen erinnern.
Gåte
„Nokon“ ist eines der Lieder, die stark von der Percussion getragen werden. Wiederkehrende rhythmische Muster, elektronische Elemente, Sprechgesang und Rufe erzeugen eine archaisch anmutende Atmosphäre. Gerade das Zusammenspiel von Wiederholung und klanglicher Verdichtung macht diesen Song zu einem interessanten und spannenden Stück
„Bòd frå djupet“ wird – wie auch „Songen“ vor allen Dingen durch die Melodie geprägt. Dem Gesang wird viel Raum gegeben, den die sanft und energisch zugleich klingende Stimme von Gunnhild Sundli ausfüllt. Sie fordert dazu auf, die eigenen Sehnsüchte und Träume zu achten und Etwas aus dem zu machen, was einem geschieht und begegnet.
Mit „Strandvaskar“ wird wieder eine Legende bzw. Erzählung aufgegriffen. Strandvaskar ist das Wort für die Leiche eines Ertrunkenen, die vom Meer an den Strand gespült wird. Das Lied ist wie ein Dialog zwischen dem Strandvaskar und der Person, die ihn gefunden hat. Die Dynamik zwischen dem Hingezogensein und dem Impuls, sich abzuwenden, wird durch das Spiel der Hardangerfidel unterstrichen. Hier werden auf einem elektronischen Fundament traditionelle Elemente in einen ‚modernen‘ Rahmen gefasst.
„Songen“ ist wiederum von einer feinen Melodie geprägt, die rhythmisch durch das Zupfen der Fidel unterstrichen wird. Federleicht, melancholisch und zurückhaltend, was die Instrumentierung angeht, wird über Töne, die sanft wie Haut sind, und Lieder, die beschützen sollen, gesungen.
Auch „Aude“ beginnt sanft, nimmt dann, angetrieben von rhythmischen Elementen, immer mehr an Energie und Dichte zu, ohne dabei wirklich laut zu werden.
„Mi Jord“ ist wie eine Zusammenführung aller bisher genutzten Elemente zu einem eindringlichen Lied. In einem Raum mit elektronisch geprägten, atmosphärischen Klängen, entwickeln sich einprägsame Melodien, die noch lange nachhallen.
Der abschließende Song des Albums, „Jostedalsrypa“, zieht sich nach all dieser Bewegung in einen bemerkenswert ruhigen und intimen Raum zurück und lässt das Album sanft ausklingen.
Tradition ist etwas Lebendiges
Auf „Sigil“ gibt es rhythmus- und melodiefokussierten Stücke, leichte und schwere Passagen innerhalb der einzelnen Lieder, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützen. Die eher folk-orientierten Abschnitte umrahmen die progressiven Elemente und ungewöhnliche Taktarten sind eingebettet in eingängige Melodien und atmosphärische Klänge. Die elektronischen Elemente und die aus eher progressivem Metal bilden zusammen mit traditionellen Strukturen eine Einheit. Die besondere Spannung entsteht dadurch, dass es sich immer so anfühlt, als wenn diese Anteile sich ständig zwischen Annäherung und Distanzierung bewegen. Und immer wieder ist es der Gesangsstil, der den Folk-Charakter unterstreicht. Wobei Gunnhild Sundli nicht einfach traditionelle Gesangsstile nutzt, sondern sie gestaltet und dadurch die Lieder prägt. Das ist es auch, was die Musik von GÅTE so eigenständig macht: sie nutzen die traditionellen Elemente nicht als ‚Effekte‘, oder als Tradition, die ‚bewahrt‘, konserviert werden muss, sondern als lebendige Formen, die sie jeweils neu ausfüllen oder verändern.
Unsere Musik kommt aus einem Ort, an dem Tradition nicht etwas Festes, sondern etwas Lebendiges ist. Wir schöpfen aus alten Quellen, weil sie uns noch ansprechen und weil sie uns heute erlauben, etwas Ehrliches und Menschliches auszudrücken.
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Bildquellen
gåte 2026 (3) vegard krohn: Season of Mist (Foto: Vegard Krohn)
Gåte 2026 (Ole Ekker): Season of Mist (Foto: Ole Ekker)
Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.
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