Paradise Lost – düster, düsterer, „Medusa“ (VÖ: 01.09.2017)

Paradise Lost Studio 720x340

Am 01. September 2017 wird mit „Medusa“ das fünfzehnte Studioalbum von Paradise Lost das Licht der Welt erblicken, um diese dann sogleich wieder zu verdüstern. Verantwortlich dafür sind Nuclear Blast, die dieses Ungetüm auf uns loslassen. Aufgenommen wurde dieses düstere Werk in den Orgone Studios, welches inmitten der Nebel verhangenen Landschaften von Woburn liegt. Produzent dieses Ungetüms war Jaime Gomez Arellano (Ghost, Ulver, Cathedral). Was da in den unverputzten Wänden des Studios entstanden ist und wie rauh und wild Paradise Lost klingen, kommt im Videoclip zu „The Longest Winter“ sehr gut rüber. Erschauert selbst:

 

Paradise Lost – furchtlos nihilistisch

An den Anfang setzen Paradise Lost mit „Fearless Sky„, den mit 8:31  Minuten längsten Song der Scheibe. Ein langsames Stück Doom, das durch zwischenzeitliche cleane Vocals von Nick aufgelockert wird und zu keiner Sekunde langweilig ist. Inhaltlich geht es um die Sinnlosigkeit und Vergänglichkeit des Lebens. Nick Holmes führt in dem Zusammenhang auch gerne den Spruch „vom reichsten Mann auf dem Friedhof“ an. Man muss die Einstellung nicht teilen, aber „Fearless Sky“ ist ein wundervoll, deprimierendes Lied, das langsam durch die Gehörgänge mäandert und einen verzweifeln lässt. „Gods Of Ancient“ beschäftigt sich dann mit Paganismus und der Absurdität des Glaubens an eine höhere Macht. Auch mehr Doom als Death, aber heavier als der Opener und klingt auch irgendwie lockerer. Das folgende „From The Gallows“ ist dann ein Paradebeispiel düsteren, pechschwarzen britischen Humors. Dunkelschöne Gitarrenmelodien über einem Midtempo-Stampfer und langsamen Death Metal Gegrowle. Hat aber auch einen Touch Rock’n’Roll und ist mit 3:42 Minuten der kürzeste Song. Die Mitte der Platte wird mit „The Longest Winter“ eingeläutet, ein schwer verzerrter Doom Song mit schönem klaren Gesang von Nick bei leider wenig Text. Diesmal geht es um die Todeszone rund um Tschernobyl. Mir gefällt es richtig gut, im Video oben könnt ihr sehen und hören warum. Aber lassen wir die Band doch mal selber zu Wort kommen und hören was sie über die Aufnahmen  zu sagen haben:

 

Paradise Lost – medusenhaft schön bis ins Grab

Die zweite Hälfte beginnt mit dem Titeltrack und einer hypnotischen Klavier-Melodie, die immer wieder auftaucht. Schwere Gitarren schleppen sich dahin und kontrastieren perfekt mit dem klaren Gesang von Nick. Das Vermeiden des Blickkontakts mit der Medusa steht hier sinnbildlich für das Ignorieren der Realität und der Sinnlosigkeit des Universums. Wunderschöne Melodien bringen hier einen Hauch von Gothic hinein, aber ohne zu stören. Toller Song! „No Passage For The Dead“ greift dann nochmal das Thema Religion und das Konzept des Lebens nach dem Tod, Himmelsreiches auf. Da es Paradise Lost sind, ist es nicht verwunderlich, dass der Song dem Gedanken nicht viel abgewinnen kann. Der klare Gesang hat hier ein Ende. Alles gut, hat für mein Empfinden nicht das Niveau der anderen Songs bisher. Zu „Blood And Chaos“ gibt es ein herrlich verstörendes, endzeitliches Video, das ihr unten bewundern könnt. Eine melodische Uptempo Nummer (für Paradise Lost Verhältnisse zumindest), die Gedanken an frühere Hits der Band aufkommen lässt. „Until The Grave“ beleuchtet zum Abschluss noch einmal den Gedanken, dass es die Menschheit eigentlich nicht wert ist auf Erden zu leben, so wie wir miteinander manchmal umgehen. Musikalisch sticht der Song im Albumkontext leider nicht besonders hervor.

 

Paradise Lost – alt, böse und nicht für jeden

Paradise LostParadise Lost haben mit „Medusa“ eines der härtesten und düstersten Alben ihrer Karriere kreiert. Mit gefällt es ausgesprochen gut. Am besten gefallen mir die Stücke auf denen auch mit klarem Gesang gearbeitet wird. Daher sind meine Anspieltipps neben dem Opener und dem Titeltrack auch „The Longest Winter“ und „Blood And Chaos“. Paradise Lost sind seit knapp drei Dekaden aktiv. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass sie alt sind. Aber ich glaube, so böse, düster und nihilistisch klangen die alten Männer noch nie. „Medusa“ enthält nicht einen schlechten oder durchschnittlichen Song. Alleine „No Passage For The Dead“ und „Until The Grave“ erreichen für meinen Geschmack nicht das Niveau der restlichen Songs, sind aber immer noch gut. Auch wenn ich von „Medusa“ absolut begeistert bin, möchte ich keine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Dafür sind Paradise Lost dann doch zu düster und nihilistisch. Man muss diese Art von Musik mögen und ich würde auch raten, dieses Album unter den richtigen Rahmenbedingungen zu hören. Es dann kann es seine volle Wirkung entfalten. Wem die beiden Videos oben gefallen, wer Paradise Lost-Fan ist, wer auf sehr düsteren Death/Doom steht, der muss „Medusa“ seiner Sammlung einverleiben. Auch Gothic Metal-Fans können bedenkenlos zugreifen, solange sie nicht auf die sanfte, weichgespülte Variante stehen.

Paradise Lost – Line-Up und Kontakt

Nick Holmes – Gesang
Greg Mackintosh – Leadgitarre
Aaron Aedy -Rhythmusgitarre
Steve Edmondson – Bass
Waltteri Väyrynen – SchlagzeugParadise Lost Release Show Merchandise

Mehr zur Band findet ihr wie gewohnt auf der Homepage oder direkt bei Facebook. Wer die Chance hat, sollte sich die Release-Show am 01. September 2017 in Stuttgart im Longhorn nicht entgehen lassen. Dort gibt es dann auch exklusives Merchandise zu erwerben. Alternativ kann man die Band auf ihrer Europa Tournee mit Pallbearer und Sinistro besuchen. Alle Daten findet ihr hier. Wer neugierig geworden ist und den Trip in die Düsternis wagen will, kann „Medusa“ direkt über den Link unten bestellen und sich dann zu Hause gepflegt der Verzweiflung hingeben.

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Bildquellen

  • Paradise Lost: Nuclear Blast
  • Paradise Lost Release Show Merchandise: Nuclear Blast
  • Paradise Lost Studio 720×340: Nuclear Blast
soundchaser

soundchaser

Angefangen hat es mit einer Kassette die ich von einem Kumpel bekam mit Running Wilds "Port Royal" und "Abigail" von King Diamond. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen...

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