Waldgeflüster – Dahoam

Waldgeflüster

Es gibt sie immer wieder…diese Alben, die einen komplett überraschen. Und dieses hier gehört unbedingt dazu. Waldgeflüster – Dahoam. Ein absoluter Kracher der Black Metal Band aus Bayern. Auch wenn sich daran vermutlich die Geister scheiden. Ein Konzeptalbum, welches inhaltlich ihre Heimat behandelt und komplett in bayrischer Mundart gesungen, gegrowlt und gescreamt wird. Oftmals kann ich mit deutschen Texten im Metal nicht so viel anfangen. Aber hier passt einfach alles schlüssig zusammen. Und ja, ich weiß, ich bin spät dran. Die Scheibe ist schon seit 2021 auf dem Markt. Ich habe die LP auch schon länger im Schrank stehen (in herrlichem eisblau), die ich jedem Sammler auch unbedingt empfehlen möchte. Mit aufwendigem Booklet und einfach super im Design. Leider fehlte einfach bisher die Zeit fürs Review.

Das Album

Uns erwarten 7 Songs, verteilt auf 49:22 Minuten Spielzeit. Auf der Vinyl findet sich übrigens ein achtes Lied mit dem Titel „Jennerwein“. Ob das auf der CD auch so ist, kann ich gerade gar nicht sagen.
„A Taglachinger Morgen“ führt uns geradezu behutsam in das Album ein. Schnell wird klar, dass die Scheibe irgendwie auch eine Ode an die Heimat ist. Und ja, ich tue mich mit dem Akzent hier und da durchaus auch schwer 😉 Ohne spürbare Pause geht es direkt zu „Im Ebersberger Forst“ über und hier verschmilzt recht schnell die Atmosphäre mit härteren Black Metal Tönen.

Eine kleine Anmerkung

Ich könnte mich jetzt zeilenlang daran versuchen, Texte zu interpretieren, denn hier hat sich jemand richtig Gedanken gemacht. Und das Album würde es wahrlich her geben, dass man viel drüber schreibt und in die Details geht. Da wurde nicht einfach irgendwas runtergeschrieben, sondern richtige Lyrik verfasst. An der Interpretation hätte ich sogar auch Spaß, aber das will am Ende vermutlich keiner lesen und ich beschränke mich daher aufs wesentliche.

Weiter geht’s

Sorry, für den kleinen Exkurs. Also „Im Ebersberger Forst“ ist direkt mal der erste „Hit“ auf dem Album. Ich habe selten so stimmige Riffs und Breaks erlebt, die geschickt die Texte einbetten und absolut die Atmosphäre widerspiegeln, die mit dem Gesang transportiert wird. Ein 10 Minuten Lied, das zu keiner Sekunde langweilig wird, niemals gestreckt wirkt. Die Songs wurden von Waldgeflüster so arrangiert, dass auf ein kurzes immer ein langes Stück folgt. „Am Stoa“ (was wohl „Am Stein“ bedeutet) sind 4 Minuten pure Mystik, garniert mit etwas Sprechgesang.

Am Tatzelwurm

„Am Tatzlewurm“ ist das vierte Lied und nach oben beschriebenem Muster wieder ein ein über 10 Minuten andauerndes. Hier wird wieder deutlich mehr in die Black Metal Kerbe geschlagen und es geht mehr nach vorne. „In da Fuizn“ (was vermutlich „In der Fütze“ heißt, wobei hier ein Moor gemeint ist) ist dann mein persönliches Lieblingslied auf dem Album. Der Regen prasselt, leidende Schreie, es geht um Moorleichen und falsche Wege, die man irrgeleitet einschlägt. Für mich eine Metapher auf das Leben…auch wenn Du mal falsch abbiegst, denk einfach daran, wo Du her kommst, wo deine Heimat ist und geh diesen Weg zurück. In dem einen Lied steckt alles drin, was das Album für mich ausmacht.

Das Ende

„Mim Blick aufn Kaiser“ ist dann, vor allem am Anfang, fast ein gut gelaunter Song. Es geht um Fernweh, raus in die Berge, der Drang nach Bewegung, Natur und Abenteuer. Der Refrain hat beinahe was von einer Hymne…die Waldgeflüster Hymne. Nachdenklich und ruhig endet das Werk mit „Am Wendelstoa“. Der Erzähler versucht für sich zu erfassen, was Heimat eigentlich ausmacht und kommt zu dem Schluss, das es viel mehr ist, als das offensichtliche.

Fazit

Ein Album wie ein Gemälde. Wie ein perfektes Gemälde. Oder vielleicht auch wie ein Gedicht. Es ist einfach so unfassbar intensiv, tief, dunkel, hell, laut, leise, schön, schaurig. Ein Schmelztiegel von allen Einflüssen, die atmosphärischen Black Metal ausmachen. Das Ganze garniert mit den Lyrics und der bayrischen Mundart, ein Wahnsinn. Intelligente Texte mit Tiefgang, die teilweise viel Spielraum für Interpretationen lassen. Ich habe die Scheibe sehr viele Stunden angehört und jede Minute hat sich gelohnt.
Vielen Dank Waldgeflüster, für dieses Erlebnis. Ich verabschiede mich mit 9,5 von 10 Punkten und sage, knapp vor perfekt!

Link zur Webseite, wo ihr auch den Store findet KLICK

Newsletter bestellen für wöchentliches Update!

Bildquellen

  • Waldgefluester-Dahoam: Moldi
  • Waldgeflüster – Beitrag: Moldi

Moldi

Angefangen hat der Metal Virus im zarten Alter von 15 mit einer Iron Maiden LP aus dem Gebrauchtplattenladen. Mein Geschmack ist inzwischen sehr breitbandig, gehört wird, was gefällt.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 − acht =