Nicko McBrain – „Hello boys and girls!“
Nicko McBrain – „Hello boys and girls!“
Viele Kultbands haben Jahrzehnte auf dem Kerbholz, da wundert es nicht, wenn in den letzten Jahren immer mehr Musiker und Sänger ihre Biographie schreiben. Nicko McBrain hat die weltweite Metalszene entscheidet mitgeprägt. Er war mehr als 40 Jahre der Drummer der britischen Formation IRON MAIDEN. 1960 – im zarten Alter von 8 Jahren – wurde er von einem Schlagzeugsolo von Joe Morello (vom Dave Brubeck Quartet), welches er im TV verfolgte angefixt. Sein Vater zeigte sich zunächst skeptisch, unterstützte seinen Sohn aber später nach Kräften. Der Beginn war recht klassisch. In der Küche auf den Kochtöpfen seiner Mutter legte er los.
Es folgte ein selbst gebasteltes Drumkit aus Dosen, Kartons, Töpen etc. – auf diesem übte er täglich eine Stunde. Dann wurde es seiner Mutter zu viel und sie beendete das Treiben…zumindest für diesen Tag. An Weihnachten 1963 war es dann soweit. Endlich bekam Nicko McBrain sein erstes echtes Schlagzeug geschenkt. Es folgte der erste Auftritt und dann war er in verschiedenen Bands aktiv. Die Aufregung vor einem Gig sollte aber niemals enden. Gemäß der Anforderung, ein Schlagzeuger müsse „Alles“ können, eignete sich der junge McBrain verschiedene Stile an und landete schließlich beim Blues.
Nicko McBrain – „Hello boys and girls!“
Bei einer Schlägerei in der Schule wurde ihm die Nase gebrochen…irgendwie kam es nie dazu, dass sie gerichtet wurde. So entstand ein Markenzeichen des sympathischen Trommlers. Interessant zu erfahren: der Brite kann bis heute keine Noten lesen. Leider typisch: wie es in dem Business häufig üblich ist, wurde ordentlich Alkohol getrunken und auch der Konsum von Kokain, Cannabis & Co. gehörte irgendwann zum Musikeralltag. Man ist verschiedenen Einflüssen von außen ausgesetzt und eine der Lebensweisheiten, die Nicko McBrain heute noch wichtig ist: gib Jedem eine 2. Chance. Es ist besser, als vom Zorn zerfressen zu werden. Das recht kurzweilige Buch klärt über seltsame Rituale mancher Bands auf (z.B. Essensschlachten nach dem Auftritt).

Der Beginn bei IRON MAIDEN
1981 kommt es zu einer gemeinsamen Tour von TRUST (wo der Drummer involviert ist) und IRON MAIDEN. Der Kontakt wird enger und McBrain hilft aus, als der MAIDEN-Schlagzeuger krank wird. Der Rest ist Geschichte. Er übernimmt später den Drumhocker bei der Kultband und spielt hunderte von Gigs rund um den Globus mit der NWOBHM-Formation. Dabei schiebt sich der Album-Tour-Album-Zyklus immer weiter fort. Im Verlauf der Karriere gab es Besetzungswechsel an der Gitarre (Adrian Smith ging und wurde durch Janik Gers ersetzt) und auch Bruce Dickinson verließ die Eisernen Jungfrauen, worauf der WOLFSBANE-Frontmann Blaze Bayley übernahm. Wie die Story weitergeht ist bekannt. Beide kamen zurück. Und da Gers blieb, wurde IRON MAIDEN zu einer Band mit drei Gitarristen. Wow!
Man lernt „natürlich“ mit der Zeit viele Musiker kennen, aber auch andere Prominente. Wenn ihr das Buch lest, werdet ihr erstaunt sein, mit welcher Legende in der Sportart Nicko McBrain Golf gespielt hat. Und von einer anderen weltbekannten Persönlichkeit bekam er ebenfalls ein Angebot für eine gemeinsame Partie…und lehnte dankend ab. Wie hättet ihr entschieden?
Profi-Golfer als IRON MAIDEN-Fans
Ich fand es interessant, wie viele professionelle Golfspieler große IRON MAIDEN-Fans sind. Im Verlauf seiner Karriere fand der Drummer für sich den Glauben an Jesus bzw. Gott und wir lernen, wie er einen Pastor zum Konsum von IRON MAIDEN bekehrt…
Neben der Ehre und Freude andere große Drummer kennenzulernen, zeigt sich Nicko McBrain stolz, selbst als Vorbild für später recht bekannte und angesehene Drummer wie z.B. Aquiles Priester zu sein. Immer mehr erweiterten IRON MAIDEN die Territorien, in denen sie ihre Musik verbreiteten. Durch eine besondere Begegnung mit einem Astronauten, gelangte der Spirit der Band sogar bis in den Weltraum. Was den Konsum von diversen Substanzen und auch Alkohol anging, so hörte dieser mit der Zeit auf, bis Nicko McBrain schließlich mit 62 Lebensjahren entschied, als letztes auch das Trinken dranzugeben. Im Verlauf litt der Drummer kurzzeitig an einer Krebserkrankung. Da das exzessive Touren mit 2-3 Stunden-Shows an die körperliche Substanz geht, plante er seine „Rente“ mit 67. Aber dann kam die Corona-Pandemie und verzögerte die Umsetzung dieser Pläne.
Ein Schlaganfall läutet das Ende ein…
Im Januar 2023 erlitt der MAIDEN-Schlagzeuger dann auch noch einen Schlaganfall. Ganz klassisch: morgens beim Aufstehen konnte er plötzlich eine Körperhälfte nicht mehr „kontrollieren“. Mit Hilfe intensiver Physiotherapie und Ergotherapie von teils 3x in der Woche gelang es, etwa 75% der Fähigkeiten zurückzuerlangen. Das Unglaubliche gelang: Nicko McBrain kehrte hinter das Drumkit von IRON MAIDEN zurück. Aber die Einschränkungen waren schon spürbar. Die Setlist wurde entsprechend gestaltet. Und doch – auch mit dem großen Rückhalt der Familie, der Band und auch der Fans – war es auf die Dauer nicht zufriedenstellend. So fiel die Entscheidung, dass die Show in Sao Paolo die letzte sein sollte. Ein emotionaler Abschied – für alle!
Nicko 2.0 – Life after MAIDEN
Der ehemalige DEARLY BEHEADED-Schlagzeuger Simon Dawson, der seit Jahren mit Bassist Steve Harris bei BRITISH LION Musik macht, übernahm den Job (wir haben euch hier davon berichtet). McBrain derweil hat das Trommeln nicht vollends drangegeben. Er sitzt weiterhin hinter der Schießbude: bei der Band TITANIUM TART, die IRON MAIDEN covert. Zum Schluss noch ein etwas skurriler Gedanke. Nicko McBrain hat den Wunsch geäußert, bei seinem Ableben in einem Sarg beerdigt zu werden, der aus Teilen eines seiner Drumkits hergestellt wurde. Einmal Drummer, immer Drummer. Vermutlich wird (s)eine Schlagzeugfirma ihm diesen (letzten) Wunsch erfüllen. Warten wir’s mal ab…
Das Fazit zur Autobiographie von Nicko McBrain
Das Fazit zur Autobiographie des langjährigen IRON MAIDEN-Drummers Nicko McBrain lautet: wir bekommen ein Buch mit etwa 350 Seiten, in dem wir interessante Hintergründe zur musikalischen Entwicklung des bodenständig gebliebenen Briten erfahren. Dazu gibt es zahlreiche Infos aus dem Bandalltag von IRON MAIDEN auf und vor allem abseits der Bühne. Die Beziehungen der Bandmitglieder untereinander und auch im Kontakt zu den seit vielen Jahren mit Ihnen verbundenen Mitarbeitern wie z.B. der legendäre Manager Rod Smallwood werden beleuchtet. Das Buch zeigt die lebensfrohen und manchmal auch nachdenklichen Seiten des Schlagzeugers und seine humorvolle und ehrliche Art. Absolut lesenswert für JEDEN Metalfan!
Wie es sich für einen Autor gehört, ist Nicko McBrain auch auf Lesereise. Wir waren für euch in Köln vor Ort – hier der Bericht.
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Bildquellen
- Nicko McBrain Autobiographie Cover: CMM Marketing
- Nicko McBrain Autobiographie Cover – Beitragsbild: CMM Marketing


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