BLOODRED: Interview zum Video: „Hör den Tod“

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BLOODRED ist das Projekt von Ron Merz, der 2009 damit begann, seine musikalischen Ideen umzusetzen. Er übernimmt bei BLOODRED nicht nur die Vocals, sondern auch alle Saiteninstrumente. An den Drums sitzt Joris Nijenhuis (LEAVES EYES, ATROCITY). Herausgekommen ist dabei eine Verschmelzung von druckvollem Death Metal in dunkler Atmosphäre mit nuanciert gesetzten facettenreichen Melodien. The Raven’s Shadow ist das zweite Full-Length-Album und ist am  18. Mai 2020 erschienen. Bereits damals habe ich mich mit Ron über BLOODRED, das Album, Black Metal und viele andere Dinge unterhalten (das komplette Interview findet ihr hier).

BLOODRED Video zu „Hör den Tod“

bloodred

Jetzt gibt es zum ersten Mal ein Video. Und zwar zum Song „Hör den Tod“, dem einzigen Song des Albums, der deutschsprachige Lyrics hat. Ich habe Ron Fragen zur Entstehung des Videos, der Auswahl des Songs und zu den Lyrics gestellt.

Im Mai 2020 ist das Album „The Raven’s Shadow“ erschienen, das in den Reviews durchgehend gut besprochen wurde. Wir haben uns in einem längeren Interview bereits über die Bedeutung, die (Death-) Metal für dich hat, deine Gitarren, die Möglichkeiten eines Solo-Projektes, den Kulturbetrieb und vieles mehr unterhalten. (s. Interview)

Dabei ging es auch darum, ob du deine Musik einmal live präsentieren wirst. Nun gibt es zwar kein Konzert aber ein Video zum Song „Hör den Tod“.
Weshalb hast du gerade diesen Song ausgewählt?

Zum einen sticht der Song aufgrund des deutschen Textes schon etwas aus dem Album heraus und zum anderen ist er sicherlich auch einer der eingängigeren Songs auf „The Raven’s Shadow“. Auch das Label war von Anfang an davon angetan, für dieses Stück ein Video zu machen. Wichtig war bei den Überlegungen zusätzlich, wie sich in Corona-Zeiten so ein Videodreh würde umsetzen lassen: Welche Geschichte können wir erzählen? Finden wir eine passende Location? Und wie machen wir das alles möglichst konform zu den geltenden Regelungen. Im Gesamtpaket aller Aspekte war es dann eben „Hör den Tod“.

Regie führte Alexander Krull (u.a. LEAVES EYES)

Kamen die Ideen zur Umsetzung von dir allein? Wie weit konntest du das, was du als Vorteil eines Solo-Projektes ansiehst (zu 100% die eigenen Vorstellungen umsetzen, keine Kompromisse eingehen), auch hier umsetzen? Bzw. welche Ideen hattest du und welche hat Alexander Krull, der das Video gefilmt und Regie geführt hat, dazu beigetragen?

Alex Krull hat die Grundideen zur filmischen Umsetzung gehabt und wir haben dann gemeinsam an dem Konzept gearbeitet. Mein Schwerpunkt in der Vorbereitung war das Location-Scouting, was zunächst nicht so einfach war, da man in der Auswahl aufgrund diverser Themen einfach eingeschränkt war. Ich war dann aber sehr froh, dass ich in meinem Heimatort fündig geworden bin, da dort ein Fabrikgelände nach Insolvenz nach und nach abgebaut wird. Teilweise ist das ein richtiger „lost place“ bei dem man das Gefühl hat, dass die Menschen mitten in der Arbeit einfach verschwunden sind: volle Aschenbecher, nicht leergetrunkene Flaschen und überall rumliegende Arbeitsmittel. Wir hatten letztendlich so viele Möglichkeiten, dass wir uns für das Video komplett austoben konnten.

Ich würde schon sagen, dass ich bzw. wir in Anbetracht der Umstände sehr viel von unseren Vorstellungen umsetzen konnten. Mir kam es auch hier wieder zugute, dass ich von Alex einige Dinge lernen konnte, immerhin hat er ja schon viele, auch große, Videoproduktionen hinter sich.

Zum ersten Mal im Video

Wie war das für dich, vor der Kamera zu stehen und dich dann im Video zu sehen?

Während des Drehs habe ich versucht, mich ganz in die Musik und die Location zu vertiefen und auszublenden, dass gerade jemand mit der Kamera um mich rumläuft. Ganz geht das natürlich nicht, schließlich gibt es Anweisungen, denen man zu folgen hat und Dinge, die man von Take zu Take verbessern möchte. Insgesamt war es gleichzeitig eine Herausforderung wie aber auch ein sehr erhebender Moment. Nach den Dreharbeiten war ich dann allerdings sehr gespannt, wie alle die Aufnahmen dann nach dem Schnitt zusammenpassen und Aussehen würden. Und selbstverständlich auch, wie ich selbst rüberkommen würde. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden, auch wenn ich selbst natürlich immer Dinge sehe, die ich hätte noch besser machen können. Dennoch: Für ein erstes Video ist es schon richtig, richtig gut geworden!

Das Video hatte innerhalb von ein paar Tagen mehr als 12 000 Views, inzwischen sind es über 20 000. Hast du damit gerechnet?

Gehofft vielleicht, aber nicht damit gerechnet. BLOODRED, so ehrlich muss man sein, ist ja trotz allem immer noch eher ein Newcomer und keine große Band. Mir fiel es im Voraus schwer, ein Gefühl für mögliche Zahlen zu entwickeln, war aber lieber erst mal eher defensiv in der Erwartung. Dass es jetzt so gelaufen ist, macht mich natürlich stolz ist aber gleichzeitig auch eine schöne Bestätigung dafür, dass wir alle am Video Beteiligten einen ganz guten Job gemacht zu haben scheinen. Besonders hat es mich gefreut, dass dies in gewissem Sinne auch die erste gemeinsame Performance mit Joris ist, der den Videodreh möglich machen konnte.

Über Abgründe, Hoffnung und den Mahlstrom des Lebens

bloodred the raven's shadow

Im Text zu „Hör den Tod“ sprichst du über Abgründe, verlorene Hoffnung, das Treiben im Mahlstrom des Lebens. Der Tod ist da letztlich befreiend.
Was hat dich zu diesem Text inspiriert (oder veranlasst)? Oder ist es ein Thema, das dich grundsätzlich beschäftigt?

Bei mir gibt es immer wieder Phasen, die genau so ablaufen, wie ich es in den ersten Textzeilen beschreibe: Man liegt nachts wach und wälzt dunkle Gedanken, von denen man dann auch nur schwer loskommt. Ich hatte mal gelesen, dass ein Psychologe das als „Mini-Depression“ beschrieben hat, was mich dann dazu gebracht hat, etwas tiefer in dieses Thema einzusteigen. Während ich mich mit dem Thema beschäftigt habe ist mir vor allem ein Aspekt aufgefallen: Depression wird immer noch von viel zu vielen Menschen nicht als Krankheit anerkannt, sondern als vorübergehenden Zustand betrachtet, der schon wieder weggehen wird. Man ist aber eben nicht nur „ein bisschen traurig“, so steht mit diesem Krankheitsbild vor großen Herausforderungen. Diese sind natürlich persönlicher Natur, betreffen aber auch die Stigmatisierung durch die Gesellschaft. In den letzten Jahren gibt es hier vorsichtige Anzeichen einer Besserung, da das Thema durch Suizide bekannter Persönlichkeiten mehr Raum bekommen hat. Dennoch ist hier noch ein weiter Weg zu gehen.

D.h. du hast hier wieder etwas aufgriffen, das dich berührt, betrifft, über das du dir grundsätzliche Gedanken machst.  
Im Text wollte ich ausgehend von meiner eben geschilderten Situation aufgreifen, wie sich ein an Depression erkrankter Mensch fühlen kann. Das betrifft sowohl die schlechten Phasen aber auch die Zeit, wenn solch ein Mensch für sich die Entscheidung getroffen hat, aus dem Leben scheiden zu wollen. Oft ist es eine Erleichterung, die Außenstehende dann mitunter fälschlicherweise als Besserung interpretieren. Wichtig ist zu sagen, dass Depressionen behandelt werden können und es in vielen Fällen auch Chancen auf Besserung gibt. Oft ist hier die größte Hürde, dass sich die Betroffenen öffnen und sich den richtigen Personen anvertrauen. Allerdings ist es leider auch so, dass nicht alle diesen Sprung schaffen und dann den Suizid wählen. Und genau so einen Fall beschreibe ich im Text.

Persönliche Komponenten und zeitlose Aspekte

Die dunkele aber auch aggressive Musik schafft einen stimmigen Rahmen für den Text. Wie war es hier: war zuerst die Musik da oder der Text? Oder war es eine Wechselwirkung in der Entstehung des Songs? 

Bei mir entsteht die Musik oft schon mit einem Gedanken an die textlichen Inhalte. Ich bin jemand, der versucht mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und verschiedenste Dinge aufzunehmen, die dann in die Lyrics einfließen. Meine Texte haben daher immer eine persönliche Komponente und spiegeln wider, was mich zum jeweiligen Zeitpunkt beschäftigt hat. Natürlich kann es bei dem Zeitversatz zwischen Songwriting und Veröffentlichung dazu führen, dass sich die Welt schon ein paar Mal weitergedreht hat, aber in der Regel bin ich da auch nicht so tagesaktuell, dass die Themen gar keine Relevanz mehr hätten. Im Gegenteil, oft sind es dann auch zeitlosere Textgegenstände. Wenn ich aber weiß, dass ich wie in diesem Fall in Richtung des Themas „Depression“ gehen werde, dann hat das schon auch Einfluß auf die Musik und das, was ich vertonen möchte.

Wird es weitere Videos geben?

Nein, vorerst ist kein weiteres Video geplant. Tatsächlich bin ich aktuell schon mitten im Songwriting für das nächste Album und komme da auch ganz gut voran. Sollte es wie geplant laufen, dann wird es auf jeden Fall später im Jahr neue Musik von BLOODRED geben.

Und hier das Video, um das es geht:

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Bildquellen

  • bloodred: Bloodred Foto: Stefan Heilemann
  • bloodred the raven’s shadow: Metalmessage Coverartwork: Stefan Heilemann
  • bloodred interview hör den tod: bloodred ron merz
Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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