Nikolas Fritz (Drums) – das Interview

nikolas fritz foto heiko bendigkeit

Und weiter geht es in der Reihe mit Interviews mit Drummern, die ich in loser Folge mache. Heute mit Nikolas Fritz, Drummer bei MOB RULES. Wir haben uns – klar – über das Schlagzeugspielen unterhalten. Aber auch über Songwriting, das AMON AMARTH – Cover, Üben und Inspiration.
Außerdem über die Arbeit am Artwork. Denn Nikolas Fritz sitzt nicht nur an den Drums, sondern hat auch das Artwork diverser MOB RULES – Alben gestaltet.

Die Anfänge

Wann hast du angefangen, Schlagzeug zu spielen? Wie bist du dazu gekommen (ein Schlagzeug findet man in Haushalten, KiTas oder Schulen ja nicht so oft wie Flöten, Klaviere oder Gitarren)?
Mein Bruder hat damals mit Gitarre angefangen und ist dann im weiteren Verlauf zum Bass gewechselt. Ich wollte dann einfach was anderes machen. Ich habe ca. zwei Jahre Klavierunterricht genommen – im jungen Alter von 10 Jahren. Und mit 12 Jahren fing ich dann an, mich immer mehr fürs Schlagzeugspielen zu interessieren und in der Musik besonders auf die Drums zu achten.

Hast du Unterricht genommen?
Meine Eltern haben dann mit mir nach einem Lehrer gesucht.
Nach ca. einem Jahr wechselte ich den Lehrer. Mein neuer Lehrer war Andreas “Bahli” Bahlmann. Andreas hatte in Frankreich an der Ecole de Batterie studiert und bei diversen Bands gespielt. Er hat mir die Augen und den Kopf dafür geöffnet, was alles mit dem Schlagzeug möglich ist. Er war immer offen für meine Fragen und hat mir sehr, sehr viel beigebracht. Außerdem konnte er mich immer motivieren. Wenn ich etwas nicht hinbekommen habe, hatte er sofort eine Übung parat, die mich auf Umwegen zum eigentlichen Ziel gebracht hat.

Was hat dich damals am Schlagzeug, am Schlagzeugspielen begeistert?
Begeistert hat mich, dass ich einen Rhythmus erschaffen kann, der mich und andere Menschen bewegt. Es ist etwas sehr Physisches und etwas ganz Eigenes und Persönliches –  so wie die eigene Stimme. Außerdem benötigt man zum Trommeln eigentlich keine Hilfsmittel und man kann so gut wie auf allem rumtrommeln.

Hat sich daran im Laufe der Zeit etwas geändert?
Eigentlich hat sich im Laufe der Zeit nur verändert, dass ich mich mehr auf den Sound, Song und den Groove konzentriere, anstatt so viel wie möglich in einem Song zu spielen – obwohl ich ein umfangreiches Spielen immer noch sehr gerne höre und inspirierend finde, aber es muss auch Sinn ergeben.

Schlagzeugspielen ist Leidenschaft

Welche Rolle spielt Schlagzeugspielen in deinem Leben?
Schlagzeugspielen ist meine Leidenschaft, auch wenn ich manchmal nicht besonders viel Zeit habe oder auch mal wirklich faul bin und mich eine Zeit lang anderen Dingen widme. Es ist schon so, dass ich das Spielen brauche: den Rebound fühlen und dadurch auch mich selbst zu spüren.

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Hast du irgendwann die Vorstellung gehabt, ausschließlich Musik zu machen, dein Leben auf das Schlagzeugspielen auszurichten?
Na klar, ich hatte mich sogar auch mal zum Studium in Hamburg beworben, woraus aber nichts wurde. Aber im Nachhinein bin ich eher froh darüber, dass es nicht dazu gekommen ist. Wenn ich nochmal anfangen könnte, würde ich versuchen, Schlagzeug zu studieren und mir verschiedene Lehrer suchen.

Allerdings denke ich, wenn ich damit meinen Lebensunterhalt bestreiten müsste, wäre das bestimmt sehr hart und viel Stress. Man ist gewissermaßen gezwungen, dauernd zu spielen, gut zu sein und vor allem Jobs zu bekommen. Ich weiß nicht, ob dann nicht mein Spielen und die Freude darunter leiden würden. Aber klar: Als gefragter und gut gebuchter Drummer durch die Länder dieser Welt zu reisen, wäre auf jeden Fall etwas Großartiges! Ich habe ungeheuren Respekt vor denen, die das geschafft haben und so hart an sich gearbeitet haben. Denn das ist ein sehr schwerer Weg mit vielen Höhen und Tiefen und alles andere als leicht.

Von der Absicht, Knockin‘ On Heaven’s Door haargenau spielen zu können

Hattest du, als du mit dem Schlagzeugspielen angefangen hast, so etwas wie Vorbilder? Waren das dann eher die Band und deren Musik oder speziell die Drummer, die dich interessiert haben? Was hat dich beeindruckt? Welche Songs von welchen Bands wolltest du damals ‚unbedingt‘ spielen können?
Als ich anfing, waren das erstmal Bands. Zwar habe ich mir die Drummer immer rausgesucht, aber konnte damit noch nicht wirklich etwas anfangen. Los ging es mit den “Red Hot Chili Peppers”, “Faith No More”, “Nirvana” aber auch “Bon Jovi”, “Megadeth”, “Judas Priest”, “Meat Loaf” und vor allem “Guns N’ Roses”. Da musste mein armer Lehrer sogar das komplette “Knockin’ On Heaven’s Door” für mich ausnotieren, weil ich sichergehen wollte, dass ich alles haargenau so spiele, wie auf Platte. Die Noten habe ich heute noch und ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke, wie viel Arbeit er sich meinetwegen gemacht hat. Das war eine echt schöne Zeit und ich bin ihm sehr dankbar für alles. Danke Bahli!

Das heißt, dass du da gut unterstützt wurdest und auch auf die verschiedenen Aspekte des Schlagzeugspiels aufmerksam gemacht wurdest. Wie zeigt sich das heute, wenn du Musik hörst oder in Konzerte gehst: Achtest du besonders auf das Drumming? Und worauf hört du dabei im Speziellen?
Ja, auf das Drumming achte ich auf jeden Fall. Ich denke, dass man als Musiker immer besonders auf das Instrument achtet, das man selbst spielt. Ich achte dabei natürlich auf die Spielweise, den Sound, die Songdienlichkeit und den Groove, aber auch auf den Aufbau des Sets und darauf, welche Technik der Drummer nutzt. Natürlich achte ich auf die restliche Musik und die anderen Musiker.

Wie muss das Drumming sein, damit es dir gefällt?
Also das Wichtigste ist, dass es mich mitreißt, das es groovt. Dabei ist es mir nicht so wichtig, ob es ein eher einfach gehaltenes Spiel ist, oder ein anspruchsvolles, facettenreiches Spiel mit viel Technik.

Inspiration und Entdeckungen

MobRules_Nikolas_(C)TobiasVogel

Wenn du bei anderen Drummern Parts hörst, die dich ansprechen und begeistern: spielst du das nach, um herauszufinden, ob das auch etwas für dich ist?
Ja klar! Seitdem ich Schlagzeug spiele, mache ich das so: raushören und dann zu versuchen nachzuspielen, was einen interessiert. So lernt man – neben den verschiedenen Techniken – am meisten.
Durch YouTube usw. ist dies teilweise auch viel leichter geworden, da viele Sachen im Video erklärt werden und zudem oft ausnotiert sind.

Ja, wenn es das zu deinen Anfangszeiten schon gegeben hätte, dann hätte Andreas Bahlmann nicht so viel schreiben müssen…. D.h.: du schaust dir auch Drum-Soli oder -Cover auf YouTube an?
Ja, tatsächlich schaue ich mir auf Instagram oder YouTube überwiegend nur solche Sachen und speichere mir interessante Dinge oder Artikel. Ob es ein schönes Fill ist zum Lernen, Technik / Rudiments  zum Üben oder was Neues übers Stimmen oder Sound ist, was ich dann im Proberaum umzusetzen versuche.

Hast du den Eindruck, dass solche Videos dem Schlagzeugspiel/den Drummern eine andere Form der Aufmerksamkeit gebracht hat? Kommen dadurch mehr Leute auf die Idee, Schlagzeug spielen zu wollen?
Mein Eindruck ist, dass es in den letzten Jahren einen erheblichen Anstieg der Aufmerksamkeit gegeben hat, besonders in Sachen Drums. Allerdings kann es auch sein, dass es einem jetzt nur so vorkommt, weil alles medial so leicht verfügbar ist, was man evtl. zuvor nicht so mitbekommen hat. Aber ich entdecke täglich neue Drummer*innen auf Instagram und YouTube: sehr viele junge Leute, was mich natürlich sehr freut.

Einstieg bei den MOB RULES

Wie weit haben die sich im Laufe der Jahre weiterentwickelten technischen Möglichkeiten im Studio und auch auf der Bühne dein Spiel beeinflusst oder verändert?
In Sachen Home-Recording hat sich viel getan und es ist viel leichter geworden, sich selbst aufzunehmen und das auch noch in einer besseren Qualität. Das konnte man sich früher so nicht leisten.
Live war es für mich der größte Schritt vom Monitor zum InEar-System. Ich kann mich besser hören und gleichzeitig meine Ohren schützen. Das führt dazu, dass ich entspannter auf die Bühne gehen kann und nicht mehr so abhängig von der Monitor-Technik bin, die vor Ort und oft nicht im besten Zustand ist.

Du bist seit 2008 Drummer bei den MOB RULES. Wie bist du zu den MOB RULES gekommen?
Zu der Zeit hatte ich noch eine eigene Metal Band Namens SAVALLION DAWN. Dann fragte mich eine befreundete Metal Band aus Bremen (ETERNAL REIGN), ob ich für ein paar Shows aushelfen könnte, da ihr Drummer zu der Zeit nicht spielen konnte oder weil sie keinen festen mehr hatten – so genau weiß ich das nicht mehr. Und eine der Shows war als Support für MOB RULES im Bremer Aladin/Tivoli.
Klaus [Klaus Dirks (Vocals)] hatte vorher mal auf einem Festival kennengelernt und wir waren da ins Gespräch gekommen. Als dann der alte MOB RULES-Drummer ausgestiegen war, hat mich Klaus eines Tages angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, bei ihnen fest einzusteigen. Und so fing es an: wir probten, lernten uns kennen, die nächsten Shows waren schon gebucht. In Spanien mit AXXIS und  BRAINSTORM und das große Blood Stock Open Air in England.

Das Drumset

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Wie/nach welchen Kriterien stellst du eigentlich dein Drumset zusammen? Welche Unterschiede gibt es, je nachdem, ob du mit den MOB RULES oder mit FARGO, deiner anderen Band, spielst?
Grundsätzlich kann ich auf jedem Set spielen. Ich denke, dass dies auch wichtig ist für einen guten Live und Studio Drummer. Zumal es sehr oft vorkommt, dass man auf einem fremden Set spielen muss. Sei es auf einem Festival, im Studio oder auf Tour, wenn die Bands die Backline sharen.
Für MOB RULES nehme ich meist ein, zwei Toms mehr mit als bei FARGO, um innerhalb der Songs mehr Spielraum zu haben und variieren zu können. Zudem sieht eine zweite BassDrum bei einer Metal-Show einfach cooler aus.
Bei FARGO halte ich das Set so klein wie möglich, da wir versuchen, mit so wenig Equipment wie möglich zu reisen.
In Sachen Sound, gefallen mir Sets, die einen schönen Ton haben, voll und warm klingen und nicht nur Attack bis zum Umfallen generieren.

Hast du viel ausprobiert, bis du die Zusammenstellung gefunden hast, die für dich am besten klingt?
Ehrlich gesagt nicht wirklich, denn dazu muss man eine Menge Geld haben, um wirklich aus dem Vollen schöpfen zu können und alles auszuprobieren. Oder man muss gute Partner oder Sponsoren haben, die einem sowas ermöglichen.
Ich bin auf mein Set durch meinen alten Schlagzeuglehrer gekommen, der ein Premier-Endorsement hatte.

Heißt das, du spielst heute mit dem gleichen Set wie damals?
Im Grunde schon. Ich spiele seit ca. zwanzig Jahren das gleiche Set, ein Premier “Genista” aus Birke. Es hat etwas kleinere Kesse,l sodass die Felle etwas schwimmend aufliegen. Es hat einen schönen rockigen Klang und ist live ein wirklich tolles Arbeitstier, welches mich sound- und hardwaretechnisch noch nie im Stich gelassen hat

Wirst du also dabei bleiben?
Ich auch mal wieder Lust auf was Neues und möchte auch viel mehr rumprobieren. In Sachen Felle und Fell-Kombinationen habe ich aber früher wirklich schon sehr viel ausprobiert und weiß sehr gut, welche Kombinationen auf meinen Trommeln funktionieren.

Set und Sound

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Was brauchst du speziell für den Sound von MOB RULES? Welchen Einfluss hat dein Tuning auf den Sound von MOB RULES?
Das ist nicht wirklich etwas Spezielles. Es braucht einen guten und vollen Sound, der sich in der Musik gut durchsetzen kann und klar definiert ist.
Allerdings gibt es einen kleinen Trick für Studioproduktionen, der simpel aber sehr einleuchtend ist, den ich immer verwende: Man sollte darauf achten, dass die Snare tonal auf die Tonlage des jeweiligen Songs gestimmt ist und nicht komplett rausfällt. Wenn man das macht, wird man schnell merken, wie sich alles zusammenfügt. Bei den Toms ist das nicht so wild, aber es kommt natürlich auch auf das Genre an. Mit mehr Luft bzw. Raum in einem Song sollte man auch darauf ein Auge haben.

Nutzt du live oder auf Tour ein anderes Set als im Studio?
Grundsätzlich eigentlich nicht. Es kommt halt auch immer auf die Gegebenheiten an: was ist vor Ort, was lohnt sich aus organisatorischen Gründen und was nicht?
Mal nehme ich mein eigenes Set, mal steht schon eins im Studio oder auf einem Festival, das ich dann abstimme und anpasse.
Ich finde es auch einfach spannend, mit verschiedenen Sets herumzuexperimentieren und mein Spiel mit einem anderen Sound auszuprobieren.

Siehst du dich/das Drumming eher als Basis der Songs oder hat es aus deiner Sicht auch etwas, das die Verbindung z.B. zwischen den Vocals und den anderen Instrumenten herstellt?
Ich würde sagen: eher beides. Mit dem Bass bilden die Drums schon das Fundament des Songs. Allerdings habe ich auch eine Fülle an Möglichkeiten: ich kann mal den Gesang, mal die Gitarren oder andere Instrumente zu unterstützen, sie in den Fokus rücken oder Linien aufgreifen.

Ausgedehnte Drum-Soli spielen im Power Metal ja nicht so eine große Rolle. Würdest du gerne mal ein längeres Solo spielen?
Mir war das nie so wichtig. Ein Solo muss ja auch vorbereitet sein, wenn auch nicht alle Passagen. Aber ich empfinde als Zuschauer Solo-Geschichten in Live-Shows eher langweilig und als Zeitschinderei. Ich würde dann lieber mehr von einem Song hören wollen. Bei Clinics oder Videos ist das was anderes, da finde ich das spannend und inspirierend.

 Das “Raven’s Flight“ – Cover

mob rules raven's flight

Ihr habt zuletzt einen AMON AMARTH Song gecovert, da ihr die Herausforderung gesucht habt und etwas Neues ausprobieren wolltet. Worin lag für dich die Herausforderung, diesen Song zu covern?
Bei Cover-Nummern ist es mir wichtig, den Song zu erhalten, und das Feeling nicht zu zerstören. Dennoch möchte ich natürlich nicht alles eins zu eins nachspielen, sondern hier und da meine Ideen und Einflüsse einbringen und den Song auf meine Weise interpretieren.
Allerdings lag bei „Raven’s Flight“ der Fokus eher auf dem klaren Gesang, der im Gegensatz zum Original, die Linien deutlich mehr hervorhebt und nicht, dass die Instrumentierung etwas anderes spielen sollte.

Schreibst oder arrangierst du eigentlich selbst Songs bzw. welchen Anteil am Songwriting hast du?
Ja, das kommt auch mal vor. Wobei dies eher nur Grundgerüste, Layouts sind oder einzelne Ideen zu Songs, bestimmte Parts wie Refrains, Strophen oder auch mal Ideen für Songtexte. Komischerweise gehen mir häufig Gesangslinien leicht von der Hand.
Bei MOB RULES entstehen die Songs meist so, dass Sven [Sven Lüdke(Gitarre)] einzelne Riffs oder schon weiter ausgearbeitete Songideen hat und diese dann mit Klaus (Gesang) oder/und mit mir ausarbeitet. Wenn weitestgehend alles steht, übernimmt Jan – unser Keyboarder – und schreibt die Texte genau auf die Gesangsmelodien. Meine Anteile sind daher unterschiedlich.  Aber es ist schon ein Prozess, der sich auf uns vier fokussiert. Dennoch sind alle Ideen und Songs für jeden zugänglich. Wir telefonieren dann häufig, stellen uns die einzelnen Parts und entwickeln weitere Ideen.

Hast du eigentlich einen MOB RULES – Lieblingssong?
Eigentlich nicht. Es gibt immer Songs, die mehr Spaß machen zu spielen als andere, aber auch das wechselt immer wieder. Außerdem kommen ja auch stetig neue hinzu.

Der Drummer und das Artwork

MOB RULES Beast Reborn Album Cover

Für die Alben Tales From Beyond und Beast Reborn warst du für das Artwork verantwortlich. Welche Verbindung besteht für dich zwischen der Musik und dem Artwork?
Das Artwork mache ich schon seit der Radical Peace. Für mich muss das Artwork immer das Feeling des Albums widerspiegeln und die Thematik oder auch das Konzept aufgreifen und ergänzen. Ich mag es, wenn man zu der Musik in das Artwork eintauchen kann, sich die Geschichten in deinem Kopf verselbstständigen und man quasi ins Träumen gerät.

Wie bist du bei dem Entwurf für das Artwork vorgegangen? Was hat dich inspiriert? Bei Tales From Beyond fühlte ich mich an ein Filmplakat für „Metropolis“ erinnert.
Meist habe ich schon während der Songwriting-Phase eine grobe Idee, was man als bildlichen Aufhänger verwenden könnte. Meist haben wir ja ein Konzept, das hinter dem Album steht, welches wir dann als Aufhänger für das Album verwenden möchten.
Dazu recherchiere ich meist etwas im Netz, sammeln Ideen, mache Notizen, scribble eine grobe Zeichnung und speichere mir Material in Ordnern ab. Aber eigentlich entstehen die Sachen erst dann konkret, wenn ich daran arbeite und rumprobiere. Dazwischen gibt es immer einen Punkt, an dem ich denke, dass ich es nicht schaffe, alles blöd aussieht und mir die Sachen um die Ohren fliegen; aber das kenne ich schon und kämpfe mich dadurch.

“Metropolis” ist ein gutes Stichwort und ganz klar erkannt. Während die Songs Gestalt annahmen, hatte ich schon die alten Filmplakate des Filmes (Kurt Degen, Heinz Schulz-Neudamm, Josef Bottlik) im Kopf, die so eine starke Bildsprache haben. Daran wollte ich das Cover unbedingt anlehnen. In der Gestaltung versuche ich immer etwas anderes zu machen. Ich mag es auch, für das jeweilige Genre untypische Elemente und Stile zu verwenden. Bei der “Tales” und dem Konzept des Marsianers wollte ich genau das einsetzen, und die Geschichte entgegen der Vorlage freier interpretieren und gestalten. Als Kommunikations- und Grafikdesigner bin ich mit den verschiedenen Stilen und Epochen vertraut und ich habe eine Schwäche für den Jugendstil und Art Deco.

Das Artwork von „Beast Reborn“ wurde ja zu einem der 100 besten Heavy Music Artworks gewählt. Welche Rolle spielt das Artwork heute, da man die Musik streamen kann, das Cover einer CD ja recht klein ist…. Als die LPs noch ziemlich teuer waren, hat – zumindest bei mir – auch das Cover einen Ausschlag gegeben, wenn ich zwei Alben gut fand, aber nur Geld für eine LP hatte.
Ja das stimmt, darüber macht man sich natürlich auch seine Gedanken, aber in erster Linie machen wir, was uns gefällt und was wir cool finden. Da wir alle Vinyl-Liebhaber sind, wollen wir ein Album natürlich auch entsprechend gestalten und stellen uns das natürlich auch in Plattengröße vor. Das ist halt einer der Nachteile vom Streaming, dass die Erfahrung von Musik hören und in das Artwork eintauchen und die Lyrics zu lesen viel schwieriger geworden ist und meist einfach wegfällt.

Das Drumming

Um noch mal auf dein Drumming zurück zu kommen: Würdest du sagen, dass du einen eigenen Stil hast? Was macht ihn aus oder anders gefragt: woran erkennt man, dass du hinter dem Schlagzeug sitzt?
Puh, das ist wirklich schwer. Es kann schon sein, dass ich einen eigenen Stil habe, aber dazu müsste ich meine Mitmusiker befragen, wie sie diesen definieren würden.
Ich versuche immer songdienlich zu spielen, zu grooven. Live möchte ich eine gute Show abliefern und die Menschen einfach mitreißen.

MobRules_Nikolas3_(C)AndreasIrmer

Gibt es eine rhythmische Figur, die du besonders gerne spielst? Oder Strukturen, die deine volle Aufmerksamkeit brauchen?
Tatsächlich spiele ich gerne eine Art von 8tel/16tel Figur, indem ich die BassDrum mal akzentuiert als 16tel bzw. 32tel dazwischen platziere. Das hat einen schönen rollenden und interessanten Effekt.
Meist muss ich mich bei neuen Sachen sehr konzentrieren, die wir z.B. live noch nicht gespielt haben und natürlich beim Üben, wenn man neue Sachen ausprobiert oder herausfinden möchte.

Wie gehst du vor, um dein Spiel zu vertiefen oder zu differenzieren? Woher kommen die Ideen?

Ich schaue mir auf dem Weg zur Arbeit oder wenn ich sonst unterwegs bin gerne Videos auf Instagram oder YouTube an und speichere mir interessante Sachen gleich ab, die ich dann im Proberaum ausprobieren möchte. Dazu noch allerlei Musik aus verschiedenen Genres. Da gibt es immer etwas zu entdecken – wie auch bei Konzerten.

Üben, Disziplin und tanken

Wie oft/lange übst du in der Woche? Wenn du heute übst – hast du da ein Programm? Welche Rolle spielt das Üben in der Zeit zwischen Konzerten, Touren oder Aufnahmen im Studio für dich persönlich?
Benny Greb hat gesagt: „Das Fehlen einer Balance zwischen üben und spielen, das ist so, als wenn du sagst: ich bin so beschäftigt mit dem Autofahren, ich habe gar keine Zeit zu tanken.“ Was denkst du darüber?
Ehrlich gesagt, bin ich im Moment eher schlecht mit der eigenen Disziplin. Ich bin so ca. ein bis zwei Mal die Woche im Übungsraum und daddel eher rum. Mal übe ich was, dann spiele ich wieder oder nehme etwas auf. Aber einen richtigen Plan verfolge ich nicht – obwohl mir total klar ist, dass ich das sollte.
Ich versuche gerade, mich zu bessern und neu aufzustellen, dazu habe ich mir auch Übungen von Benny Greb und Justin Scott gekauft. Denn oft öde ich mich auch selber an und habe das Gefühl, immer und immer wieder das Gleiche zu spielen. Aber das ist natürlich auch kein Wunder, wenn man nicht ordentlich tankt.

Wenn ihr cool sein wollt: spielt Schlagzeug

Einmal abgesehen vom Üben, Spielen und Tanken: von einigen Schlagzeugern habe ich gehört, dass für sie Schlagzeugspielen etwas ist, das Meditatives mit Befreiendem/dem Abbau von Spannungen verbindet. Wie ist das bei dir?
Es entspannt mich schon, aber für mich ist das nie ein Abbauen von Spannungen oder gar Aggressionen. Das ist ja kein Sandsack oder so. Aber ich habe öfter mal sowas wie einen meditativen Zustand oder besser gesagt eher einen Flow-Zustand, wenn man ein Pattern wiederholt spielt, oder über einen längeren Zeitraum hinweg Rudiments auf dem Pad übt. Das ist schon ein komisches diffuses Gefühl, was sich irgendwie irre anfühlt. Manchmal gibt es auch beim Live-Spielen einen Moment, in dem sich alles verbindet: als wenn die Zeit langsamer vergeht und man sich beim Spielen irgendwie selbst zuschaut. Das ist mir noch nicht oft geglückt. Es ist schon fantastisch, wozu Musik – vor allem live in Verbindung mit anderen Musikern – imstande ist.

Das ist doch ein tolles Schlusswort. Ich hätte zwar noch eine Menge weiterer Fragen, aber für heute soll es reichen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Ebenfalls danke für das tolle Interview, es hat mich sehr gefreut!

Gibt es etwas, das du unseren Lesern oder denjenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, Schlagzeug Spielen zu lernen, mit auf den Weg geben möchtest?
Auf jeden Fall ausprobieren! Nicht aufgeben, wenn es bei den ersten Versuchen nicht klappen will. Und wenn ihr das Gefühl habt, euer Lehrer ist nicht der richtige für euch, sucht euch jemand anderen! Ich denke, es ist wirklich gut, am Anfang jemanden zu haben, der euch die Grundlagen gut beibringen kann, denn eine falsche Haltung oder gar Technik später wieder auszubügeln, ist sehr aufwendig und zeitintensiv. Aber es lohnt sich: einen Groove zu spielen, zu fühlen oder mit anderen Musik zu machen, ist ein aufregendes, fast magisches Gefühl, das ihr unbedingt mal erlebt haben solltet! Ist auch egal um welches Instrument es sich handelt … aber wenn ihr cool sein wollt, spielt Schlagzeug 😉

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Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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