Sinoptik – Dmitriy im Interview

Sinoptik 2021 720x340 by Alina Chernohor

(German & English)

Vor gut einem Monat erschien „The Calling“, das fünfte Album der ukrainischen Band Sinoptik. Für mich war es das erste Aufeinandertreffen und mir hat es richtig gut gefallen (mein Review findet ihr hier) und ich bin ein wenig neugierig geworden. Grund genug also, Sänger und Gitarrist Dmitriy ein paar Fragen zu stellen. Zur akustischen Einstimmung noch das Video zu „Sell God’s Number“ und danach das Interview (english version below). Viel Spaß!

MH: Hallo Dmitriy, ich bin der Jörg aka soundchaser von metal-heads.de. Euer Album The Calling ist vor etwa einem Monat erschienen. Für mich war es aber das erste Aufeinandertreffen mit euch und es hat mir direkt richtig gut gefallen. Neugierig wie ich bin, möchte ich natürlich gerne mehr über wissen. Was kannst du mir über die Entstehung von Sinoptik und eure ersten vier Alben erzählen?

Dmitriy (D): Hallo Jörg, danke dass du dir Zeit für unsere Musik genommen hast. Wir sind glücklich, dass es dir gefallen hat! Ich war eine Zeitlang in England und nachdem ich zurückgekehrt bin, wollte ich weiter Musik machen und gründete eine neue Band. So ist Sinoptik entstanden. Das war 2012. Unser erstes Album haben wir 2014 aufgenommen. Genau in dem Moment, als der militärische Konflikt in der Ukraine losging. Wir mussten die Aufnahme in Donetsk schnell fertigstellen und siedelten dann nach Kiew um. Nachdem wir dem Krieg ins Gesicht geblickt hatten, wussten wir, dass wir nichts mehr zu verlieren hatten und widmeten uns ganz der Musik. Wir sind viel in der Ukraine und den umliegenden Ländern getourt. In der Zeit entstanden auch viele neue Songs für das nächste Album.

Sinoptik – Ermutigende Musik im Angesicht des Krieges

MH: Wegen des Krieges musstet ihr eure Heimatstadt verlassen und wenn ich richtig liege, sind viele der Erfahrungen in euer neues Album “The Calling” eingeflossen. Aber trotzdem ist es kein depressives Album. Ich finde es eher ermutigend. Also habt ihr den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren? Und was war eure Absicht als ihr die Texte geschrieben habt?

D: Ja, wir glauben alle noch an die Menschheit und wir haben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft noch nicht aufgegeben. Unsere Absichten lassen sich auf einen Punkt reduzieren. Wir wollen gehört werden. Damit so viele Menschen wie möglich unsere Worte hören können und auch die Hoffnung nicht verlieren. Und vielleicht wird die Welt so ein kleines bisschen besser. Und natürlich ist das Album – genau wie unsere Alben davor – nicht depressiv. Denn wir haben überlebt und können weiter Musik machen und so anderen helfen nicht in Depressionen zu versinken, sondern ihnen eine schöne Seite des Lebens zu zeigen.

MH: Und was kommt zuerst wenn ihr Songs schreibt, die Musik oder die Texte?

D: Es immer verschieden. Zuerst kommt eine Idee und dann ist es entweder die Musik oder der Text.

Warum Bildsprache so wichtig sein kann…

MH: Eure Videos zu The Call und Sell God’s Number wurden an ganz besonderen Plätzen gedreht. Mir haben beide richtig gut gefallen und die Bedeutung die darin zum Ausdruck kam. Was kannst du unseren Lesern dazu erzählen?

D: Heutzutage ist es sehr schwierig irgendjemand noch mit Spezialeffekten in Musikvideos zu überraschen. Wenn du ein großes Budget hast, ist es sehr einfach ein beeindruckendes Video zu kreieren. Aber wir machen alles selbst, so richtig im DIY Style mit einem minimalen Budget. Deswegen stellen wir die Idee in den Vordergrund und arbeiten hart daran die richtige zu finden und dann dazustellen. Und falls manche aufgrund der Sprache den Text nicht verstehen, versuchen wir die Bedeutung visuell durch die Bildsprache im Video rüberzubringen.

Druckvoll aber warm und analog

MH: Zurück zur Musik. Vereinfacht gesagt, basiert euer Sound auf den Seventies. Zumindest habe ich es so rausgehört. Aber ihr mixt es mit modernen Metal Einflüssen. Damit hebt ihr euch von den üblichen Retro Rock Bands ab. Das hat mich neugierig gemacht. Deswegen die Frage nach euren Einflüssen und eurer Vision davon wie Sinoptik klingen sollen?

D: Wie du vielleicht schon weißt, arbeite ich auch als Produzent und Toningenieur für unsere Band. Ich habe allerdings kein spezielles Konzept wie wir klingen sollen. Das kommt von ganz alleine, ganz natürlich. Natürlich lieben wir alle die Musik der Sechziger und Siebziger. Aber wir scheuen uns nicht moderne Musik miteinzuarbeiten. Wir versuchen einfach es alles zu mischen. Natürlich soll es knallen, aber gleichzeitig den warmen, analogen Sound behalten.

MH: Zum Ende noch eine für mich persönlich wichtige Frage. Ich würde euch wirklich gerne einmal live erleben. Gibt es schon Pläne für eine Tour? Ich weiß, derzeit ist alles schwierig zu planen, aber ich hoffe, dass es euch bald mal nach Deutschland verschlägt.

D: Das ist auch für alle Musiker sehr wichtig. So gut Online Shows auch sein mögen, es ist nahezu unmöglich die Stimmung und Atmosphäre die wir erzeugen wollen online zu vermitteln. Und wir hoffen so schnell wie möglich nach Deutschland und andere Länder zu kommen.

MH: Vielen Dank Dmitriy für deine Zeit und Sinoptik für dieses tolle Album! Wir von metal-heads.de wünschen euch alles Gute für die Zukunft und hoffentlich auf bald.

Sinoptik – Line-Up und Kontakt

Dmitriy Afanasiev – Gitarre, Keys, Gesang
Ruslan Babayev – Schlagzeug
Aleksandr Savin – Bass

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English Version

MH: Hello Dmitriy. I’m Jörg aka soundchaser of metal-heads.de (MH) and first thank you for taking the time to answer my questions. Your fifth album „The Calling“ is out now, but for me it was my first encounter with you and I really liked it and wanna know more about you. What can you tell me and our readers about the birth of Sinoptik and the first four albums?

Dmitriy (D): Hello Jörg, thank you for devoting your time to our music. We are happy to hear you like it! After coming back from England I decided to continue making music and gathered a new band, called Sinoptik. That was back in 2012. Our first album was recorded at the tipping point when the military conflict in Ukraine was just starting in 2014. We had to finish it up quickly in Donetsk, and then we relocated to Kiev. After seeing the face of war, we realized that we have nothing to lose and made music our main profession. Sinoptik started touring extensively both in Ukraine and abroad, and many new songs were born for the next album.

Sinoptik creating encouraging music after facing the war

MH: You left your hometown cause of war and when I’m right you dealt with those experiences in your new album „The Calling“. But it is not a depressive album, it’s more encouraging in my opinion. Do you still believe in humanity? And what was your intention when writing the lyrics?

D: Yes, we all do believe in humanity and we always have hope for the better future. Our intentions can be narrowed down to the desire to be heard, so that as much people as possible would hear these words and have more hope too, and maybe change the world to the better. And of course this album is not depressing, just like our previous albums, because we survived and continue creating music not to be depressed, but to help others to avoid depressive states of mind and to show them a better side of life.

MH: And what comes first when you’re writing songs, the music or the lyrics?

D: It’s always different, first comes the idea, and then it’s either music or words.

About visualising the meaning in the videos

MH: Your videos for „The Call“ and „Sell God’s Number“ took place in special places. I really liked both videos and their messages. So, what can you tell our readers about this?

D: Today it’s very difficult to surprise anyone with special effects in music videos, and when you have a huge budget it’s easy to create impressive videos. But we do everything ourselves in DIY style with minimal budgets. Because of this we put ideas forefront, and work really hard on choosing ideas and how to depict them. And as some people might not understand the lyrics because of the language we try to provoke them through the visuals in videos.

Punchy but still warm and analogue

MH: Going back to music… In my opinion your sound is rooted in the Seventies to put it simple. But you’re mixing it with modern metal influences.Which makes you more than just a retro rock band. So I’m curious. What can you tell me about your influences and what’s your vision of Simoptik’s sound?

D: As you might already know, I also work as a sound producer of our band, and i didn’t have any special concept of how we should sound, it all comes naturally. Yes we all love music from the 60’s, 70’s, but also we are not shy to use influences of modern music tendencies, and try to mix everything. We try to make it as punchy as possible, but still keeping warm analogue sound.

MH: And for the end a very important question for me. I’d really like to see you live. Are there any plans for a tour? I know it’s difficult nowadays, but I hope that you will come to Germany soon.

D: This is very important for all musicians, as online gigs are good but it’s almost impossible to transfer our vibe via online concerts. And we are really looking forward to coming to Germany and many other countries as soon as possible.

MH: Thanks for your time and an awesome album. And all the best for you!

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Bildquellen

  • Sinoptik 2021 720×340 by Alina Chernohor: Alina Chernohor / Sailor Entertainment

soundchaser

Angefangen hat es mit einer Kassette die ich von einem Kumpel bekam mit Running Wilds "Port Royal" und "Abigail" von King Diamond. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen...

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