Jimi Hendrix Experience – Electric Church/Atlanta Pop Festival July 4, 1970 (VÖ: 06.11.2015)

Jimi Hendrix Electric Church DVD

Wir hatten es hier groß angekündigt. am 06.11.2015 erscheint die CD DVD von Jimi Hendrix Experience mit dem Titel “Electric Church/Atlanta Pop Festival July 4, 1970” bei Sony Music Entertainment Germany . Wir von metal-heads.de haben jetzt schon für euch reingehört und -geschaut.

Eine weitere Revolution

Mit der vorliegenden DVD wird uns der bisher nur auf VHS als Japan-Import erhältliche Auftritt auf dem wohl für damalige Verhältnisse größten Musikfestival der USA präsentiert. Die unglaubliche Menge von 500.000 Menschen reiste nach Atlanta, um einen Jimi Hendrix zu sehen, der zu jener Zeit an Kreativität übersprudelte und dabei war seinen bis dato komentenhaften Aufstieg damit zu krönen, die Musikwelt ein weiteres Mal zu revolutionieren!

Einleitende Testimonials und Doku

Eingeleitet wird dieser wunderbare Konzertfilm von einer Dokumentation, in welcher Zeitzeugen, als auch Musiker der Jetztzeit noch einmal Jimis Einfluss bekunden. Unter den illustren Interviewpartnern finden sich unter anderem Grammy-Gewinnerin Susan Tedeschi und ihr Mann Derek Trucks. Auch Mitch Mitchell und Paul McCartney kommen zu Wort. Letzerer wählt die wohl am zutreffendsten Worte:
“Jimi war seiner Zeit voraus und er schien einfach mehr über die Gitarre zu wissen als alle Anderen…“

Der Auftritt: Aufgeräumt, konzentriert, professionell, genial

Begleitet von Mitch Mitchell (Dr) und Billy Cox (B) fühlt sich Jimi sichtlich am wohlsten. Vorbei sind die Zeiten der Band Of Gypsys mit dem exzentrischen Buddy Miles (Dr), auch die Gypsy Sun And Rainbows der Woodstock Ära sind Geschichte – hier kommt die Electric Church und zelebriert einen ganz neuen Stil von Musik: Psychedelic Funk Blues Rock. Atlanta entwickelt sich schnell zu einem musikalischen Feuerwerk, welches dem Zuschauer lange in Erinnerung bleiben wird. Die Band wirkt aufgeräumt, zwar ist man weiterhin verspielt, doch kommen die drei Musiker konzentriert auf den Punkt und spielen extrem präzise. Jimis Gitarrensound ist purer Wahnsinn, so klingt sein Marshall rauchig und warm und seine Gitarrenlinien fließen nur so aus ihm heraus. Im orangenen „Wingsuit“ gekleidet bildet Jimi natürlich auch den optischen Mittelpunkt.

Die weiße Strat

Für das erste Set greift Jimi auf seine geliebte Woodstock Strat zurück, deren Klang unverkennbar ist, doch auch stimmlich hat er einen guten Tag erwischt. In „Red House“ bricht er stimmsicher in ein Falsetto und auch bei „All Along The Watchtower“ ist Jimi textsicher, was ihm dann ja leider später auf der Isle Of Wight nicht mehr gelungen ist. „All Along The Watchtower“ bietet in der vorhandenen Darbietung einen der ersten Höhepunkte des Konzerts. Es ist unfassbar wie dicht der Sound ist. Man ist ja inzwischen schon Einiges gewöhnt, was die Technologie der Nachbearbeitung bietet, und auch jegliche Hendrix Releases warten mit sehr gutem Sound auf, kennt man allerdings die Originalen Aufnahmen dieses Auftritts aus 1970, kann man hier nur vor Erstaunen niederknien. Es glänzt wirklich jeder Ton.

Ein neuer Sound

Mit „Freedom“ spielt Jimi ganz frisches Material. Lange bereits hat er an den neuen Kompositionen gearbeitet und ihnen einen fast finalen Anstrich in seinem eigenen Electric Lady Studios in Manhattan verpasst. Zugute kommt den neuen Nummern natürlich Billy Cox funkiges Bassspiel. Die Rhythmusarbeit an der Gitarre sucht heute noch Ihresgleichen! Mit lockeren Handgelenken und einem Kaugummi im Mund spielt Jimi „Freedom“ lässig und gekonnt. Wie muss sich das wohl für die Zuschauer angefühlt haben? Sie wurden Zeugen einer ganz neuen Art von Sound, der nachhaltig die Musikszene beeinflusste. Es war in der Tat die Geburt einer neuen musikalischen Ära, und ihr Vater war Jimi Hendrix.

Die alten „Mätzchen“

Mit „Foxey Lady“, „Purple Haze“ und „“Hey Joe“, muss Jimi „leider“ noch einmal die vom Publikum frenetisch gefeierten Hits spielen. Zu diesem Zeitpunkt war Jimi bereits lange auf einem anderen musikalischen Stern, hatte sich an genau diesen Nummern satt gespielt, dennoch präsentiert er die vermeintlichen Hits des Abends ungewohnt gefühlvoll, nimmt sich Zeit für exzellente Solos und lässt sich wahrscheinlich bedingt durch die gute Stimmung im Publikum zu den bekannten Mätzchen hinreißen. Das „Star Spangled Banner“ fällt dann auch etwas freundlicher aus, gewichen sind die kritischen Töne der Woodstock Version, wir haben es hier schon fast mit einer Schönspiel-Version zu tun, die dann noch ganz patriotisch mit einem Feuerwerk unterlegt wird. Würde Jimi noch leben, hätte er sicherlich an diesem DVD-Kapitel die Schere angesetzt.

Der Meister im Fokus

Das vorliegende Material reicht vom persönlichen Enthusiasmus sicherlich nicht an die Glanzauftritte in Woodstock und Berkeley heran,wo der Meister wahrhaftig Spielfreude und gute Laune versprühte. Zudem bieten einem die letztgenannten Auftritte/DVDs das Gefühl, mitten drin zu sein. Das schafft “Electric Church/Atlanta Pop Festival July 4, 1970” leider nicht ganz, was wohl an auch der einseitigen Kameraführung und der etwas grobkörnigen Bildqualität geschuldet ist. So sehen wir fast überwiegend den Protagonisten. Die Mitmusiker und das Publikum bekommt man leider selten zu Gesicht. Das ist sehr schade, glänzt doch gerade dieses Konzert mit hervorragendem Sound und perfekter Spielkultur aller drei Musiker.

Das Ende einer Ära am amerikanischen Unabhängigkeitstag

Die Abschlussbilder des Konzerts fangen hier sicherlich auch das Ende der Hippie-Ära ein. Schnell entwickelt sich in jener Zeit die Popkultur weiter und die Ikone der Bewegung, Jimi Hendrix, wird dies alles nicht mehr miterleben. Nur zwei Monate nach diesem Auftritt segnet Jimi Hendrix, der wohl größte Gitarrist aller Zeiten, bekanntlich auf tragische Weise das Zeitliche. Uns bleibt ein unglaubliches Zeitzeugnis in Form dieser DVD. Tolle Bilder, wahnsinniger Sound, eine magische Setlist (besonders die späten Songs) und eine Band, die ihrem Leader blind in eine musikalische Zukunftsreise folgen, können nur zu einem einzigen Fazit führen:

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Bildquellen

  • Jimi Hendrix Electric Church DVD: Label: Sony Music Entertainment
Blues Mike

Blues Mike

Als ich 12 war, gab mir ein Freund die Nummer des Teufels. Unter dieser Nummer meldete sich sein Assistent, der Meister der Puppen. Er sagte mir, dass es Rost im Frieden gibt und ich fortan mit meiner Gitarre um Gerechtigkeit für Alle kämpfen sollte!

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