Joe Bonamassa – The Spirit of Rory Live from Cork
Joe Bonamassa hat seine musikalischen Wurzeln nie verleugnet. Ganz im Gegenteil: Kaum ein Bluesrock-Gitarrist seiner Generation zollt seinen Vorbildern so konsequent Tribut wie er. Ob Jeff Beck, Eric Clapton, Led Zeppelin oder B.B. King. Bonamassa nutzt seine enorme Reichweite seit Jahren, um die Musik jener Künstler lebendig zu halten, die ihn entscheidend geprägt haben.
Zu diesen gehört ohne Zweifel Rory Gallagher. Bereits auf seinem Major-Label-Debüt A New Day Yesterday (2000) eröffnete Bonamassa das Album mit Gallaghers „Cradle Rock“, und bis heute nennt er Klassiker wie Live In Europe und Irish Tour ’74 als Schlüsselerlebnisse seiner musikalischen Entwicklung.
Dass Bonamassa irgendwann ein komplettes Konzert dem irischen Ausnahmemusiker widmen würde, war daher eigentlich nur eine Frage der Zeit. Dass dies auf Wunsch von Gallaghers Nachlass geschah und ausgerechnet in dessen Heimatstadt Cork, wo drei ausverkaufte Konzerte stattfanden, verleiht The Spirit Of Rory Gallagher – Live From Cork zusätzliche emotionale Bedeutung. Das rund 90-minütige Konzert erscheint als CD/DVD/Blu-ray und als Vinylalbum. Es versteht sich als ebenso respektvolle wie leidenschaftliche Hommage.

Die Setlist versammelt 14 Songs aus Gallaghers beeindruckendem Katalog. Radiohits sucht man erwartungsgemäß vergeblich, schließlich war Gallagher nie ein Künstler für die Charts. Dafür stehen Klassiker wie „Cradle Rock“, „Calling Card“, „Walk On Hot Coals“ oder das entfesselte „Bullfrog Blues“ exemplarisch für die Energie und Vielseitigkeit seines Schaffens. Bonamassa greift zudem mit „Messin‘ With The Kid“ und „Bullfrog Blues“ zwei traditionelle Bluesnummern auf, die Gallagher einst zu eigenen Markenzeichen machte.
„Das ist Rorys Stadt, das sind Rorys Leute. Wir durften sie nicht enttäuschen“, schreibt Bonamassa im Booklet. Ein Anspruch, den die Band hörbar ernst nimmt. Unterstützt von Bass, Schlagzeug, Keyboarder Lachy Doley und einem zweiten Gitarristen entsteht ein druckvoller Livesound, der den Originalen weitgehend treu bleibt, ohne sie stur zu kopieren.
Die größten Freiheiten nimmt sich Bonamassa in seinen Soli und bei den ausgedehnten Live-Arrangements. Besonders „I Fall Apart“ gewinnt durch die fast doppelte Spielzeit erheblich an Intensität. Was zunächst zerbrechlich beginnt, entwickelt sich zu einem emotional aufgeladenen Finale, in dem Bonamassa seine Stärken als melodischer Leadgitarrist eindrucksvoll ausspielt.
Auch die übrigen Höhepunkte sitzen: Das akustische „As The Crow Flies“, gespielt auf Gallaghers National Triolian aus den 1930er-Jahren, sorgt für einen willkommenen Ruhepol und zählt zugleich zu Bonamassas stärksten Gesangsleistungen. „Back On My Old Stompin‘ Ground“ überzeugt mit bissiger Slide-Gitarre, während das schleppende „I Wonder Who“ durch Lachy Doleys furioses Orgelsolo zusätzlich an Dynamik gewinnt.
Dennoch bleibt ein unausweichlicher Vergleich. So engagiert und technisch brillant Bonamassa auch agiert – die rohe Intensität, Spontaneität und elektrische Spannung von Rory Gallaghers legendären Live-Auftritten erreicht auch er nicht. Das dürfte allerdings niemanden überraschen, am wenigsten Bonamassa selbst.
Doch genau darin liegt die Stärke dieses Albums. The Spirit Of Rory Gallagher – Live From Cork erhebt nie den Anspruch, das Original zu übertreffen. Vielmehr ist es eine respektvolle Verneigung vor einem der größten Bluesrock-Gitarristen Europas und zugleich eine Einladung an Bonamassas weltweites Publikum, Gallaghers außergewöhnlichen Katalog neu zu entdecken. Als Hommage funktioniert dieses Album auf ganzer Linie. Authentisch gespielt, mit spürbarer Leidenschaft umgesetzt und getragen von ehrlicher Bewunderung für einen Künstler, dessen musikalisches Vermächtnis bis heute nichts von seiner Strahlkraft verloren hat.
CD Track Listing
Cradle Rock (Live)
Walk On Hot Coals (Live)
Tattoo’d Lady (Live)
I Wonder Who (Live)
Calling Card (Live)
Who’s That Coming? (Live)
Messin‘ With The Kid (Live)
Bullfrog Blues (Live)
Treat Her Right (Live)
Bad Penny (Live)
I Fall Apart (Live)
A Million Miles Away (Live)
As The Crow Flies (Live)
Back On My Stompin‘ Ground (Live)
Tourdates Joe Bonamassa:
29.Okt. 2026 ROSTOCK StadtHalle Rostock
30.Okt. 2026 BERLIN Uber Arena
31.Okt. 2026 DORTMUND Westfalenhalle
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Bildquellen
- Joe Bonamassa – Mitsubishi Düsseldorf 03.05.22: Chipsy@metal-heads.de
- Joe Bonamassa – The Spirit of Rory: Amazon


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