Avatar, The Mahones, Dylan Walshe, live, 26.1.2019, Bochum, Matrix

Avatar, The Mahones, Dylan Walshe live

Es folgt eine Geschichte in 6 Kapiteln, für die ich (Moldi) die Fotos gemacht und der gute Yioni Rage den Text geschrieben hat. Leider hatte er keine Zeit, diesen auch zu veröffentlichen und daher habe ich an der Stelle natürlich gern ausgeholfen. Fotos gibt es leider nur von Avatar, weil…äääh…ja, lest am besten einfach selbst.

Kapitel 1: Der Ausbruch

Ja, wir sind echte Rocker, der Moldi und ich. So richtig mit saufen, raufen, Fresse hauen, headbangen, Wall of Death, stagediven, nicht waschen, Kutten, Koks und na klar: fetten Harleys.

Nichts ist uns wichtiger als die Freiheit, unsere Tattoos, unser wallendes Haar und natürlich unsere Liebe zur Musik, den Bands, dem Live – Erlebnis! Deswegen gehen wir immer schon Tage vorher bei den Festivals die besten Zeltplätze sichern und, wenn unsere Lieblingsbands in der Gegend sind, natürlich auch schon Stunden vorher zu den Konzerten in der Hoffnung, Fotos und Autogramme zu bekommen.

Es sei denn… ja, das kommt vor… nicht zu oft… kann aber mal passieren, dass Moldis Frau sagt:

Nein.

Tja. Da kann man nichts machen. Ist halt Pech. Schicksal. Niemand widersetzt sich Moldis Frau!

Niemand!

Außer Moldi! Wie er es geschafft hat, sich im Rahmen einer Schulveranstaltung seiner Tochter durch das Kellerfenster aus dem Gebäude zu schleichen, die Karre seiner Frau aufzubrechen und kurzzuschließen, sich den satanischen Erdungsriten zu entziehen und im Stile des großen Houdini aus der Fessel zu gleiten, zeigen wir demnächst in „Auf der Flucht vor Mutti“ auf unserem Youtubekanal!

Die Matrix (http://matrix-bochum.de/club.html) ist ein sehr cooler Laden, in dem alles unkompliziert von Statten geht, die Leute am Eingang, im Kassen- und sonstigem Servicebereich immer sehr entspannt und freundlich sind und in der selbst ich (früher Rockpalastbesucher) in ungefähr 25jähriger Trunkenheit… äh… Kundschaft… nicht einmal auch nur im Entferntesten mit dem Personal in Diskussion geraten bin.

Na, das ist doch mal was. Wenn ich mich an meinen letzten Besuch in der Bochumer Zeche erinnere, sogar was ganz Besonderes. (https://metal-heads.de/konzertberichte/primal-fear-riot-v-existance-live-in-der-zeche-bochum-14-10-2018/)

Kapitel 2: Zu Spät

Leider, leider sind wir zu spät gekommen und haben den bestimmt großartigen Dylan Walshe verpasst, der mit Mundharmonika und Gitarre den Opener des Abends machte. Auch die Mahones hatten schon angefangen. Irish Folk Punk zum Mittanzen und Kopfnicken. Hatte aber ehrlich gesagt nicht so wirklich jemand Bock drauf, die Stimmung war, zumindest für die Mahones, ziemlich undankbar. Dabei waren sie nicht mal schlecht, nur eben musikalisch fehl am Platze.

Der, gar nicht mal so gut bestückte, Merch – Stand beherbergte aber 2 nette Typen, einer aus Schweden, der andere gar aus den USA, die wohl regelmäßig mit der Band unterwegs sind und auch in deren Stil gekleidet waren, die auf Nachfrage, warum denn solche Vorbands dabei seien, erläuterten, dass die Band den Abend als „Gesamthappening“ ansehe und gerne „artfremde“ Musiker mitnähme.

Kann man machen, finde ich dann halt immer ein bisschen Scheiße. Denn ich bin ja an dem Abend nicht da, um meinen musikalischen Horizont zu strecken, sondern um meiner Eindimensionalität Spaß und Freude zu bereiten. Da wären mir Supports, die wenigstens annähernd dem Musikstil entsprechen, doch um Einiges lieber gewesen. Wie es aussah den ca. 600 anwesenden, zahlenden Gästen auch. Ich könnte mich jetzt in den Abgründen der Bevormundung und des Verhältnisses von Bands zu ihrem Publikum, der Verantwortung für die Lebensfreude eben dessen durch die Musiker verlieren… mach ich aber zur Abwechslung mal nicht, denn nach meinem letzten Konzertbericht (https://metal-heads.de/konzertberichte/eisenpimmel-live-4-1-2019-duisburg-djaezz/) hat doch tatsächlich einer kommentiert, dass ich zum Punkt kommen solle… die Beleidigung für ihn konnte ich leider nicht als Kommentar erwidern… habe sie aber im Kopf behalten. Ihr könnt mich einfach persönlich auf mögliche Beleidigungen, die mir so spontan einfallen, ansprechen, meine Lieblingsbeleidigung ist übrigens…

Ach, egal. Avatar.


Kapitel 3: Die Band!

Avatar ist meine persönliche Entdeckung des Jahres 2018. Zwar gibt es sie seit 2001, 2006 erst erschien ihr Debütalbum und die Band legte richtig los, an mir sind sie aber irgendwie vorbei gegangen. Kennt man ja, es gibt einfach viel zu viel gute Musik auf der Welt…

Seit ich aber „Torn apart“ zufällig bei Youtube um die Ohren gehauen bekommen habe, lässt mich die Band nicht mehr los. Grund sind neben den großartig arrangierten Songs, den Wechseln zwischen psychedelischen Rockeinflüssen, Death Metal Einlagen, der musikalischen Qualität, natürlich die Varianz des Sängers und die phantasievollen Videos. Alles in Allem hat die Band mit den beiden letzten Alben Feathers and Flesh (2016) und Avatar Country (2018) konzeptionell einen Weg eingeschlagen, der Musik, Epos und Theater zusammenbringt.

Meines Erachtens ist das aktuelle Schaffen der Band mit dem Video zum ersten Song des Abends hervorragend zusammengefasst.

 

Das Bühnenbild ist dem Video ähnlich, der Song holt das vorher starre Publikum aus der Apathie und der Abend ballert los. Unfassbar ist neben der genialen Show und der Zirkus/Theater Atmosphäre aber auch die musikalische Qualität bei extremer Agilität der Bandmitglieder. Selten hat man Musiker so abgehen sehen und nebenbei einen so perfekten Sound bereiten.

Kapitel 4: Der Sänger

Überraschend für mich, auch wenn „Tsar Bomba“ ein Song auf deutsch ist, dass perfekte Deutsch von Sänger Johannes Eckerström, dessen Mutter wohl zumindest aus NRW zu kommen scheint, wenn nicht sogar direkt aus dem Ruhrgebiet. So unterhält er in launiger Manier zwischen den Songs das Publikum, zeigt seine ellenlange Zunge, mimt den Clown und, das muss zwischendurch gesagt sein, denn dass schafft leider nicht jeder Sänger live, trifft alle Töne, was bei der großen gesanglichen Spannbreite auch nicht selbstverständlich ist. Es gibt zig Livevideos der Band, ich habe hier mal eines vom Wacken 2015 rausgesucht, da es die Agilität des Sängers, den Kontakt zum Publikum, dessen Animation, seine energetische Körpersprache und die Performance des Restes der Truppe ziemlich gut einfängt.

 

Dabei ist Eckerström eine Mischung aus Andrew Eldritch, Marylin Manson, Till Lindemann und „magisch“ im Kontakt zum Publikum. Ehrlich, den Typen muss man mal live gesehen haben! Jeder Musiker, bis hin zum Schlagzeuger ist Teil der Show und die ist bombastisch!

Kapitel 5: Die Songs

Dabei führt die Band gut durch ihre Hits und bringt einiges Material der letzten beiden Platten rüber.

Setliste Avatar:

Intro: Glory To Our King

  1. A Statue of the King
  2. Legend of the King
  3. Paint Me Red
  4. King’s Harvest
  5. Bloody Angel
  6. For the Swarm
  7. Get in Line
  8. Tsar Bomba
  9. Tower
  10. The Eagle Has Landed
  11. Let It Burn
  12. King After King
  13. Reload
  14. Smells Like a Freakshow
  15. Torn Apart
  16. The King Welcomes You to Avatar Country
  17. Hail the Apocalypse

Ich hab mal fett markieren wollen, welche Songs der Knaller waren, eigentlich ist es aber eine lückenlose Show, die keine Wünsche offen lässt. AVATAR sind einfach eine unfassbar geile Live-Band, die jeder mal gesehen haben sollte. Unter einem der Videos las ich, dass der Hörer angepisst ist, weil die Band so „underrated“ ist. Dem schließe ich mich an. Statt sich die immer gleichen Bands anzuschauen, die sich zum Teil mit viel Geld eine große Lichtshow, Bühne, Konfettikanonen oder ähnliches leisten, um „zu liefern“, sollte man die fairen 35 Euro berappen, um sich mal so richtig großes Entertainment zu geben. Schön und kompromisslos finde ich dabei, dass die Band ihren Death Metal Anteil bewahrt. Ich bin mir sicher, dass sie erfolgreicher wären, wenn sie einen sanfteren Sound wählen würden. Da kann man sich als Musikfan nur bedanken!

Kapitel 6: Das Ende

Auch wenn ich mir andere Vorbands gewünscht bzw. ein anderes Package besser gefunden hätte: ich will Avatar auf jeden Fall wiedersehen. Die Mischung aus Musik und Show, von mir aus auch konzeptionell eingebunden, schafft einfach eine Unterhaltung, die jeden Cent wert ist. Und wenn man, wie viele der geneigten Leser und ich, schon hunderte Konzerte gesehen hat, dann weiß man zu schätzen, auf vielen Ebenen unterhalten zu werden. Kurz gesagt, wenn denn Powerwolf mit Avatar und Circus of Fools auf Tour kommen, dann gebe ich meinen lausigen Job auf und reise mit! Na klar nur mit´m Moldi, wenn er denn wieder zum Spielen mit mir raus darf!

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Bildquellen

  • Avatar01: (c) Frank Moldenhauer, metal-heads.de
Moldi

Moldi

Angefangen hat der Metal Virus im zarten Alter von 15 mit einer Iron Maiden LP aus dem Gebrauchtplattenladen. Mein Geschmack ist inzwischen sehr breitbandig, gehört wird, was gefällt.

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