The Rolling Stones – In Mono (VÖ 30.09.2016)

The Rolling Stones

The Rolling Stones-Fans dürften nach dem Lesen dieser 16 Vinyl- bzw. 15 CD-Boxset-Vorstellung feuchte Augen bekommen. Weihnachten kann kommen. Wobei es gar nicht nötig ist, auf die Bescherung an Heiligabend zu warten! Denn das „THE ROLLING STONES – IN MONO“ Boxset (Abkco) – welches unserer Redaktion freundlicherweise auszugsweise und im Voraus von Universal Music zur Verfügung gestellt wurde – ist bereits seit dem 30.09.2016 erhältlich. Zudem kann jedes Lied auch als Download in fein remasterter Mono-Qualität erworben werden.

186 Songs auf „The Rolling Stones In Mono“

Aber wie zum Teufel – trotz „Sympathy For The Devil– sollte der mittelalte metal-heads-Redakteur (Baujahr 1973) die ganzen alten Songs der Stones aus den Jahren 1965-1969 ordentlich besprechen?  Der erste Schritt war, sich einmal den Trailer zur Box auf youtube anzuschauen:

Live dabei bei den ersten Stones-Konzerten im Jahr 1965

Viel schlauer war der Autor dieser CD-Review aber auch danach noch nicht. Da kam ihm die brillante Idee, die allerdings einer Wartezeit von 2 Wochen bedurfte. Denn solang waren zwei bedeutende Zeitzeugen dieser wilden Epoche auf Rentner-Fahrradtour. Und zwar der direkte Haus-Nachbar Raimund (70 Jahre) sowie sein bester Freund Bruno (67 Lenze jung). Die Beiden sind Stones-Fans der ersten Stunde. Raimund war 1965 direkt beim zweiten Konzert der Stones auf deren 1. Deutschlandtournee in der Grugahalle in Essen live dabei: „Und da habe ich direkt das erste und einzige Mal Gesellschaft mit einem Gummiknüppel der Polizei gemacht. Ich kam aber nur 2 Meter die Regenrinne hoch.“ Bruno fragt „Was wolltest du denn da oben?“ Raimund: „Keine Ahnung. Vermutlich backstage reinkommen….“

Mit dem Moped aufs Rollfeld

„Warst du denn mal auf einem Live-Konzert der Stones, Bruno?“ – „Nein. Fehlanzeige. Ich fand die live immer grottenschlecht. Ich bin aber 1965 mit dem Moped nach Düsseldorf zum Flughafen gefahren und habe über deren Ankunft berichtet. Übrigens auch als Redakteur. Für das Duisburger Jugendmagazin „Kontakte“ . Also quasi so wie du jetzt, Ralf“.
Raimund schmunzelt, denn er weiß, dass Bruno sich damals mit dem Moped in einer Kurve ganz schön lang gelegt hat. Aber der Kenner genießt und schweigt. Dafür hat Raimund direkt auch eine eigene Annekdote hierzu: „1964 sind wir nach Scheveningen getrampt und haben am Strand übernachtet. Im Ort hingen Plakate über den Stones-Auftritt eine Woche später. Ich war kurz davor, die Lehre zu schmeißen und direkt in Holland zu bleiben. Ich bin dann aber doch zurück. Und wie später zu lesen war, gab es da auch richtig Krawalle beim Auftritt der Stones in Scheveningen“.
So! Genug des Vorgeplänkels. Fass-Anstich. Die Käse-Häppchen stehen ebenfalls bereit. Jetzt wird gemeinsam Musik gehört. Und zwar 21 vorausgewählte Songs der Stones aus den Jahren 1965 bis 1969.
Wir springen mehrfach durch sämtliche Titel. Und zu allem gibt es witzige und wichtige Hinweise. „Bei „Mercy, Mercy“ ist doch wohl eindeutig zu hören, dass Drummer Charlie Watts zu diesem Zeitpunkt am weitesten an seinem Instrument war´, meint Raimund sofort.
Dagegen lässt Kumpel Bruno an dem heutigen Lead-Gitarristen kein gutes Haar: „I Can´t Be Satisfied“ ist ja wohl ein Grotten-Stück. Da hätte Keith statt Gitarre besser mal beim Blockflöten-Spiel bleiben sollen.“

Über Größenwahn und Körperteile

Scheinbar hatte Anfang der 60´er Jahre Keith Richards noch nicht viel an der Gitarre zu bieten und taugte daher allenfalls zum Rhythmus-Gitarristen. Klar tonangebend als Lead-Gitarrist war bei den Rolling Stones noch Brian Jones.
Und während Bruno und der Redakteur das Lieblings-Lied von Nachbar Raimund „That´s How Strong My Love Is“ hören, schleppt der Gastgeber alle seine Original-Stones-Platten, Singles sowie eine illustrierte Dokumentation mit dem Titel „Die Rolling Stones“ aus dem Jahr 1978 an. Da sind die Protagonisten passend zur Mono-Musik in schwarz-weiß zu sehen: Bill Wyman, Mick Jagger, Brian Jones, Charlie Watts und Keith Richard (da noch ohne „s“ ). Raimund erklärt „Man sagt, Mick Jagger ist der Kopf, Keith Richards ist das Herz und Charlie Watts das Rückrat der Stones“. Puh, der Autor hatte schon Angst, Charlie wäre das Körper-End-Stück der Band gewesen.

Wir plaudern weiter und lauschen dabei den Songs – am Ende des Abends nahezu 5 Stunden – und eine Story aus dieser noch arg konservativen Zeit jagt die nächste. Bruno erzählt vom Unverständnis der Eltern für diese neue, wilde Musikrichtung. Raimund berichtet, dass Mick Jagger irgendwann dem Größenwahn verfallen war und die Band in „Mick Jagger & The Rolling Stones“ umbenennen wollte. Was Bruno – selber Sänger in einer bekannten Oldie-Band – echt doof gefunden hätte: „Da geht der Gemeinschaftssinn total verloren“ . Kommen wir zurück zu den einzelnen Titeln der Mono-Box.

Bruno´s Lieblingssong

Brunos Lieblingssong steht fest: „Sympathy For The Devil“ . Ein langes Stück. 6:30 Minuten. Da gibt es auch einen Film zu, meint Bruno. Plötzlich muss der metal-heads-Redakteur den Wohnzimmer-Talk jäh unterbrechen. Geruch von Hundekot liegt in der Luft. Bruno hat Scheiße unter´m Schuh mit ins Haus gebracht und wird genötigt, seinen Geruchs-Treter vor die Haustür zu stellen. Auf Socken kommt er wieder rein, schnappt sich Raimunds Frau und tanzt erstmal eine Runde, während der Gastgeber auf Zeit eine 2. Runde Bier zapft. Das wird ein lustiger Abend. Etwas unpassend dazu erklingt mit „Dear Doctor“ der reinste Country-Song der Stones. Mick Jagger hatte für diese Art der Musik wohl zu Beginn seiner Musik-Karriere ein Faible.

Die BEATLES als Vorreiter für Hare Krishna

Bei „Honky Tonk Women“ wippt dann auch Raimunds Frau zufrieden mit und sagt „eine schöne Songauswahl hast du da für den Abend getroffen, Ralf“. Hab ich gar nicht, es ist ja der zusammengestellte Auszug der Promotion-Firma. Aber egal, danke für das Lob!

Konkurrenz zu „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ von den BEATLES bieten die ROLLING STONES dann mit ihrem Psychedelic-angehauchten Song „2000 Light Years From Home“ . Bruno weiß zu berichten, dass  zu der Zeit viele junge Menschen so drauf waren und „die mit den Glöckchen und Hare Krishna singend sogar durch Duisburg rannten“. Was für eine Zeit. Und es blieb noch mehr Zeit an diesem Abend, um die Mono-Aufnahmen zu besprechen.  Irgendwann konnte der Autor aber die Fülle an Geschichten zu den Stones nur noch mit Spiegelstrichen auflisten und wild durcheinander mitschreiben.

Der 6. Mann der Stones

Bruno und Raimund sind im Redeschwall: „Generell lässt sich zu den Aufnahmen folgendes sagen:
– mit 4-Spur-Geräten wurden die Stones-Platten in den 60´ern auf einfachste Weise aufgenommen
– in den 60´er-Jahren gab es noch gar keine größeren Verstärkeranlagen für Stadion-Touren. Übrigens ein Grund für die Beatles aufzuhören. Weil: im Shea-Stadion über die Lautsprecher spielen zu müssen, während die Mädels wild kreischten, ging für die Beatles einfach nicht
– die Stones spielten damals als eine der wenigen Band live einen derart dreckigen Sound wie ihn sonst nur die Kinks spielen konnten.
– die frühen Aufnahmen klingen noch wie live und direkt eingespielt

Jimi Hendrix und das Wah Wah

– Raimund berichtet über die erste deutsche Nr.1 Hit-Single der Stones. Den Song „Little Red Rooster„. Der klang einfach großartig für seine Zeit, vor allem die Gitarre. Warte! Ich hab hier die Single. Die spiele ich euch jetzt mal vor.“ Raimund springt auf und rennt in Richtung Hifi-Anlage unter dem TV. Bruno fragt: „Hast du überhaupt `n Plattenspieler hier unten oder warum rennst du mit der Single zum Fernseher?“. Raimunds Frau brüllt vor Lachen. Wir auch. Aber Raimund lacht mit. „So ist das mit den alten Leuten“, meint Bruno süffisant.
-es gab damals genau zwei Gitarren-Effekte: Echo und Hall. Ansonsten nichts außer versehentliche Übersteuerungen am Verstärker. Jimi Hendrix war der erste Musiker mit einen „Wah Wah“-Pedal – eine echte Revolution!
– es gab damals ein 6. Bandmitglied und zwar Ian Stewart, der in die Piano-Tasten griff. Allerdings kam der nie aufs Bandfoto. Bruno: “ Der hatte so einen viereckigen Kopf und einen so komischen Haarschnitt, der durfte nie richtiges Bandmitglied werden“ . Na dann…
– 1967 waren die Stones weg vom Fenster. Nur noch Prozesse, Drogen etc. Aber dann kam „Jumpin´Jack Flash“ im Jahr 1968 und die Stones erfanden sich -auch dank des härteren Sounds der 1969-Rock-Generation um „THE WHO“ oder „DEEP PURPLE“ oder „LED ZEPPELIN“ – neu und auf einmal rockten die Stones viel mehr als noch hier zu hören war.

Die Nr. 1 der 15 Alben ist für Raimund und Bruno „Aftermath“

Was sagt ihr denn zu den 15 Alben dieser UNBOXING-Collection? Welche Platte ist die beste? Die 2 Senioren sind sich sofort einig. „Ganz klar „Aftermath“ sagen beide unisono. Warum? „Weil es erstmals ausschließlich selbstkomponierte Stücke waren. Bruno erinnert sich an den Song „Going Home“ auf dieser Scheibe – das Lied ging nämlich über 10 Minuten lang. Wie gut, dass die Scheibe in der Mono-Box gleich zweimal vertreten ist. In der englischen und amerikanischen Version. Mit teilweise unterschiedlichen Stücken. Ein echtes Schätzchen also – diese Box. Wobei? An diesem Abend gewinne ich meine 2 gealterten aber jung gebliebenen Freunde wieder ein großes Stück mehr lieb und finde, Bruno und Raimund sind noch viel größere Schätzchen. Echte Musikkenner. Nebenbei ist das Bier-Fässchen auch schon leer. Macht aber nix, denn es gibt ja noch Fläschchen. Das nenne ich „Satisfaction“ …

The Rolling Stones In Mono [16LP-Boxset; 15CD-Boxset]

(alle Tracks auch als Download erhältlich)

1) The Rolling Stones (UK, 1964)

2) 12 X 5 (1964)

3) The Rolling Stones No. 2 (UK, 1965)

4) The Rolling Stones Now! (1965)

5) Out of Our Heads (US, 1965)

6) Out of Our Heads (UK, 1965)

7) December’s Children (And Everybody’s) (1965)

8) Aftermath (UK, 1966)

9) Aftermath (US, 1966)

10) Between the Buttons (UK, 1967)

11) Flowers (1967)

12) Their Satanic Majesties Request (1967)

13) Beggar’s Banquet (1968)

14) Let it Bleed (1969)

15) Stray Cats (eine neue Collection von A- und B-Seiten sowie E.P.-Tracks)

NEWSLETTER. FREITAGS. KOSTENLOS.

Bildquellen

  • The Rolling Stones: edel.com
Ralfi Ralf

Ralfi Ralf

Als ich mir mit 14 zum ersten Mal das Nasenbein beim Moshen mit dem Tennisschläger im heimischen Kinderzimmer brach, war es um mich geschehen! METAL...

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf × 3 =