THE WHO Hits 50-Tour, support: SLYDIGS (Oberhausen, 10.09.2016)

The Who

Beim letzten Song von THE WHO – „Won’t Get Fooled Again“ – hielt es keinen der 9.500 Besucher in der als ausverkauft gemeldeten König-Pilsener-Arena zu Oberhausen mehr auf den Stuhlreihen. Es gab Standing Ovations für die britischen Rock-Legenden Roger Daltrey (72 Jahre) und Pete Townshend (71 Jahre). Und das zurecht! Die auf 8 Musiker angewachsene Band inklusive der beiden verbliebenen Bandgründer präsentierte satte 2 Stunden ein echtes Best-of-Programm, passend zum Namen der Veranstaltung: der „The Who Hits 50„-Tournee.

Support-Act SLYDIGS für viele eine Überraschung

Ungewohnt war der Anblick an diesem Samstag-Abend in der Oberhausener Arena schon: Stühle im Innenraum hat man hier ja selten. Und eigentlich waren diese auch unnötig. Zumindest beim Hauptact THE WHO. Hätte das Publikum – vorwiegend im Alter zwischen 40-70 Jahren – jedoch gewusst, dass auch die Vorband SLYDIGS so richtig knallt, dann wären bereits zu Beginn der ersten Akkorde vom Opener „The Love That Keeps On Giving“ des britischen Quartetts alle Zuhörerinnen und Zuhörer aufgestanden. So aber blieb der Applaus anfangs verhalten, denn der überwiegende Teil der Anwesenden war scheinbar gar nicht eingestellt gewesen auf einen Support-Act.

Wie dem auch sei. Sänger Dean Fairhurst, Gitarrist Louis Menguy, Drummer Pete Fleming sowie Bassist Ben Breslin gaben ihr Bestes und legten aus Sicht der beiden metal-heads-Redakteure einen bärenstarken Auftritt hin. Mit ihrem Soundmix aus The Clash, den Beatles sowie Oasis konnten die Jungs dann auch bedingt punkten. 40 Minuten gehörten den Newcomern aus dem englischen Städtchen Warrington. Hier geht es zur Bilderstrecke der SLYDIGS:


Nach nur 20-minütiger Umbaupause betraten dann die beiden Herren im stolzen Rentenalter die Bühne und es gab kein Halten mehr. Mit coolen Sonnenbrillen wussten Roger Daltrey und Pete Townshend ja immer schon zu gefallen. Doch auch der Rest der Band gab sich extrem lässig.

THE WHO zauberten mit Verstärkung

Musikalisch verstärkt wurden sie durch Zak Starkey an den Drums (immerhin der Sohn von Beatles-Drummer Ringo Starr), Pino Palladino am Bass, Petes kleinem Bruder Simon Townshend an der Rhythmus-Gitarre sowie den weiteren Musikern Loren Gold, John Corey und Frank Simes an den Keyboards und Percussion.

Sänger Roger Daltrey und Lead-Gitarrist Pete Townshend verzauberten gut 50 Jahre nach Erscheinen ihrer ersten LP „My Generation“ ihr Publikum mit unzähligen Hits (mit Ausnahme von „Anyway Anyhow Anywhere “ und „Substitute„). Schon das zweite und dritte Stück des Sets war den Gassenhauern „The Kids Are Alright“ sowie „I Can See For Miles“ vorbehalten. Da konnte eigentlich gar nicht mehr viel schief gehen. Und wenn dann der kleine Bruder von Pete, Simon Townshend, mal wieder zum Handtuch griff, um sich der feuchten Auswirkungen der heißen Bühnenscheinwerfer auf der Stirn zu entledigen oder länger brauchte, um die Gitarre zu wechseln, dann ergriff der große Bruder das Wort und unterhielt artig das Publikum.

Es folgten Kracher wie „Behind Blue Eyes“ (jüngeren Leserinnen und Lesern vermutlich nur durch die Nr.1-Hit-Coverversion von LIMP BIZKIT bekannt), aber auch seltenere Instrumentalstücke aus den beiden Rock-Opern „Tommy“ und „Quadrophenia“ . Ja, richtig gehört: THE WHO gelten nebenbei als Vorreiter der Konzeptalben. Und THE WHO sind überzeugte Friedens-Aktivisten, was sie an diesem Abend mit den – oftmals schwarz-weißen – Begleitbildern auf der Videoleinwand im Bühnenhintergrund eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Keith Moon und John Entwisle jammen jetzt mit David Bowie und Lemmy

Ein wenig eigenartig mutete die so unterschiedlich ausgelebte Stimmung im Publikum an. Vereinzelt wurde in den Ausgängen und im Innenraum wild und ausgelassen getanzt, manch textsicherer Mittfünfziger sang jede Textzeile wie bei „Pictures Of Lily“ mit. Jede Liedpause wurde von frenetischen Anfeuerungsrufen der Marke „Who, Who, Who“ unterbrochen. Andere wiederum starrten nur andächtig auf die Monitore oder die Bühne und wunderten sich, wie vital man nach 50 Jahren Rockmusik noch bei Liedern wie „Pinball Wizard“ sein kann. Da waren der ein oder andere Verspieler an der Gitarre (bei Pete) und Mundharmonika (bei Roger) sowie einige wenige, schief gesungene Töne („Behind Blue Eyes„) mehr als verzeihlich.

THE WHO, die wildeste Band der 60er Jahre, gerne mal als Radau-Combo verschrien, gab aus Sicht der Redaktion ein super Konzert. Eine der einflussreichsten Rockbands der Musikgeschichte ließ es sich aber auch nicht nehmen, den viel zu früh verstorbenen weiteren 50 % der Originalbesetzung zu huldigen. Drummer Keith Moon segnete bereits 1978 das Zeitliche. John Entwistle folgte ihm im Jahre 2002. Mögen die beiden nun irgendwo gemeinsam mit David Bowie und Lemmy jammen und die übrig gebliebenen Masterminde Daltrey und Townshend noch viele Jahre dieses Gänsehaut-Feeling in die Arenen dieser Welt tragen. Es war eine echte Zeitreise und die Eintrittspreise (von 64 € bis 144,50 €, Updates mit Essen oder VIP-Status vernachlässigen wir hier mal) alle Mal wert.

Hier geht es zur Bilderstrecke von THE WHO:


Die Setlist des Abends im Überblick:

  1. Who Are You
  2. The Kids Are Alright
  3. I Can See For Miles
  4. My Generation
  5. Pictures Of Lily
  6. Behind Blue Eyes
  7. Bargain
  8. Join Together
  9. You Better You Bet
  10. 5:15
  11. I´m The One
  12. The Rock
  13. Love Reign O´er Me
  14. Eminence Front
  15. Amazing Journey
  16. Sparks
  17. Acid Queen
  18. Pinball Wizzard
  19. See Me, Feel Me
  20. Baba O´Riley
  21. Won´t Get Fooled Again

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Bildquellen

  • SLYDIGS: (c) Ralfi Ralf, metal-heads.de
  • The Who: (c) metal-heads.de, Ralfi Ralf
Ralfi Ralf

Ralfi Ralf

Als ich mir mit 14 zum ersten Mal das Nasenbein beim Moshen mit dem Tennisschläger im heimischen Kinderzimmer brach, war es um mich geschehen! METAL...

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