SAVATAGE – Die Entstehung von „STREETS“ Teil 6-Das Finale

Nachdenklich

Wie schon bei „Jesus Saves“, wurde die Musik für „Can You Hear Me Now“ im Studio spät während der Streets-Sessions geschrieben, nachdem Bassist Johnny Lee Middleton und Schlagzeuger Steve Wacholz nach Florida zurückgekehrt waren.

Dementsprechend spielte Jon Schlagzeug, während sein Bruder den Bass spielte. „Dieser Song sagt eine Menge Dinge aus“, erklärte O’Neill. „Jon denkt über Tex und alles, was passiert ist, nach. Dabei denkt er auch über sein eigenes Leben nach und über die Aussagekraft seiner Musik. Er fragt sich, ob irgendjemand jemals die Botschaften in seiner Musik gehört und die Dinge verstanden hat, die er versucht hat zu sagen.“

New York

Jon sagt, die Aufnahme von ‚Streets‘ in Manhattan habe ihn inspiriert, besonders bei Songs wie „New York City Don’t Mean Nothing“, die sich direkt mit der Stadt befassen. „Wo sonst könnte man diese Platte machen? Es war die perfekte Umgebung, und die perfekte Atmosphäre“, sagt er. O’Neill bemerkte derweil, dass der Song eine Vorahnung auf zwei Tracks auf Edge of Thorns: „Follow Me“, das Fernsehprediger“ kritisiert, sowie den Titelsong. „In Edge of Thorns verbringt er den ganzen Song damit: „Ich denke nicht mehr an dich, aber das genaue Gegenteil ist offensichtlich wahr“, sagte er. „Dieser ganze Song handelt von den Problemen von New Probleme von New York City, beschreibt den ganzen Alptraum aber am Ende sagt er: ‚Still you know I’m never gonna leave‘.“

Johnny ist das Fundament

O’Neill wollte den Track auch nutzen, um Middleton (Bassist) einen Moment im Rampenlicht zu geben. „Es war mir wichtig, auf jedem Album einen Song zu haben, in dem man Johnny würdigen kann“, sagt er. „Jon, Criss und ich bekamen immer eine Menge Lob, weil wir wie das Mauerwerk des Hauses sind. Aber Johnny ist der Balken, der das Ganze zusammenhält, und er legt das Fundament, das es uns ermöglicht, dass ganze Haus zu bauen. Sie sind nicht so präsent. Man kann ihn nicht sehen, aber wenn man ihn wegnehmen würde, würde das ganze Haus einstürzen.“

Middletons Leistung sticht ebenfalls hervor im Mittelteil von „Ghost in the Ruins“, wo er und Criss den musikalischen Weg des Albums pflastern. Wir hatten einen Riesenspaß mit diesem Song“, sagte O’Neill. „Die Spuren der Rhythmusgitarre waren 12 Spuren stark, was dem Song seine massive Wand verleiht.“

„Das war ein sehr lustiger Song“, erinnert sich Jon. „Criss und ich hatten die Musik dafür schon lange, aber wir hatten nie etwas damit gemacht, weil uns nie etwas einfiel dazu zu singen. Paul hatte die Idee für die die Idee für die Melodie, die wir ursprünglich singen sollten, und ich machte sie ein bisschen schwerer.“

Liebe versus Vernunft

Der Song „Stay“ war ursprünglich als Folgesong für „Ghost In The Ruins“ gedacht, der den Ausreißer-Charakter weiter erforscht, auf den sich das Lied bezieht. „In der langen Version, schnappt D.T. seine Freundin und bringt sie zu Dukes Haus und gibt ihr genug Geld, um nach Hause zu kommen,“ sagte O’Neill. „Aber zuerst muss sie die Nacht dort bleiben, denn die Busse fahren erst am nächsten Tag.“

Duke und seine Freunde sind von ihr fasziniert. Sie sehen in ihr all die Möglichkeiten, die sie einst in ihrem Leben hatten. Sie werden sie zurückschicken, weil sie sie da raus haben wollen, aber ein anderer Teil von ihnen will, dass sie bleibt. Denn sie ist das Licht, sie ist Unschuld ist und ein wenig Hoffnung in ihrem Leben.“

Der Wendepunkt

Das ergreifende „If I Go Away“ stellt einen Wendepunkt in der Geschichte dar. „D.T. liebt dieses Mädchen, aber er weiß auch, dass er es vermasselt“, sagt O’Neills. „Er will mit ihr zusammen sein, aber er will sie auch nicht will sie nicht runterziehen. Das Schmerzhafteste ist es für ihn, sich aus ihrem Leben zu entfernen, aber ihr Glück ist ihm wichtiger, als dass er sie mit all seinen Fehlern belasten will.

„Er begreift auf einer gewissen Ebene“, so O’Neill weiter, „dass er anscheinend die Menschen verletzt; die Menschen, die er am meisten liebt und die ihn am meisten lieben. Tex, der nichts getan hat außer ihn sein ganzes Leben lang zu beschützen, stirbt wegen etwas, das er getan hat. Zudem hat nichts anderes getan, als Elend über das Leben seiner Freundin zu bringen, aber er liebt sie so sehr. Sie sind keine Seelenverwandte, und er begreift:

„Unsere Seelen sind so miteinander verflochten,

dass ich immer der Geist in deinen Augen sein werde, und ich werde immer bei dir sein.“ Jon glaubt, dass sich der Kontext des Titels sich im Laufe der Zeit verändert hat. „Wenn man sich den Song anhört, nachdem Criss verstorben ist, bekommt der Text eine eine ganz neue Bedeutung, und es klingt eher so, als würde ich für ihn singen“, sagt Jon. „Ich kann nicht anders. Ich weiß, worum es in dem Lied geht, aber wenn ich das Lied live singe, passt der Text zu Criss. Das ist das ist wirklich das Eindringlichste an diesem Song.“

Er vergleicht die Leistung seines Bruders bei „If I Go a Away“ mit „Tonight He Grins Again“. „Du kannst ein großartiger Gitarrist sein, aber du kannst einen Song ruinieren, wenn du ihn zu voll spielst“, sagt er. „Criss wusste, wo er was reinpacken musste, und er wusste auch, wo er sich lieber zurückhalten sollte. Das ist sehr wichtig.“ O’Neill lobte auch Criss‘ Fähigkeiten.  „Ich glaube, Criss hatte eine tiefe Menschlichkeit, und ich denke, sie spiegelt sich in seinem Spiel wider“, sagt Jon.

Kampf gegen Dämonen

Das Tempo wird wieder schneller mit dem treibenden „Agony and Ecstasy“, in dem sich D.T. mit seiner Vergangenheit konfrontiert. „Er kommt von seinen Dämonen weg, aber nachdem er versucht hat, das Richtige zu tun und alles um ihn herum trotzdem zusammenbricht, kehrt der Abgrund als Antwort zurück“, sagte O’Neill. Das kraftvolle Riffing des Songs wurde von Criss geschrieben.

Das zärtliche „Heal My Soul“ hingegen basiert auf der traditionellen walisischen Hymne „Suo Gan“. „Ich habe ‚Suo Gan‘ immer geliebt, aber ich verstand kein Walisisch, also verstand ich kein einziges Wort von dem, was sie sagten“, sagte O‘ Neill und lachte. „Aber ich war so verliebt in die Melodie. Ich hörte diese Melodie, und die Worte sprangen mir einfach in den Kopf.“

‚Heal My Soul‘

war der einzige Song, bei dem ich in Betracht gezogen hatte Jon nicht mitsingen zu lassen“, fuhr er fort. „Ich wollte ein Kind singen lassen – etwa ein 10-jähriges Kind – mit dem Kinderchor hinter ihm. Aber Jon hat hat es so ergreifend gesungen. Der Chor im Hintergrund ist sehr subtil, denn in der Geschichte ist es der alte Mann, der da liegt, und es ist sein Geist, der als kleines Kind singt und um Erlösung bittet.“

Jon sagt, er habe gerne mit dem Kinderchor gearbeitet, geleitet von Savatage-Kollaborateur Bob Kinkel. Es habe ihm nichts ausgemacht, dass er bei zwei Songs auf dem auf dem Album nur mit Klavier und Gesang zu hören war. „Ich hatte eine tolle Zeit bei diesem Stück“, scherzt er. „Weil wir den Live-Kinderchor hatten, mussten wir ihn live schneiden.

Die Kinder kamen für zwei Tage zu uns, und ich war im Hauptraum mit dem Klavier und einem Gesangsmikrofon, und die Kinder waren abgetrennt. Eine Ballade ist aber ‚Heal My Soul‘ und ‚A Little Too Far‘ waren beide großartige Songs, und beide machten in der Geschichte Sinn.“

Anfangs war sich O‘ Neill allerdings nicht sicher, welchen Song er verwenden sollte, um die Geschichte zu vervollständigen.

„Wir wollten die Geschichte positiv enden lassen!“

„Das ist der Frank Capra in mir , aber es sollte auch sehr spirituell sein, weil die ganze Reise so spirituell ist“, sagte er

„In dem Stück gab es ‚Somewhere In Time‘ gefolgt von einem Dialog, und dann gab es ‚Believe‘. Aber da es sich um eine Rockoper handelt, habe ich mich immer gefragt: „Welchen Song sollen wir nehmen?

Jon und Criss meinten: „Zur Hölle, lasst uns beide nehmen. „Ich spielte Jon ‚Somewhere In Time‘ vor. Ich fand es perfekt. Aber Jon – ein Genie wie er war- kam mit dem abschließenden Instrumentalteil, der dem Ganzen eine musikalische Wendung gibt. Nicht nur auf eine andere Ebene gehoben, sondern er gab dem Song die Chance zu atmen, bevor er in ‚Believe‘ übergeht. Das ist das Tolle an der Arbeit mit Schreibern wie Jon zu arbeiten. Sie fangen die Teile ein, die man sonst verpasst.“

Jon bezeichnet die beiden Songs als seine zwei Lieblingssongs auf des Albums nach ‚Tonight He Grins Again‘. „Sie haben eine große Bedeutung, und sie sind sehr emotional“, sagt er. „Sie decken sozusagen alles ab – großartige Texte, großartige Gitarrenparts und tolle Melodien. Und sie arbeiten so perfekt zusammen, wie das eine direkt in das andere ineinander übergeht.

„Heal My Soul“, „Somewhere In Time“ und „Believe“ erinnerten mich immer an die B-Seite von ‚Abbey Road‘, wo drei oder vier Dinge direkt zusammenliefen. Du wusstest nicht, ob es ein einziger langer Song war, oder tatsächlich vier oder fünf verschiedene Songs. Das war mein Gefühl dabei. Ich wollte, dass es wirklich schnell geht.“

Die Hymne „Believe“

Auf der Bühne wurde „Believe“ zu einem Highlight von Savatage-Konzerten. „Dieser Song hat eine ganz besondere Vibe“, sagt Jon. „Jedes Mal, wenn man ihn spielt, fühlt es sich wie das erste Mal an. Ich weiß nicht, was es mit diesem Song auf sich hat. Vielleicht ist es die Botschaft, aber es scheint einfach den Nerv der Leute zu treffen, und die Reaktion ist immer überwältigend. Wenn man das auf der Bühne hört, gibt das einen echten Kick.

Der Broadway-Tradition folgend, greift der Song eine lyrische Passage aus „When The Crowds Are Gone“ auf. „Wenn man sich ein Broadway-Stück ansieht, sieht man es meist zum ersten Mal“, sagte O’Neill. „Deshalb haben sie Ouvertüren und wiederkehrende Themen, so dass man Melodien vorstellt und sie dann später mit Worten wiedergibt. Das gibt den Leuten eine Chance, sich damit vertraut zu machen. Und Vertrautheit fördert das Wohlbefinden.“

Die lyrische Wiederholung (später wiederholt in „Handful of Rain’s“abschließender Hommage an Criss Oliva „Alone You Breathe“) verfolgte auch andere Absichten, so O’Neill. „Ich habe versucht, die Ähnlichkeiten zwischen uns allen zu zeigen. Duke singt dieses Ding als alter, ausgebrannter Blues-Typ, aber D.T. hat die gleichen Gefühle. Ich denke das ist etwas, was wir alle irgendwann einmal fühlen; es ist etwas, mit dem wir uns alle identifizieren können.

Jeder macht Fehler im Leben

„Es ist egal, was dein Job im Leben ist“, fuhr er fort. „Irgendwann in unserem Leben machen wir Fehler. Wir alle vermasseln etwas und wir alle brauchen Erlösung. Und wir alle müssen daran glauben, dass es da draußen etwas gibt, das größer ist als wir selbst und das trotz unserer eigenen Schwächen ein Auge auf uns wirft. Ich glaube, es gibt so viele allgemeingültige menschliche Erfahrungen und Emotionen, die sich in diesem Lied widerspiegeln.

Es ist mir egal, ob man als Kennedy geboren ist oder ob man irgendwo in einer Hütte geboren ist. Wir haben alle glückliche Momente! Wir alle haben traurige Momente! wir alle haben Momente, in denen wir uns nicht wirklich sicher sind, worum es eigentlich geht. Der Text handelt von die Macht der Erlösung, aber in Kombination mit den Melodien, ist die Kraft der Musik zur Erlösung ist atemberaubend.

Die Worte arbeiten den Weg in den Kopf, die Melodien arbeiten sich in die Seele, und Olivas‘ Darbietungen wickelt sie ein und macht den Deckel zu.“

Ein Wiegenlied

Musikalisch hoffte O’Neill, der Song würde beruhigen. „Ich wollte, dass es wie ein Wiegenlied klingt, in dem dass es einen hin und her wiegt“, erklärte er. „Der Rhythmus schaukelt dich von links nach rechts, und das Gitarrensolo ist kein wildes Solospiel – es ist sehr choreografiert, geplant und strukturiert, und es umhüllt dich und gibt dir das Gefühl von Sicherheit. In dieser ganzen Geschichte geht es um Gefahr und Beklemmung. Es ist wie ein Kind, das Angst hat, und dann plötzlich von seiner Mutter umarmt wird. Das ist das Gefühl, das ich mit dem Song erreichen wollte. Ich wollte, dass er sich um dich wickelt.“

Die erste Zeile kann auf mehrere Arten interpretiert mehrere Möglichkeiten. „Ich habe schon immer doppelte und dreifache Anspielungen gemocht„, sagte O’Neill. „Man kann an One-Night-Stands in jungen Jahren denken, so dass man über all die Leute sprechen kann, mit denen man nur eine Nacht lang intim war. Aber mit D.T. ist es irgendwie auch wie mit One-Night-Stands. Man geht auf Tournee und man ist in jeder Stadt für eine Nacht. Es könnte für all die verschiedenen Menschen, die er im Leben getroffen hat, gelten oder es könnte für all diese Jahre auf der Straße stehen.“

Spiritueller Abschluss

O’Neill merkte an, dass er wegen der spirituellen Untertönen des Songs oder des Albums nicht besorgt war. „Die einzige Sorge, die ich hatte, war meine Mutter, denn meine Mutter ist sehr religiös“, sagte er und erklärte, dass er sich nicht sicher war, ob sie es gutheißen würde, dass ein ausgebrannter, drogensüchtigen Rockstar den Namen Jesus bekommt. (Am Ende schließlich liebte sie Streets, sagte O‘ Neill.)

Er hoffte auch, dass die Zuhörer dem Song etwas abgewinnen können, unabhängig von ihrer individuellen religiösen Überzeugungen. „Ich bin nicht übermäßig  religiös, aber ich glaube definitiv, dass es einen Gott gibt, weil ich einfach nicht glaube, dass alles ein Zufall ist“, sagte er. „Der Mensch, der sehen und hören kann, Liebe, Lachen, Kabelfernsehen erleben kann – das muss sich jemand ausgedacht haben. Ich glaube, dass es einen Grund für das Leben und die Existenz gibt, und eines Tages werden wir herausfinden, was das ist. Und wenn es ihn nicht gibt, glaube ich, dass es unsere Pflicht ist, einen Grund zu finden. „Im Neuen Testament“, fuhr er fort, „fragte jemand Christus: ‚Worin liegt der Sinn?‘

Er sagt: ‚Liebe deinen Nächsten und liebe dich selbst!

Das ist so einfach! Man nehme diesen einen kleinen Satz und wende ihn auf die Welt an, und alle Probleme der Welt würden endlich verschwinden. Wenn ich morgen sterben und herausfinden würde, dass Christus nichts mit Gott zu tun hatte, wäre ich trotzdem froh, dass ich versucht habe, dem zu folgen, weil ich glaube, dass es mich zu einem besseren Menschen macht.“ O’Neill lobte Jons gesangliche Leistung bei dem Song:

„Er reißt mir das Herz heraus!“

„Ich denke, dass er sich unzweifelhaft mit der Figur identifizieren konnte,  weil er sie gelebt hat. Als Produzent ist seine Stimme wie als wäre man ein Bildhauer und hätte dieses perfekte Stück Marmor vor sich. Er versetzt dich dorthin, und jedes Mal, wenn er singt, gibt er ein kleines Stück seiner Seele. Glücklicherweise ist Jons Seele so selbstregenerierend wie seine Leber. Er findet immer einen Weg, die Charakter zum Leben zu erwecken, und er lässt dich glauben.

„Meiner Meinung nach hätte Streets nur von Savatage aufgenommen werden können, denn innerhalb des normalen Formats einer Band, konnte nur Jon Streets möglich machen“, fuhr er fort. „Als Criss es erwähnte, war mein erster Instinkt: „Das ist eine Broadway-Show! Du kannst das nicht machen! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht erkannt wie viele Persönlichkeiten Jon in der Lage war.

Wenn man sich die Unterschiede von ‚If I Go Away‘ und ‚Heal My Soul‘ mit ‚Sammy and Tex‘ und ‚Agony and Ecstasy‘ anschaut, ist es nicht mehr derselbe Sänger. Das liegt an Jons Fähigkeit, mehrere Charaktere zu verkörpern und jeden einzelnen zum Leben zu erwecken.

Jon hat alles möglich gemacht

„Für mich ist Casablanca ein Film, der nur möglich ist wegen Humphrey Bogarts Tiefe als Schauspieler, und ich glaube nicht, dass A Beautiful Mind mit niemandem außer Russell Crowe funktionieren würde. Jon ist der einzige Sänger, den ich kenne, der Streets hätte singen können, denn nur er hatte die Fähigkeit all diese Rollen als ein einziger Sänger zu übernehmen und sie alle auszufüllen. Er hat ein tiefes Einfühlungsvermögen für Menschen; er kann die Gefühle anderer Menschen nachempfinden. Er ist in der Lage in diese Rollen zu schlüpfen und sie zu verkörpern.“

Jon sagt, es war die schwierigste Gesangsarbeit die er je gemacht hat. „Es war das erste Mal, dass ich mich in die Figuren hineinversetzen musste, und es war seltsam, zu versuchen meine Stimme anders klingen zu lassen“, sagt er. „Es war seltsam, aber es war auch gut, denn ich habe in diesem Jahr Dinge über meine Stimme gelernt, die ich noch nicht kannte. Es war eine große Herausforderung, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Paul ist immer so! Er stellt Herausforderungen und er schafft es, das Beste aus einem herauszuholen.“

Super Arbeitsmoral

O’Neill lobte die Arbeitsmoral des Sängers. „Selbst als die Bandmitglieder einer nach dem anderen aufgerieben wurden, hielt Jon bis zum Ende durch, oder zumindest bis er beschloss, dass es vorbei war“, sagt er. „Er hat so ein Gespür für Melodien, und er ist einfach so vielseitig begabt. Er spielt Schlagzeug bei ‚Can You Hear Me Now‘ und ‚Jesus Saves‘, und ich finde, er spielt sie brillant. Ich bin immer noch beeindruckt, wie leicht und mühelos er von Instrument zu Instrument wechselt, ohne eine formale Ausbildung zu haben.“

Die Idee mit dem Schwanz

Aber die Zeit nach den Streets-Sessions war alles andere als einfach für Savatage. Erstens, nachdem Probleme mit dem in Auftrag gegebenen Artwork der Platte auftraten, musste die Band ein Albumcover finden. Dementsprechend schoss die Gruppe mehrere Fotos im Tampa Theater und daraufhin auf der Vorderseite eines ihrer zweiten Mal auf der Vorderseite eines Albums. Auch das Cover erfuhr eine leichte Verbesserung im Hinblick auf das Savatage-Logo, wobei dem „G“ ein Schwanz hinzugefügt wurde. „Ich glaube, das war Wacholz‘ Bestreben, den Schwanz an dem Ding anzubringen“, sagt Jon. „Ich glaube, jeder dachte, dass es cooler aussehen würde.“

Lob bei der Fachpresse, aber…

Nachdem die Platte veröffentlicht wurde, erhielt sie das meiste Mainstream-Kritikerlob von allen Savatage-Alben bis heute. Die Los Angeles Times und die Chicago Tribune, zwei der größten Tageszeitungen Amerikas, gaben beide Streets begeisterte Kritiken, wobei letztere das Album als „schmerzhaft brillant“. Als es Ende 1991 veröffentlicht wurde, hatte sich das musikalische Klima in den Vereinigten Staaten jedoch von Hard Rock und Metal wegbewegt. Stattdessen wurde das aufstrebende Genre des Grunge begrüßt. Die Marketingbudgets für etablierte Heavy-Künstler wurden entsprechend gekürzt.

Infolgedessen war die Streets-Tournee schwierig für die Band. Sie begann in Europa, wo die Gruppe zum ersten Mal als Headliner auftrat, wobei Vicious Rumors eröffnete. „Wir spielten anständige Nummern, aber die Leute kannten uns damals noch nicht“, sagt Jon. „Es war notwendig in den Clubs zu spielen, um uns ein Publikum zu verdienen.“

Entlastung für Jon

Während Criss Cafey andere musikalische Interessen verfolgte (mit den besten Wünschen und Empfehlungen der Band, merkte O Neill an) rekrutierte die Band John Zahner, um Rhythmusgitarre zu spielen und zusätzliche Keyboards während der Tournee.

„Das war nur dazu da, um die Dinge zu aufzumotzen und es ein bisschen einfacher für mich zu machen“, sagt Jon. „Ich hatte eine Menge Probleme beim Singen, und ich musste mich mehr darauf konzentrieren, alle Shows gesanglich zu überstehen und mich nicht so sehr um das Keyboardspielen zu kümmern. Ich spielte immer noch Klavier bei den Balladen, aber alles andere habe ich von ihm spielen lassen. Es war okay, aber ich hasse es, wenn andere Leute meine Sachen auf Keyboards spielen, weil sie es nicht so spielen wie ich – sie spielen es nicht so schlecht wie ich.“

An der amerikanischen Front, währenddessen Savatage zum ersten Mal in Hawaii auftrat, erkrankte Jon an einer Grippe und saß drei Tage lang in einem Hotelzimmer mit 40 Grad Fieber drei Tage lang in einem Hotelzimmer fest.

Explosive Show

Es ging zurück nach Hollywood Palace. Die Gruppe hatte dort auch die Gutter Ballet Tour gespielt, aber diese Show war noch „explosiver“ als die davor.

„Ich sang, und irgendetwas klang seltsam“, sagt Jon. „Ich schaute rüber, und Criss war nicht mehr auf der Bühne. Wacholz spielte immer noch und Johnny spielte immer noch, aber ich schaute nach unten, und Flammen schlugen aus dem vorderen Teil der Bühne. Die Lautsprecheranlage hatte Feuer gefangen. Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben gesehen, wie eine Crew so verdammt schnell von der Bühne weg war „

Problem des Alkohol-Mindestalters

Amerikas sich verändernde Musikszene war nicht die einzige Herausforderung für die Streets-Tour. In ganz Amerika wurde das legale Trinkalter praktisch über Nacht von praktisch über Nacht von 18 auf 21 Jahre erhöht und jüngere Fans konnten viele Konzerte nicht mehr besuchen, bei denen Alkohol ausgeschenkt wurde. „Das traf wirklich die gesamte Tournee und der Theater- und Clubbetrieb wurde einfach am Boden zerstört“, sagt Jon.

„Wir spielten an Orten, in denen wir auf der Gutter Ballet Tour gespielt hatten, wo wir an einem Donnerstagabend vor 1.500 bis 1.800 Leuten spielten, und wir kehrten zurück in dieselbe Stadt und denselben Ort auf der Streets-Tour und hatten etwa 600 Leute. Die Clubbesitzer waren alle gestraft, und sie weigerten sich jemandem etwas Anständiges zu zahlen, wenn man dort spielen wollte. Zu dieser Zeit wusste niemandem, was da vor sich ging. Wir sind ausgeflippt, denn für eine Weile dachten wir, dass es an uns lag. Es war schlimm, und es begann deprimierend zu werden. Wenn das passiert, kommt der Alkohol heraus.“

Jon verliert seine Stimme

Zur gleichen Zeit begann Jons Stimme zu schwächeln, genau wie Ronnie James Dio vier Jahre zuvor vorhersagte. „Er sagte mir, dass ich die Kerze nicht an beiden Enden abbrennen kann und dass es schwierig sein würde über einen längeren Zeitraum so zu singen, wie ich sang. Ich war jung und übermütig, also sagte ich: ‚Ich werde es dir zeigen!‘ Das war sehr kindisch und dumm.

Meine Stimme war sehr angeschlagen, weil ich so viel unterwegs war. Ich wachte morgens auf und ich konnte kaum noch ‚Hallo‘ sagen. Ich konnte es einfach nicht mehr“, so Jon weiter. „Bis dahin war es so, dass selbst wenn ich eine schlechte Nacht hatte, war es nicht die, wo ich Schmerzen hatte. Aber es kam die Zeit, an dem ich ich Blut spuckte und es schmerzhaft war, auch nur zu sagen, ‚Wie geht’s?‘ – geschweige denn ‚Hall of the Mountain King‘ zu singen.

Der einzige Weg, wie ich es überstanden habe, war indem ich mich jede Nacht betrank, bis ich den Schmerz nicht mehr spürte, und dann am Morgen unter Qualen aufwachte. Wir mussten einfach aufhören. Ich sagte ihnen: ‚Ich kann das nicht mehr tun. Wir müssen es beenden. „Wir haben versucht, so viel wie wir konnten, aber als es anfing, Schmerzen zu verursachen. So dachte ich mir: ‚Hier stimmt etwas nicht.‘ „Ich war einfach ausgebrannt. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Ich dachte, ich würde der Band schaden, weil ich nicht wusste, ob es das war, was ich noch machen wollte. Ich dachte, es läge an mir. Ich dachte, ‚Vielleicht ist meine Stimme einfach nicht radiotauglich.‘ Ich war einfach erschöpft, und ich musste weg von allem wegkommen. Ich dachte, das Beste für mich wäre eine Pause zu machen, um einfach wegzukommen.

Abbruch der Streets Tour

Dementsprechend wurde die Streets-Tournee abgebrochen. Die letzten beiden Auftritte der Band fanden in ihrer Heimatstadt Tampa, Florida, statt. Eine Handvoll Songs wurden bei den Tampa Bay Music Awards gespielt Awards gespielt, während das, was als „Jon’s Abschiedsshow“ angekündigt wurde, fand im Juni 1992 im Rock-It Club statt, einem Veranstaltungsort, in dem Savatage im Laufe der Jahre immer wieder auftraten. Original Bassist Keith Collins kam für eine Handvoll Songs auf die, während Chris Caffery als Gast den größten Teil des Sets übernahm. „Es war sehr emotional“, sagt Jon. Natürlich war die Show nicht Jons letzter Auftritt mit Savatage.

Dreißig Jahre später hallt das Vermächtnis der Band weiter immer noch nach, und das Gleiche gilt auch für Streets. „Die Leute können sich damit identifizieren“, meint O’Neill. „Die meisten Menschen sind nie in einem Krieg gewesen und waren noch nie ein blinder Passagier auf einem Schiff. Aber jeder hat seine ähnlichen Erlebnisse; jeder hat Angst davor es zu vermasseln; jeder hat Bedauern empfunden; jeder war verliebt; und ich denke jeder hat irgendwann einmal das Bedürfnis nach Erlösung. Ich denke, wenn du dich deprimiert fühlst und am Boden liegst, kann „Streets“ die Seele wiederbeleben.

Streets-Ein zeitloses Album

„Außerdem sind einige der Songs zeitlos“, fuhr er fort. „Das soll nicht arrogant klingen, aber ich denke einfach, dass Songs wie „Heal My Soul‘, ‚Believe‘ und ‚A Little Too Far‘ die menschliche Natur berühren. Ich glaube, alle Menschen haben etwas in sich, das sie an einem bestimmten Punkt im Leben ein bisschen zu weit gehen lässt. Das ist eines der großartigen Dinge am Menschsein, jedoch auch eine der gefährlichen Seiten des Menschseins. Ich denke, Streets hat es einfach eingefangen.“

„Ich wusste, dass es eine besondere Platte ist“, sagt Jon. „Ich habe bei vielem definitiv aus dem Herzen gesungen und wir haben uns bei dieser Platte den Arsch aufgerissen, und das merkt man. Es war das erste Mal, dass wir ein Konzept gemacht haben. Wir haben also viel riskiert und es stand eine Menge auf dem Spiel. Es war ein sehr, sehr intensives Jahr, aber es war auch ein sehr kreatives Jahr.

„Auf Streets wollten wir den Leuten zeigen dass wir mehr sind als nur eine Heavy-Metal-Band“, fährt er fort. „Es ist ein sehr vielseitiges Album mit vielen verschiedenen Stilen – es gibt Pop, Metal, Hardrock und epischen Rock. Du hast Elemente von unseren frühen Platten, aber auch die Pianosachen von Fight For The Rock und die Balladen von Gutter Ballet. Es war unser Höhepunkt, soweit es die Originalbesetzung betrifft.

Schlusswort

Das war unsere Serie zum großartigen Album „Streets“. Mein Dank gilt Clay Marshall für seine ausführlichen Andekdoten rund um das Album, die mir einen noch intensiveren Zugang zum Album eröffnet haben.

Und wer weiß… Vielleicht wird es zu den anderen Alben ebenfalls noch mehr zu lesen geben. Denn spannende und interessante Geschichten auf der Reiese von SAVATAGE wird es noch viele geben.

Hier sind die Links zu den anderen Teilen:

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Bildquellen

  • 0204062ERE Savatage Streets Booklet_141210.indd: CMM GMBH / earMUSIC

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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