SAVATAGE-Die Entstehung von „Streets“ Teil 1

Ein Monument

So kann man das Album „Streets-A Rock Opera“ von SAVATAGE (Facebook) getrost bezeichnen, das als eines der besten Konzeptalben in die Geschichte des Rock und Metal eingegangen ist. Es eine tragische und packende Geschichte eines Menschen, der eine wahnsinnige Reise durch Höhen und Tiefen seines Lebens durchmacht. Schließlich holen ihn seine falschen Entscheidungen ein und er muss sich der Dunkelheit geschlagen geben. Erst eine Art spirituelles Erlebnis bringt ihm die letztlich die Erlösung. Kurz zusammengefasst:

Die Story

Es geht um eine Person namens DT Jesus, der eine Karriere als Rockstar macht. Leider gerät er in einen dunklen Strudel zwischen Erfolg und Drogen, der ihn schließlich in die Tiefe zieht. Er landet in der Gosse, aus der er von seinem Freund und Manager Tex gerettet wird. Mitten in einem Comeback als Rockstar erscheint sein ehemaliger Drogendealer Sammy, dem er Geld schuldet. In einem Streit wird sein Freund Tex von Sammy erstochen. Voller Selbstvorwürfe und Selbstzweifel fällt er wieder in ein tiefes dunkles Loch. Erlösung bekommt er erst in einer Art spiritueller Erfahrung.

Die SAVATAGE Re-Releases als Vinyl

sind wahrlich etwas ganz besonders. Seit einiger Zeit wird die gesamte Diskografie von SAVATAGE nach und nach von EarMusic als Vinyl re-released. In der letzten Episode waren die Alben „Gutter Ballet“ und eben „Streets-A Rock Opera“ (Bericht) an der Reihe! Ich musste nicht lange überlegen und habe mir umgehend die „Streets“ bestellt. Mit dabei war ein mehrseitiges Booklet, in dem von Clay Marshall ausführlich Geschichten über die Entstehung bzw. Produktion des Albums beschrieben werden. Ich fand das sehr informativ und ich habe dadurch einen tieferen Zugang und intensiveren Bezug zu dem Album bekommen. Deswegen habe ich mir gedacht, dass ich den ganzen englischen Text übersetze und diesen hier mit Euch in einer mehrteiligen Reihe teilen möchte. Seid gespannt, denn es wird sehr interessant!

Die Entstehungsgeschichte von „Streets“

Leidenschaft Broadway

Die Ursprünge von Streets finden sich mehr als ein Jahrzehnt vor der Entstehung des Albums. In den späten 1970er Jahren war Paul O’Neill bereits ein Veteran in der Musikszene von New York City, obwohl er erst Anfang 20 war. Er hatte nicht nur in mehreren lokalen Bands gespielt. O’Neill war auch in regionalen Tourneeproduktionen von bekannten Musicals wie Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Christ Superstar“ involviert. Er hatte ebenso begonnen für die renommierte Musikproduktionsfirma Leber/Krebs zu arbeiten, die ihm einen Einblick in die Branche verschaffte. Aber der Broadway war O’Neills größte Leidenschaft. Und so begann er in seiner Freizeit Musicals zu schreiben. Eine Geschichte, die er immer wieder aufgriff, war eine Erzählung mit dem Titel „Gutter Ballett“, die von seinen Erfahrungen in der New Yorker Musikindustrie handelte.

Genie und Wahnsinn

„Die Exzesse der Rockwelt erschlagen mich manchmal immer noch, aber wenn man jünger ist und einige dieser Exzesse sieht, hat das wirklich einen Einfluss“, sagte er in einem Interview, das er vor seinem Tod im Jahr 2017 gab. „Ich habe die selbstzerstörerische Natur von Rockstars gesehen, und die Balance zwischen Genie und Wahnsinn. Im Rock ’n‘ Roll haben die Bands tonnenweise Leute um sich herum, die sie nicht nur vor dem Leben im Allgemeinen zu schützen, sondern auch vor ihren eigenen Fehlern.“

O’Neill arbeitete seit 1982 regelmäßig an „Gutter Ballet“. Allerdings zwangen ihn Künstlerbetreuung, Konzertveranstaltungen und vor allem die Albenproduktionen dazu, sein Manuskript auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen. „Ich hatte die Songs selbst aufgenommen, niedergeschrieben und wollte sie irgendwann in Richtung Broadway bringen“, sagte er. „Ich bin einfach nie dazu gekommen.“

Sieben Jahre später arbeitete O’Neill an seiner zweiten Zusammenarbeit mit SAVATAGE. Der Nachfolger des derzeit gefeierten „Hall of the Mountain King“ sollte zunächst den Titel „Temptation Revelation“ bekommen. Eines Tages, während einer Schreibsession in O’Neills Haus in Manhattan, entdeckte Criss Oliva das „Gutter Ballet“-Manuskript in einer Kommodenschublade. Er zeigte es daraufhin seinem Bruder, dem er eine Ähnlichkeit mit der Hauptfigur der Geschichte, D.T. Jesus, zuordnete „Criss begann es durchzublättern“, erinnert sich Jon, und Criss sagte: “Scheiße, das klingt wie Jon!“ Jon fiel es ebenfalls auf: „Er ist mir wirklich ähnlich!“

Jon hat Blut geleckt

Nachdem O’Neill die Handlung zusammenfasste und einige Charaktere kurz vorstellte, waren die Brüder Oliva ziemlich fasziniert. Criss schlug dann vor, dass die Band „Gutter Ballet“ als Nachfolger von dem Album planen wollten, welches nun kurz vor der Fertigstellung stand. Sie wollten O’Neills Broadway-Musical in eine Rockoper verwandeln. Aber Jon war schon ganz vernarrt in den Titel „Gutter Ballet“, und nachdem er eine Aufführung vom „Phantom der Oper“ gesehen hatte, begann er mit diesem Titel im Kopf bald einen Song zu schreiben. So kam es, dass „Gutter Ballet“ den Titel „Temptation Revelation“ als Titel des 1989er Albums von Savatage ersetzte.

Auf der Platte nahm die Band auch einen Song von O’Neills Manuskript, nämlich die dramatische Power-Ballade „When The Crowds Are Gone“. Die Gruppe betrachtete das Stück – vorgetragen von der Charakter Duke, dem alten Bluessänger, auf den in Streets in der Synopsis von Streets – als eine Art Testlauf, und die enthusiastische Reaktion darauf ermutigte die weitere Entwicklung von O’Neills Musical.

Die Odyssee von SAVATAGE beginnt

Kurz nach dem Abschluss der „Rulin‘ Gutter“-Tournee im Oktober 1990 begannen O’Neill und die Oliva-Brüder mit der Vorproduktion für das nächste Savatage-Albums. Der Titel „Gutter Ballet“ war nun bereits verwendet worden. „Ich war ein bisschen enttäuscht, dass wir „Gutter Ballet“ nicht mehr nehmen konnten, aber ich dachte mir, dass wir uns einen neuen Titel ausdenken würden“, so O’Neill. „Der Name des Albums hätte eigentlich Ghost in the Ruins heißen sollen. Aber „Streets“ war auch okay.“

Die Streets-Sessions wurden zu den längsten in der Karriere von SAVATAGE und hielten die Band in den New Yorker City’s 321 Studios (wo die Gruppe auch „Gutter Ballet“ und „Hall of the Mountain King“ aufgenommen hatten) von Januar bis Juli 1991. „Wir sollten sollten einen Monat lang im Studio sein und landeten dort für sechs Monate“, sagte ONeill. Wir haben viel experimentiert und versuchten, es mehr und mehr zu perfektionieren.“

Verfluchte Technik

Ein Grund für die lange Dauer der Sessions war der Umstand, dass das Album im 96-Spur-Digitalformat aufgenommen wurde. In diesem Fall waren es zwei bei dem zwei separate ‚Sony 3348s‘ 48-Spur-Maschinen. Zu dieser Zeit hatte keine andere Rockband eine Aufnahme von derartigem Umfang unternommen. („Gutter Ballet“ und „Hall of the Mountain King“ enthielten beispielsweise 48 bis 72 Spuren.) „Aber die Technologie wurde schnell lästig“, erklärte O’Neill.

„Als wir mit den Aufnahmen für den ersten Song begannen, hatten wir kaum etwas aufgenommen, als eine der der Maschinen in die entgegengesetzte Richtungen lief und das Band in zwei Hälften riss„, sagte er. „Wir riefen Sony an! Und Sony sagte: „Das ist physikalisch unmöglich“. Sie waren so hartnäckig, dass wir anfingen, ihnen zu glauben, obwohl wir es selbst gesehen hatten.

Aber wir konnten es nicht noch einmal machen, also begannen wir wieder mit den Aufnahmen. Wir nahmen einen ganzen Haufen von Songs auf, und der Unfall wiederholte sich, nur diesmal war das Band voll. Wir riefen Sony an und sagten, „Ihr hattet gesagt, dass könnte nie passieren! Nun, das Unmögliche ist einfach wieder passiert.“ Sie schickten ein paar Leute los und und ich glaube, sie haben das Aufnahmegerät tatsächlich nach Japan zurückgeflogen. Dann riefen sie an und sagten: „Wenn Sie dies und das tun und dazu noch jenes, dann könnte es eventuell unter seltsamen Umständen passieren…Ja, dann könnte die Maschine das Band in zwei Häften reißen!“

Ende Teil-1-

Newsletter bestellen für wöchentliches Update!

Bildquellen

  • SAVATAGE-Streets Vinyl: Verfasser
  • 0204062ERE Savatage Streets Booklet_141210.indd: CMM GMBH / earMUSIC

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 × 1 =