TRAUMA-Die Thrash Metaller im Interview

Auferstehung, Untergang, Wiedergeburt

MH: Hallo Kris Gustofson, deines Zeichens Drummer von TRAUMA (Facebook)! Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich von Eurem Album „Awakening“ sehr begeistert war (Review). Und ich bewundere die Tatsache, dass die Band trotz vieler Schicksalsschläge und unglücklicher Umstände weiterlebt, so dass ich mich darauf freue dieses Interview machen zu können.

Kris: Vielen Dank für deine netten Worte. Wir freuen uns, dass Dir unsere neue Veröffentlichung gefällt.

kein Support

MH: Jeder wird sich natürlich fragen: Warum hat eine Band, die Anfang der 80er Jahre als Pioniere in der Thrash-Metal-Szene gestartet ist, aufgehört, Musik zu machen?

Kris: Damals, nachdem wir „Scratch and Scream“ aufgenommen hatten, spielten wir viele Shows in der Bay Area und anderswo. Unglücklicherweise hatten wir keine Richtung und keinen Tour-Support, um die Veröffentlichung des Albums zu unterstützen, wir waren einfach verzweifelt und jeder zog einfach weiter.

Nach langer Pause in Deutschland

MH: Und warum habt ihr euch entschieden, nach nicht weniger als 31 Jahren wieder ins Geschäft einzusteigen?

Kris: 2013 hat Mike Varney eine Neuauflage von „Scratch and Scream“ gemacht und dachte, es wäre eine gute Idee, wenn es eine Band gäbe, falls wir nach der Veröffentlichung Angebote bekämen, live zu spielen. Dies taten wir 2014 auf dem Headbangers Open Air in Deutschland. Das war das erste Mal, dass die Band in Deutschland auftrat und der Stage Manager musste uns bitten, mit dem Spielen aufzuhören, da die Menge immer wieder nach mehr verlangte. Es war ein Knaller!

Das Album „Rapture & Wrath“– schlecht produziert?

MH: Nach dem Neustart habt ihr 2015 das Album „Rapture & Wrath“ veröffentlicht.
Wie hat die Szene euren Neustart damals aufgenommen?

Kris: Wir bekamen sehr positive Kritiken zu diesem Release. Allerdings haben wir kurz darauf das Line-Up der Band wieder auf 2 Gitarristen geändert. Irgendwo mussten wir ja anfangen, da wir so lange weg waren. Meiner Meinung nach war das Album in Ordnung. Donny und ich wussten zu der Zeit, dass wir viel mehr machen konnten.

MH: Ich persönlich fand den Sound des Albums allerdings eher schwach, so als würde man einen Rennwagen mit platten Reifen fahren. Ich bin überzeugt, dass die Songs viel besser hätten produziert werden können. Der Nachfolger „As The World Dies“ klang dann viel besser. Und zum aktuellen Album ist es eben ein Unterschied wie eine laue Sommerbrise zu einem Hurricane. Eigentlich ist es schade, wenn man bedenkt, dass „Rapture & Wrath“ euer Comeback-Album war.
Wie seht ihr das? Warum war die Produktion so schlecht?

Kris: Das stimmt. Nicht mein Lieblingsalbum! Das sehe ich auch so. Wir hatten nicht das richtige Line-Up. Wir hätten noch ein bisschen warten sollen, um die Dinge weiter zu verfeinern. Ich glaube, wir haben es ein bisschen überstürzt, weil wir an die Zeit zurückdachten. Ich war nicht zufrieden damit, wie es klang, aber Donny und weitere Leute waren anderer Meinung. Es ist, wie es ist.

Ein tragischer Verlust

MH: Dann gab es einen schweren Schlag für die Band, als 2020 Sänger Donny Hillier (R.I.P.) starb.
Gab es Überlegungen, alles hinzuschmeißen und die Band aufzulösen?

Kris: Das war in der Tat ein verdammt schwerer Schlag! Donny hat viele der Texte geschrieben, bevor er krank wurde. Ich war gerade im Studio und bereitete alles vor, als ich die Nachricht erhielt, dass er die Nacht nicht überstehen würde, also haben wir den Prozess unterbrochen. Wir dachten, dass es kein Trauma mehr geben würde. Donny wollte jedoch unbedingt, dass die Band weitermacht.

MH: Ihr habt zum Glück nicht aufgegeben und uns „Awakening“ geschenkt. Aber es musste ein neuer Sänger gefunden werden. Keine leichte Aufgabe! Wie habt ihr Brian Allen gefunden? Er hat einen tollen Job gemacht! Die stimmliche Bandbreite von Brian Allen ist bemerkenswert und bietet viele Möglichkeiten, nicht wahr? Hatte sein Einstieg einen Einfluss auf das Songwriting?

Kris: Brian Allen kam auf Empfehlung von Juan Urteaga, unserem Produzenten, zu uns. Wir hatten einige Videos von ihm mit Vicious Rumors gesehen und ihn zu einer Jam-Session eingeladen, und es hat einfach Klick gemacht. Es war, gelinde gesagt, ein Wunder, dass wir ihn bekommen konnten und dass er auch mitmachen wollte. Es hätte ein Albtraum sein können, jemanden zu finden, der in Donnys Fußstapfen tritt. Und ja, ich stimmte zu. Er hat einen großartigen Job auf dem Album gemacht!

Mit neuer Energie

MH: Meiner Meinung nach geht der Sound konsequent den Weg des letzten Albums weiter. Insgesamt ist es noch aggressiver, druckvoller, verrückter und eingängiger. Euer Album klingt einerseits klassisch und schnörkellos, andererseits aber auch mit einer lebendigen, erfrischenden Energie, bei der der Funke sofort überspringt. Das ist in allen Bereichen zu spüren; sei es das lebendige, dynamische Schlagzeugspiel, das wuchtige Riffing oder auch das verspielte Leadgitarren-Spiel inklusive brillanter Soli. Es scheint so, als ob jeder bei den Songs an seine Grenzen gegangen oder darüber hinaus gegangen ist, oder?

Kris: Danke für die netten Worte. Wir haben extrem hart an diesem Album gearbeitet und sind alles genaustens unter die Lupe genommen. Wir wollten nichts aufnehmen, bevor nicht alle Teile an ihrem Platz waren, was sehr lange gedauert hat. Außerdem wurde es während der Pandemie aufgenommen, was die Sache noch schwieriger machte. Wir schickten uns monatelang gegenseitig Dateien mit den Tracks. Wir haben uns mit dieser Veröffentlichung sehr viel Mühe gegeben.

Der Dämon des Untergangs

MH: Was ist die Idee hinter dem Albumtitel „Awakening“? Das letzte Album „As The World Dies“ beschäftigte sich ja schon mit dem erbärmlichen Zustand der Welt, aber die Menschheit lässt die Welt weiter untergehen. Soll der Albumtitel ein weiterer Weckruf sein? Übrigens, was hat es mit der Kreatur auf dem Cover-Artwork auf sich? Ist es vielleicht der Dämon der Verdammnis?

Kris: Ich mag diesen Dämon des Verdammnis. Wir werden ihn als unser Maskottchen verwenden! Wir dachten einfach, dass der Titel zu den Gedanken in jener Zeit passt. Es schien gut zu funktionieren. Viele andere Leute stellen sich die gleiche Frage. Es kommt wirklich darauf an, wie man es sieht.

Übersättigung

MH: Ist (Metal-)Musik zu einem Massenprodukt geworden, besonders durch Streaming-Dienste? Schenken die Leute der Musik heutzutage noch genug Aufmerksamkeit und wissen die Arbeit der Künstler zu schätzen? Oder wird Musik nur noch als Fast Food gesehen, das schnell konsumiert und vergessen wird?

Kris: Gute Frage! Es gibt Unmengen von Musik da draußen. Bis zu einem gewissen Grad ist sie massenproduziert. Früher musste man dafür ein anständiges Label beauftragen, aber heute gibt es keine Filter mehr, so dass ein Rudel wilder Hyänen ein Album herausbringen kann, wenn sie herausfinden, wie sie es selbst aufnehmen können. Der Markt für alle Arten von Musik ist übersättigt, und die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen ist kürzer geworden, nicht nur bei Musik, sondern bei allem auf diesem Planeten. Sehr traurig…

MH: Live-Auftritte sind (fast) immer ein unvergessliches Erlebnis. Wie sieht es mit euren Plänen in Europa aus? Können wir nächstes Jahr Gigs von euch erwarten?

Kris: Wir arbeiten an Tourneeplänen. Noch gibt es nichts zu verkünden, aber sehr bald.

Vielen Dank für die Fragen und das Interesse an Trauma! Ich hoffe, wir sehen/treffen euch irgendwann!

English version

Resurrection, Fall, Rebirth

MH: Hello guys! First of all I would like to say that I was very enthusiastic about your album „Awakening“. And I admire the fact that despite many strokes of fate and unfortunate circumstances, the band lives on. And I am happy to be able to do this interview with you.

Kris: Thank you very much for your kind words. We are happy that you like our new release.

No support

MH: Everyone will naturally ask: Why did a band that started out as pioneers in the thrash metal scene at the beginning of the 80’s stop playing music?

Kris: At that time after recording „Scratch and Scream“ we went on to play many shows in the Bay Area and elsewhere. Unfortunately, We had no direction, and no tour support to advance the release of the album, we just fell into despair and everyone just moved on.

Live in Germany for first time

MH: And why did you decide to enter the business again after no less than 31 years?

Kris: Back in 2013 Mike Varney did a re release of „Scratch and Scream“ and thought it would be a good idea if there was a band in case we received any offers to play live after the release which we did in 2014 at the Headbangers open air in Germany. This was the 1st time the band performed in Germany and the stage manager had to ask us to stop playing since the crowd kept asking for more. It was a blast!

Album „Rapture & Breath“–Bad production?

MH: After the new start you released the album „Rapture & Wrath“ in 2015. How did the scene receive your new start back then?

Kris: We received very positive reviews off that release. However shortly after we changed the line up of the band back to 2 guitarists. We had to start somewhere since we were gone for so long. In my opinion, it was an ok album. Donny and me at the time knew we could do a whole lot more.

MH: However, I personally found the sound of the album rather weak, somehow like driving a race car with flat tires. I am convinced that the songs could have been produced much better. The successor „As The World Dies” sounded then much better. And to the current album it is even a difference like a mild summer breeze to a hurricane. Actually, it’s a pity, considering that „Rapture & Wrath“ was your comeback album. How do you see that?

Kris: Agreed. Not my favourite album! I too think the same. We didn’t have the right line up. We should have waited a bit longer to refine things more. I guess we rushed it a bit, thinking back in time. I wasn’t happy with the way it sounded but Donny and others thought differently. Is what it is.

A tragic loss

MH: In 2020 there was a hard blow for the band, cause singer Donny Hillier (R.I.P.) died. Was the new album „Awakening“ already in the planning stage at that time? Had Donny possibly already written songs for the album? Was there any thought of throwing everything away and breaking up the band?

Kris: That was a major blow! Donny wrote many of the lyrics before he got sick. I was at the studio getting ready to set up when I received word that he may not make through the night , so we halted the process. We considered no more more Trauma. However Donny did want the band to continue, so months later we were introduced to Brian Allen.

The new singer Brian Allen

MH: You fortunately didn’t give up and gave us „Awakening“. But a new singer had to be found. Not an easy task! How did you find Brian Allen? He e did a great job! The vocal range of Brian Allen is remarkable and offers many possibilities, isn’t it? Did his entry have any influence on the songwriting?

Kris: Brian Allen came about on a recommendation from Juan Urteaga our producer. We had seen some videos from him with Vicious Rumors and got him down for a jam and it just clicked. It was a miracle to say the least that we were able to get him and that he wanted to do it as well. It could have been a nightmare to find someone to fill Donny’s shoes. And Yes, agreed. He did a great job on the album!

With fresh energy

MH: In my opinion, the sound consistently continues the way of the last album.  Overall, „Awakaning“ is even more aggressive, punchy, crazy and catchy. Your album sounds on the one hand classic without frills, but on the other hand with a lively refreshing energy, where the spark jumps over immediately. It can be felt in all areas; whether it’s the lively dynamic drumming, the massive riffing or even the playful lead guitar playing including brilliant solos. It seems like everyone pushed themselves to the limit on the songs. What would you say?

Kris: Thanks for the kind words. We worked extremely hard on this album and went over everything under the microscope. We did not want to record anything until all the pieces were in place which took a long time. It was also done during the pandemic which made things even harder. We sent files of the tracks to each other for months. We pushed very hard with this release.

The demon of doom

MH: What is the idea behind the album title „Awakening“? The last album „As The World Dies“ then already dealt with the pathetic state of the world, but mankind continues to let the world burn and worse than ever before. Is the album title supposed to be another wake-up call? By the way, what is the creature on the cover artwork all about? Is it perhaps the demon of doom?

Kris: I like that Demon of doom. We are going to use it as our mascot! We just thought the title was fitting on where everyone’s mind was at during that time. It seemed to work out good. A lot of other people ask the same question. It really is up to how one views it.

Supersaturation

MH: Has (metal) music become a mass product, especially through streaming services? Do people still pay enough attention to music these days and appreciate the work of the artists? Or is music only seen as fast food, which is quickly consumed and forgotten?

Kris: Good question. There is tons of music out there. To a certain degree it is mass produced. At one time you had to go through a decent label to achieve this, however, today there are no filters in place anymore so a pack of wild hyenas can put an album if they could figure out how to record themselves. The markets for all types of music is over saturated so, peoples attention spans have gotten shorter with not just music but with everything on the planet. Very sad..

MH: Live performances are (almost) always an unforgettable experience. What about your plans in Europe? Can we expect gigs from you next year?

Kris: We are working on touring plans. Nothing to announce yet, but very soon. Thank you very much for the questions and interest in Trauma! Hope to see/meet you at some point!

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Bildquellen

  • TRAUMA Awakening Titelbild-2-: CMM GmbH

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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