SAVATAGE-Die Entstehung von „Streets“ Teil 3

Die Aufnahme des Albums war nicht nur Spaß,

sondern auch viel Arbeit, denn O’Neill und die Olivas schufteten rund um die Uhr. „Die Streets-Sessions waren einfach zermürbend“, sagte Jon. „Wir arbeiteten nonstop, und wir hatten eine Tag- und eine Nacht-Crew. Paul verließ um sechs Uhr morgens, und er hinterließ eine Liste von Dingen, die die Assistenten erledigen sollten. Dann hatte er eine Liste mit Dingen, die wir zu tun hatten, und sagte: ‚Wenn Jon und Criss reinkommen, können sie Folgendes tun.‘ Wenn er nichts hinterlassen hat, haben Criss und ich versucht Ideen zu entwickeln oder wir haben mit Solo-Ideen herumgespielt. Das Studio war für SAVATAGE abgesperrt. E stand uns also rund um die Uhr zur Verfügung. Wann immer Criss und ich aufwachten, gingen wir einfach ins ins Studio, und in manchen Nächten schliefen wir sogar dort.

Doch als aus Wochen Monate wurden,

wurden die wurden die Brüder langsam unruhig. „Wir würden heute noch heute noch an der Platte arbeiten, wenn ich nicht in ein Flugzeug gestiegen und geflohen wäre“, sagte Jon.

„Eines Tages bekam ich eine Nachricht von Paul, dass ich mir den Mix Nr. 42 von „Believe“, anhören sollte, um zu sehen, ob er besser war als der Mix Nr. 31. Ich hörte sie mir beide an und konnte keinen Unterschied feststellen. Ich hätte alles darauf gesetzt, dass sie gleich sind. Das war es dann für mich. „Ich war ausgebrannt – ich konnte nicht mehr!“ Ich kaufte mir selbst ein Flugticket und flog in die Heimat nach Florida. Ich habe Paul nicht einmal gesagt, dass ich gehe.“

O’Neill lachte bei der Erinnerung daran. „Jon ließ die Sekretärin im Büro schwören, mir nichts zu sagen bis er im Flugzeug sitzen würde, weil er dachte, ich würde ihn nicht gehen lassen. Ich glaube, dass Jon dachte, ich würde ein wenig den Verstand verlieren. Und er hatte wahrscheinlich Recht. Ich war am Ende der Sache so blind, und ich hatte so verrückte Ideen. Ich wollte Songs noch einmal ganz neu aufzunehmen.“ Jon schaute dann so, als würde er sagen wollen:

„Paul, du hast komplett deinen Verstand verloren!“

O‘ Neil erzählt dazu eine Geschichte: „Wir wühlen uns durch so viele Bänder und Kassetten, die wir jeden Abend nach der Arbeit mit nach Hause nehmen. Wenn Jon und ich also Songs schrieben, haben wir immer alte Kassetten verwendet, um die Umwelt zu schonen.“

„Ich erinnere mich an einen Abend einige Jahre später nach „Streets“. Jon und ich saßen an einem Tisch und er holte eine alte Kassette heraus, damit wir mit der Aufnahme darauf beginnen konnten. Darauf stand: „Believe“, Mix 83B. Es war nicht nur Mix 83 – es war Mix 83B!!! Wir machten immer wieder diese kleinen, winzigen Korrekturen, um Dinge auszutüfteln.“

Die andere Welt

Obwohl ein großer Teil des Albums sich an O’Neills ursprünglichem Broadway-Manuskript ‚Gutter Ballet‘ orientierte, hatte ‚Streets‘ einige Ergänzungen parat. „Ursprünglich beginnt alles mit einem Dialog, und dann geht es in ‚Jesus Saves‘ über, denn man sieht das Set“, sagte O’Neill. „Aber weil ich es jetzt für eine Album brauchte, musste ich die Szene visuell beschreiben, um den Zuhörer in die Welt hineinzuversetzen.

O’Neill und die Olivas schrieben daraufhin den Song „Streets“, mit dem das Album beginnt. Er beginnt mit einer Passage aus der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“, aufgeführt von der New Yorker Kinderchor der Metropolitan Opera. „Die Zauberflöte ist ein Fantasiestück, das in einer anderen Welt spielt -einem Fantasieland, in dem all diese magischen Dinge passieren“, sagte O’Neill. „Mit ‚Streets‘ – obwohl es sich bei der Lower East Side von New York um einen üblen Stadteil handelt – war es in gewisser Weise genauso; es war wie eine andere Welt.“

Am Anfang ist die Unschuld

Ich beschloss: „Beginnen wir mit diesen schönen, fremdweltlichen Klängen, bevor die dunkle Seite zum Vorschein kommt. Ich dachte es würde die dunkle, abgründige Seite, die ich darstellen wollte, noch düsterer erscheinen lassen, wenn es mit den mit diesen unschuldigen, engelsgleichen Kinderstimmen beginnt.“

„Es gibt auch kleine Vorzeichen“, fuhr er fort. „Es ist ein Ausblick auf das Ende mit der Erkenntnis, dass auch im schlimmsten Menschen oder im ausgebranntesten Betrunkenen einst ein Kind steckte. Du hörst die Kinder mit ihren engelsgleichen und reinen Stimmen, und dann geht es um all diese Menschen, die inmitten von Dekadenz und allem anderen ihren Weg verloren haben. Wenn man dies direkt alles offenlegen würde, dann würde es nicht so gut funktionieren. So kommt es eher wie ein Nebel – es umhüllt dich einfach langsam und das nächste, was man weiß, ist, dass man sich in einer einer anderen Welt befindet.“

Die Musik für den Hauptteil des Liedes war eine Kombination aus zunächst zwei separaten Tracks, die die Oliva-Brüder geschrieben hatten. „Ich hatte den Riff der Strophe aus einem anderen Song, an dem ich arbeitete. Und Criss hatte diese großen schweren Akkorde“, erklärt Jon. „Ich nenne sie die „War Pigs“ Akkorde. Wir haben sie einfach zusammengepackt, und es funktionierte perfekt.“

Rock versus Gospel – Ein Streit

Das nächste Stück „Jesus Saves“ war anfangs eine Quelle des Streits ( O’Neills Originalversion von „Jesus Saves“ Jahre später als Bonustrack veröffentlicht ), da die Originalversion nur eine lyrische Ähnlichkeit mit der endgültigen Albumversion hatte. „Jesus Saves“ für die Broadway-Version war mehr Gospel. Es sollte klingen, als wenn man in eine Kirche der Baptisten des Südens besuchen würde“, erklärte O’Neill. „Aber Jon und Criss haben es gerockt, was besser zu Savatage passte! Wir haben versucht, ein bisschen härter zu bleiben, auch wenn ich ehrlich gesagt eher zur Gospel-Version neige. Aber es war ein tolles Riff!“

Jon sagt, dass er die Originalversion mochte, aber das Gefühl hatte dass sie musikalisch nicht mit dem kraftvollen Titelstück mithalten könne. Es war das Gefühl: „Das kann nicht der erste Song nach dieser großen Eröffnung sein“, sagt er. Er fügte hinzu: „Ich dachte, dass es einen total runterziehen würde.“ Daher forderte er:

„Wir brauchen etwas, das wirklich rockt!“

Pauls Hauptanliegen waren die Texte – er wollte nichts an den Texten ändern oder verlieren. Das machte es noch schwieriger, denn man musste einen Song schreiben, zu dem auch der Text passt. Ich erinnere mich, dass Criss und ich ungefähr neun Versionen von ‚Jesus Saves‘ geschrieben haben. Paul war aber einfach nicht zu begeistern, bis ich mir eines Nachts dieses schnelle Riff ausgedacht habe. Dann haben Criss und ich ich den Song ausgearbeitet. Wir blieben im Studio bis 7 Uhr morgens, nur mit dem Assistenten und einem 8-Spur-Gerät, und wir nahmen den ganzen Song auf. Dann dachte ich mir: „Passt der Text überhaupt noch daz? Also habe ich einfach angefangen zu singen und es passte perfekt. Wir haben es ihm am nächsten Abend zu Beginn der Session vorgespielt und er konnte uns nicht widersprechen. Als es losging, wurde jeder im Raum mitgerissen.“

‚Jesus Saves‘ wurde die erste Single und das erste Video, in dem auch der häufige Savatage-Coverkünstler Gary Smith mitspielte, der die Rolle des D.T. Jesus verkörperte. Ein Video für „New York City Don’t Mean Nothing“ wurde gefilmt, aber wie bei den verlorenen Tracks von „Streets“ fehlt die Master-Kopie und der Clip bleibt unveröffentlicht. „Es war eine Art unplugged Live-Video“, erinnert sich Jon. „Wir waren in einer Lagerhalle in einem Lagerhaus. Es war eine Art Schrottplatzszene, mit Mülleimern und solchem Zeug. Ich saß auf einem Hocker, spielte Akustikgitarre und sang. Der Rest der Jungs spielte. Wacholz hatte das große, hässliche Schlagzeug aus der Hölle, aber es war cool, weil wir es mit Müll vollgestopft hatten. Ich wünschte wir könnten das Video ebenfalls wiederfinden.“

-Ende Teil 3-

Link zu Teil-1-

Link zu Teil-2-

Bis nächste Woche! Dann geht es unter anderem weiter mit dem schwierigsten Stück des Albums, an dem man sich fast die Zähne ausgebissen hätte.

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Bildquellen

  • SAVATAGE Streets Booklet -4-: Booklet Vinyl "Streets" Re-Release
  • 0204062ERE Savatage Streets Booklet_141210.indd: CMM GMBH / earMUSIC

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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