Bewegender Blues Rock von Walter Trout – „Battle Scars“ (VÖ: 23.10.2015)

Was Walter Trout mit seiner am 23.10.2015 beim Label Mascet/Rough Trade erscheinenden CD „Battle Scars“ zu Stande gebracht hat, ist nur schwer in Worte zu fassen. Es ist das Werk eines Mannes, der eigentlich schon fest davon ausgegangen war, dass seine Tage gezählt seien. Die Musik auf Battle Scars beschreibt in eindringlichen Worten und Rhythmen präzise und grundehrlich die Reise ans Ende des Tunnels. Jeder Song verschafft uns einen intimen Zugang zu den Gefühlen, dem Wehmut und der Reue, die Walter im Angesicht des Todes einholten und bewegten. Er sagt selbst dazu:

„Last Year Has Been One Where The Blues Truly Came Calling, And I Came Face To Face With Death More Than Once”

Als Sideman von John Lee Hooker, John Mayall und als gefeierter Solo Artist hatte der Gitarrist den Blues bereits in vielen Facetten ge- und erlebt, doch so hautnah wie in 2014 kam er ihm nie zuvor. Nach einem Leberversagen stand Trout seinem Schöpfer persönlich gegenüber, denn dieser plante, ihn zu sich zu holen. Der zähe Bluesrock Veteran jedoch gab sich dem Schicksal nicht so einfach hin, sondern kämpfte mutig mit der Hilfe seiner Familie, seiner Fans und seiner heiß und innig geliebten 1973er Fender Stratocaster ums Überleben und…gewann!

Mit der Tür ins Haus

Gleich mit dem Opener „Almost Gone“ serviert uns Trout perfekt gespielten Blues Rock allererster Güteklasse. Walter blickt zurück und erkennt seine Fehltritte der Vergangenheit. Er wünscht sich nochmal zurückgehen zu können um Einiges ungeschehen zu machen und er ist sich sicher, bald nicht mehr da zu sein.

Mit bittersüßen Gitarrentönen unterlegt er dann im Prelude zum Track „Omaha“ die Sirenenklänge eines Krankenwagen – der eigentliche Track wirbelt Staub auf und könnte direkt aus einem Tarantino-Film stammen. Immer wieder inszeniert Trout in perfekter Art und Weise die Szenen, so wie es eigentlich nur den ganz Großen gelingt. Auch die „perfekte“ Produktion besticht immer wieder. Zwar klingt es hier nach Schmutz und Dreck, ganz so wie es sein soll, doch ordnen sich alle Instrumente transparent im Klangbild ein – ein purer Hörgenuß.

Walter Trout kann uns natürlich auch ganz andere musikalische Kost servieren. In „Tomorrow Seems So Far Away“ besingt der die Aussichtslosigkeit in der er steckt, doch musikalisch präsentiert er uns ein an die Black Crowes erinnerndes Rhythmuswerk. Ein durchaus interessantes Zusammenspiel.

Bring mich nach Hause

Please Take Me Home“ ist die tiefe Bitte an seine Frau, ihn nach Hause zu bringen. Der Stille Hilferuf und eigentlich auch die Liebeserklärung an seine Ehefrau. Eine wunderschöne Nummer, die stellenweise an Peter Frampton erinnert. Hier zelebriert Walter Trout ein melodisches Feuerwerk und nimmt sich beim emotionalen Abschlusssolo sehr viel Zeit.

Der Bruch ab dem 8. Song

Die Verzweiflung weicht und die OP ist überstanden. Man spürt förmlich, wie das Album ab Track Nummer 8 aufatmet. Positive Texte und Hoffnung werden mit offen klingenden Akkorden und sich entfaltenden Refrains dargeboten. Mit „Move On“ unterstreicht Walter dann nochmal, dass er wieder da ist und dass es weitergeht! ZZ Top-artig geht man hier zu Werke und die straight durchlaufende HiHat der Drums treibt die Nummer wild voran.

Wiedergeboren

Der eigentliche Abschluss-Track „Gonna Live Again“ ist eine akustische Ballade, die nur mit Gitarre unterlegt ist. Hier ist uns Hörern eine Gänsehaut garantiert. Der Song erreicht eine Tiefe, die man in solcher Weise eigentlich nur bei Interpreten wie Johnny Cash findet. Gekrönt wird die inhaltlich grandiose Nummer von einem meisterhaften Solo auf der Akustikgitarre.

Fazit

So klang er noch nie, er übertrifft sich auf diesem Werk selbst. Auch seine Mitmusiker tauchen musikalisch in die Thematiken ein und immer wieder entführen einen diese tiefgehenden Kompositionen in eine andere Welt. Weit weg vom klassisch romantisierten Blues des weißen Mannes schafft es Walter Trout, unsere Vorstellungskraft mit seiner Musik so zu animieren, dass wir schon fast neben seinem Krankenbett sitzen und die Szenerie beobachten. Für mich persönlich ist „Battle Scars“ das Blues Rock Album des Jahres 2015! Welcome Back Walter, schön, dass Du noch da bist!

Auf gar keinen Fall verpassen solltet Ihr einen der Auftritte seiner anstehenden Tour. Da diese Tour ein besonderer Dank an seine Fans sein wird (es wurden von Fans weltweit 240.000 Dollar gespendet, um die Lebertransplantation zu ermöglichen), werdet Ihr sicherlich Zeugen einer historischen Tour!

Hier für Euch als Service noch seine Tourdates:
01.12.15 Hamburg
02.12.15 Berlin
03.12.15 Bochum
06.12.15 München

Mehr Infos gibt es im Netz unter www.waltertrout.com

 

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Bildquellen

  • Walter Trout: www.amazon.de

Blues Mike

Als ich 12 war, gab mir ein Freund die Nummer des Teufels. Unter dieser Nummer meldete sich sein Assistent, der Meister der Puppen. Er sagte mir, dass es Rost im Frieden gibt und ich fortan mit meiner Gitarre um Gerechtigkeit für Alle kämpfen sollte!

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