Nord Open Air 2018 – Tag 1 (Teil 2)

Ryker´s-NordOpenAir2018,27.07.18,Tag1

Inzwischen hat sich der Platz gut gefüllt, die Suche nach einem Schattenplatz bleibt erfolglos, Getränke diffundieren einfach durch die Haut und ich genieße die Wassergüsse aus dem Graben. Die Schlangen an den Getränkeständen des Nord Open Air sind lang, es riecht nach Sonnencreme, Bier und Schweiß – Festival im Sommer eben. All das hält weder Bands noch Publikum davon ab, alles zu geben.

RYKER’S – wie immer hard to the core

Die Band aus Kassel, die in den 90ern eine der erfolgreichsten Hardcore-Bands Europas war, sich im Jahr 2000 auflöste und 2013 neu gründete, hat einige Besetzungsänderungen hinter sich.

Songs aus ihrem ‚Comeback-Album‘ Hard To The Core (2014) sorgen heute für ordentlich Bewegung bei den Zuhörern.  Es folgt ein Moshbrett nach dem anderen. Ob RYKER’S sich in Fastcore-Gefilden bewegen oder derben Hardcore mit Punkrock-Einschlägen oder gelegentlicher metallischer Breitseite abfeuern: es gibt immer ordentlich was auf die Zwölf. Als Frontmann Dennis Müller den direkten Kontakt zum Publikum sucht und vor der Bühne mitspringt oder bei First Blood Konfetti geschossen wird, tobt die Menge.


D.R.I.  – das Hardcore-Urgestein

Wenn man bedenkt, was D.R.I. 1982 mit ihrer Dirty Rotten EP, auf der sie 22 Songs in 17:38 Minuten in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit runtergekloppten, losgetreten haben, ist es wirklich bedauerlich, dass es seit 23 Jahren kein neues Album gibt.

Dennoch treffen D.R.I. zumindest hier auf den Nord Open Air auf eine recht breite Fanbasis. Riesenjubel auch, als Kurt Brecht darauf verweist, dass Essen ja „the home of KREATOR“ ist.

D.R.I. haben nichts an Biss verloren. Auch heute brüllt Kurt Brecht uns seinen angepissten Stakkato-Gesang entgegen, haut Spike Cassidy einem treibende Riffs um die Ohren, wummert der Bass und die Drums powern punkmäßig durch.
Bei diesem Tempo gibt es für das Publikum kaum Zeit zum Luftholen. Der Viehofer Platz bebt.


TERRORGRUPPE  – Dots-Kleid und Affenselfie

Bevor die Hauptstadt-Punks die Bühne betreten, ist das Backdrop mit dem stilisiertem Affenselfie, um das immer es immer noch einen Rechtsstreit gibt, zu sehen. Das Affenselfie ziert das Cover des Albums Tiergarten von 2016, mit dem die Terrorgruppe sich nach längerer Pause zurückgemeldet hat.

Als Archi MC Motherfucker in weißer langer Unterhose und rotem Kleid mit weißen Dots die Bühne betritt, wird gleich klar: es ist Zeit für heftiges spaßiges Pogen.

Es geht aber nicht nur um Spaß an Straßenköter-Punkrock. Mit ihren Texten legen sie der Gesellschaft gerne den Finger in die Wunde und schießen auch heute mit Songs wie Leider nur ein Traum oder Opa ordentlich gegen Politiker, ‚besorgte Bürger‘ und Rassismus. Dabei bleibt die direkte Gesellschaftskritik immer auch humorvoll. Die Musik ist schwungvoll und mit Metalcore-Elementen gespickt. Das Publikum brüllt die Texte mit, reagiert enthusiastisch, als Archi ihm entgegenbrüllt: „euer Hass macht mich stark“! Das ist Punk.


HATEBREED – Wutgebrüll und Geballer

Es ist wie jedes Mal, wenn ich HATEBREED irgendwo live sehe: die Jungs kommen auf die Bühne, spielen ein paar Takte und die Menge eskaliert. Das ist auch heute nicht anders. Schon bevor Jamey Jasta und seine Jungs auf die Bühne kommen, skandiert die Meute auf dem bis auf den letzten Zentimeter gefüllten Viehofer Platz: Hatebreed! Hatebreed! Von Anfang an sorgen HATEBREED für gewohnt viel Bewegung im Moshpit. Die Jungs im Graben haben ordentlich zu tun, um die crowdsurfenden Fans in Empfang zu nehmen und wieder sicher auf die Füße zu stellen. Währenddessen schreit Jamey unterstützt von harten Riffs und treibendem Double-Bass-Gedonner ihre Botschaft des Hasses und Widerstandes gegen Ungerechtigkeit und andere gesellschaftliche Übel eindringlich dem Publikum entgegen. Dieses nimmt die Energie und Wut auf und leitet sie in excessives Headbanging und Hardcore-Kreiseln um. Erstaunlich finde ich immer wieder, dass dieses Mitten-in-die-Fresse-Geballer so viel Spaß macht.


Erschöpft aber zufrieden verlasse ich den Platz und bin schon gespannt auf den nächsten Tag.

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Bildquellen

  • Ryker´s-NordOpenAir2018,27.07.18,Tag1-Essen-19-1448: © 2018 by Metal-Heads.de/Treasureman
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Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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