Black Metal aus Deutschland: ULTHA – „Pain Cleanses Every Doubt“

Nicht mehr ganz frisch – aber eine CD-Review allemal wert – ist das aktuelle Album der Kölner Black Metaller von ULTHA. Die Jungs haben ihre Scheibe mit dem Titel „Pain Cleanses Every Doubt“ am 31.07.2015 an den Markt gebracht. Hier erfahrt ihr, ob und warum sie uns gefallen hat…

Intelligent, atmosphärisch und modern zugleich

ULTHA aus Köln zelebrieren auf ihrem aktuellen Longplayer intelligenten, zeitgemäßen Black Metal mit feinen Details. Das Ganze geschieht in vier „Akten“, die sich nahezu perfekt aufeinander abgestimmt in die Gehörgänge fräsen. Die Bandmitglieder, die sich selbst nur C, J, M und R nennen, spielen ihre komplette Erfahrung aus, die sie über die letzten Jahre in diversen Bands sammeln konnten. Atmosphärisch deckt das Album ein enorm großes Facettenspektrum ab und man merkt schnell, dass man sich nicht nur „plain and simple“ an die alten Vorbilder anlehnt, sondern die Männer um Sänger und Bassisten C bewusst neue und eigene Wege gehen, die stellenweise Einflüsse von Ash Of Borer bis Blut Aus Nord ausweisen. Zwar werden hier und da auch mal die Helden der alten skandinavischen Schule gehuldigt, doch der Ansatz ist eher progressiv im US Black Metal verankert. Man merkt einfach, dass die Jungs es wissen wollen und sich nicht mit eingestaubten Layouts zufrieden geben! Gut so, denn so hat “Pain Cleanses Every Doubt” praktisch keinen Abnutzungsfaktor und offenbart in seinen knapp 40 Minuten Spielzeit, selbst bei mehrmaligem Hören immer wieder Neues.

Es wird dunkel

Gleich mit dem ersten Song „Crystalline Pyre“ ziehen uns ULTHA in ihren dunklen Bann. Sie offenbaren uns direkt eine ihrer großen Stärken, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht, nämlich das Kreieren unverkennbarer Melodien, die dann immer wieder in Loop-artiger Weise an diversen Stellen des Songs auftauchen. Dabei nehmen sie sich für solche Melodiepassagen viel Zeit und variieren die Themen gekonnt. Der Mittelteil des Openers wirkt bewusst kalt, gefühllos und disharmonisch. Man arbeitet kreativ mit zurückgefahrenem EQ der Gitarren. Unterstützt wird dieser Part von den tiefen Growls die dann noch von der treibenden, trockenen Double-Bass unterstützt werden. Hier fällt die stimmige Produktion auf, denn glücklicherweise gibt es hier keine Drum-Trigger, sondern man hält den Gesamtsound roh und versieht ihn mit einem perfekt gewählten Hall. Das trägt zum einen zur Atmosphäre bei und zum anderen ermöglicht es dem Hörer, den Klang als Gesamtes wahrzunehmen, ohne dass ein Instrument extrem ins Übergewicht fällt.

Der Abriss des Kirchturms

Perpetual Resurrection“ wird alleine vom Ride-Becken des Schlagzeugs eingeleitet. Ein mutiger Ansatz. Erinnerungen an eine karge Landschaft und den Klang einer zerstörten Kirchenglocke werden hervorgerufen. Auch hier schaffen es ULTHA wieder die Message des Songs klanglich perfekt in Szene zu setzen. Und ungewöhnlich geht es mit einem 6/8 Takt weiter. Hinzu kommt aus dem Hintergrund eine dieser ULTHA-typischen Melodie angeschlichen, die sich unweigerlich in die Hirnrinde einbrennen. Die Gitarren betonen hier die Vocals, beide liegen fast übereinander und die dunkle Grundstimmung des Songs kann uneingeschränkt zur Geltung kommen.

Death Western ohne Duell

Death Created Time To Grow The Things It Kills” beginnt mit einem fast progressiv anmutenden Gitarrenriff. Alleine das Intro würde den perfekten Sound zu einem Duell, zweier seelisch abgebrannter Revolverhelden eines Westerns bilden. Die Musiker wickeln uns hier förmlich ein, um dann in schleppendem Beat eine Soundwalze auf uns loszulassen. Man könnte sagen, dass diese Nummer den ruhigen Pol des Albums bildet. Erst bei fünf Minuten Spielzeit serviert man uns Blast-Beats und führt den Song ins ausgedehnte Finale.

Überfall im Zeitraffer

Im finalen Song „You Exist For Nothing” werden wir ohne Vorwarnung Überfallen. Kein Intro, nein, hier geht es direkt zur Sache und das muss ein Song mit dieser Message auch! Interessant ist der schnelle Wechsel zwischen Screams und Growls, ja ULTHA bedienen hier praktisch den Zeitraffer und führen uns durch das gesamte Klangspektrum der Band. Perfekt getimt leitet man einen genialen Refrain ein, bei dem wieder die Instrumente, Rhythmus und Vocals übereinander liegen. So kommt dieser Refrain fast Hymnenartig. Ein würdiger Abschluss.

Pain Cleanses Every Doubt” ist ein klug aufgebautes Black Metal Album, welches es schafft sich nicht zu oft zu wiederholen. Das Album ist eine geschlossene Einheit, die dennoch den einzelnen Songs viel Entfaltungsspielraum lässt. ULTHA ist eine Band mit viel Potenzial die, wenn man es schafft die klaren Stärken weiter auszubauen und vermehrt charismatische Shout-Refrains wie in „You Exist For Nothing” zu komponieren, das Zeug dazu haben in der Szene für viel Aufsehen zu sorgen.

ULTHA sind eine Live Band, die ihr CD Werk würdig auf die Bühnenbretter bringt! Verpasst es daher nicht, die Band bei einem ihrer vielen Live Gigs zu erleben.

4.12. Mannheim
5.12. Straßburg
15.1. Gießen
16.1. Braunschweig
Mehr Infos gibt es im Netz unter http://ultha.bandcamp.com

 

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Bildquellen

  • Ultha: www.amazon.de

Blues Mike

Als ich 12 war, gab mir ein Freund die Nummer des Teufels. Unter dieser Nummer meldete sich sein Assistent, der Meister der Puppen. Er sagte mir, dass es Rost im Frieden gibt und ich fortan mit meiner Gitarre um Gerechtigkeit für Alle kämpfen sollte!

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